Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 27 (6.7.1900)
- Article
- Die Juden, wie die Christen sie sehen
- Date
- 1900-07-06
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 „Die j*k Welt« Ni. 27 unter anderen Umständen die jüdischen Handwerker sich selbst und der Gesellschaft vonnutzen sein könnten." (Staatsrath Beklemischew.) „Handel, Gewerbe und Handwerk — das sind die ßerufszweige, dio dorn israelitischen Volke eigentümlich sind, das aus einer Kopeke zwei zu machen versteht und Leben und Bewegung in das Land bringt, in dem es sich befindet . . ." „Die Juden sind die einzigen Leute, die im Lande Handelsbeziehungen unterhalten, ohne sie würde ein vollkommener Stillstand herrschen. Jetzt hat der Bauer wenigstens einen fächeren Absatz . . ." (Alexander Afanassjew.) „Im ganzen Gouvernement (Kowno) zählt man 7?<7() Handwerker, wovon »l'-Hi Juden sind, also nicht weniger als 7:i'7„. Die Juden arbeiten in Fabriken, bei Bauten, auf dem Landungsplatze: auch jüdische Lastträger, Wasserfallrer, Pflasterer u. s. w. trifft .man jeden Augenblick. Viele verrichten schwere Arbeit, so zum Beispiel die Wagenführer auf dem Landungsplätze am Nicnien. die als wahre Lasttbiere erscheinen. Diese jüdischen Wagenführer bedienen sich zweiräderiger kleiner Wagen, auf denen sie Lasten zum Niemen und vom Nietnen fahren, wobei auf einen Wagen häufig lö—->(i Centner aufgeladen werden. Diese Last, die man gewöhnlich auf ein schwächeres Pferd rechnet, schleppt ein magerer Jude mit eingefallener Brust, schmalen Schultern und von Wind und Staub entzündeten Augen; wer das mit eigenen Augen nicht gesehen hat, der würde nicht glauben, dass die Juden solche Lasten transportieren könnten; und solche unmenschliche Arbeit verrichten hunderte von Juden, die selten mehr als M—r>0 Kopeken täglich verdienen. Neben diesen Wagenführern beschäftigen sich viele Juden mit dem Verladen der Waren auf Schifte und Kisenbahnwaggons und mit «lern Ausladen derselben : auch ihr Verdienst ist gering. Im ganzen wurden, nach den Feststellungen von 18S4, in Kowno 4:'» 15 Arbeiter und Taglöhner gezählt, darunter 3288 (77"/,,) Juden und 1027 (2:V'/0) Nichtjuden. Diese jüdischen Arbeiter bilden ein Zehntel der gesamniten jüdischen Bevölkerung, während die nichtjüdisehon Arbeiter nur ein Zwanzigstel der nichtjüdischen Bevölkerung bilden . . . Man kann im allgemeinen sagen, dass die Juden sich hier mehr als die Christen an grobe körperliche Arbeit halten . . (Andrej Subbotin.) Die Juden als Ackerbauer. „Dort (im Kaukasus) beschäftigen sich die Juden mit dem Anbau von Krapp und legen Obst- und Weingärten an. für welchen Zweck sie nicht nur ihre eigenen Aecker in Besitz nehmen, sondern auch noch von den Besitzern der Umgegend behufs Ausdehnung ihrer Wirtschaft Parcellen in Pacht nehmen. Sie bauen auch die wohlfeilen Tabaksorten an, verfertigen vortreflliche Geräthschafcen, und in letzter Zeit haben sie auch die Schafzucht in grossem Massstabe in die Hand genommen . . . Der kaukasische Jude arbeitet überall selbst mit dem Spaten, der Schaufel, der Hacke ... Ist es nicht offenbare Dummheit, zu behaupten, dass den Kindern Israels die Aussaugung des Lebenssaftes aus der sie umgebenden Bevölkerung im Blute stecke, dass der Jude, von Natur ••in Wucherer und Gauner sei V Als solcher erscheint er nur dort, wo er jahrhundertelang in der Vereinsamung gehalten und durch Verachtung gepeinigt winde . . . Dort, wo die Juden unter günstigeren Bedingungen existiert haben, wie zum Beispiel im Kaukasus, erscheinen sie als ebenso ehrliche wie nützliche Leute. 155n ganzes Volk kann nicht sehlecht sein, nur die schlechten Individuen sind es, die einen Schatten auf die Masse werfen." (Nemirowitsch-Dantsehenko.) 0 e Juden als Kaufieute. „Die Entfernung der Juden aus Kiew hat lediglich den Handel der Stadt gehemmt, dieser jedoch gar keinen Nutzen gebracht." (General Wassiltschikow.) „Der Jahrmarkt von Krolowez wird von den Kaufleuten schon darum geschätzt, weil dies der letzte Markt im Jahre ist. an dem die Juden freien Antheil nehmen . . . Neben den Hausierern und Vorstadtkrämern bildet das lebhafte, geschäftige, bewegliche Volk der Juden den nützlichsten Factor des Manufacturhandels . . . Diese Handeltreibenden, d. h. die Hausierer und Juden, die sich zur festgesetzten Jahrmarktszeit versammeln, vertheilcn die Waren im Augenblicke und eilen mit ihnen nach allen Seiten auseinander, um sie zu Fuss und zu Wagen nach den Dörfern, Gütern und Meiereien zu bringen . . . Die Juden sind die