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Die Welt · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Article
Wien-Fünfhaus [Nachricht]
Date
1900-06-22
Page
11 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 25 ,Die j$ Welt" Seite 11 Vereinsnachrichten. Wien-Fünfhaus. Auf Veranlassung dos Einzelvereines „Funfnaus" des „Zion" wurde in unserem Bezirke ein zionistischer QJesangsverein gegründet, [derselbe führt den Titel „Grsangsverein Zion in Fünfhaus". Herr Otto K o h n wurde zum Chormeister des Vereines gewählt. Wien - FiWhaus. (Die Literatur-Ahe n d e d e s Einzelvereines ,,Fünfhaus" des ,Zion'.) Um den Fordeningen seiner Statuten und seinen culturell-u Aufnähen serecht zu werden, veranstaltete der Einzelnverein „Funfhaus" des Zion zwei parallel laufende und ie in Vortrage umfassende Curse über jüdische Geschichte und Literatur und über einen Tractat des Talmud. Den ersteivn hielt in uneigennützigster Weise Herr Rabbinnts-Canditat B. Marguli es ab, der vom 1. Mai an jeden Dienstag von 8—!» Uhr über die Geschichte unseres Volkes von der Zerstörun g d es ersten T e ni p e 1 s bis zur Restaurierung des jüdischen Reiches unter Nehernia vortrug. Der Bethausverein im Bezirke, Dieffenbachgas.se r.:5, hatte uns durch seine V orstände, die Herren Simon S c h r e i b e r und P r a g e r. das Betlocal unentgeltlich überlassen. Herr Religionslehrer Isaak Moses Lichten stein hatte jeden Donnerstag von S—U Uhr den Tractat .,C h u 1 i n" erklärt. Die Besuchorzahl blieb stets auf der Höhe des Anfangs, denn Herr Margulies fesselte durch seine rednerische Begabung und durch die Warme des Vortrages. Die logische Schärfe und Klarheit der Erläuterungen des Herrn L i c h t e n s t e i u aber entsprachen ebenfalls den besten Erwartungen. So hofft der Einzelverein „Fünfhaus" des „Zion". im Herbste wieder die Abende einrichten, vielleicht sogar erweitern zu können. Die Herien Vortragenden haben sich um die jüdische Sache sehr verdient gemacht. Radautz. Bei der am -2H. Mai I'.mk» abgehaltenen General- Versammlung und der hierauf am :51. Mai 1. J. stattgeftindenen Constituierung des Vereines „Dorsche Zion" in Radautz wurden nachstehende Herren in den Ausschluss gewählt: Dr. Josef Bier e r (Obmann). Michael Here r (ObmannstellVertreter;. Moses Reisen (deutscher Schriftführer. L. Land man u (hebräischer Schriftführer). Einanue! R a m m e r (Cassier), Salomon Seh ä r f (Haus- und Zeitungsverweser). Samuel H a r k e (Bibliothekar), Jakob Z i e g 1 e r. F. F ranke!, Hermann L u 11 i n g e r, A. M. Kiez k e r, B. Lehrer (Ausschussmitglieder ohne Function). München. Vom Präsidium des „Vereines Jüdischer Studenten in München" erhalten wir folgende Zuschrift: Der in Nr. üi der ,Welt" erschienene Artikel „Zionistische Studentenvereine" beschäftigt sich in seinen Hauptpunkten mit dem „Verein Jüdischer Studenten" zu München. Wir danken für das freundliche Wohlwollen, das sich in dem Artikel für uns kundgibt, sehen uns aber genöthigt, einen Punkt, der zu Missverständnissen Anlass gegeben hat, hier richtigzustellen. Der „ Verein Jüdischer Studenten" München ist weder zionistisch und jüdisch-national, noch antizionistisch. Er umfasst t hals ä c h l i c h jüdische Studenten aller Parteirichtungen. Zionisten und Nichizionisten, Orthodoxe und Liberale. Seine Aufgabe besteht allein darin, durch Vorträge und Discussioneu über jüdische Fragen innerhalb der jüdischen Studentenschalt Interesse für d;is Judenthum zu erwecken. Zum Unterschiede von ähnlichen Vereinen erstreckt sich d. r Gegenstand unserer Discussioneu auch auf religiöse und jüdisch-sociale Fragen, und hoffen wir, dadurch einerseits zur Klärung, andererseits auch zur Versöhnung der thntsächlieh bestehenden Gegensätze beitragen zu können. Indem wir um gefälligen Abdruck dieser aufklärenden Notiz bitten, verbleiben wir mit vorzüglicher Hochachtung 1. A. d. Präsidiums des „Verein Jüdischer Studenten" München. Bruno Hülse XXX- Zeitschriftenrundschau. „Hazefirah" setzt sich warm dafür ein, dass die armen Juden in Bessarabien, Cherson und in anderen Theilen des russischen Reiches bei den bevorstehenden Erntearbeiten Beschäftigung erthalten, wie ja nach dieser Richtung hin in den letzten Jahren bereits