Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 21 (25.5.1900)
- Article
- Das Urbild von Shakespeare's "Kaufmann von Venedig!"
- Date
- 1900-05-25
- Page
- 4 (sequence 2)
- Language
- German
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Seife 4- ,Die s^Welt' Nr. 21 _J%«'war-die Nachricht nach Ron» gekommen, dass der englische 'Admiral Frnncis Drake die-Kindt San Dominieo aul* der Insel -Hispnniola erobert und «überaus stattliche Beute daselbst gemirchl habe. Doni Herrn Paul Maria Seeehi« einen» «reicher, und ansehnlichen Kaufmann* in Korn, war dieses, * Fesonder« gemeldet «Wörden. Ua er wt^fii seiner < ovsehäftsverbindunceii mit diesem <-)rte nti diesem Kreignisse lebhaftes Inj.-res-.• hegen musste. nucli ein -Judo namens Km.tjn C.Mieda war dabei interessiVi t. also liess er denselben v.u sieh (ordern;>■•.< .-rz'ähii-- ihm den Inhalt der. ihm!_••- uordenen Nachricht,';!. Her Jede wollte dies nb-ht wohl glauben, und im Streite über die K.-htheit oder fn.-chth. it di.-es I aetums eritfiiliren dem Juden die Worte; J-eh will -in Mund Fleiseh von meinem Lfibe verwetten. .!ass dieses nieht wahr Ist. Seeehi repli. frte : Und weh will gegen Kiht iM'und Fl.-i<eh ' l'ihui Sendi setzen." dass es wahr «st. l>.-r rinde Miel, ni. hisdeAtowetiiiier bei seiner Behaut,.Mim: und versetz!.--m;t .lail-.-J.otener Hand: W enn e>- de,,, ||,m, lallt, wollen wir eim-n ■ \ ertrag darüber „ied.-i ~. hi eil.e„. Dieser wurde auch in i icu«viiwnrt zweier Zeugen verlaust, des Ijihnlts:" W'entt .lie NaeUli-l,t.t'aise'h Sei,, werde.- soll ll-ir Paul Maria'See.-bi \Vrbunden veii,. dem luden Simon l 'en.dn |.»'«» S. udi an I. i, em*: i. l.fe nnM'-iii.-r Münze auszuzahlen, und in; t;.-:r-iii!i.d|.v-i.H..lej- -edaeh:-S.-.-chi die Marht l*ab.-n. mit -■•iiiiT Hand und mit <.-in.-m Woldas.-haTUen Mes—r dem .iu.lei, eüi Pfund 1 'l.-is.-h \ oi. seinem Leihe l,e|aii>/ii~.-h,.eiden. und /.war an uei.-h.-m t >r es-ihm am Uwten gefall, n werde.! ):eses 1[)...;i::nent wurde ^an/ ordentlich von den beiden < lonti ahciten und von zwei Zeugen. <fe.re»i ein.-r .-r-r'Christ und de«i_an.bMv. »«in -Jude war. unterseh'rieT.en. utrl einer jede:: Partei eine Ah-chi if, >n ,.;„. u»"1iandtgt^,> * . Vor Ausgänu dreier Monate kam die trewi-s- ::nd un- M'.^lbar.-NaelirifdtK.v^ti der .Kroberumr. und i'iur.d.-t u- -.' S;;1« I >oittinieos. S......lt&d'nng nun rriit «lewalt auf die K< f.rllunu «les einueunnuetien'.'t^o».upromisses und w..dtle' noch da/-! d:is \el<,.r,w hen.. Pfund Fl.-is.-1i von keinem anMeie,, 1,'s .-rn.-m -rdi-hen .« >rte hinwegnehmen. \v.-teilen der Ahstaial .-.u n"e,i:]^i, ' verbietet, d.-r I.es.-r aber bucht wird eirathcn können, i.'»••«' .lud.-"erbot -'.Hl mm. statt de-s.-n 'Psm.Seudi zu H'-'ü. d.« ersieh im Falle des iiewinnens doch.auch mit dieser Summe hätte beuniigen müssen. Allein Seeehi wollte duivh.iua - n keiner anderen (ienugthmmg. wiss-.-n .und schwur, er ma<>.- eben dasjenürliab.-n. wozu si.-H jener anheischig gema.tif. Danun''der" arme Jude sic-h ni.-nt anders zu helfen wusste. so lief er ztiju .tliHiv.-fn.'iir utnl bat. er inii-,'.' *->;!«>•*] Ural"' seiper Autorität <len S.-.-ehi zur Annahme der 1«hhi S udi ■verhalten. I )••,,, ( b.uv.-i neur war beka'nht. wie i_-eid.-r l'ajist itl der-!ei.-h. n F<il!-n die L'rtheile selber zu pflegte. un,l d. shalb hinterbraehte er ihm den iranVen -1 iand. 1. mit Hi-ifi'iijünir vder Bitte, diese Streitiirkeit dur.