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Die Welt · 1900-06-08 · 23 (8.6.1900) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
23 (8.6.1900)
Article
[Ohne Titel]
Date
1900-06-08
Page
13 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 23 ,Die $l Welt" Seite 13 Die letzte Volkszählung erweist, dass in Rumänien iÜH.WO Juden wohnen, oder bei einer Gesammteinwohnerzahl von 5-4 Millionen kaum .V/2 Percent. Davon 21±~M), die sieh „unter keinem Schutze" befinden, wie die officielle Notiz besagt. Der Israelitische Bethnusverein in Liesing, Niederösterreich, lässt einen Aufruf ergehen zu Spenden für eine neu zu erbauende Synagoge. Der Verein hatte vor zwanzig Jahren in einem gemieteten Loeale ein Bethaus eingerichtet, dieses Local wurde aber vor kurzem gekündigt. Bei der antisemitischen Strömung, die in Liesing herrscht, kann es dem Bethausverein nicht gelingen, ein neues Mietlocal zu bekommen, und der Verein muss daher eine ständige Synagoge erbauen. Spenden nimmt der Vorsteher des Bethausvereines Herr Jakob Papanek in Liesing entgegen. Zeitschriftenrundschau. Der „Jewish Chronicle'% das antizionistische jüdischengJJsche Blatt, schreibt anlässlich der Wahl Londons als Ort des IV. Zionisten-Congresses: „Mag der Congress selbst die zionistische Sache fördern oder nicht, dessen Abhaltung in London wird jedenfalls einen Markstein in der zionistischen Bewegung bilden. — Von manchen Gesichtspunkten aus wird der Congress die bedeutendste jüdische Versammlung sein, die jemals in unserem Lande abgehalten wurde, wenn man in Betracht zieht, dass die entlegensten und verschiedensten Zweige der Judenschaft dabei vertreten sein werden. Ob die auf dem Congresse Erscheinenden als Vertreter im parlamentarischen Sinne gelten können oder nicht, immerhin repräsentieren sie die verschiedenen Länder, in denen sie leben. Wenn der Congress in London nur eine annähernd so grosse Zahl von Theilnehmern zusammenfassen wird, wie es in Basel der Fall war. so werden wir auf* demselben Juden aus Russland, Polen, Galizien. Rumänien, Deutschland, Frankreich, Italien und Oesterreich sehen, ebenso wie solche aus Amerika, Canada, sowie selbstverständlich aus allen Theilen des britischen Reiches. Die zionistische Theorie beiseite gelassen, der gegenüber wir oft genug unseren Standpunkt betont haben, muss solch eine Versammlung von Juden aus allen Theilen der Welt als eine besondere und wichtige Gelegenheit erkannt werden, die sich den englischen Juden — ob sie Zionisten sind oder nicht — bietet, die Bekanntschaft ihrer Brüder aus fernen Ländern, sowie ihrer Bestrebungen und Hoffnungen zu machen und ihnen wieder zu sagen, was die englische Judenschaft fühlt. Die englischen und die fremden Juden werden miteinander und zu beiderseitigem Nutzen Vergleiche anstellen können. Wie wir aufrichtig hoffen, wird auch die sich darbietende Gelegenheit, ergriffen werden, um von den in Russland, Polen, Galizien und Rumänien wohnenden Congress-Theilnehmern nähere Aufschlüsse über die Lebensverhältnisse unserer Brüder in diesen Ländern zu erhalten, welche uns in der Behandlung der Fragen der Armenunterstützung, Fremdeneinwanderung und Repatriierung sehr dienlich sein könnten. Darum wäre es sehr gut, wenn eine englisch-jüdische repräsentative Körperschaft zur Berathung dieser Angelegenheiten eine Conferenz anberaumen w ürde bevor der Zionisten- Congress auseinandergeht. Wir sind sicher, dass die Juden in England, welches auch ihr Standpunkt dem Zionismus gegenüber sein möge, den vielen ausgezeichneten und hervorragenden Brüdern aus fremden Ländern, welche zum Congresse in London erscheinen werden, ein herzliches Willkommen entbieten." Diese liebenswürdigs Sprache eines gegnerischen Organes ehrt ebenso dieses, wie unsere zionistische Bewegung, denn sie