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Die Welt · 1900-07-13 · 28 (13.7.1900) · p. 16

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
28 (13.7.1900)
Article
Dr. Herzl [Nachricht]
Date
1900-07-13
Page
16 (sequence 1)
Language
German
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Seite 16 „Die & Welt" Nr. 23 Mittheilungen des Actions=Comites. Alle Zuschriften sind an das Secretariat des Congress-Bureaus, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Dr. H e r z I hat eine auf mehrere Wochen berechnete Reise angetreten ur.d wird nicht vor dem 10. August in London eintreffen. Während seiner Abwesenheit sind Briefe und Telegramme, die sich auf Congress-Angelegenheiten oder die rumänischen Juden beziehen, an Dr. 0. Kokesch, Hof- und Gerichtsadvocat, I., Tuchlauben 17, zu adressieren. Durch russische Blätter geht die Nachricht, dass Dr. Herzl an den Rabbiner von Gyr ein Schreiben gerichtet hätte, worin er dessen Unterstützung für den Zionismus erbittet. Diese Milheilung ist unwahr. Einige deutsche BlätliT wissen zu berichlen, dass in den Schewuolh-Feiertagen in den Localitäten des Congressbureaus der Delegiertentag der zionistischen Handelsangestelllen stattgefunden hätte. Diese Meldung ist unwahr. Der Congrcss fand vielmehr im „Lloydhof", II. Praterstrassc 11, statt. Oesterreich-Ungarn. Nadworna. Am 16. Juni sprach Herr Löbl Taubes in unserem Vereine über „Zionismus und jüdische Cultur*. An der Versammlung nahm die hiesige Arbeiterschaft in Massen Iheil. Ihr Vertreter erklärte auch, an der Schekelsammlung sich betheiligen zu wollen. Der Schekel wird in Theilzahlungen, sogenannten Pischkos, eingezogen. — Am 23. Juni sprach Herr Mehr in der Synagoge über -Jüdische Cultur". - Deutschland. Breslau. Sonnabend den 30. v. M. fand in den Liebichschen Festsälen die Wahlversammlung der Breslauer Zionistischen Vereinigung statt. Mit allen abgegebenen Stimmen wurde Herr stud. phil. Hugo. Schachtel gewählt, welcher auch seine Wahl annahm. Die Vereinigung stellt beim IV. Congress sieben, bei dem in London stattfindenden deutschen Delegierten tage mehrere Anträge. Die Zahl der Schekelzahler hat sich dieses Jahr wieder vermehrt. Breslau. Vor kurzer Zeit wurde in Breslau als Zweigverein der Zionistischen Ortsgruppe ein Agilationsredner- Club gegründet In dem Club, welcher jeden Montag tagt, wurden bis jetzt folgende Vorträge gehalten: Herr Doctor Dieneman und stud. Schachtel über den Ritualmord, stud. Kempinsky „Eindrücke eines polnischen Juden in Deutschland"*. Herr stud. Walter Stein itz über Nietzsche und seine Stellung zum Judenthum. Otto Cohn „Zionisten und Christen", Hugo Schachtel „Die politische Stellungnahme der Juden in Deutschland". Frankreich. Paris. Am 30. Juni sprach Dr. Max Nordau im Vereine „Mebassereth "Sion" über das Thema: „Die unmittelbare Nothwendigkeit des Zionismus". England. Edinburgh. Unter den Auspicien der Edinburgh Zionists* Association fand letzten Sonntag die feierliche Einweihung der zionistischen Lesehalle und Bibliothek statt. Die Ceremonie vollzog Rabbiner Jacob Rabinowitz. Russland. Lodz. Wenn auch, von unserer Siadt spärliche Mitteilungen hinausgelangen, so dürfte jedoch unsere wirksame Antheilnahme an der zionistischen Arbeit den eclatantosten Beweis dafür erbringen, dass unsere Stadt in der zionistischen Bewegung bei weitem nicht zurückgeblieben ist. Den zionistischen Gedanken vertreten mehrere Kreise. Diese Kreise recrutieren sich zumeist aus jungen Leuten, die sich zusammenfinden, um über zionistische Angelegenheiten Rath und klare Umschau zu halten und verschiedene Anträge einer eingehenden Discussion zu unterziehen. