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Die Welt · 1900-07-20 · 29 (20.7.1900) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
29 (20.7.1900)
Article
Bekanntmachung
Date
1900-07-20
Page
9 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 29 ,Die 2§s Welt" Seite 9 Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Golonialbank) Limited. London, den lü. April 19UO. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage des Directoriums wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenten folgende Zahlungsbedingungen in Kraft treten: Entweder a) 20% hei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Mitlheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine definitive Actie circa 14 Tage nach Avis der Zahlung der restlichen 80% bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) Vollzahlung des Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Avis der Vollzahlung. Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Acticn bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. Tribüne. Wir werden um Veröffentlichung der nachstehenden Zuschrift ersucht: Folgenden Vorfall mögen sich die Polen mosaischer Confession ins Notizbuch schreiben : Am \± d. M. begab ich mich mit meinem Neffen, einem Kinde von 11 Jahren, ins V. Gymnasium hier, um ihn in die erste Classe einzuschreiben. Aus den localen Zeitungen hatte ich nämlich erfahren, dass die Einschreibungen am 12., i:i. und 14. stattfinden. Aber wie erstaunt war ich, als man auf meinen Wunsch antwortete, die Liste wäre schon überfüllt (sie!). man könne daher keine Kinder aufnehmen. Dieser Einwand hinderte jedoch den Herrn Professor keineswegs, einige n i c h t j ü d i s c h e Kinder, deren Eltern mit mir zugleich erschienen waren, ohneweiters einzuschreiben. Ich war natürlich sehr entrüstet, drohte mit den Zeitungen, aber es half nichts. „Wenn Sie mit den Zeitungen oder mit dem Schulrathe beginnen, umso schlimmer für Sie!" lautete die lakonische Antwort. Ich begab mich nun in ein anderes Gymnasium (ins III.), in der Hoffnung, das Kind werde hier aufgenommen werden. Aber auch hier bekam ich dieselbe Antwort zu hören. Im IV. Gymnasium antwortete man mir offenherzig, dass keine Juden mehr angenommen würden, da das Gymnasium auch so schon verjudet wäre. Nach langem Herumsuchen gelang es mir eine Protection zu bekommen. Ein mir gut bekannter liberaler Advocat gab mir einen Brief an den Gymnasialprofessor K., worin er ihn bat. sich zu bestreben, dass das Kind aufgenommen werde, er würde ihm so dankbar sein, als gelte es sein eigenes Kind. Was mir der Herr Professor zur Antwort gab? Je nun, er sagte, er könne das Kind beim besten Willen nicht protegieren, da es jüdischer Confession sei. Ich müsste es vorerst tautVn lassen, was doch ohnehin sehr löblich wäre .. . u. s. w. Kaum vermochte ich an mich zu halten. Ich verliess den Proselytenmacher und schrieb das herumgehetzte Kind im hiesigen deutschen (II.) Gymnasium ein. Wir sind „freie" Bürger eines „freien" Staates, wir zahlen grosse Steuern — und unseren Kindern sind dio Thore der Schulen versperrt. Welcher Ausweg bleibt uns noch übrig? Wenn wir nicht Zionisten sein wollen, was sind wir? Diese Frage mag ein jeder rechtschaffene Jude sich bestreben, zu beantworten. Indem ich Ihnen für die Veröffentlichung dieser Zeilen bestens danke, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss L'emberg, 15. Juli 1900. Moses Rohatyn. Weltchronik. Maimonides und der zionistische Gedanke. Unsere Freunde, die Herren Protest rabbin er. wollen uns weis machen, dass die planmässige