Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 22 (1.6.1900)
- Article
- Jaroslau [Nachricht]
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 „Die & Welt" Nr. 22 Jaroslau. Am 20. Mai fand im Vereine „B'nei Ziona die General-Versammlung statt, bei welcher Gelegenheit ein neuer Ausschuss per Acclamation gewählt wurde. Das Wahlresultat ist folgendes: Präsident Herr Dr. Blumenfeld; Vicepräsident Herr Dr. Feldmann; Auschussmitglieder : J. Schussheim, D.Kormann, J. Haszge, B. Weinberg; Ersatzmänner: S. Mandelberg; J. Goldschmidt; Cassier W. Strammer; Controlore : H. M. Lion, M. Rappaport, J. Abend jun.; deutscher Schriftführer S. Rauch; hebräischer Schriftführer S. Sternhell. Die Berichterstattung des Herrn Pomeranz über den Lemborger Jüdischen Gemeindetag wurde mit Beifall aufgenommen und dem Berichterstatter der Dank votiert. Rzeszöw. Die im Vereine „Chowewe Zion" am (». Mai I. J. stattgehabte Ausschusswahl ergab folgendes Resultat: (Jh. W e i n i g, Präses; A.Apfelbaum, Vice-Präses; E. Fuchs, Cassier; S. K o h n, Secretär für Deutsch und Polnisch; S. K o h n, Biblothekar; N. Gücksmann, Secretär für Hebräisch; M. H o r o w i t z und Ch. W a 1 d, Revidenten; M. Schipper, Quästor; S. Greismann, D. Horn, N. Horn, S. Silber, Ausschussmitglieder. Storozynetz. Am 20. d. M. veranstaltete der jüdischnationale Verein „Zion" in Storozynetz im Saale des „Hotel Bukowina" eine Schüler-Feier, welche einen glänzenden Verlauf nahm. In dem mit Reisig, Blumen und zionistischen Emblemen reich geschmückten Saale versammelten sich zahlreiche, den besten Kreisen angehörende Herren und Damen. Der von der jüdisch-nationalen akademischen Verbindung „Hasmonäa" entsendete Delegierte, Herr stud. jur. Ch. Klüger, betrat die Rednertribüne und hielt die mit grossem Beifalle aufgenommene Festrede. Nachher hielt die bekannte Hebraistin Frl. Lea Rosenkranz aus Sniatyn einen sehr schönen hebräischen Vortrag und erntete ebenfalls grossen Beifall. Zum Schlüsse trug Fräulein Amalie Rosenkranz, lebhaft acclamiert, einige musikalische Piecen vor. Der Feier folgte ein zu Ehren der Festgäste veranstaltetes Bankett Bei demselben eröffnete unser lieber Gast Herr Klüger den Reigen der Toaste mit einem Trinkspruche auf Dr. Theodor H e r z 1. CR. Zeitschriftenrundschau. Dieser Tage ist das zweite Heft der von J. Kreppel in hebräischer Sprache herausgegebenen bibliographischen Revue „Jerusalem" erschienen. Die sechsmal jährlich erscheinende Zeitschrift gibt eine (Jebersicht und mehr minder ausführliche Besprechung der Neuerscheinungen auf dem Gebiete der jüdischen Literatur, mit besonderer Berücksichtigung der hebräischen Werke. Die bisher erschienenen zwei Hefte berechtigen zu den schönsten Erwartungen, und lassen wünschen, dass der verdienstliche Herausgeber mit seinem Unternehmen reüssiere. Bücherwelt. iT"G37 ptfS min- D'e Kunst, die hebräische Sprache durch Selbstunterricht schnell und leicht zu erlernen. Von B. Manasse witsch. Zweite Auflage. Wien, Pest, Leipzig. A. Hartlebens Verlag. Die Aufgabe, die sich das vorliegende Büchlein gestellt hat, ist löblich und des Schweisses wert. Dem Autodidakten, der das Studium des Hebräischen nicht mit wissenschaftlicher Gründlichkeit, sondern nur in dem Ausmasse betreiben will, als zum Verständnis leichter, alttestamentarischer Texte im Original eben nothwendig ist, sollte eine leichtfassliche, von sprachgeschichtlichem und sonstigem gelehrten Kram möglichst freie Grammatik an die Hand gegeben werden, die ihn auf geradem, ebenem Wege zum Ziele führe. Indes ist das vorliegende Büchlein seiner Aufgabe in keiner Weise gerecht geworden. Man könnte sogar in einer Anwandlung von Boshaftigkeit sagen, es sei thatsächlich die höchste Kunst, aus diesem Buche Hebräisch zu lernen. Von den Mängeln in der Gruppierung des Lehrstoffes sei hier ganz abgesehen. Aber der bescheidenste Anspruch, der an eine Sprachlehre unter allen Umständen gestellt werden muss, ist doch der, dass sie nichts Sprachwidriges lehre. Nun leistet jedoch die vorliegende Grammatik nicht einmal dieser primitivsten Anforderung genüge. Sie ist voll von crassen Unrichtigkeiten, von denen wir hier bloss die allercrassesten herausgreifen. Seite 40, Vocabeln : »nlö t o d t der Tod)". — Seite 41: „|-|3S Angesicht". — Seite 71: rt!3tt?I2 m dei" Seele, Hö^rD wie die Seele, nö^in4? zu der Seele, mÖ"tfJ!"D in den Seelen, rHÖUJD wie die