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Die Welt · 1900-07-27 · 30 (27.7.1900) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
30 (27.7.1900)
Article
Die hebräischen Schulen in Jaffa [Kommentar]
Date
1900-07-27
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 30 ,Die $e Welt" Seite 13 für die Schule ausgeworfen hatte, auf sie verwenden musste. Als nun der Abgesandte des Odessaer Comites, Herr Ginzberg (Achad-Haam), aus Palästina zurückkehrte, berichtete er, dass die Schule in Jaffa eine Schule wie jede andere jüdische Elementarschule sei; denn die Juden von Jaffa haben wegen ihrer Armut durchaus nicht die Absicht, ihre Kinder in der hebräischen Schule in der Kenntnis der hebräischen Sprache und Literatur auszubilden — wie diejenigen annehmen, denen das Institut wert ist — sondern die Zöglinge verlassen die Schule entweder nach Absolvierung der unteren Jahrgänge oder, wenn sie auch alle Jahrgänge durchmachen, so ergreifen sie später den kaufmännischen oder einen anderen Beruf und vergessen das bisschen Hebräisch, das sie in der Schule gelernt haben. Deswegen schlug Herr Ginzburg vor, dass das Odessaer Comite der Knabenschule in Jaffa die Subvention entziehe, da die „Alliance israelite" das Institut gern übernehmen werde, ohne den Lehrplan zu ändern. Hingegen solle das Comite seine Unterstützung unter gewissen Bedingungen der Mädchenschule zuwenden. Das Comite gieng auf diesen Vorschlag nicht ein, subventioniert vielmehr die Anstalt weiter mit 400O Francs jährlich, hat aber beschlossen, diese Subvention in keinem Falle zu erhöhen. Daraus ist ersichtlich, dass der Jeremiaden-Sänger aus Jaffa im Unrechte ist, wenn er behauptet : „Diese Schulen sind von den Zionsfreunden geschlossen worden". Die „Zionsfreunde" unterstützen die Schulanstalt nach wie vor, sie wollen ihr bloss nicht eine um ungefähr 10.000 Francs höhere Subvention zuwenden, als die bisherige war." 'Jüdische JfiteFatui3. „Ahasver". Unter diesem Titel ist im Verlage von Siegfried Cronbach in Berlin ein Roman in vier Büchern erschienen, dessen Autor unser Mitarbeiter Robert Ja ff e (Max Aram) ist. Der Stoff ist dem jüdischen Leben der Gegenwart entnommen. Wir behalten uns eine ausführliche Würdigung dieses beachtenswerten Buches vor. Jahresbericht der Theologischen Lehranstalt in Wien. Soeben ist der VII. Jahresbericht der Israelitisch- Theologischen Lehranstalt in Wien für das Schuljahr 1899/1900 erschienen. Das Büchlein enthält eine interessante Programmarbeit, nämlich eine vom Lector M. Fried m a n n nach einem vaticanischen Manuscript veranstaltete Edition zweier seltener Midraschim: des Seder Eliahu rabba und des Seder Eliahu zuta. die gewöhnlich unter dem Sammelnamen „Tana d'be Eliahu" angeführt werden. Um den Lesern, die mit dem Wesen des Midrasch-Schriftthums nicht vertraut sind, einen Begriff von dem Inhalt des „Tana d'be Eliahu" zu geben, citieren wir hier, was Z u n z über den Seder rabba sagt: „Der Seder rabba, aus 31 Capiteln bestehend, verbreitet sich in einem fliessenden, wortreichen Stile über die mannigfaltigsten Gegenstände: bald werden Gesetzesvorschriften erläutert, bald ganze biblische Abschnitte ausgelegt und mit Anwendungen bereichert. Schilderungen des schönen Loses der Tugendhaften und Treuen wechseln mit Gebeten, Klagen und Tröstungen ab. Am öftesten wird Busse, Almosenspendung, milde Gesinnung, andächtiges Beten, Pünktlichkeit in der Beobachtung des Gesetzes, fleissiges Studium in dem Lehrhause, Ehrfurcht vor den Gelehrten, Demuth und Vermeidung nichtjüdischer Gebräuche eingeschärft. Sehr nachdrücklich tritt der Verfasser gegen