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Die Welt · 1900-06-22 · 25 (22.6.1900) · p. 10

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
25 (22.6.1900)
Article
Prag / E. G.
Date
1900-06-22
Page
10 (sequence 2)
Language
German
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Seite 10 „Die & Welt" Nr. 25 der Zionismus hier im Gegensatze zu anderen Städten z uletzt in der Studentenschaft eine Anhüngerschar, die indes von Tag zu Tag wächst. Darob natürlich grosses Geschrei in der Halle, Versammlungen, Berathungen und endlich auch Beschlüsse, die darauf hinzielen, der zionistischen Bewegung entgegenzutreten. Allen Mitgliedern wurde aulgetragen, während der Ferien eine rege Agitation für die „daitsche" Sache zu entfalten. Es ist zu erwarten, dass jeder jüdische Student Böhmens seine Pflicht thun wird! E. G. Högyesz (Ungarn). Der hiesige Bezirksrabbiner, unser Gesinnungsgenosse Herr M. E. G o i t e i n, feierte am -21. d. M. sein vierzigjähriges Amtsjubiläum. Aus diesem Anlasse brachten ihm der Vorstand und die Mitglieder unserer Gemeinde herzliche Ovationen dar. Herr Rabbiner G oi tei n ist als hervorragender Talmudgelehrter in weiten Kreisen bekannt. In religiöser Beziehung streng conservativ. ist er zugleich ein begeisterter Zionist, wi.von die Erziehung seiner Kinder schönes Zeugnis ablegt. Alle seine sieben Söhne, darunter zwei Rabbiner, sind treue Anhänger der zionistischen Bewegung. M. Köln, l± Juni Zu der Abschieds-Feier, die die hiesige Zionistische Vereinigung ihrem bewährten Yorstandsmilgliede des Central-Comites für Deutschland, dem zum Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Königsberg gewählten Herrn Rabbiner Dr. Nobel veranstaltete, hatte sich ein zahlreiches Publicum eingefunden. Die stattliche, den verschiedensten politischen und religiösen Anschauungen angehörende Versammlung legte beredtes Zeugnis dafür ab. wie Herr Rabbiner Dr. N o b e 1 durch seine Persönlichkeit und sein Wirken es verstanden, sich die Hochachtung und Wertschätzung aller Kreise innerhalb unserer Gemeinde zu erwerben. Herr Rechtsanwalt Dr. B o d e n h e i m e r hielt die eigentliche Abschiedsrede. Anschliessend an die Worte des Goethe'schen Gedichtes „Lied der Auswanderer": Bleiben, Gehen, Gehen. Bleiben Sei fortan dem Tüchfgen gleich, Wo wir Nützliches betreiben, Ist der werteste Bereich, führte der Redner aus. dass, wo Herr Dr. Nobel auch weile, in Königsberg oder Köln, er immer Nützliches und Tüchtiges schaffen, überall von den Blüten seines Geistes wertvolle Gaben spenden werde. Aber schwer sei es und schmerzlich, die Bande der Freundschaft zu lösen, welche in jahrelangem Verkehr mit liebender Sorgfalt gepflegt wurden sind. Der Verlust einer so bedeutenden Persönlichkeit sei nur zu entschädigen durch die Ueberzeugung, dass die Entfernung des Raumes das Band nicht löse, welches die Zionistische Vereinigung mit Herrn Dr. Nobel verbinde. Der Redner hob dann hervor, welcher Charaktergrösse es bedurfte, dass Herr Dr. Nobel die auf ihn gefallene Wahl zum Vorstandsmitglied des Central-Comites der Zionistischen Vereinigung annahm, zu einer Zeit, als ein grosser Theil seiner Amtsgenossen den Zionismus in Acht und Bann gethan. Herr Dr. Bodenheim er streifte dann mit einigen grossen Zügen den Zionismus und überreichte dem scheidenden Freunde ein ihm gewidmetes Davids-Schild. Könitz. Am 11. d. M. erliess der hiesige Magistrat folgende Bekanntmachung: „Auf Ersuchen des Militärbefehlshabers Herrn königlichen Majors v. Zy chlins k i vom 1. Bataillon des Infanterie-Regimentes Graf Schwerin (o. Ponnnersches) Nr. Ii-, wird hiermit bekannt gemacht, dass