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Die Welt · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Article
Bekanntmachung
Date
1900-06-15
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 24 ,Die & Welt" Seite 9 Actie circa 14 Tage nach Avis der Zahlung der restlichen 80% bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) Vollzahlung des Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Avis der Vollzahlung. Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. Tribüne. Wir erhalten folgende sehr beachtenswerte Zuschrift : Paris, 1. Juni 1900. Hochgeehrte Redaction! Im Laufe des folgenden Monats werden in der Weltausstellung zu Paris zwei internationale Studenten- Congresse stattfinden, „La Jeunesse" und ,Le Congres International". Die Studentenvereine aller Nationen werden da vertreten sein. In der „La Jeunesse* wird über die studentische Geselligkeit (solidarile) diseuliert werden. Socialisten, Nationalisten und Antisemiten werden da das Wort ergreifen. Wahrscheinlich wird auch die Judenfrage gestreift werden. Die Antisemiten werden da gewissenhaft ihre Aufgabe zu erfüllen suchen. Sie werden vor der ganzen civilisiertenWelt die „Treibereiender Juden denuneieren. Und die Juden? Werden die Juden ihnen zu antworten wagen? Wie es scheint, nein. Bis jetzt hat kein jüdischer Studentenvrrein seinen Anschluss erklärt. — Ich begreife sehr, in welcher Verlegenheit die sogenannten assimilierten Juden sich befinden müssen. Sie haben den Muth nicht, als Juden aufzutreten. Sie sind zu heklagen. — Aber die Zionisten, die Nationaljuden, die die Fahne des Judenthums hochhalten, warum schweigen sie? Warum wollen sie nicht die Gegenheit ergreifen, laut vor der ganzen Welt gegen die Barbarei ihrer christlichen Mitstudenten zu protestieren? Führwahr, das wäre ja eine Feigheit sondergleichen. — Glücklicherweise ist die Anmeldungszeit noch nicht verstrichen. Jüdische Studierende aller Länder, vereinigt Euch! Zeigt der Welt, dass die jüdische Nation zum Selbstbewusstsein erwacht ist. Sagt es an, laut und hoch, dass Ihr nicht mehr alle Verfolgungen mit Resignation über Euch werdet ergehen lassen, sondern dass Ihr muthig den Kampf aufnehmen werdet. Ihr werdet dann der Sympathie aller ernsthaften Leute sicher sein. Mit vorzüglichem Zionsgruss B. Siew, etudiant en leltres, 2, rue des Fosses St. Jacques. Weltchronik. Die Judennoth in Rumänien. Dieser Tage fand in Galatz eine Enquete von Delegierten jüdischer Cultusgemeinden Rumäniens statt. Der Zweck der Enquete war, Mittel und Wege ausfindig zu machen zur Unterstützung der unglücklichen Juden, die zur Auswanderung gezwungen sind. Herr Dr. Moschko witz aus Galatz eröffnete die Versammlung. An der Debatte betheiligten sich die Herren Pur, Goldenthal. Pineles u. a. Es wurde beschlossen, eine kleine Actiengesellschaft zur Unterstützung der Emigranten zu gründen, die ihren Sitz in Jassy und eine Filiale in Bukarest haben soll. — In Bukarest wurde ein jüdischer Wohlthätigkeitsverein unter dem Titel „Asistenta publice" gegründet, dessen Zweck es ist, Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen, den Armen gesunde Wohnungen gegen einen. geringen Mietzins zu vermitteln, verarmten Kauüeuten aus Vereinsmitteln kleine Laden einzurichten und die jüdischen Schulen in jeder Weise zu unterstützen und zu fördern. — Der Verein „Misgab Ladach• iu Bukarest,vejtheilte vom 6. Februar bis zum Pessachfeste unter '254 nothleidenden Familien 190.000 Kilogramm Brot, 560 Kilogramm Fleisch. 