Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 28 (13.7.1900)
- Article
- Der vierte Congress
- Date
- 1900-07-13
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 JMe 2$ Welt" Nr. 28 Sonntag den 12. August findet im botanischen Garten ein grossangelegtes Gartenfest statt Ausserdem veranstaltet das Comite Donnerstag abends nach Schluss des Congresses ein Abschiedsbankett Das Emplangs-Conüte hat Vorsorge getroffen, dass die Delegierten auf den verschiedenen Bahnhöfen würdig empfangen werden. Auch für Wohnung und rituelle Verpflegung ist bestens gesorgt worden. In allen diesen Angelegenheiten ertheilt die „English Zionist Federation", London \V. C, o Jessel Chambers, Chancery Lane, bereitwillig Auskunft. Aus Rücksichten der Arbeitsvercinfachung empfiehlt es sich, auf dem Couvert, das die Anfrage an die Föderation cinschliosst, den Inhalt dieser Anfrage (Wohnung, Verpflegung u. s. w.) anzugeben. Herr N. J. Livschitz, Buchhalter der Pinsker Creditgesellschalt in Pinsk, hat einen „Führerin hebräischer Sprache für die zum Congresse reisenden Delegier!en herausgegeben, dem ein Plan von London beigegeben ist Das Reinertrügnis des Büchleins ist zionistischen Zwecken gewidmet Der Preis betrügt 75 Kopeken. Es wird nochmals daran erinnert, dass särnmtliche Delegierten wählen bis zum 20. Juli beendet und bis zum 1. August nach London gemeldet werden müssen. Das Congressbureau in London befindet sich 14 Nicholas Lane. Telegrammadresse: Emancipist, London. \Zu Abraham Goldfadens sechzigstem Geburtstag. Am 8. Juli d. J. hat Abraham Goldfaden, der hervorragendste jüdische Volksdichter unserer Tage und Begründer des jüdischen Theaters, sein sechzigstes Lebensjahr vollendet. Aus diesem Anlasse dürften unseren Lesern einige Daten über das Leben und Wirken Goldfadens nicht unerwünscht sein. Abraham Goldfaden wurde am 11. Tamus 1840 zu Stara-Konstantinow in W olhynien geboren. Sein Vater war Uhrmacher und bestimmte ursprünglich auch unseren Abraham für dieses Handwerk. Infolge verschiedener Umstände musste er jedoch diesen Plan aufgeben und schickte seinen Sohn, nachdem dieser einige Jahre im „Cheder" jüdischen Elementarunterricht genossen hatte, in eine öffentliche Schule der Heimatsstadt und von da nach Sitomir. in die dortige Rabbin«r-Bildungsanstalt, Hier erschienen Goldfadens Erstiingsgedichte. die „Blumen und Blüten" (DTI121 D^ib) in hebräischer' Sprache und „Das Jüdele" im Jargon. Der letzgenannte Gedichtband hat zahlreiche Auflagen erlebt und wird noch jetzt viel gelesen. Nach Absolvierung der Rabbiner-Bildungsanstalt wurde Goldfaden Religionslehrer in Odessa, wo er sich im Jahre ISO'.) verheiratete. Nun trug er sich mit dem Gedanken, Kaufmann zu werden. Er nahm eine Stellung in einem grossen Handlungshause an, etablierte sich später selbstständig, konnte aber auf keinen grünen Zweig kommen. Im Jahre 1S75 gab er endlich den kaufmännischen Beruf auf und gründete mit Linetzky ein Jargonblatt in Lemberg, den „Jisroelik", von dem bloss IS Nummern erschienen, da das Blatt in Russland verboten worden war und sich daher nicht halten konnte. Ein Jahr darauf versuchte Goldfaden selbständig ein Jargonblatt herauszugehen, das ,Bukowiner israelitische Volksblatt", das aber ebenfalls bereits nach dem ersten Vierteljahre sein Erscheinen einstellen musste. Nun begann ein neuer Abschnitt in Goldfadens Leben. In J a s s y war s, wo er eine jüdische Sähgergesellschaft fand, und da kam er auf den glücklichen Einfall, mit diesen Sängern «in jüdisches