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Die Welt · 1900-06-08 · 23 (8.6.1900) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
23 (8.6.1900)
Article
Der Parteitag der jüdischen Handelsangestellten Österreichs
Date
1900-06-08
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 23 „Die j£ Welt" Seite 9 nur geholfen werden durch die grosse Arbeitsgelegenheit des politischen Zionismus, nicht aber durch die jüdische Wohlthätigkeit alten Stiles, durch welche sich die Assimilanten vom Judenthum loskaufen wollten. Aber vor diesem „endgiltig" müsse man die Masse dieses Proletariats vor partiellen oder totalen Katastrophen zu schützen trachten. Gegenüber den streng sachlichen Berathungen und Debatten des ersten Verhandlungstages brachte am zweiten Tage der Punkt „Programm" eine stellenweise lebhafte und erregte Programmdebatte. Der Referent Herr Hickl charakterisierte die bisherige Haltung der Socialdemokratie gegen die Juden, welche den Juden national declassiert und ihn zur unfruchtbaren, entwürdigenden Assimilations-Politik verurtheilt, und kam zu dem Schlüsse, dass der jüdische Proletarier im Interesse seiner wirtschaftlichen Lage auch seine nationalen Interessen vertheidigen müsse. Er beantragte die Annahme folgender Resolution : „In Erwägung dessen, dass die Ursachen der Judennoth nur in der Minorität der Juden hierzulande liegen, in weiterer Erwägung, dass die jüdischen Handlungsgehilfen wie diejüdischen Arbeiter überhaupt weit mehr unter dem Drucke der Judennoth als der allgemeinenwirtschaftlichen Noth leiden, erklärt der IL Parteitag der jüdischen Handelsangestellten, dass es aus der Judennoth keine andere Erlösung gibt, als die Verwirklichung des politischen Zionismus, d. h. die Gründung einer rechtlich gesicherton Heimstätte." Im zweiten Theile der Resolution werden jene Forderungen formuliert, welche die Handelsangestellten als solche erheben, wie: Verkürzung der Arbeitszeit, Erzielung günstigerer Lohnverhältnisse, Alters- und Invaliditäts-Versicherung, Versicherung Conditionsloser u. s. w. An der Debatte betheiligten sich die Herren Rubinstein, Lederer, Dr. Werner, Koffler, Dr. Weisengrün. Die Resolution, derzufolge der IL Handlungsgehilfentag zu dem vom Baseler Congresse geschaffenen Programme seine vollste Zustimmung gibt, wird einstimmig angenommen. Ueber „Agitation und Organisation" referierte Herr Weissberger, welcher besonderes Gewicht auf die Agitation von Mann zu Mann legte und Vorschläge über den weiteren Ausbau der Organisationen machte. Zu diesem Punkte ergriff Dr. H e r z 1, der als Gast anwesend war, das Wort. Er bezeichnete es als eine der starken Seiten der zionistischen Bewegung, dass sie es zuwege gebracht hat, dass sich in ihr Juden aller Schichten zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Aus der Begegnung der beiden Richtungen, welche einem tiefen Zuge im Judenthum entsprechen, aus der gemeinsamen zionistischen Thätigkeit der „Studierten" und der Leute des praktischen Lebens, könne für den Zionismus nur das Beste erwachsen. Die Juden sind nicht nur ein Volk des Buches, sondern auch des Handels. Er wünsche den Berathungen die besten Resultate und der geschaffenen Organisation eine glückliche Zukunft. In die Verbandsexecutive, welche nach Wien verlegt wird, werden gewählt die Herren : Epstein, Weissberger, Gross, Perlberg, Lederer, Ehrlich, Spitzer. Ausserdem gehören der Verbandsleitung an für Galizien: die Herren Koffler, Spira, Pfeffer; für Mähren: Hickl, Rubinstein; für Böhmen : Obernik, Jellinek; für Schlesien : Braff, Sonderling; für Steiermark: Richard Schick. Der nächstjährige Parteitag