3725 Kilogramm Mazzoth, 7563 Kilogramm Kartoffeln, 1922 Speiserationen aus der Volksküche. Ausserdem bezahlte der Verein für zahlreiche Kranke den Arzt und die Apotheke und spendete grosse Mengen Thee und Zucker. — In New-York wurde dieser Tage ein Hilfsverein für die rumänischen Juden gegründet, bei dessen erster Collecte bereits 1170 Francs gesammelt wurden. Hie von wurden Herrn Goldenthal in Jassy sofort 1545 Francs geschickt zur Vertheilung von Brot unter den Armen. — Im Laufe der letzten Wochen wanderten aus Bukarest 246 Familien nach Amerika aus, aus Bottuschani 90 Familien, aus Dorohoi 62 Familien, aus^der kleinen Stadt Herza 38 Familien, darunter ein 90jähriger Greis, aus Tirgu-Prumos 30 Familien, aus Jassy 226 Familien und 25 junge Leute nach Transvaal, aus Galatz 545 Personen, aus Ploesti 163 Personen, aus Focsani 30 Familien, aus Braila 60 Familien, aus Herlau 18 Familien, aus Tirgu Okna 60 Personen, aus Röman 100 Personen, aus Piatra 70 Personen, aus Krajowa 40 Personen, aus Berlad 40 Familien. In Bukarest haben sich fünf Fussgängergruppen, die nach Hamburg zu Fusse auswandern wollen, gebildet. Solche Gruppen bildeten sich femer in Jassy, in Braila, in Galatz, in Berlad, in Focsani, in Bujewo, in Riminicu-Sarat, in Podul-Illoie etc. Jede Gruppe umfasst mindestens 100 Personen, einige darunter zählen 500 Personen. Am 14. Juni wollen 300 Familien mit 1200 Seelen aus Bukarest nach Canada auswandern. Diese Gruppe hat sich bei der Schifffahrts-Gesellschaft Forio Rubatino in Genua eine Fahrpreisermässigung um 50 Percent erwirkt. — Wie verzweiflungsvoll die Lage der rumänischen Juden ist, beweisen auch zwei Selbstmordvorfälle der jüngsten Zeit. In Bukarest erhängte sich nämlich ein Jude namens David Tennen und in Braila einer namens Nathan Rosenzweig. Aus den hinterlassenen Briefen beider Selbstmörder geht hervor, dass sie die grause That verübten, weil sie das Elend ihrer Frauen und Kinder nicht mehr mitansehen konnten. Neues aus Könitz. Die Herren Brunn und Werner, Specialcorrespondenten der „Staatsbürgerzeitung" in Könitz, haben einen förmlichen Untersuchungs-Ausschuss eingesetzt, vernehmen Zeugen, lassen sich „eidesstattliche Versicherungen* geben und schicken dieselben dann wohlpräpariert zur Polizei. Ganz ohne Scheu erzählt die „Staatsbürgerzeitung", wie der Arbeiter M a s 1 o c h. der bereits vor einiger Zeit durch eine längst als grober Schwindel enthüllte Aussage den Schlächter L e v y ans Messer bringen wollte, nach einem mehrstündigen Verhöre ganz neue, ungeheuer wichtige Aussagen gemacht. Er will sich, um Fleisch zu stehlen, in den Hof des Levy'schen Hauses begeben haben, und dort habe er gesehen, wie unter Führung des Levy mehrere Juden einen verpackten länglichen Gegenstand nach dem Mönchssee getragen. — Man sieht, wie weit der Fanatismus geht, der Mann bezichtigt sich selbst des Diebstahls, um nur einen Juden hineinlegen zu können. Die Bearbeitung durch die Antisemiten und die Aussicht auf ca. 30.000 Mark Belohnung dürften zur Ablegung dieses falschen Zeugnisses, das seinem Urheber theuer zu stehen kommen dürfte, wesentlich beigetragen haben. Aus dem Umstände, dass auch jetzt seitens der Behörde nichts gegen Levy unternommen worden ist, dürfte hervorgehen, wie

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