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Die Welt · 1900-05-25 · 21 (25.5.1900) · p. 7

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
21 (25.5.1900)
Article
Die Juden in Indien
Date
1900-05-25
Page
7 (sequence 1)
Language
German
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Nr. 21 ,Die s£ Welt?4 Seite 7 Die Juden in Indien. Die Zahl der Juden in Indien beläuft sich auf 17.000 Personen. Darunter sind loOO Eingewanderte, während die übrigen im Lande geboren sind. Die eingeborenen Juden theilen sich in zwei Secten, nämlich in die „Bene Israel" und in die Juden von Kotschin. Unter beiden Secten gibt es zahlreiche Schwarze. Wann die »Bene Israel" nach Indien gekommen sind, ist nicht mit Bestimmtheit zu ermitteln, über die Juden von Kotschin jedoch liegen verbürgte Nachrichten vor. Arabische Geschichtsschreiber berichten, dass vor circa 1U00 Jahren die Juden von Kotschin ein unabhängiges Reich gebildet hätten. Benjamin von Toledo erwähnt in seinen Reisebeschreibungen, er habe in Kotschin 1000 jüdische Familien von schwarzer Hautfarbe angetroffen, die nur wenig von der Bibel und dein babylonischen Talmud wussten. Im Jahre IS'.»« reisten einige Amsterdamer Juden nach Indien und erzählten bei ihrer Rückkehr Folgendes: Im Jahre 3C>!> n. Chr. siedelten sich in Indien 80.000 Juden an, die von der Insel Majorka gekommen waren. Es waren dies Nachkommen von Exulanten, die nach der Zerstörung des zweiten Tempels aus Palästina ausgewandert waren. Ein indischer König nahm sie liebevoll auf und wies ihnen die Stadt Karnopola zum Aufenthaltsorte an. Es wurden ihnen gewisse Selbstverwaltungsrechte eingeräumt, deren Wortlaut die Juden von Kotschin noch heute auf einer eisernen Tafel aufbewahren. Im Jahre 1507 bauten die Kotschmer Juden die erste Synagoge. Die weissen Juden von Kotschin betrachten die schwarzen Juden als stammfremd und schliessen mit ihnen keine Ehen. Die ersteren sprechen einen indischen Dialect, das sogenannte Malbara. Von den schwarzen Juden befinden sich gegenwärtig in Kotschin bloss 00 Familien. Sie haben zwei Synagogen. Die „Bene Israel", die im nördlichen Indien wohnen, unterscheiden sich wesentlich von den Juden in Kotschin. Noch vor 200 Jahren wussten sie kaum etwas von der Bibel, und bis auf den heutigen Tag haben sich bei ihnen heidnische Bräuche erhalten. Ihre Zahl beträgt 10.000 Seelen, und auch unter ihnen gibt es Weisse und Schwarze. In Bombay erscheinen derzeit zwei jüdische Blätter in ihrem Dialecte. Das eine heisst „Bene Israel", das andere führt den Titel „Licht Israels". Die Affaire Araten. Im „Slowo Polskie" veröffentlicht Israel A raten einen Brief, in dem er Nachstehendes mittheilt : Nachdem er erfuhr, dass seine Tochter sich im Kloster Wielowicz bei Tarnobrzeg befindet, sendete er dorthin einen Kundschafter, um sich zu überzeugen, ob das wahr sei. Als der Kundschafter ihm die Nachricht überbrachte, dass er seine Tochter zweimal gesehen habe, fuhr Araten in Begleitung eines Bekannten nach Wielowicz. Unterwegs wurden beide von der Gemeindepolizei in Tarnobrzeg verhaftet und unter dem Vorwande, dass sie sich nicht legitimieren können, vierundzwanzig Stunden in Haft behalten. Nach der Entlüftung begab sich Israel Araten zum Bezirskhauptmann, um sich zu beschweren und ihn gleichzeitig zu ersuchen, ihm den Zutritt ins Kloster und die Zurücknahme der Tochter zu ermöglichen. Der Bezirkshnuptmann schickte ihn zum Bezirksrichter. Da der Bezirksrichter dem Araten antwortete, ohne Auftrag des Staatsanwalts nicht einschreiten zu dürfen, musste Araten unverrichteter Dinge Tarnobrzeg verlassen. Der Zionismus in Italien. Die jüngste Nummer des „Echo Sioniste" enthält einige sehr interessante Daten über die