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Die Welt · 1900-06-15 · 24 (15.6.1900) · p. 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
24 (15.6.1900)
Article
Zionistische Studentenvereine
Date
1900-06-15
Page
8 (sequence 2)
Language
German
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Seite 8 ,Die 2$ Welt" Nr. 24 begeisterte Zionisten und von den Vorgängen in der zionistischen Partei aufs beste informiert Der Zionismus ist der Brennpunkt ihrer Discussion. Bei seiner werbenden Kraft ist die Zeit nicht ferne, wo diese Vereine sich officiell zum Zionismus bekennen werden. Etwas verblasst finden wir jüdisch-nationale Tendenzen in Vereinen des K. C.: „Badenia" in Heidelberg, „Freyburgia" in Freiburg, „Likaria" in München, „Rheno-Silesia" in Bonn, »Spreevia" in Berlin und „Viadrina" in Breslau. Auch die Mitglieder dieser Verbindungen verheimlichen ihre jüdische Abstammung nicht, stolz nennen sie sich Juden und treten mit der blanken Waffe ein für die verletzte jüdische Ehre. Mit Politik beschäftigen sie sich im allgemeinen nicht, geselliges Zusammenleben ist ihnen Selbstzweck. Am 31. Mai d. J. fand die Gründungskneipe des eingangs erwähnten „Vereines jüdischer Studenten in München" statt Nach wenigen Begrüssungsworten entwickelte Präses med. Julius Citron in einer glänzenden Rede die Bestrebungen des Vereines. Die Geschichte eines jeden Volkes, so auch die Geschichte des jüdischen Volkes, bewege sich in Curvenform. Gegenwärtig befinde sich das Judenthum im Stadium der aufsteigenden Linie. Das Erstarken des Judenthums zeigt sich in der fortschreitenden Erkenntnis von der Nothwendigkeit der Organisation. Alliance israelite universelle, Jewish Colonisation Association, Zionismus, jüdische Literatur- und Turnvereine, sie alle entspringen trotz aller Unterschiede der gemeinsamen Liebe zum Judenthum. Nun geht auch die Judenschaft Deutschlands daran, sich zu organisieren. Dieser Verein sei kein Abwehrverein, er macht es sich zur Aufgabe, seinen Mitgliedern die Anregung zu geben, sich mit allen Fragen der Judenthums zu beschäftigen, sie zu studieren, um auf Grund dies«r Studien zu einer selbständigen Auffassung der Tagesfragen zu gelangen. Med. Wolf, Präses der ^Unitas", überbrachte der jungen Vereinigung die Glückwünsche der „Unitas" und der übrigen Wiener zionistischen Studentenschaft Rabbiner Dr. Werner, der Rabbiner der orthodoxen Gemeinde Münchens Dr. Ehrentreu und Herr Fränkl, ein angesehener Bürger Münchens, drückten in begeisterten Worten dem Vereine ihre Sympathien aus. Da einzelne Aeusserungen dieser Redner mit den zionistischen Tendenzen nicht in vollem Einklänge standen, ergriff ehem. Fischer aus der „Unitas" das Wort und legte die Bestrebungen der Zionisten auseinander. Hier ergab sich wieder einmal die so oft beobachtete Thatsache, dass unsere erbittertsten Gegner vom Zionismus herzlich wenig wissen. Denn Herr Rabbiner Dr. Werner, einer der bekanntesten Protest-Rabbiner Deutschlands, den wir nach seinen Ausführungen für einen ebenso vorzüglichen Redner, als wackeren und braven Juden halten müssen, erklärte, die zionistischen Ausführungen Fischers könne er vollkommen unterschreiben, und doch hat letzterer das zionistische Programm dargelegt und an einem Beispiele dessen Nothwendigkeit, Stichhältigkeit und Consequenz bewiesen. Hoffen wir denn, dass sich in Deutschland die Gegensätze immer mehr ausgleichen werden und dass alle Factoren schliesslich zusammenarbeiten werden zum Heile unseres Volkes. Alois Fischer. Der rumänische Exodus. Die Auswanderung aus Rumänien nimmt einen immer grösseren Umfang an. Das fängt an, der rumänischen Regierung unangenehm zu werden. Sie versucht es also, die Bewegung zu hintertreiben, indem sie ihre Organisatoren verhaftet und sonst in jeder Weise drangsaliert. Aber daran hatte die Regierung nicht genug. Sie wollte beweisen, dass es den Juden in Rumänien gar nicht schlecht geht, sondern dass die ganze Auswanderungs-Bewegung das Werk einiger jüdischer Hetzer und Speculanten — ein purer jüdischer Schwindel sei. Um dies „beweisen" zu können, appellierte die Regierung durch den Cultusminister Herrn Dr. Istrati an den sozusagen einzigen amtlichen Vertreter der rumänischen Juden, an den Bukarester Rabbiner Dr. Beck. Vorerst sollen diesem einige Versprechungen gemacht worden sein, so z. B. die Schaffung eines Rabbinerseminars, dann aber soll man von ihm verlangt haben, er möge die Auswanderungs- Bewegung verurtheilen und speciell die Begründung derselben leugnen. Was das Versprechen anbelangt, so kann man dessen Wert ermessen, wenn man sich die Person des Versprechers näher ansieht. Es ist dies der Herr Dr. Istrati, das „geistige" Haupt der Antisemiten, der Begründer und Grossmeister des antisemitischen Geheimbundes. Was das Verlangen, welches dieser Minister an den Rabbiner gerichtet hat, anbelangt, so scheint leider der Vertreter der rumänischen Juden wieder nicht den Muth gefunden zu haben, einer Drohung zu widerstehen. Zwar leugnet Herr Dr. Beck, dass er die geforderte Erklärung abgegeben habe, die jüdische Bevölkerung traut aber diesem Seelsorger alles zu, da er nie bewiesen hat, dass er sich seiner Pflicht bewusst. und sich gewöhnlich der Regierung gegenüber gefügig gezeigt hat Gegen Herrn Dr. Beck spricht auch die Haltung der Aparare a Nation a 1 a, des Organes der antisemitischen Liga, also auch da« Organ des Herrn Dr. Istrati. Dieses Blatt schreibt nämlich: „Der Jude Dr. Beck hat bezüglich der sogenannten Judenauswanderungen folgende wichtige Erklärung einem Herrn Minister abgegeben: „Die rumänischen Juden haben gar keinen Grund, sich, sei es über die Rumänen, sei es über die rumänische Regierung zu beklagen, und die Auswanderungsfrage ist der Speculation einiger berufsloser Juden zu verdanken. Diese gewissenlosen Juden missbrauchen die Naivetät ihrer Glaubensgenossen, indem sie dieselben dadurch ängstigen, dass sie ihnen einreden wollen, sie würden infolge der Krisis ohne Existenzmittel bleiben." Falls Herr Dr. Beck nicht dem antisemitischen Blatte ein energisches Dementi entgegenstellt, falls es sich erweisen sollte, dass er, wie die Auswanderer es derb ausgesprochen haben, Verrath an seinen Glaubensgenossen geübt hat, — so wird er diesesmal nicht leicht darüber hinwegkommen. Schon musste ihn die antisemitische Polizei gegen einen Ausbruch der jüdischen Empörung schützen; ob sie dies noch später könuen wird, wenn sich als wahr erweist, was bis nun nur ein Gerücht gewesen, kann man füglich bezweifeln. —r. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. London, den 10. April 1900. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage des Directoriums wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenten folgende Zahlungsbedingungen in Kraft treten: Entweder a) 20% bei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Mittheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine definitive

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