Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1900-05-25
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 »Die j& Welt" Nr. 21 versität besuchen, ohne weitere Collegiengelder zu zahlen. Die Entscheidung ist eine sehr wichtige, jedoch wird befürchtet, dass die UniversitätsVerwaltung die Giltigkeit der Entscheidung anfechten wird. Ferner wird von einem Plane berichtet, das College nach C h i c a g o zu verlegen, respective es mit der Chicagoer Universität zu vereinigen. Der Plan stösst auf starken Widerstand. * In Lodz starb einer der reichsten dortigen Juden, der Fabrikant Israel Posnanski. In seinen Fabriken beschäftigte er mehr als 5000 jüdische Arbeiter. U. a.'gründete er auch das jüdische Spital in Lodz. In seinem Testamente sind jüdische und auch christliehe Wohlthätikeitsanstalten bedacht. * Wiederum wird von russischen Blättern das unverhältnismässig hohe Percentverhältnis der Juden im russischen Heere constatiert. Von Juden wurden 31 '/3, von Nichtjuden nur 29*/3 Percent eingestellt. Anstatt 16.S25 wurden 17.97(5 jüdische Recruten einberufen. * Bekannt ist die von englischen Antisemiten aufgestellte Behauptung, dass der südafrikanische Krieg von den jüdischen Capitalisten Englands angezettelt worden ist. Nun kommt ein Judenfresser, John H o b s o n, der da behauptet, der Krieg sei im Interesse der südafrikanischen Juden angefangen, weil in ihren Händen ein grosser Theil der Transvaaler Bauerngüter sich befinde. Ferner befinde sich Johannesburg völlig in den Händen von Juden, das ganze Geschäft unterstehe ihrer Botmässigkeit und der Krieg sei ihre Mache, weil sie dabei ein gutes Profitchen machen wollten. Das grosse Wohlthätigkeits-Institut der „Union Hebrew Charities" in New-York steht auf dem Punkte, seine Thüren schliessen zu müssen, weil es an Mitteln zur Bestreitung der allerdringendsten Unterstützungen fehlt. Schon seit mehreren Wochen mussten die Vorstandsmitglieder recht tief in ihre Taschen greifen, und mancher Bedürftige musste abgewiesen werden. In derselben Nummer des „American Hebrew", dem wir Obiges entnehmen, findet sich ein Aufruf zugunsten der in Indien von der Hungersnoth heimgesuchten Districte.. * Die Berliner königliche Akademie der Wissenschaften hat dem Professor Dr. L. Cohn in Breslau zu einer Reise nach Italien, unternommen zum Zwecke der Vergleichung von Handschriften Philo's, 950 Mark bewilligt. Der Senat in Petersburg hat verfügt, dass die jüdischen Schriftsetzer, die sich als solche ausweisen können, das Recht zum Aufenthalte in ganz Russland haben. In Marktbreit i. B. hat der Magistrat beschlossen, dem pensionierten Rabbiner 400 Mark Pensionszuschuss aus Gemeindemitteln zukommen zu lassen. Dr. Emil Silberstein von der Berliner Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums ist zum Rabbiner in Stargard (Pommern) an Stelle des am 1. October d. J. aus dem Amte scheidenden Dr. W o 1 f s o h n gewählt worden. In T r i e s t wurde Moses L u z a 11 o zum Vicepräsidenten des dortigen Stadtrathes gewählt. In Sebastopol wurde die jüdische Famibe Nachum G u r o w i t s c h, Mann und Frau, ein Sohn von 17 und eine Tochter von 10 Jahren, ermordet. Von den Mördern fehlt jede Spur. Der Sohn konnte noch vor seinem Tode die zwei Worte sagen: „Zwei Russen." Der Dichter M. Woog ist im Alter von 6« Jahren im israelitischen Spital zu Mülhausen i. E. gestorben. Er war aus Hegenheim gebürtig und schrieb seine zahlreichen und sehr geschätzten Werke im elsässisch-jüdischen Dialect. Woog war seit langen Jahren erblindet. Vor zwei Jahren liess er sich in das jüdische Spital in Mülhausen aufnehmen, dem er als Entschädigung sein kleines Vermögen vermachte. * In der südafrikanischen Stadt Nim es erliess ein katholisches Blatt dieser Tage einen Aufruf zum Kampfe gegen Protestanten und Freimaurer. Der Schluss lautet: „Wir wollen leben wie Katholische, ohne diese Judasse, ohne diesen Auswurf der Menschheit. Sie sind schmutzige Juden und M ä d c h e n s c h ä n d e r. Krieg diesen Freimaurern, diesen Heuchlern, diesen jüdischen Gottesleugnern! Vorwärts, ihr Pionniere Roms, auf zum Sturme gegen die verrätherische reformierte Religion."- * In dem Orte Ottawa (Canada) machten sich am Osterfeiertage fünf französische Canadier das Vergnügen, einige Juden anzugreifen. Der Polizeirichter verurtheilte jeden zu fünfzig Dollars Geldstrafe oder im Uneinbringlichlichkeitsfalle zu entsprechender Gefängnisstrafe. Die Directrice der jüdischen Mädchenschule der „Alliance israelite universelle" in Adrianopel, Frau Sarah Ungar, wurde vom Sultan mit dem Chefkah-Orden decoriert Der Bericht der Jacobson-Schule in Seesen (Braunschweig) constatiert, dass die Anstalt im vorigen Jahre von 133 Juden und 144- Christen besucht wurde, davon waren 154 Interne und 123 Externe. In Köln beschlossen die Stadtverordneten, die Gesammtkosten des jüdischen Religionsunterrichtes in den höheren Schulen auf die Stadt zu übernehmen. Bis jetzt zahlte die jüdische Gemeinde die Hälfte. Einer der bekanntesten jüdischen Pädagogen Deutschlands, der Lehrer L. Cohen in Rees (Rheinpreussen), feierte jüngst seinen 70. Geburtstag. In wenigen Monaten wird er sein 50jähriges Lehrerjubiläum begehen. In einem jüngst publicierten ministeriellen Erlass der preussischen Regierung wird das Verhältnis der Beitragsleistung des Staates zu den Kosten der Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichtes an den Volksschulen geordnet, falls die Gemeinden zu schwach sind, eine Religionsschule zu gründen. * Anlässlich der jüngst abgehaltenen Convention der B'nei-berith in Chicago wurde Rechtsanwalt Leo N. L e v i zum Präsidenten des Ordens für die nächsten fünf Jahre gewählt. L e v i hat vor einigen Jahren eine viel beachtete Broschüre unter dem Titel „Was soll aus den Juden werden" -geschrieben. Auch den jüdisch - wissenschaftlichen Bestrebungen, die in der „Jewish Chantanqua" in Amerika