zeigt, dass der Zionismus durch den Ernst seiner Bestrehungen selbst bei Widersachern Achtung sich errungen hat. Zugleich aber ersieht man daraus, dass es Brücken gibt, die alle, welche um des Judenthums Zukunft besorgt sind, zu gemeinsamer Arbeit für des Judenthumes Wohl vereinigen könnten. „El Telegrafo" in Constantinopel bringt einen längeren Artikel über die jüdischen Colonien in Palästina und über den Nutzen, den die Türkei aus ihnen zieht. Früher war dort eine Wüste, die dem Lande nichts eintrug. Heute befinden sich dort blühende Oasen, deren Erträgnis mit jedem Tage sich vergrössert. In einem 3. Artikel, den Dr. Niemirower in der „Israelitischen Rundschau" über „die politische Literatur und den Geisteszionismus" veröffentlicht, spricht der Verfasser über die jüdischen Geistesproducte der neueren Zeit, sowreit sie den Jüdischen Individualismus" betreffen, der namentlich in Komp er t, Berthold Auerbach, Fran/os, S. K o h n etc. seine Vertreter hat, dann aber auch in der namentlich in den letzten Jahren angewachsenen jüdischen Journalistik sieh documentiert. Dem Zionismus werde die Aufgabe zufallen, die Philosophie und Ethik der Juden vom speeifischen Standpunkte des nationalen Judenthums zu behandeln. Bücherwelt. Die einzelnen Bändchen der von der rührigen Verlagsgesellschaft „Tuschijah" in Warschau herausgegebenen „Hebräischen Bibliothek" (rP""DS/ rnTIvS^S) erscheinen pünktlich in rascher Aufeinderfolge. Die jüngsten Nummern der Bibliothek sind: Baruch Spinoza, sein Leben, seine Werke und sein System, nebst seinem Bildnisse. Von Hillel Z e i 11 i n (Bd. 84—85). — Judith. Ein Trauerspiel von F. Hebbel. Ins Hebräische übersetzt von S. L. Gordon (Bd. S<>). — Kain. Ein biblisches Drama. Von Lord Byron. Hebräisch von D. Fr i s c h m a n n (Bd. 87—SS).Wir kommen auf die „Hebräische Bibliothek" noch ausführlicher zu sprechen. M. Z. Dr. Johannes Jaeger: Steht im Talmud etwas über Fleisch- und Fettbesudelung? Gerolzhofen 11)00, Druck- und Commissions-Verlag von F. Büchner, c>l Seiten, N", Preis 50 Pfennige. Die Leser werden sich erinnern, dass vor einigen Monaten ein israelitischer Metzger in Hassfurt wegen Unreinlichkeit in seinem Geschäfte bestraft wurde. Vcm diesem Einzelfall ausgehend, ist damals in antisemitischen Zeitungen die frevelhafte und geschmacklose Behauptung verbreitet worden, der Talmud, in den man bekanntlich alles Unbeweisbare hineingeheimnissen kann, gebiete den Juden, das an Christen zu verkaufende Fleisch vorher zu besudeln. Zu dem Märchen vom rituellen Christenmord gesellt sich also das Märchen von der l-ituellen Fleischbesudelung. Die Empörung über diese gefährlichen Albernheiten, die man dem unwissenden Volke auftischte, drückte einein ehrlichen und besser wissenden Manne, dem gelehrten protestantischen Pfarrer Dr. Jaeger in Ebrach, die Feder in die Hand und dictierte ihm zunächst ein Flugblatt, das er „Ein Wort zum Frieden" nannte. In diesem Flugblatte stellte er in Aussicht, was er dort einstweilen nur kurz zu streifen vermochte, später in piner ausführlichen Schritt eingehend behandeln zu wollen. Dieses der Oeffentliehkeit gegebene Versprechen löste nun Pfarrer Dr. J a e g e r in der vorliegenden Broschüre ein. Es ist eine Zeit- und Streitschrift im besten Sinne des Wortes. Von Wahrheitseifer durchglüht und von Widerwillen gegen die Lüge geleitet, tritt er offen und furchtlos seinen Gegnern gegenüber, die ihn zum Danke für seine Belehrung mit Schmähungen und gemeinem Schimpf überschütten. Das Schriftchen, das auch viel Nützliches über Talmud und Schulchan Aruch enthält, sei hiermit zur weitesten Verbreitung bestens empfohlen. Süsskind Ii :\!• i u o w i t v.: 3; m IT'I/V r'°- schiclite des Volke« Israel von den aU.-sten Zviu-n Ins auf

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