Uebervortheilung eines Nichtjuden auf." Lazarus' „Ethik" in englischer Sprache. Der erste Band der englischen Uebersetzung des Meisterwerkes von Lazarus: „Die Ethik des Judenthums", die die „Jewish Publication Association" in Amerika herausgibt, ist vor kurzem erschienen. Die Uebersetzung ist eine wohlgelungene. Sie stammt aus der Feder des Fräuleins Henriette S z o 1 d. Die jüdischen Zeitschriften in Amerika beschäftigen sich in eingehenden Essays mit dem Werke, und zwar durchweg in höchst anerkennender Weise. — Auch eine russische Uebersetzung der „Ethik" wird in nicht zu ferner Zeit erscheinen. Eine hebräische und französische dürfte bald nachfolgen. Feuilleton. Die Schwestern. Erzählung von S. Gordon. (Nachdruck verboten.) L Der Laden befand sich genau im Mittelpunkte der Stadt. Das konnte man mit fast mathematischer Genauigkeit bestimmen, denn der kleine Ort bestand aus einer einzigen Strasse, welche bei dem Laden begann, einige grosse Schritte nach rechts, ebenso viele oder so wenige nach links machte und dann plötzlich aufhörte. Zillah war. wie gewöhnlich, auch jetzt im Laden thätig, dass heisst, sie sass hinter dem Ladentische, in ihr Buch vertieft, während Jeiteles, der Bursche für alles, die Kunden bediente und ihr das Geld einhändigte, das sie nie nachzählte. Denn Zillah that nichts als lesen — nicht etwa die einheimischen Erzeugnisse der Jargonliteratur, sondern wirkliche deutsche Romane von Franzos, Marlitt und Spielhagen. Als sie neun und ihre Schwester Salka sieben Jahre alt war, hatte man die beiden Kinder zu ihrem Onkel, einem wohlhabenden Kaufmanne in einer Provinzhauptstadt Ostpreussens geschickt, damit sie dort etwas Unterricht genössen. Salka wollte nach den ersten Ferien nicht mehr zu ihrem Onkel zurückkehren, denn sie hatte die ganze Zeit über furchtbares Heimweh gehabt; nicht einmal das Versprechen ihrer Cousinen, sie in Zukunft immer nur mit dem schönen Namen Rosalia anzusprechen, konnte sie bewegen, wieder zu kommen. Zillah aber kehrte immer wieder zurück, bis sie sechzehn Jahre alt geworden war: sie sah nicht den schweigenden Widerspruch in den Augen ihrer Eltern, nicht die unausgesprochene Mahnung, dass es nun endlich an der Zeit wäre, an ihrem Herde heimisch zu werden. Als endlich triftige Gründe ihre Anwesenheit verlangten, blieb sie wohl zuhause, aber ihr Herz verzehrte sich dabei in Unzufriedenheit. Die Krankheit ihrer Mutter hatte Zillah in das öde Grenzstädtchen zurückgerufen, wo sie nun ein obscures Dasein führte, gerade als ihr die Augen aufgegangen waren für die mannigfachen Freuden und Herrlichkeiten der Aussen weit — als ihr Ohr den lauten Wied erhall ihres tausendstimmigen Lachens aufzufangen, ihre Seele die Lebensfreude zu fühlen begonnen hatte, welche ihre ruhigen Mädchenjahre mit einer leisen Vorahnung zukünftiger Wonnen erfüllte. Und nun musste sie das alles hinter sich lassen : aber eine köstliche Schmuggelware, die Erinneiung daran, nahm sie in ihre Gefangenschaft mit. Im Gefängnisse altert man rasch : nach drei Monaten war sie zum Weibe gereift, und der Phantasie des Weibes, welcher die Mädchenträume stärker und heftiger erschienen, war all das noch viel begehrenswerter, viel verlockender wegen der eisernen Beschränkung, die ihr junges Leben einengte. Nicht fünfzig Schritte vom Hause entfernt, erhebt sich das vergitterte Grenzthor, hinter dem Tag und Nacht die Bajonnette der Schildwache blitzten und gierige Schweisshunde verzweifelt bellten. Und jenseits davon lag das Wunderland, aus dem sie verbannt worden war, an das sich die Freuden eines

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