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Die Welt · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Article
Genf
Date
1900-05-25
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 21 „Die & Welt« Seite 11 zu erklären, dass er ohne jegliche Gewissensbisse bei der ersten besten Gelegenheit den Angriff' wiederholen werde. Und die Plebs aus Wilna und Berdiczew schwelgt in Entzücken über all diese klugen Reden und klatscht aus .Leibeskräften Bravo. Nur hie und da ist eine mit Entrüstung protestierende Stimmt: vernehmbar, die — ein ehrlicher Armenier oder sonstiger Nichtjude erhebt. J. M. S a 1 k i n d, cand. phil. London, 10. Mai. Heute fand eine Versammlung des „Jewish board of Guardians" (Wolilthätigkeitsvereines) statt. Es handelte sich darum, in die verschiedenen Vereine ein wenig Ordnung zu bringen. Ob das erreicht worden ist, muss die Zukunft lehren. — Jews College, das Rabbiner- Seminar Englands, hat sein neues Heim unter entsprechenden Feierlichkeiten bezogen. Das Haupt der Anstalt, Rev. Dr. M. Friedländer, der Schwiegervater Dr. M. Gasters, ist ein guter Zionist. Einer der Hauptlehrer, Dr. S. A. Hirsch, ist Secretär der „Chovevi Zion". -- Dr. Hirsch und Mr. Prag waren jüngst im Interesse der „Chovevi ZionA in Sunderland, hatten aber wenig Erfolg. Die Versammlung war sehr stürmisch. — Am 5. d. M. veranstaltete der Mile- End-Zionisten-Verein eine grosse öffentliche Versammlung zu Ehren Mr. Clarence J. de Solas aus Montreal. Mr. de Sola, der ein ausgezeichneter Redner ist, wurde herzlichst begrüsst. Dr. G a s t e r führte den Vorsitz und wies in seiner Eröffnungsrede in ebenso energischer wie glücklicher Weise die Angriffe der „Chovevi Zion" zurück. — Der britische Consul in Jerusalem hat der Regierung einen eingehenden Bericht über den palästinensischen Handel im Jahre 1S99 übersandt. Er spricht sich sehr hoft'nungsfreudig aus. Ich werde demnächst darauf zurückkommen. Namentlich der Export von Orangen und Seife hat sehr zugenommen. J. de H. London, 18. Mai. Letzten Sonntag fanden die Wahlen in den Ii- Hauptsynagogen statt. In vielen Fällen war die Betheiligung derart schwach, dass nur mit aller Mühe die nöthige Wählerzahl herbeigeholt.werden konnte. Kaum 5<K> waren erschienen bei mehr als 5000 Mitgliedern. — Ungeheuren Erfolg hatte dieser Tage der Jargonredner der „English Zionist Federation", Mi*. Halpern, in Glasgow zu verzeichnen. Der Präses der dortigen jüdischen Gemeinde Mr. Julius Pinto verliess die Versammlung als ein überzeugter Zionist. In Nordengland macht der Zionismus rapide Fortschritte. J. de H. London, i:>. Mai. Herr Narcisse Leven hielt anlässlich der Monatsversammlung der „Anglo Jewish Association" eine Rede über die Thätigkeit der „Ica" und der „Alliance Israelite", deren Präsident er ist. Herr Leven liess keinen Zweifel darüber, dass er ein Freund der jüdischen Colonisation in Palästina sei. Er könne sich aber nicht vorstellen, dass aus den Werken der „Ica" und der „Alliance" so gar grosse Resultate zu erzielen seien. Diese offenherzigen Erklärungen fanden den Beifall seiner Londoner Freunde eben nicht. Sie lauten auch gar zu verschieden von den Redensarten der „Chovevi-Zion". Für uns Zionisten aber sind sie recht wertvoll. Sie bezeugen die Richtigkeit unserer Ansichten und unseres Programmes. J. de H. Bukarest. (Neue Schul Verordnungen.) Die Regierung fährt fort, die jüdischen Schulen zu chicanieren. Ihre neueste Errungenschaft ist das Verbot, mehr als drei Stunden Hebräisch in der Woche zu unterrichten, und die Vorschrift, bei diesem Unterrichte mit entblösstem Kopfe zu sitzen. Die orthodoxen Juden sollen in ihrem Gewissen behindert werden, ihre Kinder in die Schulen zu schicken, denn diese Kinder sollen am liebsten keinerlei Unterricht erhalten, damit ihre Unbildung der Regierung immer neuen Vorwand zu Beschränkungen gegen die Juden gebe. Auch gegen die deutsche Spr he hat sich die Regierung