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Die Welt · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-06-15
Page
12 (sequence 1)
Language
German
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Seite 12 ,Die & Welt" Nr. 24 Vereinsnachrichten, Wien. (LiterarischerGeselligkeits-Verein jüdischer Mädchen „Mori a".) Am 20. Mai li)00 fand in dieser Saison der letzte literarische Nachmittag statt. Der Referent, Herr Dr. B Margulies, sprach in überaus fesselnder Weise über „Die Einführung in die jüdische Literatur und Geschichte". Redner führte aus. die Geschichte erst lehre uns, einen Wert auf die idealen Güter des Volkes legen, kostbare, theure Güter, die durch die Arbeit und das Leiden so vieler Generationen errungen werden mussten. Die Kenntnis der jüdischen Geschichte sei nothwendig; sie solle die Geistesfrische im Judenthum erhalten und die Ideale, für welche unsere Ahnen geblutet haben, beleben. Reicher Applaus lohnte den geistvollen Redner. Hierauf schloss in Abwesenheit der Präsidentin, des Fräulein Natalie P o 11 a k, die erste Vicepräsidentin des Vereines mit einer kurzen Ansprache das Sommersemester, indem sie den Verein mit einem Wanderer verglich, der, nachdem er eine bedeutendere Höhe erstiegen, zurückblickt, um den zurückgelegten Weg zu überschauen. So wie der Wanderer, wenn er sein Reiseziel erreichen wolle, nicht immer stehen bleiben dürfe, so solle auch der Verein nur eine kurze Zeit, die Ferien hindurch, rasten, um sich zur weiteren Wanderung zu stärken. Mit einem Appell an die anwesenden Gäste wurde der literarische Nachmittag beendet. Prag. Sonntag den 10. d. M. fand hier die ausserordentliche Delegierten-Versammlung des Verbandes „Zion" statt. Ein ausführlicherer Bericht folgt demnächst. Krakau. Am -11. Mai 1. J. veranstaltete der akademische Verein „Przedswit-Haschachar" einen glänzend verlaufenen Festabend dem Andenken Bar Kochbas zu Ehren. Der Abend nahm seinen Anfang mit der Begrüssungsrede des Präses Dr. Wahrhaftig, der auf die Zionisten als die Träger der „neubarkochbanischen Idee" hinwies.Mit modernen Waffen — meinte der Redner — erstreben heute die Zionisten das von BarKochba für sein Volk so heiss ersehnte Ziel: ein freies Volk im freien Judenlande. Den Tendenz Vortrag erstattete Herr Dr. Goldwasser. Redner erörterte die Verhältnisse, die zur Zeit Bar Kochbas herrschten, und concludierte dahin, dass das Judenthum auch in der Diaspora immer das Gefühl der gemeinsamen Zusammengehörigkeit und den nationalen Geist bewahrt habe. Hernach gelangte der 3. Gesang der Dichtung Vrchlickys , Bar Kochba" durch die Herren L o e b 1, Lehrfreund und N e h m e r zur Aufführung. Um den musikalischen Theil hat sich Herr Dr. Königsberger durch das Arrangement eines Streichquartetts verdient gemacht. Besondere Anerkennung gebürt den Herren Dr. Königsberger, cand jur. Falter, cand. med. G. Lippel und Herrn Lippel sen., die in äusserst gelungener Weise das Andantino und Menuetto aus Franz Schuberts Op. Posth. zum Vortrag brachten. S. Lemberg. Fast ein volles Jahr musste der jüdischnationale akadamische Verein „Emunah" in Lemberg auf die behördliche Bewilligung seiner Statuten warten. Nachdem diese nunmehr erfolgt ist, steht nichts mehr im Wege, dass der Verein eine erspriessliche Thätigkeit entfalte. Das Resultat der letzten Neuwahlen ist folgendes: Präses: stud. jur. Maximilian Barber; Vicepräses: stud. jur. Salonion Buchstab; Schriftfahrer: stud. jur. David Hescheles. Czernowitz. Am 4. Juni hielt der Verein „Zion" im Bauhandwerkersaale anlässlich des Wochenfestes eine festliche Versammlung ab. Der Präsident Herr M e 1 z e r begrüsste die zahlreich erschienenen Versammelten und setzte die Bedeutung des Festes auseinander. Darauf ergriff der Delegierte der akademischen Verbindung „Hasmonaea", Herr stud. jur. Kluger das Wort In einstündiger, glänzender Rede führte der Redner aus, dass dieses Fest das Werden, die Genesis des jüdischen Volkes bedeute. Von diesem Tage, vom Tage der jüdischen Gesetzgebung sei das Volk zu dem geworden, was es durch die ganze Zeit seiner Existenz hindurch war und ist. Durch alle Verfolgungen hindurch habe es dieses heilige Kleinod