zionistische Bewegung in Italien. Wir entnehmen unserem Bruderblatte hierüber das Folgende: Zionistische Vereine existieren gegenwärtig in Ancona, Ferrara, Venedig, Neapel, Vercelli und Turin. Ausserdem wurde in jüngster Zeit ein zionistischer Verein in llodena gegründet. Unser Gesinnungsgenosse. Herr Benvenuto Donati, schlägt im „Corriere Israeliüco" den italienischen Vereinen vor, sich nach dem Muster der „Euglish Zionist Federation" zu einem Verbände zu organisieren. In Ferrara hielt jüngst Fräulein Gina Servadio vor einem zahlreichen Auditorium einen mit grossem Beifaile aufgenommenen Vortrag über „Die Frau und die zionistische Bewegung". Die Vortragende wies an der Hand der Bibel und der nachbiblischen jüdischen Geschichte nach, dass die jüdische Frau zu allen Zeiten hervorragenden Antheil genommen hat an den Geschicken ihres Volkes, und sprach den Wunsch aus, dass auch die moderne jüdische Frau ihr Interesse dem Judenthun: und seinen nationalen Bestrebungen zuwenden und ihre Kinder im nationaljüdischen Geist erziehen möge. In Mo den a hielt das Mitglied des zionistischen Actions-Comites Herr Feiice 11 a v e n n a in einer unter dem Vorsitze des Prof. Carl Conegliano stattgefundenen Versammlung des dortigen Zionsvereines einen Vortrag über „Die Bestimmung des Zionismus". Redner führte unter anderem aus, dass der Zionismus nicht bloss eine Hilfsbewegung für die Juden des Ostens, sondern eine Bewegung des ganzen jüdischen Volkes sei, die dahin strebe, das Selbstbewusstsein der Juden zu heben, ihr nationales Empfinden wachzurufen und zu kräftigen. Ein Denkmal für den Baron und die Baronin Hirsch will ein Co mite errichten, das sich vor kurzem in New-York gebildet hat. Dem Denkmal-Comite geifert unter anderen Celebritäten des öffentlichen Lebens und der Wissenschaft auch Mr. Cleveland, der gewesene Präsident der Vereinigten Staaten, an. Das Denkmal soll in einer der schönsten Parkanlagen von New-York Aufstellung finden. Eine Entscheidung des russischen Senates. Aus Anlass einer Beschwerde, die ein jüdischer Rechtsanwalt in Odessa einbrachte, weil seiner kranken Frau nicht gestattet worden war, in dem ausserhalb des Ansiedlungsrayons gelegenen Curorte J a 11 a allein zu verweilen, entschied der Petersburger Senat, wie „Hameliz" meldet, dass den Gattinnen graduierter jüdischer Akademiker das Recht zustehe, im ganzen Reiche ungestört zu verweilen ohne Rücksicht auf den Aufenthaltsort des Gatten. Lazarus' „Ethik des Judenthums4' wird von der „Amerikanisch-Jüdischen Publications-Gesellschaft" in New-York in englischer Uebersetzung herausgegeben. Der erste Band erscheint bereits am 1. Juni d. J. Aus Algier. Der Antisemit Max Regis wurde in Algier zum Bürgermeister gewählt. Personalnachricht Herr Sandor Friedmann, Mitglied der jüdisch-nationalen Verbindung „Ivria", Wien, wird am Samstag den 2<;. d. um 3'/4 Uhr nachmittags zum Doctor der gesammten Heilkunde promoviert. Allerlei Nachrichten. Die hebräische Sprachwissenschaft betrauert das in voriger Woche erfolgte Ableben des Professors S tanley Leathes am Kings College in L o n d o n. Er war eines der thätigsten Mitglieder der zur Herstellung einer zeitgemässen Uebersetzung des Pentateuch eingesetzten Commission. In Paris wird eine neue anti-jüdische Liga organisiert, und ein hochgeborener Herr, Vicomte de Bru c, ist deren Chef. Alles Jüdische ist von der Liga in Acht und Bann gethan, von Meyerbeers Musik angefangen bis zu den von jüdischen Fingern hergestellten künstlichen Blumen. InCincinnati hatte das Gericht jüngst entschieden, es dürften die das Hebrew Union College frequentierenden Studenten auf Grund gewisser Bestimmungen auch die Uni-

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