Theater zu gründen. Viel Mühe und Verdruss musste er überstehen, ehe es ihm gelang, aus den Bänkelsängern Schauspieler zu machen; noch schwerer fiel es ihm, Schauspielerinnen zu aequirieren. Allein Goldfaden überwand alle Hindernisse, und im Jahre 1879 kam er mit einem wohleinstudierten Ensemble und einem ziemlich reichhaltigen Repertoire — särnmtliche Stücke hatte er selbst geschrieben! — nach Odessa und trat mit seiner Truppe im dortigen Mariansky- Theater auf. Er machte mit dieser seiner neuen Schöpfung, dem ersten jüdischen Theater, geradezu Furore, und das Haus -war stets ausverkauft. Nicht lange sollte indes die Herrlichkeit währen. Die russische Regierung inhibierte alsbald das jüdische Theater. Die besseren Schauspieler reisten nach Amerika und gründeten dort eigene Gesellschaften. Auch Goldfaden kam im Jahre 1887 nach Amerika, aber seine Theatergründungen schlugen dort fehl. Er warf sich daher wieder auf die Journalistik und gab die rNew-Yorker Illustrierte Jüdische Zeitung" heraus, der aber auch nur ganz kurze Dauer beschieden war. Im Jahre 1890 kam Goldfaden nach Paris mit einer neuen Theatergruppe, konnte aber nicht reüssieren. So verstrich wieder ein Jahr. Mittlerweile wurde in Lemberg eine Jargonbühne errichtet und Goldfaden wurde als Theaterdichter und artistischer Leiter berufen. Er leistete dem Rufe Folge, blieb einige Jahre in Lemberg und schrieb auch einige Stücke. Doch auch in Lemberg litt es ihn nicht lange. Im Jahre 1897 gierig er mit einer Truppe ' nach Bukarest. Hier schrieb er sein letztes Stück „Die Opferung Isaks" (Akedath Jizchak). Er hatte auch diesmal kein Glück. Und so sagte er dem jüdischen Theater Valet und machte sich in Paris ansässig, wo er seit dem Jahre 1897 lebt. Die Zeit ist noch nicht gekommen, über Goldfadens Thätigkeit als Bühnendichter und Componist ein abschliessendes Urtheil zu fällen. Aber soviel dürfte immerhin feststehen, dass Goldfaden ein echter und rechter Dichter ist — „von Gottes Gnaden". Urwüchsige Volkstümlichkeit ist das hervorstechende Merkmal seines Schaffens. Im übrigen hat auch er die Metamorphose der meisten jüdischen Schriftsteller des Ostens durchgemacht: die Wandlung von der Aufklärung, der sogenannten „Haskalah", zu der jüdischen Nationalidee und deren moderner Formulierung, dem Zionismus. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. London, den 10. April" 19Ü0. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage desDirectoriums wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenlen folgende Zahlungsbedingungen in Kraft treten: Entweder a) 20% bei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Miltheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine delinitive Acüe circa 14 Tage nach Avis der Zahlung der restlichen 80°/o bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) Vollzahlungdes Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Avis der Vollzahlung. Es wird eindringüch daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. Weltchronik. Die Ausfuhr von Landesproducten aus Palästina. Amtlichen Daten zufolge war der Export von Orangen aus Palästina im Jahre 1S99 geringer als im vorhergehenden Jahre, weil die Ernte nicht besonders günstig ausgefallen war. Im Jahre 1S9S wurden auf dem Hafen zu Jaffa 330.000 Kisten mit Orangen im Werte von S2.500 Pfund Sterling verladen, während der Export im Jahre 1899 sich bloss auf 310.000 Kisten im Werte von 77.000 Pfund Sterling belief. Wie es scheint, wird die Nachfrage nach Jaffaer Orangen