Rückkehr nach Palästina dem jüdischen Geiste widerspreche, und citieren einige stereotype, aus dem Zusammenhange gerissene Stellen aus dem Talmud, um ihre Haltung zu rechtfertigen. Diesen Spiegelfechtereien gegenüber ist es am Platze, darauf Innzuweisen, wie die grösste jüdische Autorität seit, dem Abschlüsse des Talmud, Moses M nimoni d e s, sich zu dieser Frage verhält. Ein Freund unseres Blattes. Herr A. H. G. (Lodz), macht uns auf Abschnitt r> der Bestimmungen über die Könige im Buche „Jad Hachasakah" aufmerksam, wo in den Absätzen 9 bis 1:2 Maimonides sich in ganz unzweideutiger Weise — wie es ja ganz selbstverständlish ist — als Zionisten äusserster Richtung bekennt: „Es ist verboten. Palästina zu verlassen, um für immer nach dem Auslande zu gehen." — ..Der Aufenthalt im Auslande ist nur im Falle grosser Hungersnoth gestattet." — „Die Frommen unseres Volkes pflegten beim Betreten des Heiligen Landes die Er.le zu küssen und die Steine liebevoll zu umarmen-. — „Immer bleibt es geboten, im Heiligen Lande zu wohnen, selbst in einer Stadt, welche mehr von Nichtjuden bewohnt ist, nicht aber soll man im Auslande bleiben, selbst in einem Orte, dessen Einwohner grösstentheils Juden sind. Denn wer Palästina verlässt, ist dem Götzendiener gleichgeachtet." Aus dem Kloster der Felicianerinnen in Krakau. Ein jüdischer junger Mann aus Galizien hat dem Berichterstatter eines Wiener Blattes folgende interessante Geschichte aus der Praxis der Krakauer Felicianerinnen erzählt: „Sowohl meine Schwester, als auch meine Tante Antoinette Mi 1 lio n waren sehr folgsame und anständige Mädchen. Die erstere war im Hause eines Advocaten in Lemberg in Dienst, letztere lebte im Hause ihrer Eltern in Husiat y n. Eines Tages lernten sie zwei junge Männer kennen. Aus der Bekanntschaft wurde in kurzer Zeit eine Liebschaft, und sonderbarerweise beredeten beide Männer die Mädchen, mit ihnen nach Krakau zu gehen. Sie wollten daselbst einen Posten suchen und die Mädchen dann heiraten. Beide Mädchen waren bereits so weit bethört, dass sie darauf eingiengen. Sie brannten mit ihren Liebhabern bei Nacht uud Nebel durch. In Krakau konnte sonderbarerweise keiner der beiden Männer einen Posten finden, und als die kleinen Ersparnisse der Mädchen aufgezehrt waren, riethen ihnen ihre Liebhaber, wieder vollkommen übereinstimmend, im Kloster der Felicianerinnen Zuflucht zu suchen, wo jüdische Mädchen Kost und Wohnung umsonst haben können. Da den armen Geschöpfen, die sich der äussersten Noth preisgegeben sahen, kein anderer Ausweg blieb, so suchten sie denn im Kloster um Unterkunft an, die ihnen auch gewährt wurde. Ihre Liebhaber aber waren von diesem Tage an für immer verschwunden. Einmal im Kloster der Felicianerinnen. können die Mädchen nicht mehr heraus, bis die Nonnen überzeugt sind, die aus ihrer Obhut Entlassenen würden gut christlich hloiben. Sind sie dessen bei einem Mädchen nach längerer Zeit nicht ganz sicher, so wird dasselbe zu einem tieistlichen als Wirtschafterin gegeben, der dann das fromme Werk der Bekehrung gewöhnlich mit Erfolg zu Ende führt. So geschah es meiner Tante. Sie wurde nach einigen Monaten aus dem Kloster entlassen und einem Geistlh-hen überlassen. Meine Schwester aber wurde an einen schwachsinnigen Arbeiter namens Z a z i c z k i aus P o d g o r z e bei Krakau verheiratet und lebt derzeit im tiefsten Elend, da ihr Mann infolge seines Schwachsinnes und seiner Trunksucht nichts verdient. In P o d g o r z e befindet sich eine ganze Colonie solcher Unglück-

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