Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 27 (6.7.1900)
- Article
- Breslau
- Date
- 1900-07-06
- Page
- 16 (sequence 1)
- Language
- German
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Solle 16 „Die & Welt«* Nr. 27 Mittheilungeri des Actions Comites. Alle Zuschriften sind an das Secretariat des Congress-Bureaus, IX., Türkenstrasse 9, zu richten. Sprechsaal, Breslau. In ihrer Sitzung vom 30. Juni beschloss die „Breslauer Zionistische Vereinigung", nachstehenden Antrag ihres Vorsitzenden Hugo Schachtel beim IV. Zionisten- Congresse einzubringen: „Ein hoher Zionisten-Congress wolle: Durch eigene hierzu aus den einzelnen Landsmannschaften einzusetzende Commissionen begründen oder in der Begründung unterstützen und weiterhin durch Rath fördern, genossenschaftliche und gemeinwirtschaftliche Organisationen, und zwar: a) handelsgewerbliche, b) industrielle, c) landwirtschaftliche, nach Massgabe der Landesgesetze. Zum Zwecke I. der Vertretung der unmittelbaren wirtschaftlichen Interessen der Mitglieder: 1. durch Arbeitsbeschaffung, 2. durch Fürsorge zur Zeit der Arbeit, 3. durch Fürsorge zur Zeit der Arbeitslosigkeit, 4. durch Selbstproduction, 5. durch Absatz des Selbstproducierten, II. der Vorbereitung für den Zeitpunkt der Verwirklichung unserer Ziele: 1 o„v,.,i.,~~ a) in der Arbeit, 1. durch Schulung bj -n der Selbstverwaltung, 2. finanziell. Diese Organisationen sind rein auf dem Principe der Selbsthilfe aufzubauen. Sie unterstehen der Oberaufsicht des Aetions-Comites. Sie dürfen sich nicht mit der Politik ihrer Länder befassen. Ihr zu verzinsendes Vermögen ist bei der „Jüdischen Colonialbank" in London anzulegen. Oesterreich-Ungarn. Bielitz. (Jüdischer Turnverein.) Unter der bewährten Leitung des trefflichen Obmannes Herrn Director G o 1 d b e r g gewinnt unser Verein fortwährend neue Mitglieder. Dies kam bei dem am 24. d. M. veranstalteten Vereinsausfluge nach Ernsdorf am deutlichsten zum Ausdrucke. Die zahlreiche Gästeschar bewies, dass die Ueberzeugung von der Existenznothwendigkeit unseres Vereines in alle Schichten der jüdischen Bürger hier gedrungen ist. Die verschiedenen gelungenen Vorträge von den Fräuleins L. Markusfeld, Ch. Goldmann, J. Goldmann, den Herren Richter, Goldmai\n, Popp er und Gichner, fanden besonders beifällige Aufnahme. Eine Tanz Unterhaltung hielt die Gäste bis 11 Uhr nachts zusammen, wo dann bei Fackel- und Lampion-Beleuchtung der Rückweg angetreten wurde. Budapest Unser unermüdlicher Gesinnungsgenosse Herr Dr. A, R o n a i in Balazsfalva ist wieder eifrig an der Arbeit. Es ist kaum zu glauben, welche Schwierigkeiten Dr. Ronai zu überwinden hat. Da man gegen die Sache nichts einzuwen en hat, versucht man es mit Angriffen gegen die Person. Allein Dr. Ronai ist nicht der Mann, der eine Antwort schuldig bleibt Kürzlich schrieb er erst einen Artikel in dem Budapester „Jüdischen Tagblatt* unter dem Titel „Neologe Hinterlist", in welchem er das Treiben dieser Dunkelmänner gebürend schilderte. Zu bedauern ist nur, dass Dr. Ronai ausser seinen nächsten Freunden in Klausenburg, über deren Thätigkeit wir demnächst berichten wollen, nicht die entsprechende Unterstützung findet, Hie für eine gedeihliche Arbeit nothwendig ist. Hoffentlich werden diese Zeilen unsere Gesinnungsgenossen in Ungarn, an deren Adresse sie auch gerichtet sind, aus ihrer Lethargie aufrütteln. Russland. Moskau. Der Verein „Bnei-Zion" ist am 20. September 1884 in Moskau von stud. med. E. W. Tschlenow gegründet worden. Er bestand hauptsächlich aus Hochschülern und Hochschülerinnen verschiedener Hochschulen Moskaus. Als Aufgaben hat er t-ich gestellt: Erforschung, Entwicklung und Verbreitung der palästinensischen Idee, Erforschung und Mitwirkung in der palästinensischen Arbeit. Der Verein eröffnete eine vielseitige, energische Thätigkeit, indem er die besten Elemente der akademischen Jugend, die zur nationalen Gesinnung fähig waren, gewann. In seiner fortwährenden Entwicklung hat der Verein in seinen besten Zeiten auf den Sitzungen bis hundert und mehr Theilnehmer gezählt. Doch war die Zahl der wirklichen Mitglieder niemals gross, denn die meisten traten in den Verein als „beständige Besucher (Theilnehmer)" ein, und nur