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Die Welt · 1900-07-06 · 27 (6.7.1900) · p. 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
27 (6.7.1900)
Article
Stanislau / M.
Date
1900-07-06
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 27 ,Die # Welt" Seite 11 und dass auch die Steine, welche die Fensterscheiben der . Schuldigen zertrümmerten, zwar von den Händen des „Volkes" geschleudert wurden, dass aber die Gefühle, welche diese Hände in Bewegung setzten, die Herzen aller hiesigen Juden durchzuckten. M. Budapest, 21. Juni. Heute wurde hier dem Professor Kaufmann der Grabstein gesetzt. Nebst den Angehörigen und dem Professoren-Col legi um der Landes-Rabbinerschule hatten sich zahlreiche Schüler, Freunde und Verehrer des Heimgegangenen eingefunden. Aus Breslau waren die Herren Rabbiner Dr. R o sunt h a l, der Schwager des Verewigten, und Docent Dr. Brann erschienen. Gedenkreden hielten bei dieser Gelegenheit Herr Dr. Rosenthal aus Breslau und der Hörer der Rabbinerschule, N. B1 u mg r u n d. Könitz. Auf Einladung des zweiten Bürgermeisters Herrn Dr. Lemm fand am v. M. eine Versammlung von angesehenen Bürgern statt. Nachdem Herr Dr. Lemm als den Zweck der Versammlung die Auffindung von Mitteln und Wegen, „um den auf dem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leben lastenden Druck zu erleichtern", bezeichnet hatte, nahm Herr Landrath Freiherr v. Zedlitz das Wort. Er zeigte an verschiedenen Beispielen, welche Lüsen die antisemitische Sensations presse verbreite, und bezeichnete es für unmöglich, dass die Stimme der Vernunft und der Wahrheit nicht doch die Kraft haben sollte, sich Geltung zu verschaffen. Herr Stadtverordneter Pätzold wies darauf hin, dass königliche Beamte, Männer von Bildung, durch ihr absprechendes Urthoil über die Justiz und die Regierung dazu beigetragen haben, die Zustände in unserer Stadt so schmählich zu gestalten. Der Herr Landrath entgegnete, dass er, wenn es königliche Beamte geben sollte, die ihre Pflichten so unwürdig aul'fassten, alles thun werde, um dieses Uebel zu heben. Das Verhalten des „Konitzer Tageblattes" wurde vom Herrn Landruth scharf gegeisselt. Der zweideutigen Haltung dieses antisemitischen Blattes sei es zuzuschreiben, dass er um Zurückziehung des Militärs gebeten habe. Das habe er bitter bereut bei der in der Nähe der Synagoge verübten Brandstiftung und bei der Demolierung der Synagoge tagsdarauf. Der Herr Landrath gab ferner der schweren Enttäuschung Ausdruck, die er bei der Wahrnehmung empfunden habe, wie weit das Rechtsbewusstsein des Volkes durch die wüste antisemitische Agitation geschwunden sei. Er sprach auch seine Ueberzeugung von der Unmöglichkeit eines Ritualmordes im allgemeinen und in diesem besonderen Falle aus. Die Versammelten beschlossen u. a., einen Aufruf an die Bevölkerung zu veröffentlichen, um auch dadurch zur Beruhigung der Gemüther beizutragen. London. (Der Zionismus in England.) Sonntag nachmittags fand die II. Jahresversammlung der „English Zionist Föderation" statt. Der Vorsitzende Dr. Gaster kam gleich zu Beginn seiner Rede auf die Auswanderer aus Rumänien zu sprechen, die jüngst in London ankamen. „Ich habe oft genug", sagte er unter anderem, „den Gegnern des Zionismus klar und deutlich gesagt, dass sie uns helfen müssen, die Juden in Rumänien und Bessarabien, die nicht länger unter dem fürchterlichen Drucke existieren können, nach dem Osten — nach Palästina — zu senden, sonst müssen sie unbedingt nach dem Westen ziehen. Der Zionismus hat sich die Aufgabe gestellt, das zu thun, was die Pflicht der jüdischen Wohlthätigkeits-Anstalten wäre, was diese aber unterlassen. Wenn der Zionismus, wie ein hervorragender Rabbiner auf dem Continent behauptet hat, die Schuld daran trägt, dass die Juden aus Rumänien fliehen, dann wahrlich hat der Zionismus allen Grund, auf seine Erfolge stolz zu sein. Denn er hat in diesen armen Verfolgten das Mannesgefühl, die Selbstachtung und das Streben erweckt, mit allen Kräften für ihre geistige und leibliche Befreiung zu arbeiten — zeigt es sich nicht deutlich, dass es das höchste Ziel des Zionismus ist, das Los unserer verfolgten Glaubensgenossen erträglicher zu gestalten?