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Die Welt · 1900-07-20 · 29 (20.7.1900) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
29 (20.7.1900)
Article
Prag [Nachricht]
Date
1900-07-20
Page
16 (sequence 1)
Language
German
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Seite 16 „Die 2$ Welt" Nr. 29 Mittheilungen des Actions Comites. Alle Zuschriften sind an das Secretariat des Congress-Bureaus, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Oesterreich-Ungarn. Prag. Allenthalben macht sich unter den Prager Juden der Einfluss der zionistischen Propaganda bemerkbar. So wurde hier von den Zionisten eine V'orschusscasse gegründet, die seit dem lö. Juni d. J., wo sie ihre Thätigkeit aufnahm, schon;><).<)<)<> Kronen an kleine jüdische Leute, verliehen hat, die sich mit den kleinen Beträgen werden aufhelfen können und so dem Bettel nicht verfallen werden. Wenn dieses Institut nur hundert Existenzen jährlich das Fortkommen ermöglichen wird, so hat es mehr geleistet, als sehr viele Wohlthätigkeitsvereine, die mit soviel Eclat ins Leben gerufen worden sind. Noch ein anderes Ereignis markiert das zionistische Leben unter den Juden Prags. Es ist soeben ein jüdischer Gesangs- und Musikverein ins Leben getreten, der, kaum Ii Tage alt, probeweise einen Unterhaltungsabend gab. wo es sich zeigte, dass er ein wichtiger Factor im jüdischen und zionistischen Lehen bilden wird, denn er bietet allen anständigen jüdischen Elementen einen Boden, wo sie sich ohne Rücksicht auf ihre politische oder auch nationale Sympathie zusammenfinden können. Es herrscht die vollständige sprachliche Gleichberechtigung, und werden auch seine Veranstaltungen keineswegs jene horrenden Summen verschlingen, wie so manche bekannte Elite- Kränzchen und Bälle. Die Darbietungen, welche wir am ::<>. v. M. zu Gehör bekamen, waren recht gediegen. Die Unterhaltung und Tanz dauerte bis zum lichten Tage. Der Obmann Dr. M.Kohn hielt die Eröffnungsrede. Er "meinte, «lass wir infolge unserer Inteligenz doch ganz vortrefflich geeignet sind. Sang. Alusik und Geselligkeit zu pflegen. Dadurch weide auch unser Gemeinsamkeitsgefühl neue Nahrung finden. Seine Rede fand lebhaften Beifall. Czernowitz. (Jüdisches Volksfest.) Sonntag den ±\: v. M. fand auf der überaus schön geschmückten Göbelshöhe das Volksfest des Vereines ,Zion* statt und nahm einen recht prächtigen, vornehmen Verlauf. Das Comite, in dem die Mitglieder der hier im besten Ansehen stehenden akademischen Verbindung „Hasmonea" wohl die rührigsten Mitarbeiter waren, gab sieb, die erdenklichste Mühe, das vollständige Gelingen des Festes herbeizuführen, und das vortreffliche Animo, das beim Feste herrschte, und noch mehr der befriedigende Reinertrag, der einem so wohlthätigen Zwecke, der Gründung eines Jüdischen Ferienheims, zugeführt wird, sind als recht schöner Erfolg der grossen Mühe und Anstrengung zu befrachten. Das Fest nahm um ö Uhr nachmittags seinen Anfang. Gleich am Eingange überraschte wohlthuend jeden jüdisch Fühlenden eine bei Festlichkeiten ungewöhnliche Aufschrift in jüdischen Lettern in blau-weisser Umrahmung: Jüdisches V'olkstest! Aut der oberen Terrasse concertierte die Kapelle des 4L Infanterie-Regimentes, die viele jüdische Weisen spielte. In den herrlich, zumeist blau-weiss geschmückten Pavillons verkauften reizende Damen. Besonderes Interesse erregten das H u s m o n e a e r - Z e 11, in dem Colonialwaren verabreicht wurden, das Tivoli zum lustigen Sextett und das C o r i a n d o 1 i - S c h i ff. Aut* der unteren Terrasse gab eine jüdische Theatergesellschaft Vorstellungen. Recht nett gestaltete sich das von Dr. Philipp Menczl redigierte F e s t b 1 a 11, mit einem warmen Appell für das Jüdische Ferienheim an leitender Stelle: Schmutzige Judenkinder. Kss. Frankreich. Paris. Es sind kaum acht Tage seit der letzten Conferenz von Dr. Nordau verflossen, und schon wieder haben wir von einer zionistischen Versammlung zu berichten, die der Verein „Dorsche Zion" einberufen und die zu einer imposanten Kundgebung sich gestaltete. Mehrere hundert Personen hatten sich diesmal eingestellt, um sowohl die Rede Dr. Max Nordaus zu hören, als auch die 1 Jelegations-W'ahl für den IV*. Congress vorzunehmen. Da jedoch viele unter dem Publicum zum erstenmale einer zionistischen Versammlung beiwohnten, wandte sich Doctor N o r d a u vorerst an diese, um ihnen den