ausgesprochen und das förmliche Verbot derselben steht bevor. Dunajewcy (Gouv. Podolien). Nachdem Herr Drd. Rubin Knopping seine kurische Heimat und einen grossen Theil von Lithauen im Interesse der zionistischen Propaganda bereist hatte, begab er sich kürzlich in unsere Gegend, um auch da eine Reihe zionistischer Vorträge abzuhalten. So hatten wir denn Sanistag. den 29. April Gelegenheit, die oratorische Begabung dieses jugendlichen, gesinnungsgenössischen Gelehrten zu bewundern. Vor einem erlesenen Hörerkreise entwickelte Herr Knopping seine Ideen über die Renaissance-Bewegung des modernen Judenthums und über die bisherigen Erfolge der zionistischen Thätigkeit. Der Vortragende beleuchtete den Zionismus, namentlich vom psychologischen Standpunkte aus, in überaus fesselnder Weise. Reicher Beifall lohnte die geistvollen Ausführungen. — Jüngst wurde hier eine „Talmud Tiiora" mit nationaler Tendenz gegründet, in deren Lehrplan die hebräische Sprache und die jüdische Geschichte einen breiten Raum einnehmen. Ferner wurde von zionistischer Seite ein hebräischer Sprach - und Literaturcurs für Erwachsene gebildet, der sich regen Zuspruches erfreut. S. R. Constantinopel. Gegenwärtig weilt hier Herr Emil May er söhn, Director der „Ica", auf seiner Rückreise aus Palästina. Nach den in Palästina gewonnenen Eindrücken sieht die „Jewish Colonization Association" vorderhand von allen Neugründungen ab und beschränkt sich bloss darauf, die bestehenden Colonien fortzuführen, eventuell das bereits halbfertige Sedjera zu installieren. Nach fortgesetzter Verausgabung von Millionen sehen die berufenen Factoren endlich ein, dass eine Kleincolonisation zwecklos, eine Grosscolonisation aber nur auf öffentlich-rechtlicher Grundlage möglich sei. Dem Elend der Arbeiterschaft Palästinas abzuhelfen, wird für den Monat November ein grösserer Abschub. man spricht von 200—300 Mann, nach Anatolien geplant. Für die vom Sultan in Kleinasien unlängst angesiedelten rumänischen Juden wird seitens der „Jewish Colon ial Association" eine Hilfsaction vorbereitet. Der Saatenstand in Palästina ist ein ausgezeichneter und gibt zu den besten Hoffnungen Anlass. Das ungarische Handelsministerium hat zum Studium der commereiellen Verhältnisse in der Türkei einen Beamten, namens Bai int, vorderhand nach Constantinopel delegiert, der aber auch schon in nächster Zeit nach den asiatischen Provinzen, darunter auch nach Palästina, aufbrechen wird, um dort, wenn möglich, Verbindungen mit seinem Heimatlande, anzuknüpfen. Philadelphia, 19. April. Am letzten Samstag fand unter den Auspicien der hiesigen Zionisten-Vereinigung eine grosse Massenversammlung in der Adas-Jeschurun- Synagoge statt. .' ie angesehensten hiesigen Gesinnungsgenossen hielten Ansprachen, die Mithilfe der amerikanischen Juden für die zionistische Sache erbittend, namentlich im Hinblick auf die unsagbar traurige Lage unserer Glaubensbrüder in Osteuropa. — Der erste Redner. Gabriel Mayer, Präsident der Vereinigung, appellierte an jene Anwesenden, die noch keinem zionistischen Verein angehören, indem er ausführte, dass schon Menschlichkeitsgründe es jedem Juden zur Pflicht machen, unserer Partei beizutreten. Der zweite Redner, Rev. E i c h 1 e r, sprach über die Notwendigkeit des Zionismus vom humanitären und ökonomischen Standpunkte. Der Redner erzielte einen riesigen Erfolg. Der folgende Redner Dr. Henri Iliowitzi sprach über „die Wirkungen der zionistischen Idee". Der Zionismus, so etwa führte der Redner aus," hat eine sehr praktische Seite. Die Juden wandern seit 300O Jahren. Wenige haben sich in Ländern niedergelassen, wo man ihre Rechte und Freiheiten respectierte. Aber der grösste Theil unseres Volkes, 5 Millionen und darüber, stehen ausserhalb von Gesetz und Recht, werden schlimmer behandelt als die Thiere. Sollen nun wir Juden in Amerika ihrer vergessen? Liegt nicht

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