Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 20 (18.5.1900)
- Article
- Kleine Geschichten
- Date
- 1900-05-18
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 ,Die & Welt4' Ni. 20 II. Ein Traum. Der blasse Mann mit dem Christuskopf gieng sinnend durch die Strassen Wiens. Da blieb sein Auge auf einem Placate haften, auf welchem zu lesen war: Christlich-sociaie Wählerversammlung. Der blasse Mann trat ein. Der grosse raucherfüllte Saal konnte kaum die Menge der Erschienenen fassen. Auf der Tribüne stand eben ein geistlicher Herr, der in heftiger, die Gemüther bewegender Weise sprach. Stürmische Beifallsrufe unterbrachen manche seiner kräftigsten Sätze. So als er schrie: „Sie sind Fremde im Lande, unsere Feinde . . . die wir bekämpfen müssen bis aufs Messer." „Wer nicht mit uns ist in diesem heiligen Kampfe, der ist nicht nur ein Feind unserer Kirche, sondern auch ein Todfeind unseres armen, ausgebeuteten, christlichen Volkes." „Lasset Euch nicht bethören von den falschen Lehren der verjudeten Moral, wir dürfen nicht ruhen und nicht rasten, bis dass wir die Herren auf diesem Boden sind..." Der blasse Mann war mit entsetzten Mienen dem Redner gefolgt. Die Rothe des Zornes flammte auf seiner Stirne und seine Blicke schössen strafende Blitze. Kaum hatte der Mann im Priesterrocke geschlossen, als der fremde Mann sich auf die Tribüne schwang und zu sprechen begann. Seine seltsame, ergreifende Erscheinung übte eine ausserordentliche Wirkung, Stille herrschte im Saale und man vernahm jedes seiner Worte. Aber nicht lange währte das Schweigen. Die Menge fieng alsbald zu murren an, und je länger der Fremde sprach, umso mächtiger wurde der Unwille der Zuhörer. „Aufhören," schrien die einen. „Ein Verräther spricht," lärmten die anderen. „Er ist ein bezahlter Söldling," brüllte ein halb Betrunkener. Der Vorsitzende mahnte zur Ruhe. Da schleuderte der blasse Mann mit mächtiger Stimme die Worte in den Saal: „Und so sage ich Euch: Jedes Wort, das Ihr gehört, war eine Lüge, eine Fälschung jener Lehre, in deren Namen angeblich zu Euch gesprochen wurde. Die Juden sind nicht Eure Feinde, aber selbst, wenn sie es wären, dürftet Ihr sie nicht mit Eurem Hasse verfolgen. Ich aber werde Euch sagen, wer Eure Feinde sind. Das sind die Baalspfaffen, die Euch Lügen statt Wahrheit bieten, die den Hass statt der Liebe predigen, die das Gesetz Mosis verhöhnen, welches zu erfüllen ..." Der blasse Mann konnte nicht zu Ende sprechen. Von hunderten Kehlen ertönte gleichzeitig, wie aut Commando der Ruf: „Ein Jude! Ein Jude! Hinaus mit ihm! Ein Jude!" m. Jüdische Frechheit Verhöhnt stand der arme Jude da. Von allen Seiten drangen die Rufe seiner Peiniger zu ihm. Der eine sagte: „Du Jude, wir haben die schönsten Lehren von der Erhabenheit Gottes, von seiner Allmacht, seiner Allwissenheit und Güte. Wie willst Du es wagen, Dich mit uns zu messen!" Der zweite rief: „Kennst Du, Jude, die Nächstenliebe, die in unseren Kirchen gepredigt wird? Du armer Tropf, weisst ja gar nicht, was das bedeutet und willst Dich mit uns vergleichen." Der dritte spottete : „Du harter, verstockter Jude, warum verschliessest Du Dein Herz vor den Gesetzen der Tugend und Sittlichkeit, die wir selbst den Wilden verkünden?" Da rang der arme Jude verzweifelt die Hände, „Verzeiht," bat er, „aber das alles, was ihr mir als Euer stolzes Eigenthum anpreist, das habt Ihr ja alles .von mir zum Geschenke erhalten!" „Welch eine jüdische Frechheit!" tobten da die übermüthigen Verfolger des Juden. „So kann nur ein Jude lügen. Aber freilich, was kann man von einem Menschen, der Christenblut zu seinem Gottesdienste braucht, anderes erwarten." Briefkasten. H. L, Karlsbad. War leider nicht geeignet. K.......ier. Vielleicht gelegentlich. Spenden. Für den erkrankten Rechtspracticanten, Lemberg Kl.—. Für die hungernden Bergarbeiter in Boryslaw: Stud. ing. Georg Goldenhorn K 11.84. Geldsendungen können in recommandierten Briefen erfolgen. Es wird Papiergeld aller Staaten angenommen. Anstatt kleiner Münze können Briefmarken beigeschlossen werden. Die Agitations-Nummer ist beim Congressbureau zu bestellen und dorthin auch der entfallende Betrag zu senden. Verschiedene Nummern des Jahrganges 1899 können zur Propaganda an Vereine gegen blosse Entrichtung d*\s Portos abgegeben werden. — Porto für Oesterreich und Deutschland für 5 Kilo Kronen 0.60 Serbien „ 5 „ „ 1.— Russland „ 2 „ „ 2.— Rumänien „ 5 „ „ 1.25 England „ 5 „ „ 2.35 Irland „ 5 „ „ 2.60 Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. .dshdidk1» f$nwM DsnsnaiK 20 wvns wn •a, s^tt -)2H ps ms-fKawsp* DSH EPBDxp ps fSH^nsw i v :1 b * 2 bnsx K pä 7^ "aSsm nysbw*'i p« bzn s rnnrauiü n»ban p» : "irsx r\xb$i 3 «pns?o« p» Mbb*v12 nax"1?::? ps ,p-ixö v2- ♦SHDäbsrn "H rnnsr^sn .pans 15 mbü"ix fsma11« ps tD^nKxpa SpEnanp p^wn "n Tä |pa$n d$h |pr:r -h asn ps nx-iispa ajn jpspp ,rns fpripmä wrh ♦jpjpnpn 3$ nptopau -rrsnsrtö KARL Fabriksmässige Erzeugung von Maschin - Webekämmen, Blättefn, Jaquardeiseln, Stahllitzen, Textilnadeln sowie auch aller Artikel für Webereien und prahtwaren. ferner IJlousennadeln und öürtelhäUer WIEN, VIL, Kaiserstrasse Nr. 100. -Gegrumtet am Jahre 1839.-