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet der Verkauf der Actien der Jüdischen Colonialbank; die Kreise bieten durch gemeinsames, harmonisches und zielbewusstes Wirken alles auf, um die Actien möglichst zu vervielfältigen. Auch der Propaganda wird die weitgehendste Aufmerksamkeit zugewendet, indem die Kreise jede Gelegenheit benutzen, um verschiedene Festabende, denen das nationale Gepräge aufgedrückt wird, zu veranstalten, Broschüren von zionistischer Färbung thunlichst zu verbreiten. Es gibt auch Kreise, die mehr einen akademischen Charakter haben, bei denen das gemeinsame Studium und Cultivierung der hebräischen Sprache und Literatur, die Abhaltung der einschlägigen Vorträge in den Vordergrund gestellt werden, die aber auch kein geeignetes Interesse für die praktische Seite des Zionismus an den Tag legen. Es erübrigt noch, der zionistischen Damenkreise Erwähnung zu thun; es existiert eigentlich nur ein Kreis, der loyal zum Banner der politischen Zionisten geschworen, der zweite steht nur auf nationalem Boden, ohnn sich zum Baseler Programme zu bekennen, doch herrscht auch da das zionistische Element vor. Am mächtigsten ergriff unsere Idee die Jugend. Der zionistische Gedanke füllt schon ein grosses Stück des Lebens der hiesigen Jugend aus, das zionistisch»» Thema in all seinen Variationen bildet ihren unerschöpflichen Gesprächsstoff. Die Nachricht, dass der zionistische Congress heuer in London stattfinden wird, bereitete den hiesigen Zionisten eine angenehme Ueberraschung. Allerortens wird die Erwartung ausgesprochen, dass der vierte Congress imposanter als die vorangehenden verlaufen wird. Lodz schickt sich an, eine beträchtliche Zahl Delegierter nach London zu senden, die Vorbereitungen sind schon im Gange. M. Jahrblu m. Holland. Rotterdam. Der „NiederländischeZionistenbund" gi ündete hier eine neue zionistische Ortsgruppe. Amsterdam. Herr Dr. T. L e w e n s t e i n, Oberrabbiner im Haag, der schon im Jahre 1891 für den Zionismus eifrig gekämpft hat, ist neuerdings dem „Niederländischen Zionistenbunde* als Mitglied beigetreten. Amerika. Chicago. Der Verein „Western Star*, der über 4000 Mitglieder zählt, beschloss in der sechsten zu Chicago abgehaltenen Jahresversammlung, sich dem Zionismus anzuschliessen und das Baseler Programm zu acceptieren. Die Herren Leon Zolottkoff und Dr. R. L. Halperin haben das Verdienst, diesen Beschluss herbeigeführt zu haben. Afrika. Das Secretariat des Actions-Comites erhielt folgenden Brief: Fez, 29. Juni. Im Besitze Ihres werten Briefes, sowie- Ihrer Drucksachen, beehren wir uns, Ihnen zu antworten r. Wir haben sofort die Schriften vertheilt; jedermann iste erstaunt, aber auch sehr zufrieden. Vom Zionismus hat man. bisher nichts gewusst. Zweitellos werden sich alle Juden, anschliessen. Die Geschäfte gehen jetzt sehr schlecht ini Marokko. Es herrscht allgemeine Stagnation. Nicht genug daran, stiess uns gestern früh 10 Uhr folgendes Unglück zu. Ein Jude, ungefähr 30 Jahre alt, Angestellter der Firma Rraunschwig in Fez, ritt gestern zu seinem Geschäfte. Einem Neger gefiel das nicht und er begann den Juden zu insultieren. Als er sich zur Wehre setzte, ergriff der Neger einen Stock und schlug ihn fürchterlich. Bald sah sich der Jude von tausenden von Arabern angegriffen, und um sich zu i-etten, feuerte er einen Revolverschuss ab. Daraufhin schnitt man ihm einen Fuss ab, stach auf ihn mit Säbeln und begoss ihn mit Petroleum, gab noch Stroh hinzu und zündete das Ganze an, so dass der Anne jämmerlich verbrannte. In diesem Momente stürzten sämmtliche jüdische Markthändler herbei, aber die Araber trieben sie mit Steinen zurück. O, unsere Brüder! Welche Leiden, welche Martern! Der Leichnam wurde um 6 Uhr abends eingeschart, wobei 20 bewaffnete Soldaten zugegen sein mussten; das Thor unseres Viertels blieb gestern den ganzen Tag gesperrt. 60 Soldaten bewachten uns gestern die ganze Nacht und auch heute sind sie noch da. Die Witwe ist rasend, man sucht sie zu trösten, aber was nützt das? Sie ist ihres Ernährers beraubt! Welcher Schmerz! Herausgeber und verantw. Redacteur: Dr. Isidor Marmörek. — Buchdruckerei „Industrie* (S. Bergmann), Wien, VIII., Schlösselgasse llf

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