Begriff „Zionismus" zu erklären. Das W ort sei zwar neu — bedeutete ihnen Dr. Nordau — denn es sei erst vor <S—'.) Jahren gemünzt worden, aber die Sache selbst so alt wie das Golus. Die Juden hätten nämlich jederzeit den Herzenswunsch gehegt, ihren Tempel wieder aufgebaut und das Volk auf dem Boden der Väter wieder vereint zu sehen. Zionisten seien auch alle jüdischen Dichter des Mittelalters gewesen. Erst seit Mendelssohn und seiner berühmten Reform sei dieses Zionsideal verschwunden, um heute im modernen Zionismus wieder aufzublühen, welche in moderneForm zu kleiden sich bestrebt, was bisher als religiöse Emotion und als Sehnsucht in der Herzenstiefe des jüdischen Volkes gelebt hat. Auf die Assimilations-Bestrebungen hindeutend, bemerkt der Redner, dass angesichts der antisemitischen Verfolgungen und .Gehässigkeiten der jüngsten Zeit kein denkender Jude sich wohl noch dem Wahne hingeben könne, dass er im Geburtslande eine endgiltige Heimat gefunden, die ihn vollständig adoptiert hätte. „VVas thut also das Judenthum"- — ruft er aus — „um den stiefmütterlich Behandelten und zur Auswanderung Gezwungeneu zu helfen? Man schenkt Almosen, gibt gute Worte, und die officiellen Juden bringen sogar alle möglichen Opfer . . . aber nur um ihre Brüder von sich fernzuhalten und ihre Invasion bei sich zu verhindern. Das ist alles. Ja, wäre der Zionismus heute schon so weit, dass er über genügende Geldmittel, Vereine und sonstige Organisationsmittel verfügt hätte, dann würde er den rumänischen Emigranten auch Führer, Rathgeber und Unterstützer darbieten können. Dahin müsse also unser Bestreben gehen, all diese Mängel zu ersetzen, um in Zukunft von einer neuen Katastrophe nicht überrumpelt zu werden." Dr. Nordau schliesst seinen Vortrag, indem er auf die Wichtigkeit der Wahlen für den IV. Ccngress hinweist und hervorhebt, dass wir auf niemand anderen, als auf uns selbst zu rechnen haben, uns wehren und straff organisieren müssen, unseren Willen vereinigen sollen, um den Beweis zu erbringen, dass wir den Zusammenschluss nach langer Zerstreuung wiedergefunden. Nach einer kurzen, aber gediegenen Ansprache des Herrn Dr. Alexander Marm o r e k wurde zur Wahl geschritten. Als erster Delegierter für Paris ist unser tapferer Vorkämpfer Dr. Nordau unter grossem Enthusiasmus gewählt worden. H. G. England. London. Die „Juvenile Beacon Zionist Brauch" des „Order of Ancient Maccabeans* wurde vor zehn Monaten in England gegründet und ist eine Jugend-Wohlthätigkeits- Institution mit zionistischen Tendenzen. Ein wöchentlicher Mitgliedsbeitrag von :iV2 d. wird eingehoben, wovon ein Halpfenny dem National- und Propaganda-Fonds zufiiesst; die Schekelgelder werden daher für die einzelnen Mitgliedern aus diesem Fonds entrichtet. Wöchentliche Vorträge und Debatten über Zionismus und allgemeine Themen über das Judenthum, von hervorragenden Personen abgehalten, fördern das Interesse zur Sache. Weiters wurden vor circa ü Monaten hebräische Unterrichtscurse zum Studium des Hebräischen als Umgangssprache eingerichtet, die unter der ausgezeichneten Leitung des hebräischen Gelehrten und Präsidenten Bro. E. Ish.- Kishor die günstigsten Resultate und Fortschritte erzielen. Auch ist die' Einrichtung von Turn- und Schwimmeursen im Zuge. Ein gewisser Betrag soll in Actlen der Jüdischen Colonialbank angelegt werden. Zugunsten des National-Propaganda-Fonds wurden mehrere Concerte veranstaltet, die einen Ertrag von Pf. 35.— (circa K 840.—) erzielten. Das letzte dieser Concerte wurde im Lolesworth Club, Commercial Street E., abgehalten, wobei ein reichhaltiges und gutes Programm vor einem sehr zahlreichen Auditorium entfaltet wurde. — D*er Chairman Bro. E. Ish. Kishor, G. P., begrüsste die Versammelten und forderte dieselben zur energischen Unterstützung der zionistischen Bewegung auf. Hierauf sprach Bro. J. Hochman, Hon.-Prastde.at, und schlo.-ss mit der Auffordung, sicli den „Mnccabean Joreei* anzuschliessen, um dadurch zur Erreichung des Ziele-; des Zionismus mitzuhelfen. Das Protokoll des III. Zionisten-Congresses ist durch das Bureau des Zionisten-Congresses, zum Preise von 40 kr. excl. Porto zu beziehen. IX., Türkenstrasse 9, In Abwesenheit des Dr. Isidor Marmorek für die Redaction verantwortlich: M. Hermann. — Buchdruckerei „Industrie* (S. Bergmann), Wien, VIII., Schlösselgasse 11.

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