Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-06-29 · 26 (29.6.1900) · p. 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
26 (29.6.1900)
Article
Die Thätigkeit der Ica
Date
1900-06-29
Page
6 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315878-3370510--20483-3370666
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 6 „Die s> Welt?- Nr. 26 und Kosenhain in Süd-Jersey, wo es noch Platz für viele tausende von Familien gibt, vorzüglich gedeihen. Die Bestrebungen des „Baron Hirsch-Fonds" in New-York, jüdische Einzelfarmer in New-England zu etablieren, hat es zuwege gebracht, dass in diesem Staate jetzt (>OÜ solcher Einzelfarmer leben. Im verflossenen Jahre wurden 86 von ihnen, welche Farmen im Werte von 179.200 Dollars besitzen, mit Vorschüssen unterstützt Canada. Die Hirsch-Colonie besteht aus 20 Familien mit 7!) Seelen, welche 1122 Acres Land besitzen. Der Boden ist sehr ergiebig und bringt per Acre 25—30 Busheis Weizen, respective (50—80 Busheis Hafer, resp. 300 Busheis Kartoffel, Producte, welche die Colonisten in den nahen Bergwerken leicht und zu guten Preisen verkaufen können. Die Colonisten haben reichlich zum Leben, aber viele von ihnen sind mit Schulden belastet. Zahlreiche Agenten überlaufen sie und schwatzen ihnen unter Gewährung langjähriger Ratenzahlung landwirtschaftliche Maschinen auf, die sie oft gar nicht verwerten können, aber dennoch mit 12 Percent Verzinsung bezahlen müssen. Im Jahre 1900 sollen zu diesen Colonisten noch 15 russische Familien hinzukommen. Dieselben waren ursprünglich auf eigene Kosten und mit einem Capital von 10.000 Mark, gekommen und hatten sich am Swanriver niedergelassen, wo sie von der Regierung 2i00 Acres Land und von der Ica 14.000 Mark bekamen; da sie aber da zu weit von jedem Verkehre waren, siedelten sie schliesslich nach Hirsch über. (Schluss folgt.) Der vierte Congress. Wir machen unsere Gesinnungsgenossen aufmerksam, dass es in England keinen Passzwang gibt. Dennoch ist es gerathen, Legitimations-Documente mitzunehmen, da Geldbriefe und recommandierte Schreiben dem Adressaten nur gegen Legitimation ausgefolgt werden. * Welches Echo die Nachricht von der Tagung des Congresses hervorruft, beweist unter anderem eine Meldung, die dem Actionscomite aus Thessalien zugekommen ist. In Larissa hat sich nämlich auf die Kunde von der Abhaltung des Congresses in London ein zionistischer Verein von eingeborenen, spaniolischen Juden unter dem Titel „El Sionismo" gebildet An der Spitze des Vereines steht Herr Isak Abraham Chakl * Zahlreiche österreichische Zions- Vereine haben die Losung ausgegeben, aus Anlass des Gongresses Massen- Kundgebungen zu veranstalten. Es sollen nämlich grosse Volksversammlungen abgehalten werden mit der Tagesordnung : Der Londoner Congress. Die bei diesen Versammlungen gefassten Resolutionen werden dann dem Congresse übermittelt werden. Für die Delegierten, die sich an das Congress-Bureau wenden, stellt dieses eine Reise-Route zusammen, deren Beil ü t z u n g s t at t fl. 103-40 (II. C 1 as s e) un d fl. 60-33 (III. Glasse) bloss fl. 79*20, respective fl. 54-40 kostet Ebenso besorgt das Congressbureau die Route Berlin — London tour und retour statt II. Classe fl. 86-52 und III. Classe fl. 60-70 für fl. 55*—, r e s p e cti v e 11. 