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Die Welt · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Article
Wien
Date
1900-06-29
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 26 ,Die & Weit" Seite 11 imal Landes-Comite „ fcnal Districts-Comite- und als Zusatz : „Die tür die Agitation nöthigen Mittel sind dem Districts- Comite nach Massgabe der Verhältnisse aus der Verb an dscasse zur Verfügung zu stellen. Die Districls-Comites hüben einen Anspruch auf mindestens die Hälfte der aus den Einzelvereinen ihres Districtes an die Verbandscasse abgeführten Ueberschüsse"; bei Art. XVII statt 2mal Landes- Comite „2mal Districts-Comite". — In unserem vorwöchentlichen Berichte soll es anstatt: „Die Statuten für den Einzelverein „Aisergrund" wurden genehmigt" — richtig heissen: „Die Statuten für Einzelverein „Josefstadt". Wien. In die erste Wiener Correspondenz unserer vorigen Nummer hat sich ein Versehen eingeschlichen. Anstatt „Prof. Dr. Müller ist der einzige ordentliche Professor", soll es heissen „ist der erste Decan jüdischer Confession an der philosophischen Facultät der Wiener Universität". Innsbruck. Achi studentische Corporationen beschlossen eine Resolution, die sich gegen die zunehmende Verjudung des Lehrkörpers und besonders die Ernennung eines einzelnen Professors und eines Assistenten, die beide Juden sind, richtet. Es sei unerfindlich, warum man an eine Universität, die unter 400 Hörern nur einen Juden aufweist, einen jüdischen Lehrer nach dem linderen berufe. Budapest. Am 23. d. M. verschied hier der Rabbiner der Ofener israelitischen Cultusgemeinde, Dr. Raphael Goldberg, im 5S. Lebensjahre. Der Verblichene wirkte in der Ofener Gemeinde seit dem Jahre 1870. Er war auch auf literarischem Gebiete thätig. Unter anderem schrieb er eine „Geschichte der Juden und ihrer Literatur'* in ungarischer Sprache. Budapest. (I sr a e 1 i t i s c h-U n ga r is c h e Literatur- Gesellschaft.) In der jüngsten Sitzung der Vorlesungs- Section dieser Gesellschalt erstattete der Secretär Professor Dr. Heinrich L e n k e i Bericht über den ersten Vorlesungs- Cykius, den die Gesellschaft veranstaltet hat. Er constatierte den grossen Erfolg dieser Veranstaltung, der sich in dem überaus zahlreichen Besuche aller Vorlesungen kundgethan habe. Der Cyklus umfasste acht Leseabende, an denen 21 Vortragende mitwirkten. Am 7. November hielt Professor Dr. Lenkeiden Eröffnungs-Vortrag über „Das jüdische Volk*. An demselben Abende sprachen ferner Dr. Josef N e u m a n n über „Nietzsche und das Judenthum" und Dr. Adolf Agai „Aus einem alten Tagebuche*. — Am 21. November hielten Vorträge : Dr. Leopold K e c s k e m ö t i über den Propheten A m o s, Dr. Alexander F e 1 e k i „Der alte Doctor" (Gedicht), und Paul Tenczer „Aus der Geschichte des israelitisch-ungarischen Vereines". — Am 12. December sprach Dr. Bela Vajda über „Unsere jüdischen Ahnen", Dr. Karl Sehest von verlas ein Gedicht und Edmund Gero sprach über „Beruria, die Gattin Rabbi Me'irs". — Am U. Jänner sprachen: Doctor Simon Handler über „Das Buch Job" und Dr. Armin Fodor über „Die privatrechtlichen Gesetze Mosis". — Am 23. Jänner sprach Dr. Franz Löwy über „Die jüdische Sibylle", Dr. Anton Värady über den fünften Aufzug der „Makkabäer" von Otto Ludwig, und die Schriftstellerin Frau Irene Gerö-Cserhalmi las eine ihrer Novellen vor. — Am 6. Februar sprach Dr. Leopold Goldschmied über den jüdischen Stil und Dr. Arnold K i s s über „Die jüdische Frau in der Literatur". — Am 20. Februar sprach Max Rothauser über den Juden in der Kunst, Dr. Bernhard Alexander über den „Kaufmann von Venedig". — Am 13. März hielt Josef Veszi eine „Märzrede", Max Szabolcsi sprach über „Achers Sünde" und Dr. Bela Bernstein über „DieJuden in denMärzbewegungen". — Die Direction der Gesellschaft hat in ihrer jüngsten Sitzung auf Grund der Urtheile der Juroren Prof. Dr. Wilhelm Bacher, Dr. Heinrich Bloch und Dr. Franz M e z e y der einzigen eingelaufenen Arbeit über das ausgeschriebene Thema „Die Organisation der Cultusgemeinden bei den europäischen