verschiedene Versuche unternommen wurden, die nach den Meldungen der Blätter günstig ausfielen. In Nr. 112 des genannten Blattes richtete der Herausgeber an alle Leser, die in dieser Angelegenheit Erfahrungen haben oder nützliche Anregungen geben können. die Bitte, sich in den Spalten des „Hazefirah" darüber zu äussern. Nun theilt der Gutsbesitzer Elias Gins bürg in P e t r u s c h o w a. Gouvernemet Cherson, dem Blatte Folgendes mit: „Als ich mein Gut Petruschowa im Kreise Elisabeth grad erwarb, richtete ich mein ganzes Bestreben darauf, soviel jüdische Feldarbeiter, als nur immer möglich, zu beschäftigen. Meine Bemühungen waren auch von gutem Erfolge gekrönt, indem zahlreiche jüdische Familien, die in der Nähe meines Gutes und der benachbarten Besitzung des Herrn Foth wohnen, während des Sommers, zumal in der Erntezeit, mit Frauen und Kindern bei mir arbeiteten und mich vollständig zufriedenstellten. Auch die russischen Feldarbeiter verkehrten mit ihnen freundschaftlich. Mit der Zeit nahm die Zahl der Familien, die sich bei mir um Arbeit bewarben, so sehr zu, dass ich unmöglich allen Bewerbungen Folge geben konnte. Ich bestrebte mich daher, die Aufnahme eines Theiles der Bewerber in die argentinischen Colomen zu erwirken. Laut den Briefen, die ich von ihnen erhalte, geht es ihnen in der Colonie Baronüünzbur g recht gut. Als ich dann später sah, dass die Versuche zur Heranziehung von Juden zu allen Arten der Feldarbeit günstig ausgefallen waren, warb ich neue Arbeiter aus den Städten in der Nachbarschaft meiner Besitzung an. Diesmal schlug meine Hoffnung jedoch zunächst fehl. Die geleistete Arbeit war in der ersten Zeit recht minderwertig. Später erkannte ich den Grund und trachtete, die Hindernisse zu beseitigen." Herr G i n s b u r g räth daher den Gutsbesitzern, die jüdische Feldarbeiter aufnehmen wollen, unter anderen die folgenden Massnahmen an: 1. sollen sie womöglich Dur f j u d e n beschäftigen, die die Gewohnheiten des Bauers, seine Lebensweise u. s. w. kennen und daher mit ihm friedlich zusammen arbeiten können: ± sollen sie die Juden ja nicht zu gleicher Zeit dieselbe Arbeit verrichten lassen wie die Bauern. Wenn die Bauern beispielsweise ernten, sollen die Juden die Frucht führen: denn wenn der Bauer sieht, dass der Jude die Arbeit in anderer Weise vollführt, als e r es von Kind an gewohnt ist, lacht und spottet er über die Arbeit des Juden, und dieser verliert dadurch das Selbstvertrauen und die Lust zur Arbeit: 3. sollen sie bestrebt sein, dass die Arbeit, die sie den jüdischen Arbeitern zuweisen, anfangs nicht zu schwer für sie sei. Später gewöhnen sie sich auch an schwierigere Arbeiten. Im „Hameliz" setzt J. Ch. Tawje w seinen Artikel über die Pflichten des Cultur-Z ionismus fort. Er führt u. a. aus, es sei höchst bedauerlich, dass es kein einziges jüdisches Lesebuch für die Schuljugend in russischer Sprache gibt. Während wir im Hebräisehen eine reichhaltige Jugendliteratur haben, die doch vorläuHg keinem besonders dringenden Bedürfnisse entspricht, weil ja unsere Jugend zumeist erst im reiferen Alter selbständig hebräisch lesen kann, fehlt es vollständig an einer solchen Literatur in r u s s i s c h e r S n r a che, die die Muttersprache der jüdischen Kinder in den grösseren Städten ist. Viele Eltern haben sich dem Artikelschreiber gegenüber beklagt: ,,Wir möchten so gern unsere Kinder in jüdisch-nationalem Geiste erziehen, und wir thun ja alles, was wir können. Aber alle unsere Bemühungen sind umsonst, weil wir keine Lesebücher haben. Unsere Kinder sind fleissige Leser, sie verschlingen geradezu eine ganze Menge von Jugendschriften. Alles finden sie in diesen Schriften: die Geschichte aller Völker, die Namen und Grossthaten aller Helden, das Leben aller Weisen, alles Schöne und Erhebende — bloss Jüdisches finden sie nicht in ihren Büchern, nichts von unseren Helden, Weisen und Frommen, nichts, was schön ist und erhebend in u n s e r e r Geschichte." — Diesem Uebelstande müsse abgeholfen werden. Von unserem Bruderblatte, der Brünner „Jüdischen Volksstimme", ist soeben die zehnte Nummer erschienen. Sie enthält einen ausführlichen Bericht über den jüngsten Partei-

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