Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 22 (1.6.1900)
- Article
- Bekanntmachung
- Date
- 1900-06-01
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 4 ,Die 2£ Welt" Nr. 22 Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. Tribüne. Die ausserordentliche Delegierten-Versammlung des Verbandes „Zion" findet Sonntag, den 10. Juni d. J. um 10 Uhr vormittags in Prag, II., H e i n r i c h sg a s s e 9 (vis-ä-vis dem Hauptpostgebäude im Hofe links im Vereinslocal), statt. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung, welche Statutenänderung enthält, bitten wir um allgemeine Betheiligung der dem Verbände angehörigen Vereine und um rascheste Nominierung ihrer Delegierten an die Verbandsleitung. Wir bitten, die Ankunftszeit der Delegierten dem „Jüdischen Volks verein" an die Adresse des Herrn Ph. Lebenhart in Prag, Myslickgasse 262, mittheilen zu wollen, damit dieselben am Bahnhofe erwartet werden können. Der „Jüdische Volksverein" veranstaltet am 10. Juni einen Festabend. Die Vereinsleitung. * * Der II. Verbandstag jüdischer Handelsangestellter. Am 3. und 4. Juni a. c. findet in Rosners Festsaal, IL, Praterstrasse 11, der II. Verbandstag der jüdischen Handlungsgehilfen Oesterreichs statt, und wurde für denselben folgende Tagesordnung festgesetzt: 1. Begrüssung, Wahl des Bureaus. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Die Lage des jüdischen Proletariates. Referent: Salomon Rubinstein, Brünn. 4. Die Lage der jüdischen Handelsangestellen. Referent: Robert Schwab, Wien. Correferenten: 1. Leo Koffler, Lemberg: Die Lage der galizischen Handlungsgehilfen. 2. Emil O b e r n i k: Die Lage der böhmischen Handlungsgehilfen. 5. Unsere Stellung im Zionismus. Referent: Egon Lederer, Wien. 6. Programm. Referent: Max Hickl, Brünn. 7. Bildung und Bildungsvereine. Referent: Bernhard Tag, Wien. 8. Organisation und Agitation. Referent: Alfred Weissberger, Wien. 9. Parteipresse. 10. Stellenvermittlung. 11. Wahl der Verbandsexecutive. 12. Eventualis Alle diejenigen, welche Gastkarten für diesen Verbandstag wünschen, werden ersucht, sich an Egon Leder er, I., Wipplingerstrasse 12, zu wenden. * * * Stammes- und Glaubensgenossen! In Prag, dem Boden des heissesten Nationalitätenkampfes, hat selbst der jüdische Student, der fern von jeder Tagespolitik einzig und allein sich seinem Fachstudium widmet, einen schweren Stand. Obwohl in Prag vier Hochschulen sind, die alle von einer grossen Anzahl jüdischer Hörer frequentiert werden, so besteht in Prag doch keine Institution, die den Zweck hätte, den jüdischen Studenten moralisch und materiell zu unterstützen. Aus diesem Grunde hat der Ausschuss des „Bar Kochba", Vereines jüdischer Hochschüler in Prag, einen Unterstützungsfonds für jüdische Studenten gegründet. Er appelliert nunmehr an alle jüdische Vereine, an die Cultusgemeinden und an alle Stammes- und Glaubensgenossen und bittet, damit der Bestand des Fonds gesichert werde, damit der Fonds seinen Zweck erfüllen könne, dem Fonds Beiträge und Unterstützungen zukommen zu lassen. Jede, selbst die kleinste Gabe wird im Namen derer, welche diese Wohlthaten gemessen werden, dankend angenommen. Der Ausschuss erlaubt sich auch, auf den § 12 der Bestimmungen des Unterstützungfonds aufmerksam zu machen: Wer dem Fonds einen einmaligen Beitrag von 100 Kr. zuwendet, wird Gründer, wer jährlich 20 Kr., wird Förderer, wer jährlich 5 Kr. zuwendet, wird beitragendes Mitglied des Fonds. Beiträge nimmt die Administration des Blattes entgegen, sowie der Ausschuss des „Bar Kochba", Verein jüdischer Hochschüler in Prag, Heinrichsgasse Nr. 9. Mit besten Danke im voraus zeichnen in Hochachtung Für den Ausschuss: stud. jur. E. Gütig M.-U.-C. Rud. Wohryzek dz. Schriführer. dz. Obmann. Rabbiner-Congress. Die Rabbiner-Versammlung, welche auf Wunsch des russischen Ministers des Innern Sipjagin in Nikolajew zusammengetreten war, um das Arbeitsprogramm des einzuberufenden allrussischen Rabbiner-Congresses festzustellen, hat ihre Vorarbeiten beendigt Die Versammlung, unter der Leitung der Rabbiner" Kreps und Pomeranz, hat in das Arbeitsprogramm des künftigen Rabbiner - Congresses meistens solche Fragen aufgenommen, weiche die Regelung der geistlichen Angelegenheiten der Juden in Russland betreffen. Von grosser Bedeutung erscheint die Frage der Gleichstellung der Rabbiner mit den russischen Geistlichen. Die Versammlung will es durchsetzen, dass die Rabbiner künftighin ihre Besoldung vom Staate beziehen sollen, um ihre Unabhängigkeit zu wahren. Dadurch wäre es aber auch den armen jüdischen Gemeinden möglich, einen eigenen Vertreter ihrer Interessen zu haben, was im Leben der Juden in Russland ein Uebel verschwinden machen wird, das jetzt zu vielen Schäden und Mängeln führt. Es genügt, die Thatsache der incorrecten Matrikellührung in den armen jüdischen Gemeinden hervorzuheben, um die Bedeutung der von dem Rabbiner- Congresse anzustrebenden Lösung der Frage der Gleichstellung der Rabbiner mit den russischen Geistlichen vollauf begreifen zu können. Diese incorrecte Matrikelführung macht sich besonders fühlbar bei der Zusammenstellung der Listen der jüdischen Wehrpflichtigen. Längst verstorbene jüdische Jünglinge werden zur Assentierung einberufen, da aber die Todten dieser Einberufung keine Folge geben können, so heisst es immer, die Juden entzögen sich der Wehrpflicht Erst unlängst hat der russische „Regierungsbote" Daten über die Zahl der Juden publiciert, welche sich angeblich der Militärpflicht entzogen hätten, während die „Fehlenden* thatsächlich theils schon längst im Grabe ruhen, theils mit Zustimmung der russischen Regierung ausgewandert sind. Und dieses Uebel ist nur ein Product der schlechten Matrikelführung, welche in den armen jüdischen Gemeinden von Unwissenden, des Schreibens kaum Kundigen, besorgt wird. Aber auch die Frage der Golonisation der Juden in Sibirien will der künftige Rabbiner-Congress aufrollen. Mit dieser Frage beschäftigt sich auch das russische Ackerbauministerium, dessen Chef, Geheimrath Jermolow, ein warmer Anhänger der Colonisation der Juden in Sibirien ist Erst vor kurzem hat Geheimrath Jermolow dem Gesuche von zwanzig jüdischen Familien aus dem Gouvernement Jekaterinoslaw um Ansiedlung auf