thätigsten Aulkäufer, namentlich für rursiper-o M-mu'rplu' waren. d:erie überlas panzo westliche Reichsgebiet, selbst über Weissrussland verbreiten; auch für zahlreiche Fische und Fleischwaren, die sie über die Grenze ausführen, sind sie gute Käufer. Fast der gesammte Handel mit ausländischen Waren, die auf dem Landwege eingeführt werden, liegt in den Händen der Juden, sowohl der russischen als auch der österreichischen Unterthanen und ihrer Chefs. Die Städte Brody. Berditschew und Dübno sind die Hauptcentren dieses Handels: durch sie haben die ukrainischen Jahrmärkte einige Verbindung mit den Leipziger Messen, namentlich im Pelzhandel." (Iwan Äksakow.) „Wie soll man sich behelfen ohne die Juden? Selbst der Bauer, wenn man ihn hierüber befragt . . . gibt zu. dass, wenn der Jude nicht wäre, er keine Gelegenheit haben würde, die überschüssigen Erzeugnisse seiner ärmlichen Wirtschaft zu verkaufen und bares Geld in die Hand zu bekommen. Wollte man den Juden verbieten, von Hof zu Hof. von Dorf zu Dorf, von Markt zu Markt zu ziehen, so würde das gleichbedeutend sein mit einer plötzlichen Lahmlegung des gewerblichen Lebens im ganzen Lande,, welches sie ganz allein unterhalten. Man lasse nur die grossrussischen Händler ins Land, und sie werden, bei «lern gegenwärtigen Zustande Weissrusslands und der westlichen Gouvernements, die eingeborene Landbevölkerung bis aufs Hemd ausziehen, wenn man dieses Recht auch den Juden nimmt und ihren Handel beschränkt." (Iwan Bähst, Professor an der Universität Moskau.) Die Juden als Soldaten. „Um eine Truppe so vollkommen wie möglich auszubilden, muss man mit peinlicher Sorgfalt den Volkscharakter berücksichtigen. Es gibt kein Volk, aus dem man nicht eine Schlachtarmee schaffen könnte. Das jüdische Bataillon hat die Vorstadt Praga mit wahrer Tollkühnheit vertheidigt." (General Jermolow.) Jüdische Moral. „Eine edle Abstammung und einen geistig-sittlichen Wert schreibt die Religion der Juden allen Menschen und Völkern ohne Ausnahme zu. Nur sie allein spricht deutlich und klar von der Abstammung aller Menschen von einem einzigen gemeinsamen Ahnen. Diese Idee der einheitlichen Abstammung aller Menschen und Völker, die der alten Welt unbekannt war oder ihr nicht zum Be- - wusstsein kam, wenigstens in den Ueberlieferungen der anderen Völker nicht deutlieh ausgesprochen ist,"hateine grosse social-sittliche Bedeutung für das menschliche Leben. Sie legt vmahweislich den Gedanken von der Gemeinsamkeit der Aufgaben und Lebenszwecke des gesam inten Menschengeschlechtes nahe und verbreitet Licht über die gesammte Geschichte der Menschheit. Alles ohne Ausnahme war in der Gottverehrung der Juden darauf gerichtet, die hohe Vorstellung von dem einen Gotte zum Ausdrucke zu bringen, alles scbliesst in sich die Förderung eines rein sittlichen Verhältnisses des Menschen zu ihm ein, alles ist einem hochsittlichen Grundgedanken untergeordnet. Dieser Grundgedanke ist der lebendige Verkehr des Menschen mit dem lebendigen, unendlichen Gotte. Wenn die Idee der Feiertage in der jüdischen Religion sich durch ihren edlen Charakter auszeichnet, so trägt die ceremonielle Einrichtung derselben den gleichen Stempel eines hohen rein sittlichen Charakters. Es gibt keine heidnische Religion (ausgenommen vielleicht die chinesische und zum Theile auch die iranische), deren Cultus, namentlich im Punkte der Feiertagsgebräin-he, nicht einen mehr oder weniger grob-sinnlichen, orgienartigen Charakter hätte oder nicht von Verrichtungen gewaltthätiger, wild ascetischer Art und förmlicher Raserei begleitet wäie. Die jüdische Religion ist allein von dergleichen völlig frei. Nichts, was dem (i roh-Sinnliche.i und dem Laster schmeichelte, nichts, was über die Grenzen ruhiger Freude und stiller Beschaulichkeit hinausgienge, findet sich in ihrem Cultus. Selbst das fröhlichste unter ihren Festen, das Laubhütten fest, wurde in derselben Ruhe und Friedlichkeit gefeiert; selbst dieses Fest gibt einem keuschen und schamhaften Gemiithe keinen Anlass zum Aergernis. Die jüdische Religion kannte auch den falschen Ascetismus nicht, der die Mehrzahl der alten Religionen kennzeichnete und der darin bestand, dass dem individuellen Leben des Menschen Gewalt angethan wurde. Um ihre Ergebenheit gegen Gott auszudrücken, fasteten die Juden in den Zeiten des Unglücks und beim Tode der ihrigen oder in den Tagen öffentlicher Frevel, indem sie von Gott Vergebung erflehten. Das Gesetz dagegen schrieb nur ein einziges strengen Fakten am Versöbnueq-sfn"o vor ....