-1 Darauf stellte de Haas den folgenden Antrag: „Die heutige Conferenz englischer Zionisten erklärt hiermit ihre völlige Uebereinstimmung mit dem nationalen Programme, gelobt den Führern des Zionismus unverbrüchliche Treue und constatiert ihre Befriedigung über das Fortschreiten der Bewegung. Gleichzeitig anerkennt sie die tüchtigen Leistungen der „English Zionist Federation" in England und verspricht, dieselbe in ihrem Wirken nach Kräften zu unterstützen." Diese Resolution wird einstimmig angenommen, ebenso die folgende: „Die heutige Conferenz hat mit tiefstem Bedauern gehört, dass man eine Anzahl jüdischer Flüchtlinge, anstatt ihnen ein Land, wo die Freiheit wohnt, zur Heimat zu machen, in das fürchterlichste, trostloseste Elend zurückgeschickt hat." Rom. Die jüngste Wahl in die Deputiertenkammer hat die Anzahl ihrer jüdischen Mitglieder von neun auf zwölf erhöht. Wiedergewählt wurden : B a r z i 1 a i, F r a n c h e 11 i, Luzzatto (Luigi), Luzzatto (Riccardo), M e 11 i, Morpurgo, 1* a v i a, J a c u s, W o 11 e m b o r g; neugewählt : L u z z a 11 o (Arturo) und Sora n i. Panama. Vor längerer Zeit haben sich auch hier Juden niedergelassen, und zwar sind sie aus Britisch-Columhia eingewandert. Sie haben eine Synagoge und einen Friedhof: es sind im ganzen etwa fünfzig Familien. Während des letzten Krieges wurden die zwölf angesehensten Kaufleute des Hochverrathes angeklagt; zwei von ihnen starben in der Haft, zwei wurden zum Tode verurtheilt. und sechs wurden auf Intervention des britischen Consuls, der auch die anderen vier zu retten hoffte, in Freiheit gesetzt. Havre. (Russische Emigranten.) Mit einer dänischen und einer französischen Dampfsehiffahrts-Gesellschaft, deren Schiffe zwischen Libau und Havre verkehren, ist ein Abkommen getroffen worden, das den russischen Emigranten, die nach Südamerika wollen, ermöglicht, ohne Antwerpen oder einen englischen Hafen zu berühren, an ihr Ziel zu gelangen. Diesen Monat landeten :'>('>:> Emigranten aus Libau (21-1 Erwachsene, lü> Kinder) in Havre, um nach Moisesville in Argentinien zu fahren. Ihr Reisegepäck wog über siebzig Tonnen. Sie wurden von einem Schochet begleitet, der das nöthige Vieh an Bord sohlachtete. Die Emigranten wurden sofort nach ihrer Ankunft zu dem Schiffe „Paraguay" geleitet, aber da die Nacht sehr heiss war. schliefen sie. in ihre Mäntel gewickelt, am Quai du Bresil. Bevor sie sich am nächsten Morgen einschifften, hielten sie einen öffentlichen Gottesdienst ab. Die Matrosen und Arbeiter am Quai sahen ihnen neugierig und mit grossem Interesse zu, wie sie T'phillin legten. ^eifscbFifteijiauijdscbau. Der Zionismus in der holländischen Presse. Unser Gesinnungsgenosse Isidore Hen setzt in der angesehenen Amsterdamer Wochenschrift „De Amsterdanimer Weekblad Vobr Nederland" in einem gross angelegten Ussay die Gründe auseinander, welche modern denkende Juden zwingen, das einzige Heil unseres Volkes im Zionismus zu sehen. Hen schildert die unerträglichen Zustände unserer Brüder im Osten, betont die Zusammengehörigkeit aller Juden und kommt zu dem Schlüsse: „Wir wollen daran denken, dass wir einem Stamme angehören, der älter ist. als Norweger, Dänen, Holländer, Deutsehe und Franzosen, und wir wollen daran denken, dass wir Pflichten haben gegen unsere Brüder, die im Osten verrotten und vergehen. Das Judenthum ist nicht todt. Es hat endlich das Wollen gelernt, und wir wollen nicht, das tausende, hunderttausende unseres Volkes jämmerlich zugrunde gehen!" Wir sehen den weiteren Artikeln Hens mit grösstem Interesse entgegen. Die Entwicklung des Zionismus. Unter dieser Ueberschrifc beleuchtet der bekannte hebräische Schriftsteller H. Brainin in der von unserem Gesinnungsgenossen W.S chur in Chicago herausgegebenen

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