aufbewahrt Das jüdische Volk müsse zeigen, dass es seiner Lehre würdig sei und sich der Bewegung anschliessen, die zu seiner Regenerierung führt. Bolechow. Am 30. v. M. veranstaltete der hiesige Verein „Chowewe Zion" sein Gründungsfest, wobei zionistische Reden vor einer zahlreichen Versammlung gehalten wurden. Eine sehr gelungene Eröffnungsrede hielt unser geehrter Präsident Herr N. Lothringer, dann sprachen unter grossem Beifalle die Herren B. B i c k e 1 (hebräisch) und Isak Goldschlag (deutsch). Eine sehr gediegene deutsche Rede hielt auch unser Ehrenmitglied Herr Schorr. Zum Schlüsse ergriff wieder unser geschätzter Herr Präsident das Wort zu einem Nachrufe auf Paul Naschauer s. A., zu dessen Ehren die Anwesenden sich erhoben hatten. Nadwörna. Die Herren Gesinnungsgenossen Ch. Kleinmann, M. Hübner und L.Förster hielten, am ersten und zweiten Tage des Wochenfestes in einer hiesigen Synagoge in gutbesuchten Volksversammlungen Vorträge, welche ihren agitatorischen Zweck vollkommen erreichten. Die meisten Anwesenden verpflichteten sich, Schekelzahlungen zu leisten. Suczawa. Kürzlich fand im hiesigen „Zion- Vereine" eine stark besuchte ausserordentliche General- Versammlung zwecks Vornahme von Neuwahlen in den Ausschuss statt Gewählt wurdeu : Sch. Langer, Obmann. Advocaturs-Candidat Dr. K. Rachmuth, I.Obmann-Stellvertreter und Cassier, Advocaturs-Candidat Dr. J. K. F i n k e 1, II. Obmann - Stellvertreter, A. P ekel mann, Oekonom, S. Smo triez und \V. Wasser, Schriftführer in hebiäischer Sprache, S. Silbermann, Schrillführer in deutscher Sprache, M. R u d i c h, Zeitungsverweser, N. Hopmaier, stud. jur. S. Schäfer, I. H a m m e r, Ch. S c h e .» r, Ersatzmänner, J. D o i f i g, A. Körner, Cassarevisoren. Lubicz (Gouv. Plock). Bei den letzten Wahlen in unserem Verein „Ohawe-Zion* wurden die folgenden Herren in den Vorstand gewählt: J. P. Schwaf tzberg, Präses; M. Hernes, Vicepräses; M. Reibe, Cassier, und M. Schwartzberg, Schriftführer. Suwalki (Russland). Der hiesige zionistische Verein „Agudas Ohavei Zion" zählt bereits 80 Mitglieder. Der Ausschuss besteht aus folgenden Herren: Dr. N at hanso n, Präses; M. M i n s k i, Vicepräses; E. C a h a n, Cassier; Z. S. Bernstein, Secretär. Ausser diesem Vorstande haben sich folgende Herren um die Jüdische Colonialbank verdient gemacht: M. H. S e r e i s k i, Ch. J. Katzenelensohn, I. Bernstein, N. Margolis. Der hiesige Verein hat auch eine öffentliche hebräische Bibliothek und Lesehalle eingerichtet und eine „Samstag-Schule" für Handwerker gegründet. Allerlei Nachrichten, Im preussischen Abgeordnetenhause hält demnächst der dritte jüdische Abgeordnete seinen Einzug. Der Rechtsanwalt Eduard Wolf wurde im Wahlkreise Lissa mit 334 gegen 191 polnische Stimmen gewählt. Der neue Abgeordnete steht, trotzdem er erst 48 Jahre alt, schon lange im öffentlichen Leben. Er gehört dem Stadtverordneten - Collegium seiner Vaterstadt Lissa schon viele Jahre an und bekleidet darin das Amt des Vorstehers. Auch ist er Vorsitzender des Repräsentanten-Collegiums der jüdischen Gemeinde. Die „Chewrah-Kadischah" der Budapester israelitischen Cultusgemeinde hielt dieser Tage ihre General- Versammlung ab. Aus dem Jahresberichte geht hervor, dass die Einnahmen und Ausgaben über eine Million Kronen betrugen. Eine gleiche Summe wurde für das laufende Jahr präliminiert In \Yürttemberg bereitet sich eine Bewegung vor bezüglich der die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden regelnden Gesetzgebung. Die jetzigen Gesetze stammen zum grössten Theile noch aus den Jahren 1828, 1S61 und 1864, und die Bewegung der einzelnen Gemeinden ist eine sehr eingeschränkte. Wie voriges Jahr in Elsass-Lothringen, wird nun auch in Württemberg eine Wandlung angestrebt Eine dahinzielende Petition wurde auf Antrag der betreffenden Commission vom Abgeordnetenhause der Regierung zur Erwägung übergeben. Das bedeutet, dass das Verlangen der Petenten für berechtigt anerkannt wird. Unter den Befürwortern der Petition gab namentlich ein geistlicher Herr, Prälat von Schwarzkopf, den Ausschlag, der sich warm für sie einsetzte. *

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