das Bataillon auf Allerhöchsten Befehl S r. Majestät des Kaisers hier eingerückt ist u nd die Stadt nicht wieder früher verlassen darf, als bis die vollsten Garantien für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung gegeben werden. Die Kosten für den Unterhalt der Truppen hat n ach Allerhöchstem Befehl die S t a d t g e m e i n d e zu tragen." Diese persönliche Kundgebung des Kaisers rief hier gewaltiges Aufsehen hervor und verfehlte selbstverständlich nicht ihre Wirkung. Jetzt ist hier alles ruhig. Die Kosten der Truppeneintjuartierungen belaufen sich ungefähr auf 800 Mark täglich. Die Stadt hat das Aussehen einer Garnisonsstadt. Militärradier durchsausen die Strassen. Die Militärwache hat an der Synagoge einen Doppelpusten aufgestellt Der Zustand der Synagoge ist unbeschreiblich. Nicht die kleinste F e n s t e t- Scheibe ist verschont g e b 1 i e b e n, d i e T h ü r e n s i n d e r b r o c h e n, i m I n n e n r a u m e K r o n l e u c h t e r u li d B ä n k e z e r sclil a g e n. Auch das rituelle Bad wurde gestürmt, alle Einrichtungsgegenstände darin beschädigt und theilweise ganz zertrümmert. Allerlei Nachrichten. Sonntag den 17. und Montag den IS. d. M. fand in Witten (Westfalen) der 1<>. ordentliche Gemeindetag des „Verbandes der Sy nagogeu-Gemeinden Westfalens" statt. In Dortmund wurde am 8. d. M. eine neue Synagoge eingeweiht. Die Weiherede hielt Rabbiner Doctor F r a n k aus Köln. Am »>. d. M. fand in Myslowitz eine Sitzung des Oberschlesischen Rabbiner - Verbandes statt. Einen der Hauptpunkte der Tagesordnung bildete die Regelung des Verhältnisses der Zweigverbände zum Allgemeinen deutschen Rabbiner-Verbände. Den; Jahresberichte der „Israelitischen Kinderheilstätte" in B a d N a u h e i m entnehmen wir folgende Daten : Das Terrain der Kinderheilstätte umfasst eine Grundfläche von circa 700U (Quadratmetern. Das Hauptgebäude, mit allen therapeutisch-technischen Erfordernissen versehen, ist von Gartenanlagen, Spiel- und Turnplätzen umgeben. In der Saison IS!»'.» wurden 15:i Kinder. 7!) Mädchen und 71- Knaben, in der Anstalt verpflegt. Das Mont-Sinai-Hospital in New-York, welches jetzt einen grossartigen Neubau errichtet, der auf 1.500.»MX» Dollars veranschlagt wird, hat von den Kindern des Herrn Meyer. Guggenheim ein Geschenk von;>OO.<>»>0 Dollarsund von Herrn Henry L. Einstein L25.OO0 Dollars erhalten. Die jüdische Gemeinde in Philadelphia brachte kürzlich einem jüdischen Ofüciere, der sich im Kampfe auf den Philippinen ausgezeichnet hat, Ovationen dar. Capitän Louis Ostheim ist isco geboren und trat im Alter von 18 Jahren in die Militärakademie in New-York ein. INS:'» wurde er Lieutenant in dem dritten Artillerieregimente, und bei Ausbruch des Krieges mit Spanien gehörte er zu den Truppen, die nach den Philippinen geschickt wurden. Er befehligte eine Zeitlang die Artillerie in Iloilo und zeichnete sich bei den dortigen Kämpfen so aus, dass er vor dem Feinde zum Capitän befördert wurde. Der von uns in voriger Nummer gebrachten Nachricht über den dritten jüdischen Abgeordneten in Preussen ist noch die gewiss interessante Notiz hinzuzufügen, dass dessen Wahl hauptsächlich conservativen Stimmen zu danken ist. Die „Kreuzzeitung" verzeichnet diese „bedauernswerte" Thatsache. Am 1. Schawuoth-Tage hielt Rev. Stephen S. W i s e seine Abschiedsrede im Tempel der Madison Avenue. Zum Herbst dieses Jahres wird unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse — wie wir bereits früher meldeten -— seine neue Stellung in Portland, Oregon, als Rabbiner der Beth-lsrael- Gemeinde antreten.

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