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Die Welt · 1900-08-10 · 32 (10.8.1900) · p. 8

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
32 (10.8.1900)
Article
Ein Hilfscomité für die Auswanderer in Budapest
Date
1900-08-10
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 ,Die £ Welt" Nr. 32 beförderung und Landung der Emigranten entgegenstellen, zu beseitigen. Zu diesem Zwecke steht das Htlfscomite mit den ausländischen und überseeischen Behörden in ständiger telegraphischer Verbindung, und es ist zu hoffen, dass diese Verhandlungen mit den Behörden alsbald zu einem befriedigenden Abschlüsse gelangen werden. In peeuniärer Hinsicht ist Tür die Beförderung der Auswanderer bereits jetzt, auf's beste gesorgt, indem die Collecte, die das Comite in Ungarn eingeleitet hat, bisher ein Ergebnis von 110.000 Kronen aufzuweisen hat. In Budapest herrscht über das mehr als sonderbare Vorgehen der Wiener „Allianz" allgemeine Entrüstung, und zwar nicht bloss in jüdischen Kreisen. Der Wuthausbruch eines Budapester Antisemitenblattes. Aus Anlass der Geldsammlungen, die in ganz Ungarn zugunsten der rumänischen Auswanderer veranstaltet werden und an denen sich auch Christen betheiligen, leistet sich „Alkotmany". das Organ der clerical-antisemitischen Volkspartei, die folgenden Expectorationen : „Was bedeutet es, dass in drei Tagen tausende von Kronen in den Rachen einer Horde geworfen werden, die ihr Land verlassen hat, während tausende von Ungarn, die nach Amerika auswandern, nicht beachtet werden und nicht einmal ein Hahn nach ihnen kräht. Die ungeheure Menge der Juden von Budapest schlägt sich in die Brust und berühmt sich, gut patriotisch zu sein: warum geben sie denn so enorme Summen für einige vagabundierende Juden? Welcher Mangel jeglichen Schamgefühls, tausende von Kronen, die vom ungarischen Volke so schwer erarbeitet worden sind, zu sammeln und einigen unwürdigen Juden zu geben, die vor ehrlicher .Arbeit fliehen. Wir wiederholen von neuem : Jagt diese Idioten aus dem Lande hinaus: wir haben schon genug der Blutsauger und Licitationshyänen, der Makler, Hosenhändler, Geldwechsler, Wucherer und Polypen." Oesterreichisch-ungarische Grenzsperre. Der österreichisch-ungarische Gesandte in Bukarest, Markgraf Pallavicini, hat dieser Tage der rumänischen Regierung eine Note des österreichisch-ungarischen Ministerium des Aeussern überreicht, in welcher die Mittheilung enthalten ist, dass die österreichische und die ungarische Regierung künftig den jüdischen Auswanderern nicht mehr den Uebertritt der österreichischen und ungarischen Grenze gestatten weiden. Zurückkehrende Auswanderer. Freitag, den 3. d. M., sind mit einem Separatzuge S!) Auswanderer nachjassy, 147 nach Piatra Neamtz, 233 nach B r a i 1 a , 190 nach G a 1 a t z, 8 nach Fokschan und 5 nach B er lad zurückbefördert worden. Die nach Bukarest zurückkehrenden Auswanderer, die weder Wohnung, noch Einriehtungsgegenstände haben, da sie alle ihre Habseligkeiten vor ihrer Auswanderung verkauft hatten, schlafen in den Höfen der Synagogen und bei ihren Freunden. Täglich wird ihnen Essen gebracht, Brot, Käse, Thee und verschiedenes Grünzeug. Ein Theil dieser Juden streift in den Strassen umher, um Arbeit zu suchen. Boycott gegen die Juden in Rumänien. Aus Bukarest berichtet man, dass die Antisemitenliga in vielen Orten Rumäniens am 4. d. M. Massenmeetings veranstaltete, in denen eine Resolution gefasst wurde, wonach über alle Juden, die ausgewandert waren, jedoch wieder zurückgekehrt sind, der Boycott verhängt werde. Man dürfe ihnen weder Speise noch Getränke mehr verkaufen. Der rumänische Minister des Innern forderte die Behörden auf, die Boycottbewegung zu unterdrücken. und dass ferner Schritte unternommen worden sind, den jüdischen Cultusgemeinden eine bessere Pflege der jüdischculturellen Interessen zu ermöglichen, hat vollständig hingereicht, um die Antisemitenliga zur Mobilisierung ihrer agitatorischen Kräfte zu veranlassen. Vorläufig wird man sich auf die Veranstaltung von antisemitischen Meetings beschränken, auf denen gegen die „Begünstigung" der Fremden protestiert werden soll. Gleichzeitig