-h -ein.n eiir-ne,, Ausprueh zu entsehei.b-n. Sixtus liess* sowohl d. ,, "brieten als .i*n Juden vor siel» fonb-i n. las ihre s< hrifili. be t'rkun'de und erklärte ihnen seine Meinung' mit f<d^en<ien " Worte,,: Ks ist nieht mehr ais re.-h't und billig. d:iSs derj«'iiitfe. der sieh in Wetten einlaset, denselben .-in-Aidliir-s ti.enüire thu'e. und daher wollen Wir. dass aueh -lie Knriye ."at/rs trenau.-^te eri'uliet werde. So suehet detnna> h Ihr Ku.-r .Messer" hervor, sehneidet daher i-n Fnserer tle^renwait ^Its «fiVm- Leihe des Juden, an* we!.-heni Orte es F.ueli «--.-tstllt. . ei« L>funil Fleiseh heraus. Alb-in tiebt dabei wo!:! a.-ht auf '. K«el».sen.st:'denn 'sofern Ihr dabei mir rjn'einziges t^uintlein,-zirSviel mWr zu wetu^' sehneiden werdet, müsset Ihr ohne -Barinhei-arKkeU. «rehen-kt werden. Sob-herirestalt schürfe man.. - das iMcssy- und l»rin«e' mir' ri.-htitre Waj»e her. üaniit ohne Verztur befionnen werde. Nun Kam die Beihe de., Zitt.-rns an Seeehi; Fr küsste mit thrimenden Au^eu zu «b-s l'apst.-s Füssen die Knie utnl trab mit flehentliehen ijeherd.-,, zu" verstehen, ilass er sieh nimmer,iiehr. i-itier so kühne,, Thal unterfahren "werde. Als ihn d.-r l*:q»st fraute. was .-r min :min wwlle. antwortete er weinend, h-h bin zufi4id.-n. heiliger Vater, und verliio«c weiter riiehts. äYs Dero B..nedi.-tioti. ui.d dass »::a'n "das I)ocument z.errei-se. Hierauf fru^r ib-r l'apst Juden, «ib. auch er zuiriodeh "sei? Als er diese I'ra^i» bejnhte. versetz:.;T d«»r Papst: Wir aber sind keine.-,w.-ys v.uriede'h/ t;n;e'i-ihanen haben 'nur blossen Cebraueh ihres ■ Leibes,- sie k«":inen aber denselben we«b-i e;atiz4r.oeh zum "l'hcile verkaüf' tt, «renn es ihnen nieht ihr-< »berherr erlaul>t. Sie wur<Ien also beide ins' Ciefätinuiss ^-führt, und «lern t »oi!Vcrnfur"bei;iJiT Sixtus, dass er aufs schärfste wi.h-r sie ^vetfahren KDllte. d;imit sic;h andere an iihrern Fxempei .?£§iQgfilri.un(l:£io ärgerliche Wetten unterlassen .sollten". Soll -.diy'nn/.safrjte " der 'Papst, >s einem. Unterthnnen freistehen, -i^eb/iReihem:;eigenen Gutdünken mit seinem Leibe /.u walten^ .".tjii«I zu schaltatöi*Hat nicht der Jude, indem er denr SeeehT :~hl:u'ht gogeheri, ein Pfund Fleisch aus seinein- Leilie zu -fcohneldexi,; ipich'>der augenscheinlichen Todesirefahr ■ unter-r würfen? Und lieisst dieses ijiehf ein Sel^sthnu der werden. Hat nieljt Se»-ehi_ einen freiwilligen Todtsehla^ beyanu,.!,. ' imlem •'■* die Wette "ernsili.;li an.ir»*n>«>niinen. •Innii a»v- ^•sehlossen und zuletzt irar_V<ilU'ühlen \vollti- V Ms si,..| also -zwei nuithwiUiiTe To.ii>.T,'»TiK--j- und diese dürfen nieht Sl, N!•-»eht,eit..Kauf« * ri>it einet.« ieldbusse^.davonkoiinnen. I)<»r '(.'«iliveVjreur wend-te n.iQlÄtv': Der Rauffiiann betheure ho.-hi dass .-s ihm iiiemjl|sTui ilen Sinn «ekomineii.- die That wirkli.-h zu \«dlz.ieh. n. Vul'J-ni er habe sieh nur w,, e..„.,.|ii. damif e, .b n Jude:, bex ham. n uiid ihm Fur-'di« eii,j.ltr..;i m.'.ehle: der Jll.le'llil, •_'.•".•» bezeuge u'lei.d,fall<. .h.SS er S|.-|, m eine «d.-he Wette inmiiiei im-hr würde eimrela>-en hali-n. w. im er nieht ^'..e-ianbt Jiatte. «lass es jtiemaU in l-al'-ill,,,,^ L'eli.-n würde. Sixtus aber saut-: Was für < daub.-n kann man solchen Vers,ehe.rti„tr<-n beimesse,,, w-h-he e,-t m l'n^erer und des. Wn-hters C.^enwait u-K'-bel,en V Man v-r- Utlheile sie -/um Tode und führe sie beide zum Halu-n. Ifernaeh wolle,. Wir schon befehlen, was weiter mit ilm-n >.