37-92. * Wir werden von verschiedenen Seiten angefragt, welche Sprache die officielle Verhandlungssprache des Londoner Congresses sein wird. Nach den Informationen, die uns zutheil geworden sind, wird derselbe Usus vorherrschen, wie bei den Baseler Congressen. Es steht den Delegierten frei, jede beliebige Sprache zur Discussion zu wählen, und es werden vom Präsidium für jede Sprache mehrere Uebersetzer nominiert werden. Der Zionismus in Amerika. Die dritte Jahresconferenz der vereinigten Zionisten von Amerika (Federation of American Zionists). Die Conferenz, welche am 11. und 12. Juni in New- York stattfand, war in jeder Beziehung ein glänzender Erfolg. Die ungeheure Besuchsziffer, die Bedeutung der Redner, sowie die gefassten Beschlüsse machen die diesjährige Conferenz zu einem denkwürdigen Ereignisse. Im Folgenden seien die wichtigsten Momente der Conferenz mitgetheilt. Stetiges Anwachsen der zionistischen Bewegung. In der ersten Sitzung, welche Dr. S chaffer (Baltimore) eröffnete, gab der unter grossem Beifalle zum Präsidenten gewählte Professor Dr. R. Gottheil eine Uebersicht über den jetzigen Stand der zionistischen Bewegung in Amerika. Er wies darauf hin. dass die Ereignisse des abgelaufenen Jahres dem zionistischen Gedanken neue Anhänger in Menge gewonnen haben und uns allen die Pflicht auferlegen, mit aller Kraft für das Erlösungswerk einzutreten. Wie der Secretär der „Federation* Mr. Morrison mittheilte, hat sich die Anzahl der zionistisshen Vereine in Amerika im abgelaufenen Jahre um 35 vermehrt, so dass jetzt 135 Vereine mit 10.000 Mitgliedern der Federation angehören. Nicht weniger als 11.000 Agitationsschriften wurden gedruckt und unter diese Vereine vertheilt. — Dr. Stephen S. Wise theilt mit, dass der Ausschuss einen Preis von 5000 Dollars für die beste Abhandlung über eine der folgenden Persönlichkeiten ausgeschrieben habe: Disraeli und George Eliot. Emma Lazarus und Michael Hilprin. Dr. P i n s k e r und Mohilewer. Hierauf wurde ein Brief Dr. N o r d a u s und ein Begrüssungstelegramm von Dr. Herzl verlesen. „Jeder Jude ist ein Zionist!" Am Abeäad fand ein „Massenmeeting* in Cooper Union statt. Es war eine Massenversammlung im wahrhatten Sinne des Wortes. Die Riesenhalle war bis aufs letzte Plätzchen gefüllt, die Eingänge bis auf die Strasse von Menschen umdrängt. Rabbiner Gustav G o 11 h e i 1, der den Vorsitz führte, sprach nur wenige Worte, aber die sanken den Zuhörern tief in die Seele. „Es gibt keine Antizionisten," sagte er. „Man kann ein Jude sein, ohne an unserer Ethik festzuhalten, aber wie kann einer, dem jüdisches Blut in den Adern iiiesst, den zionistischen Gedanken bekämpfen? Jeder wahre Jude ist von Natur ein Zionist!" Die von Schaff er, Iliowizi und Masliansky gehaltenen Ansprachen riefen stürmische Begeisterung hervor. Die Wahl zwischen Leben und Tod. Dr. Herz aus Johannesburg überbrachte, wie er sagte, Grüsse von 3000 Zionisten aus Südafrika. Auch seine Worte werden den Juden Amerikas lange in den Ohren klingen: „Wir haben die Wahl zwischen Leben und Tod!" sollte zum Motto eines jeden Juden werden, und nicht minder eindringlich war der Ausspruch : „Dass so viele Juden mit ihrem jetzigen Lose zufrieden sind, das ist die wahre Tragödie Israels!" 6,000.000 Argumente für den Zionismus. Dr. Stephen S. Wise, der nächstens New-York verlässt, machte mit den wenigen Sätzen, die er sprach, einen tiefen Eindruck. „Es gibt sechs Millionen lebende, blutende, leidende Argumente zugunsten des zionistischen Gedankens." Wahl dor Functionäre. In der dritten Sitzung wurden folgende Functionäre gewählt: Präsident Prof. Dr. R. Gottheil, Cassier Isidor D. Murriso n, Secretär K. H. Sarasohn, die Vicepräsidenten Dr. Aaron Frieden wald (Baltimore), Doctor Jastrow und Dr. Leventhal (Philadelphia), Doctor Margolies (Boston), S.N. Dembitz (Louisville), Doctor Gustav Gottheil und Dr. Isidore Meyers (San Francisco), Dr. Masliansky und Dr. Iliowizi (Philadelphia), Dr. Morris Mendel (Washington). Der Ausschuss setzt sich aus folgenden Herren zusammen: W. Schur (Chicago), Dr. Gordon (Philadelphia), Miss S z o l d (Baltimore), Leon Zolotkow (Chicago), Dr. M e n d e s, A. R a d i n (New-York), M. K1 e i n (Philadelphia), ßarnet (Reading. Pa.), Dr. Bluestone, Dr. Minz, S. D. Birkam (New-York), S. B. Abel (Baltimore).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.