die Eifrigeren und Hingebenderen wurden zu Mitgliedern gewählt. Natürlich war bei dem grösseren Theile die Hingebung an unsere Idee und Sache nicht \on langer Dauer; es sind aber aus der Mitte des Vereines solche Arbeiter da. die bis jetzt in verschiedenen Städten unaufhörlich unserer Sache Dienste leisteten. Zwei Mitglieder dieses Vereines sind jetzt Mitglieder des Aetions-Comites. Der Verein „Bnei-Zion" hatte seinerzeit eine Lesehalle, welche für allgemeinen Gebrauch offen war, und eine Bibliothek, welche letztere bis jetzt existiert, hat viel Broschüren, Bücher, Zeitschriften verbreitet, hat selbst folgende Werke ausgegeben: 1. „Die Erwachung", ein Roman von Nemyrowsky; 2. „Unsere Volkssache*, von Lilienblum; 3. „Die Sache des jüdischen Volkes in seinem Vaterlande", von demselben; 4. „Handel und Industrie im heiligen Lande", von Mierowitsch. Der Verein hat eine Prämie für ein jüdisches Volksgedicht ausgesetzt, welche Herr M. D o 1 i t z ky für sein „Auf den Bergen Zions" (j^S "mn by) bekommen hat. Ferner hat der Verein vielmals öffentliche grosse Versammlungen zur Propaganda oder bei Gelegenheit nationaler Ereignisse veranstaltet. So gieng das Leben des Vereines in steter Arbeit bis zum Jahre 1892. Wegen der Ausweisungen unserer Brüder aus Moskau sank das öffentliche Streben und Leben in den jüdischen Kreisen fast vollständig, worunter auch die Thätigkeit des Vereines „Bnei-Zion" sehr viel litt. Im Jahre 1890 hat derselbe Dr. E. W. Tschlenow versucht die Residuen des Vereines zu neuem Leben zu rufen. In der ganzen Arbeitssaison 1896/97 haben die Sabbath-Zusammenkünfte jeden zweiten Sabbath stattgefunden. Im Jahre 1897 hat schon der Zionismus, der westliche, die allgemene Aufmerksamkeit erweckt und hat dem Vereine neues Leben gegeben. Im ganzen Jahre 1898 hat der Verein viel über den politischen Zionismus debattiert und über seine Stellungnahme zu demselben. Nach dem II. Congresseund den dort stattgefundenen Erklärungen des Baseier Programms hat der Verein sich der allgemeinen zionistischen Organisation angeschlossen. Im laufenden Congressjahre hat der Verein viel Kräfte der Gründung neuer zionistischer Vereine hier gewidmet. Es sind unter seiner Mitwirkung folgende Vereine hier gegründet worden : 1. „Kadimah", Verein akademischer Jugend, an dem auch viele intelligente Damen theilnehmen. 2. „Achwass Zion", Verein intelligenter Professionalisten (Juristen, Aerzte, Ingenieure u. s. w.) und Kaufleute. 3. Ein Gymnasiasten- Verein. Die ersten zwei Vereine haben dem Actions-Comite selbständig schon ihre Daten zur Verfügung gestellt. Der Verein „Bnei-Zion" hat viel mitgewirkt bei der Verbreitung der Shares. Aegypten. Calro. Seit dem Jahre 1S97 besteht der von dem seither verstorbenen Herrn Joseph Marco Baruch gegründete Verein „Bar-Kochba". Derselbe entfaltet insbesondere unter den aschkenasischen Juden eine rege Propaganda für die zionistische Sache, die auch bereits schöne Früchte getragen hat. So ergab ein im Februar dieses Jahres veranstalteter Ball ein Reinerträgnis von 2150 Francs. Diese Summe sowie die Erträgnisse weiterer Veranstaltungen werden den Verein in die Lage setzen, einen grosseh öffentlichen Lesesaal zu gründen, in dem sämmtliche zionistische Zeitungen und Druckschriften aller Sprachen aufliegen sollen. Leider stehen die sephardischen Juden noch abseits, was auf den Mangel an geeigneten Broschüren in französischer, italienischer und arabischer Sprache zurückzuführen ist. — Unter d*»"r Aegide des „Bar-Kochba" gründete sich eine Vereinigung junger Leute unter dem Namen „Bnei-Zion". Der neue Verein zählt zwar erst wenige Mitglieder, arbeitet aber sehr fleissig. Jede Woche wird hebräischer Untericht ertheilt und von Mitgliedern des „Bar-Kochba" über zionistische Themen vorgetragen. So zeigt sich hier ein erfreuliches Fortschreiten des Zionis-mus, was nicht zumindest ein Verdienst des rühiigen Präsidiums des „Bar-Kochba" ist, das aus den Herren J. Galizenstein, Präsident, J. Hornstein, Vicepräsident, A. Kreutschmer, I. Secretär, Leibovich, IL Secretar, uni B. Korsonsky, Cassier, besteht. Herausgeber und verantw. Redacteur: Dr. Isidor Marmorek. — Buchdruckerei „Industrie" (S.Bergmann), Wien, VIII., Schlösselgasse 11.