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Die Welt · 1900-05-18 · 20 (18.5.1900) · p. 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
20 (18.5.1900)
Article
Eine zionistische Anthologie
Date
1900-05-18
Page
5 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 20 ,Die 2$: Welt« Seite 5 Jüdchen* umgeändert wird, wirkt herzlich geschmacklos, und wir würden darauf bei der zweiten Auflage, die diesem Buche nur zu wünschen ist, mit Vergnügen verzichten. Diese ,Nachahmungssucht" wird geradezu epidemisch. Auch sonst geht es ohne ein paar Curiositäten nicht ab. So verherrlicht einmal zur Abwechslung eine Dichterin, die auf den melodischen Namen Sprinzach hört, das Makkabäerfest und offenbart uns dabei ihre verstümmelten Versfüsse, auf denen sie wohl kaum in das gelobte Land der Musen einziehen dürfte. Eine andere Dichterin, Rachel Press, presst Jaffes Gedichte in ein Gedicht, und diesen Compress verehrt sie Jaffe selbst. Unter den üebersetzungen finden wir einige „hebräische Melodien" Byrons in den guten Üebersetzungen des bekannten Byron- und Schiller-Uebersetzers Herbei, und Plesehtschejews, Heines mit einem Exemplar des „Rabbi von Bacharach", von dem bekannten Heine-Uebersetzer und -Forscher P. W e i n b e r g etwas hölzern übertragen. Von J. L. Gordon finden wir leider nur ein Gedicht in der vorzüglichen Uebersetzung F r u g s. Dieser grösste hebräische Dichter der letzten Zeit hat noch bis jetzt seinen würdigen Uebersetzer nicht gefunden, Einige andere versuchten nach bestem Wollen und Können, uns mit Jehuda Halev y'schen Dichtungen bekannt zu machen. Bei allem Fleiss, der den Uebersetzern zugestanden werden muss, will es mir erscheinen, die althebräischen Dichtungen dürfte uns wohl schwerlich ein Uebersetzer in ihrem ureigensten Reiz und Geist im modernen Russisch verstehen, geschweige denn nachmpfinden lehren. Es ist etwas Todtes daran, nein, das Ganze ist todt. Wir lesen es und sagen halb melancholisch, halb apathisch: „Ja, also das ist Jehuda Halevy." Es ist, wie wenn man eine mystische Höhle für diejenigen, die hinabzusteigen nicht imstande sind, aus Pappe nachbildet und sie bei voller Tagesbeleuchtung auf dem Markte zeigt — Ueber den junghebräischen S. T sch er ni c h o w s ky. auf den man neuerdings so grosse Hoffnungen setzt und der sich nur durch L. Jaffe mit einem Gedichte vorstellen lässt, können wir uns auf dies eine hin kein Urtheil bilden : besagtes Gedicht ist geradezu banal. Anders wirkt auf uns ein anderes junghebräisches Gedicht „Sehnsucht der Seele" (im Russischen gibt es eigentlich kein Wort für Sehnsucht) des so jung an der Schwindsucht gestorbenen talentvollen Zeichners M. M a n e. Gleich jenen unglücklichen zehntausendgriechischen Kriegern die sich durch Kälte, Schnee und Hunger durchgearbeitet und nun beim Anblick der geliebten Flut in ein Freudengeschrei „Meer, Meer!!" ausbrachen . . . möchten fast wir ausrufen : „—--Endlich ein Hauch von Natur, endlich ein bisschen stille Sehnsucht.-Dieser arme kranke Jude und Künstler, der in jenem fernen Lande seiner Träume für all' seine Leiden, seine Judenleiden und Künstlerleiden und für seine schwache gequälte Brust Genesung ersehnt und erhofft und mit ihr Erlösung für sein ganzes Volk---Das Gedicht ist von L. Jaffe trotz einiger Härten stimmungsvoll wiedergegeben. Dieses Buch wird eine oft gefühlte Lücke füllen und müsste jedem Zionisten unentbehrlich werden. Auch als Declamatoriumfür Zionistenabende ist es besonders praktisch. Paul Barchnn. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. London, den 10. April 1900. BEKANNTMACHUNG. Im Auf trage desDirectoriums wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenten folgende Zahlungsbedingungen in Kraft treten: Entweder a) 20% bei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Mittheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine definitive Actie circa 14 Tage nach Avis der Zahlung der restlichen 80% bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) VollzahLung des Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Avis der Vollzahlung. Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Golonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Eaten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" jechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direcl oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Golonialbank* in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenz all lungen direct an die „Jüdische Colonialbank" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der „Jüdischen Colonialbank14, London E. C, 49 Leadenhall street Die israelitische Erziehungsanstalt und Gärtnereischule zu Ahlem bei Hannover. Es war in den Spalten der „Welt" schon des öfteren die Rede von dieser jüdischen Musteranstalt, die der Hochherzigkeit des Herrn Consul Alexander Moritz Simon in Hannover ihr Entstehen verdankt. Die jüdische Gemeinde, städtische und staatliche Behörden wetteifern, ihr Interesse der Anstalt zu bezeigen, und kein Fremder, vor allem kein Jude, der die schöne Leinestadt besucht und nur eben zwei bis drei Stunden übrige Zeit hat, sollte es versäumen, ein Institut zu besuchen, das, wie kaum ein zweites, die ungetheilteste Anerkennung aller Kreise sich erworben und das — in Kuropa wenigstens — einzig in seiner Art dasteht.

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