Seelen!! — Definition des Status constructus auf Seite 35: „Wenn ein Substantiv im Genitiv steht ... so wird es grammatisch als im Status constructus stehend bezeichnet"!!! — Seite 94 : „DKT dessen ungeachtet, ausgenommen." — Unter den Empfindungswörtern wird auf Seite 95 ganz unschuldigerweise auch?jv ""tt und rWl angeführt. — Die Conjugations - Beispiele in dem Büchlein sind geradezu drollig. Wer etwa im naiven Glauben befangen war, Q-jp^ ,Di[5ri seien Imperfect- Bildungen der Grundform von ap3> der wird hier belehrt, dass er Niph'alformen von aip vor sich habe. Und solcher Unglaublichkeiten findet man, ' in dem Büchlein blätternd, eine Unzahl. Man erfährt beispielsweise, dass T*Z7X eiu Pronomen relativum etdemonstrativum sei (Seite 37). — Seite 6S, Vocabeln : *>« zeugen, offen aussprechen". Seite 69, Vocabeln: beugen, peinigen". — Diese Stichproben dürften wohl genügen, um darzuthun, dass dieses hebräische Sprachbuch in seiner jetzigen Beschaffenheit und Anlage sein Ziel völlig verfehlen muss. M. Z. Von den „Mittheilungen der Gesellschaft für jüdische Volkskunde, herausgegeben von M. Grunwald in Hamburg, ist vor kurzem das V. Heft erschienen, das gleich den vorhergehenden Heften einen überaus interessanten Inhalt aufweist. Sehriehreiche Beiträge zur Geschichte des jüdischen Volksglaubens und der jüdischen Volksmedicin bietet die Abhandlung „Aus Hausapotheke und Hexenküche", die den grössten Theil des Heftes füllt. Nach einer gründlichen, aufschlussreichen Einleitung wird aus fünf Handschriften der Hamburger Stadtbibliothek (aus dem XVI.—XV1IL Jahrh.) eine grosse Menge mystisch-abenteuerlicher Recepte (nT?13D) zur Heilung der verschiedensten Krankheiten, Beschwörung von Dämonen etc. etc. angeführt, und zwar werden die jüdisch-deutsch geschriebenen Recepte aufs genaueste transcribiert, die hebräischen und aramäischen hingegen in wörtlicher deutscher Uebersetzung wiedergegeben.— Eine ganz nebensächliche Bemerkung sei hier gestattet. In der Anmerkung zu 23S, Seite 68, ist der angeblich von Ibn Ezra herrührende Satz, der von rechts nach links und von links nach rechts gelesen, gleich lautet, unrichtig übersetzt. Anstatt „dass ich mich nicht schämen werde" muss es heissen: „dass ich nicht säumen werde", und anstatt „denn ein Fest kommt" offenbar „denn die Zeit ist schon gekommen". M. Z. Assyrische Sprachlehre und Keilschriftkunde für das Selbststudium. Grammatik, Syllabar, Chrestomathie und Vocabular auf Grundlage der assyrischen Keilschriftzeichen, für einfache Silben methodisch und leichtfasslich bearbeitet von J. R o s e n b e r g, Professor für moderne und semitische Sprachen. A. Hartleben's Verlag in Wien, Pest und Leipzig. 13 Bogen. Octav. Gebunden 2 Kronen 20 Heller 2 Mark. Die Assyriologie hat in den letzten 30 Jahren so überraschende Resultate zutage gefördert, dass jeder Sprachforscher, Theologe und Historiker mit diesem Factor rechnen muss; aber auch für andere wissenschaftliche Fächer enthält die keilinschriftliche Literatur eine Fülle der interessantesten Momente und verbreitet helles Licht dort, wo bisher tiefstes Dunkel geherrscht hat. Und dennoch ist es nur einer äusserst geringen Zahl von Gelehrten gegönnt, in die Geheimnisse der Keilschrift einzudringen, so dass selbst berühmte Universitäts-Professoren in den Vorreden ihrer hochwissenschaftlichen Werke unumwunden bekennen, die Resultate der Keilschriftforschung nur aus zweiter Quelle, nämlich: Uebersetzungen benützt zu haben. Es ist nicht zu verwundern; denn die Berufs-Assyriologen haben vollauf damit zu thun, das fast unerschöpfliche Material dieses neuen Wissenszweiges allseitig zu ergründen, zu sichten und zu ordnen, und haben deshalb bis nun nicht daran gedacht, ein leichtfassliches Lehrbuch der Assyriologie für das Selbststudium zu verfassen. Professor J. Rosenberg hat nun sein reiches pädagogisches Wissen in den Dienst der Assyriologie gestellt und in dem vorliegenden Buche ein Werk geschaffen, wodurch jeder Gebildete mit Leichtigkeit die Kenntnis der assyrischen Sprache und der Keilschrift in dem Masse sich aneignen kann, dass weitere Studien auf diesem Gebiete nicht" mehr als Last empfunden, sondern zum wahren Vergnügen gereichen werden. Die elegante Ausstattung und der billige Preis werden gewiss auch dazu beitragen, unter den angehenden Orientalisten und überhaupt in allen gebildeten Kreisen für dieses Buch viele Freunde zu gewinnen.