Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 19 (11.5.1900)
- Article
- [Ohne Titel] / Jüdische Kolonialbank <Direktion>
- Date
- 1900-05-11
- Page
- 9 (sequence 1)
- Language
- German
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Nr. 19 ,Die 2$ Welt" Seite 9 An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank44 entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur üebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Colonialbank44 publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Ernptang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Aclien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Golonialbank* in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der „Jüdischen Golonialbank-', London E. C, 49 Leadenhall street. Tribüne. Zur Cypern-Agitation. Fium e, 1. Mai U ><><). G e e h r t e R e d a c t i o n! In jämmerlichem, wahrhaft bemitleidenswertem Zustande langten hier heute drei Opfer der Emigration nach Cypern ein; es sind dies die drei rumänischen Juden: Bereu Heilpern, Lazar Blumenfeld und Mendel Jancovits aus Galatz. Bewogen durch die verheissende xVussicht auf lohnende Arbeit und Ertheilung vön Colonisationsgebieten, die ein Agent ihnen vormalte, verliessen sie Weib und Kind, um ein neues Heim zu gründen. Nur zu schnell sollten sie aus ihren rosigen Träumen in die bitterste Wirklichkeit geschleudert werden. Angelangt aut Cypern, Avurden sie an die anstrengenden Erdarbeiten, Ausheben von Gräben, Steineklopfen u. dgl. gestellt; als Lohn für die ganztägige erschöpfende Arbeit erhielten sie statt der versprochenen 3 bis 4 Schillinge nur 3 bis 4 Piaster (ungefähr 20 kr.), wobei man ihnen bemerkte, dass sie an die Colonisation gar nicht denken sollen, da dieselbe wahrscheinlich nie erfolgen wird. Ihre Schilderungen des dort herrschenden Elendes unter den Eingewanderten spotten jeder Beschreibung. Nach mehrwöchentlicher Arbeil, dem Verkümmern nahe, niedergedrückt durch den Gedanken an die darbende, verlassene Familie zuhause, der sie nicht zu Hilfe kommen konnten, entschlossen sie sich, Cypern zu verlassen. Aul längeres Drängen erhielten sie vom genannten Agenten nachstehende Kalle an den Agenten des Lloyd: „Monsieur l'Agent du Lloyd, Alexandrie. Cher Monsieur! Je vous prie, d'aider ces passagers, tant que vous pourrez. II ne leur manque den, que de renseignements, n'ayantpas beaueoup d'argent, et pas damis en Alexandrie. Leur destination est Trieste." und einen Empfehlungsbrief an Herrn A. C. in Triest, der ihnen an die Hand gehen sollte. Als die drei genannten Juden, jeder Mittel zur Weiterreise bar, in Triest anlangten, Herrn C. den Brief übergaben und ihn, in der verzweifelten Lage, um Beistand ersuchten, ertheilte er ihnen den humanen Rath, sich zu allen Teufeln zu scheren oder sich ins nahe Meer zu werfen; erst che Gemeinde erbarmte sich der Unglücklichen und beförderte sie nach Fiume, wo sie seit Tagen vergebens nach einem Schiffe suchten, welches sie nach England oder Amerika mitnehmen sollte. Dank der Direction der Dampfscliiffahrts-Gcsellsciiafl „Adriaerhielten sie eine Karte zur freien Reise nach London für den am 20. d. M. abgehenden Dampfer. Bis zu dieser Zeit landen sie durch Hille des Herrn lng Lazarus Unterkunft und Arbeit. Hochachtungsvoll _ S. F.*) *) Der Name des Einsenders ist der Redaction bekannt. A n u n s e r e Glaubensu n d G e s i n n u n g sg e n o s s e n! In der Erkenntnis, dass unler den wichtigsten und erspriesslichsten Erziehungsmitteln die Volksbibliotheken einen hervorragenden Platz einnehmen, appellieren wir an alle Volksfreunde, Ziou-Vereine, hauptsächlich aber an die Herren Autoren hebräischer, deutscher, polnischer und jüdisch-deutscher' Werke, uns Bücherspenden zukommen zu lassen, wofür wir im voraus besten Dank sagen. Der Ausschuss des Vereines „Zionin Bochnia. Samuel Klausner, Obm. Josef Klausner, Cassier. Der E i n z e l v e r e i n ,M a r i a h i 1 f - N e u 1> a udes Verbandes „Zion11 hält Samstag den 12. d. M., abends 8 Uhr, im Restaurant Löbl, VI., Schmalzhofgasse eine öffentliche V e rcinsversammlung ab. Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners Dr. I. T a g 1 i c h t über „Die Juden und der Handel-4. Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. Der V e r e i n s a u s s c h u s s. Weltchronik. Der Sieg der Pariser Nationalisten. Bei den am 7. d. M. vorgenommenen Wahlen in den Gemeinderath der Stadt Paris wurden 12 nationalistische und 1U monarchistische Gemeinderäthe gewählt. Ausserdem befinden sich zahlreiche nationalistische Candidaten in der Stichwahl, und die meisten von ihnen dürften gewählt werden. Bisher zählte der Pariser Gemeinderath bloss zwei nationalistische Mitglieder. Die