=ll vor-enoinmeri werden. Ks ward also Weiden d-s I,.|,m, ab-e-|.roel,e,, und das I ' rt he, l'-ewi dl Iii i< tiermass'.-n puld,.-,.-, t. Wre-.vohl siel, kein Mensel, e. kwhnte. diese Sellien/. U..!.ll!,_' /u nennen, so i_"-iie!h do.-h jederi'iiaiin in nieht;r.-iin-_'e l.'.e-tfilV.lin^ deshalb: de,,,, Seeehi hatte sehr Vornehme und rei.-he Verwandte, und d-,- Jude war ein.-r de, angesehenster, d.-r jii.lis.-hen t -meinde. so da-s von aller, Seit.-,, B-.tl.-,, einliefen, die beiden mou'en be-nadu-M wei d-r.. Nur. wa - ' < in d.-r That keinesweirs .b-s I 'apst -s_ l-'.rnst. sie hmri.-hl-ii zu lassen, sondern er wollte nur die and-ren desto mehr sehreeken. dass sie f.ir die Fidire in ler-rlei.-hen Fällen etwas vorsiehtiizer <ein sollten, und deshalb li.-ss er sieh leicht Überreden, den beiden Verbiv. hern statt «b-r To.bestrafe .nv ("..deere ,.u/.uerken,,en. I-> ^erbot sie.h ab. r. aueh diese letztere ihnen zu .-Massen, wenn es ein jeder mit -J»Hii> S.-udi erkauf... web-hes (hdd zu dem ne,ian;refan;_'enen B iue des Hospitals di Ponte Sisto sollte verwendet werden. JedoeJ, dnrtte.n sie sieh auf seinen .uisdriiekliehen BoTehl vei initt. lsi' di. s.-r Suuiiue nieht eher loskaufen, als bis man ihnen schon di» K'eit. n an di-- Füsse. «eleut. Auf solche Art erlangten siibre Freiheit, und dieses war das erstemal. dass-Sixtus ein s«-Iiom e,.Sp,-,,.-hen. s t "rtheil ■ linderte undden Verbrechern t iiiade'erlheilte.* Zum Jubiläum Goldmarks. Wenn es hauti^-vorkommt'. «lass sich Künstlernaturen t.ur schwer und langsam Bahn brerhen. so war di«s l»ei jüdischen Künstlern fa-t immer -der Fall, äusserlieli iirnl innerlich waren sie.von Hanse aus. von der harnioniscjffii Bsh... die die (Irundbedinjrun^ des .SehHlTens bildet. ^:iii/. b.-sonders weit entfernt. Sic mussten sieh aus ihr -r canz anders gearteten KrziehutiK erst tititWillen und Fnerf-ie in eine Welt hineinleben, in der andere geboren waren: und war die Wahrscheinlichkeit, es zu äusserlfeher wahrer An-, •■rkennnnjr. zu. bringen, von vorneherein eine -uerinuere. so durchzogen ihre eigene Seele mancherlei Disharmonien, die sich aus il^i-erTztwitterstellunu zwischen ihrer jüdischen Natur uimI ihrem aus dem Jüdischen hinnusstrehendeh Willen eruaben. Hauliu kam es Vor» ihiss sieh dann in ihre-Werke seltsame Töne pininenuten. die nicht zu dem ästhetischen <Janzen zu fassen schienen, imd die .«rleiehwohl aus den 'fielen ihrer Seele hervornuollen. aus verhoiireiien l'Iuteii, da wo ein uralter Sehatz seit Jahrta-usenden verborgen lau. Ks besteht uar kein Zweifel, dass die Juden seit ältester Zeit hohe musikalische Be^abunu besitzen. Bildete'doe'-h ihn« ' Tetnpehnusik neben den griechischen Oden und Hymnen « in Fundament der Kntwicklunu der Musik überhüupt! Wenn U'auncr schlechtweu. der- Judenscliaft überhaupt künstlerische \Hefahiui;|iu abspricht, so folgt dies urüs&tenlheils nur aus seiner d.-utschen Kunsttheorie, «um Theile lässt .es sieh aus der Abneigung erkläron. die Wagner gegenüber den allerdings etwas gewaltsamen Effecten gerade einiger jüdischer Musiker empfindet, anderseits aber aus gewissen heimatlichen Kinllüsseti, die sich gewiss bei manchen jüdischen Cotnponisten zeigen und den einheitlichen " iJesaminteindruck iles Kunstwerkes zu stören sclüenen. J>assaber die uralte nationale Zeugungskraft noch imstande ist, grosse Talente liervor/.ubringen, die. sich trotz der grössten Widei'wäriig keiten y-ur -Höhe emporring«*n und auchl aus ienenL ver-