Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 26 (29.6.1900)
- Article
- Der rumänische Exodus
- Date
- 1900-06-29
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „Die <s Welt** Nr. 26 damit dieser es selbst dem Zugsführer übergebe und veranlassen möge, dass an die Staatspolizei in Budapest auf seine Spesen depeschiert werde, man solle die Leute .nicht aussteigen lassen. Es half jedoch alles nichts. Auf den Lärm kam ein Bahnrevisor, der zufällig hier weilte, und sagte, dass die Leute nicht fahren können, da sie als Passagiere und nicht als Arbeiter betrachtet werden und ganze Fahrkarten haben müssen. Herr Prerau und Herr Kugler wollten die Differenz für die Fahrkarten deponieren, doch acceptierte man dies nicht, und die Leute wurden aus dem Wagen geholt und mussten wieder in die Stadt zurück. Grenzcommissär Pattera, der sich in überaus schroffer Weise benahm, wollte sodann die Leute nach Rumänien zurückschicken, was jedoch durch die Intervention des Oberstuhlrichters, der darauf hinwies, dass die Leute Fahrkarten und Geld haben, verhindert wurde. Freitag morgens fuhren die Emigranten mittelst Schiff direct nach Wien. Die österr.-ungar Gesandtschaft in Bukarest hat die rumänische Begierung ofßciell in Kenntnis gesetzt, dass die österreichisch-ungarischen Grenzbehörden alle Auswanderer, die nicht directe Fahrkarten bis Hamburg, London oder Paris besitzen, unter Escorte zurückschicken werden. Alle diejenigen, die Pässe mit dem Rückfahrtsrechte für Wien, Budapest oder eine andere Stadt der Monarchie bebesitzen, werden unter Polizei-Aufsicht gestellt un d nach Rumänien abges ch o b en, w enyn sie Unterstützungenverlangen. Daraufhin hat der Polizeipräfect folgende Verfügungen getroffen: Auswanderungspässe werden nur solchen Personen ausgefolgt, die sich ausweisen, dass sie Fahrkarten bis Hamburg, London oder Paris besitzen. Rückfahrtspässe werden nur solchen Auswanderern ausgefolgt, die nachweisen können, dass sie wenigstens 100 Lei besitzen. Die Berlader Fusswanderer-Gruppe, über die wir in früheren Nummern berichtet haben, befindet sich bereits auf hoher See. Sie wurde in Hamburg von Vertretern der Ica empfangen und auf Kosten dieser Gesellschaft nach Canada befördert. Die Vertrauensmänner der Ica händigten einem jeden von ihnen Schiffskarten und 25 Dollars in barem Gelde aus. In Canada wird die Ica ihnen Ackerboden zur Bearbeitung anweisen. Die Schriftsteller Dr. Zurescu in Bukarest, L. Rokeach und stud. jur. Priptu in Jassy wurden ausgewiesen, weil sie in Flugschriften den lügenhaften Behauptungen der rumänischen Presse, als sei die ökonomische Krisis allein die Ursache der Judenauswanderungen, mannhaft entgegengetreten sind. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Golonialbank) Limited. London, den 10. April 1900. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage desDirectoriums wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenten folgende Zahlungsbedingungen. in Kraft treten: Entweder a) 20% bei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Mittheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine definitive Actie circa 14 Tage nach Avis der Zahlung der restlichen 80% bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) Vollzahlung des Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Avis der Vollzahlung. Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. Loewe, General-Secretär. Tribüne. Paris, den 21. Juni 1900. Hochgeehrte Redaction! Auf den von mir in der vorletzten Nummer der „Welt* veröffentlichten Brief betreffs der Studenten- Congresse sind mir zahlreiche Anfragen von den jüdischen Studenten-Vereinen Deutschlands zugekommen. Ich ersuche Sie daher gefälligst, folgende Kundmachung in Ihr hochgeschätztes Blatt aufnehmen zu wollen. Am 21. d. M. veröffentlichte die „Aurore" eine Unterredung, die einer ihrer Redacteure mit dem Secretär des Congresses „La Jeunesse" gehabt. Die Unterredung machte in der „Aurore" den besten Eindruck. Ich begab mich daher zu dem Secretär Herrn Montfort, Redacteur der „Revue Naturiste", der mich sehr liebenswürdig empfieng. Auf meine Frage, ob die Judenfrage auf diesem Congresse zur Sprache gebracht werden könnte, erwiderte er: „Sie meinen wohl den Zionismus? * Wir sind sehr gerne bereit, eine Discussion darüber zu eröffnen. Der Zionismus interessiert uns aufs höchste. Nur möchten wir, dass uns ein gewissenhafter Bericht über den Zionismus ertheilt werde." Darauf zeigte er mir eine Copie des Programmes, das noch unter Druck ist Die Mitglieder des Comites sind hervorragende Schriftsteller. Einige Nationalisten und Antisemiten sind auch in dem Gomite, die Mehrzahl aber besteht aus Republikanern. — Hier einiges aus dem Programm: 1. Jeder Studenten-Verein hat das Recht, zwei Delegierte abzusenden. 2. Beitrag 5 Francs. 3. Die Anmeldung muss vor dem 5. August erfolgen. 4. Am 1. September wird die erste Sitzung des Gongresses stattfinden. Nähere Auskünfte ertheilt Herr Eugene Montfort, secretaire general du congres de la Jeunesse, 22, nie Theodore de Banvüle. Mit vorzüglichem Zionsgrusse B. S i e w, 38, nie Lebrun. * * * An die verehrten Glaubensgenossen und Zionsfreunde! Durch die Reformen, welche die Ica in den von ihr übernommenen, ehemals Rothschild'schen Colonien inauguriert hat, ist ein grosser Theil der landwirtschaftlichen und sonstigen Arbeiter dieser Colonien brotlos geworden. Demzufolge entstand in den Kreisen dieser Arbeiterschaft eine bedauerliche Auswanderungs - Bewegung. In der That, es ist tiefbetrübend, dass jüdische Arbeiter, die sich in Palästina bereits acclimatisiert haben und in hohem Grade geeignet sind, bei dem künftigen grossen nationalen Colonisierungswerke wertvolle Pionnierdienste zu leisten, durch die Ungunst der Verhältnisse gezwungen sind, den Gedanken an eine Trennung vom geliebten Väterboden ernstlich in Erwägung zu ziehen. So weit hätte es niemals kommen dürfen. Erfreulicherweise ist die Anhänglichkeit des grössten Theiles der in den Colonien beschäftigt gewesenen Arbeiter und Handwerker an die jüdische Scholle so gross und treu, dass diese Arbeiter eine