findet in Prag statt. Offener Brief an die Redaction des „Woschod". Seitdem der Zionismus in Russland Anhänger gewinnt, suchen dessen Vertreter festen Rückhalt an einem eigenen Organ zu finden. Ein solches ohne weiteres zu gründen, war ihnen durch besondere Verhältnisse des Landes unmöglich gewesen, und es bedeutete daher eine harte Entbehrung, dass die einzige jüdische Zeitschrift in russischer Sprache, der „Woschod", uns gegenüber von vornherein eine so feindliche Stellung eingenommen hatte. Einen Vortheil hatte dieser Zustand: wir wussten ganz genau, woran wir mit den Tendenzen des Blattes waren. Sobald jedoch der Zionismus in seiner jetzigen Gestalt aufgetreten ist, hat das Verhältnis wesentlich an Bestimmtheit verloren. Der „Woschod" sah sich gezwungen, eine Concession zu machen : er wurde palästinafreundlich — philanthropisch-Kleincolonisatorisch. Im übrigen blieb aber die Haltung recht gehässig. Deshalb mussten wir zum einzigen verfügbaren Mittel greifen, um dem feindlichen Vorgehen des Blattes die Spitze abzubrechen. Wir begannen den „Woschod" zu boycottieren. Dies hatte Erfolg. Gar bald fiel ein grosser Theil der Leser ab. Abermals trat eine Wendung ein : die Zeitschrift gierig in neue Hände über. Eine freudige Botschaft. Nun hofften wir die langersehnte Stütze endlich gefunden zu haben. Die Freude erwies sich bald als verfrüht. Immer noch trägt der „Woschod" ein zweideutiges Gesicht zur Schau, und keiner vermag zu bestimmen, ob er zionistisch überhaupt, ob er politisch-zionistisch insbesondere ist. Noch anschaulicher ist jedoch folgender Vorfall, den wir hierdurch der weitesten OefTentlichkeit übergeben. Nach Beschluss der Kiewer Conferenz der russischen Mitglieder des Actionscomites wurde das Erscheinen der Kischinewer sogenannten „Theoretischen Briefe" sistiert. Statt dessen sollten sie im „Woschod" erscheinen, dessen Redaction sich dazu bereit erklärt hattte. Nun hat der bisherige Verbreiter dieser Briefe damals folgendes Schreiben erhalten: „Im Auftrage des Redactions-Ausschusses beehren wir uns, Ihnen mitzutheilen, dass der von Ihnen zugesendete V. Brief leider nicht abgedruckt werden kann.. Er ist 1. zu umfangreich......, 2. entspricht er seiner Form nach eher einem Hirtenbriefe als einem Artikel. Wir veröffentlichen gern Artikel, die selbst die radicalsten Ansichten unserer politischen Zionisten enthalten, wir können aber natürlich keine Sendschreiben aufnehmen, ohne Parteiorgan zu sein; 3. können wir uns mit einzelnen Ihrer Ansichten im wesentlichen nicht einverstanden erklären." Da haben wir es! Aufnahme selbst radicaler Artikel einerseits — so antizionistischer Beiträge, wie die Glossen des Herrn „Schmi.". Sie wollen nicht unser Parteiorgan sein? Wohl. Aber warum haben Sie denn die Aufnahme der erwähnten Briefe versprochen V Sie wussten doch ganz genau, was diese enthalten sollten und würden. Das muss aufhören. Wir haben diese Ungewissheit satt und verlangen, dass Sie uns ganz genau sagen, mit wem Sie es halten. Sind Sie für uns, oder haben wir in Ihnen einen Gegner zu sehen? Ein drittes gibt es nicht — darf es auch nicht geben. Wir bitten um eine rasche und ndige Antwort. Einige russische Zionisten: A. Bakscht. A. Lourie. Aron Eliasberg. S. A. Riwkin. Jacob Eliasberg. S. Taubmann. S. Czernichowsky. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colon ialbank) Limited. London, den 10. April 1DU0. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage des Directoriums wird hierdurch bekanntmacht, dass vom £0. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende

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