Juden" den Preis von 1000 Kronen zuerkannt. Bei Eröffnung des Devisenbriefes ergab sich, dass der Verfasser der prämiierten Arbeit Dr. Ludwig V e n e t i a n e r, Oberrabbiner in Neu-Pest. ist. ' Boryslaw. Die Lage der hiesigen Juden verschlimmert sich immer mehr und mehr. Die philanthropischen Hilfsactionen und allerhand kleine Spenden vermochten nicht, einer brotlosen Bevölkerung von 7000 Seelen auf die Dauer zu helfen. Aber auch jetzt noch, wo jeder denkende Jude zur Einsicht gelangt sein muss, dass wir speciell auf Boryslawer Boden von der „liberalen" polnischen „Intelligenz" nichts zu erwarten haben, selbst jetzt vergeht den hiesigen kriecherischen Assimilanten nicht die Lust, ihr würdeloses Gehaben fortzusetzen. — Am 7. d. M. feierte der jüdische Lehrkörper der hiesigen Baron Hirsch'schen Volksschule die fünfhundertste Jahreswende der Stiftung der Jagellonischen Akademie in Krakau. Freudetrunken ergriffen die „polnisch fühlenden" Juden diese Gelegenheit, um orbi terrarum Polonarum ihre jagellonisch-nationale Gesinnung zu verkünden und über die in dieser Hinsicht neutralen Zionisten herzufallen. Die Juden, meinte der Schulleiter in seiner Festrede, theilen mit den Polen Leid und Freud'. Er hätte es auch umgekehrt sagen können. Die von den Polen ausgehende Theilung geht bekanntlich in der Weise vor sich, dass den Juden das Leid und den Polen allein die Freude zugemessen wird. Nur Fanatiker, sagte der Schulleiter weiter, können noch heutzutage fragen, weshalb wir polnische Feiern veranstalten, aber zum Glück nehme die Zahl derjenigen ab, die sich dagegen sträuben. Die Juden schreiten jedoch vorwärts, und die fortschrittlichen Polen wissen die Theilnahme der Juden an polnischen Nationalfesten zu würdigen. Wir loben (!) auf polnischem Boden, und das sei Grund genug, den Polen dankbar zu sein. Der Krakauer Universität — führte der Redner weiter aus— haben jüdische Philosophen (?) und Beamte (!) ihre hohe Stellung zu verdanken. — Nun, was die grosse Zahl und hohe Stellung jüdischer Beamten in Galizien betrifft, wissen wir bereits ein Lied zu singen. Aber abgesehen davon, sehen denn die Herren jüdischen Lehrer nicht ein, wie lächerlich sie sich machen, wenn sie als solche eine polnische Universitäts-Feier begehen? Diesen Lehrern, die ihre hebräisch unterrichtenden Collegen insultieren, — fast in sämmtlichen Schulen beklagen sich darüber die letzteren — ist die Erziehung der jungen Generation ausgeliefert. Vielleicht werden sie das von ihrem Collegen und Compatrioten Herrn Franz Krzyzanovski in Kolomea erfundene, auf Ritualmord-Drohungen beruhende Erziehungssystem in Anwendung bringen? . . . S. P. Saalfeld (Ostpreussen). In der am 7. d. M. hier stattgefundenen öffentlichen Schöffensitzung sollte der Rittergutsbesitzer List-Ankern. Lieutenant der Reserve, vor dem seit dem 1. d. M. hier amtierenden Gerichtsassessor Schulz einen Eid als Zeuge leisten. Herr List erklärte jedoch, dass er vor einem jüdischen Richter einen Eid nicht leiste. Herrn List wurde hierauf bedeutet, dass er zur Verweigerung der Eidesleistung aus dem von ihm angegebenen Grunde nicht berechtigt sei und gegen ihn daher bei seiner weiteren Weigerung mit den nach § KU der Strafprocessordnung zulässigen Strafmitteln vorgegangen werden müsste. Herr List erklärte auch hierauf, dass er den Eid vor einem jüdischen Richter nicht leisten werde. Hierauf stellte der Vertreter der königlichen Staatsanwaltschaft den Antrag, die Hauptverhandlung zu vertagen und den Herrn List in die durch seine Weigerung verursachten Kosten, sowie zu einer Geldstrafe von 300 Mark, eventuell ('» Wochen Haft, zu verurtheilen, mit der Bedeutung, dass weitere Zwangsmittel zur Erzwingung des eidlichen Zeugnisses vorbehalten bleiben. Der Gerichtshof beschloss, die Hauptverhandlung zu vertagen, und verurtheilte Herrn List zur Tragung der Kosten, setzte ausserdem gegen denselben eine Geldstrafe von 200 Mark fest, welche im Unvermögensfalle in eine Haftstrafe von 14 Tagen verwandelt werden soll.

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