führt aber die als Organ'der Antisemitenliga berüchtigte „Apararea Nationala", deren Leitung jetzt der gewesene Cultusminister Dr. Istrati offen übernommen hat, eine so rüde Sprache der Drohungen, dass daraus sehr wohl auf die Absicht terroristischer Einschüchterungsversuche geschlossen werden kann. Es steht zu befürchten, dass, wie die Verhältnisse in Rumänien nun einmal liegen, diese terroristischen Versuche ihren Zweck erreichen werden. Die Aussichten der Emigranten in Canada. Man schreibt der „Frankfurter Zeitung" aus Montreal: „. . . Die Einwanderung der Emigranten in Canada kann auch ohne genügende Geldmittel stattfinden, sofern die Betreffenden nicht geradezu Criminelle, Irre oder solche sind, deren Existenz von den Behörden bestritten werden müsste: sonst denkt man in diesem Lande, welches eine starke Einwanderung sehr benöthigt, viel liberaler als unsere Nachbarn, die ihrer Meinung nach in diesem Punkte schon an einem embarras de richesse zu leiden beginnen und alle unerwünschten Elemente aus dem einen oder anderen Grunde als mit dem sehr dehnbaren Einwanderungsgesetze collidierend, einfach auf Kosten der betreffenden Dampferlinien nach den Abfahrtshäfen zurückbefördern lassen. Also Schwierigkeiten in dieser Beziehung würden die rumänischen Juden hier nicht zu bekämpfen haben, das Landen gestattet man ihnen ohne weitere Formalitäten, es muss jedoch im Interesse derjenigen, die hierherkommen wollen, ausdrücklich bemerkt werden, dass in der Hauptsache nur landwirtschaftliche Arbeiter und von weiblichen Einwanderern Dienstmädchen gebraucht werden, dass erstere theilweise nach Beendigung der Ernte stellenlos werden und sich über den langen Winter am Bahnbau etc., so gut wie es eben geht, durchschlagen müssen. Es gibt ja allerdings noch eine Menge freies Regierungsland im Nordwesten, 1H0 Acres per Person, aber um diese zu bewirtschaften, bedarf es nicht unerheblicher Geldmittel." Der vierte Congress. Montag den 13. August um 10 Uhr vormittags wird der vierte Zionisten-Congress in London eröffnet. Aus allen fünf Erdtheilen strömen die Abgesandten des jüdischen Volkes zum Congress herbei. Die täglichen Meldungen des Londoner Congress-Bureaus über die Ankunft immer neuer Gruppen von Delegierten sind so recht darnach angethan, einen jeden guten Zionisten mit Zuversicht und Genugthuung zu erfüllen. * Unsere Gegner sagen und schlagen uns alljährlich einigemale mausetodt. Und obschon wir auf jedem unserer Congresse von neuem glänzend den Beweis unserer ungebrochenen, unversiegbaren Lebenskraft erbringen, unterlassen sie es nicht, uns immer wieder lodtzusageti und lodlzuschlagen. Sie werden heuer noch viel gründlicher Lügen gestraft und zuschanden werden als in den früheren Jahren. Das Ministerium Carp und die Antisemiten. Die Berufung des Ministeriums Carp hat, wie man aus Bukarest berichtet, die rumänischen Antisemiten in grosse Aufregung versetzt. Zwar ist ein Versuch zur radicalen Lösung der Judenfrage im Sinne der Rechtsgleichheit unter den gegebenen Verhältnissen in Rumänien einfach unmöglich, ohne zur Revolte und zum gewaltsamen Sturz einer jeden Regierung zu führen, und der neue Ministerpräsident ist viel zu sehr Realpolitiker, als dass er durch ein radicales Vorgehen seine Position gefährden und sich somit selbst der Möglichkeit berauben sollte, überhaupt etwas zur Verbesserung der Lage der Juden zu thun. Allein schon die Nachricht, dass die neue Regierung die Präfecturen angewiesen hat, das Freizügigkeitsrecht der Juden zu wahren, In der That, die Berichte, die auf dem Londoner Congresse über den Stand und das Wachsthum des Zionismus in allen Ländern der Diaspora erstattet werden sollen, sind geeignet, die strotzende Lebensfülle und tief wurzelnde Gesundheit unserer Bewegung eclatant darthun. Mit ungünstigeren Verhältnissen hat eine nationale Bewegung Kaum je zu kämpfen gehabt: Der Zionismus hat die Ungunst der Verhältnisse spielend niedergekämpft. Das werden namentlich die Abgesandten aus dem Transvaal bestätigen können. Die zionistische Gruppe in Johannesburg löste sich im abgelaufenen

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