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Die Welt · 1900-05-04 · 18 (4.5.1900) · p. 13

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
18 (4.5.1900)
Article
[Kommentar]
Date
1900-05-04
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 18 „Die z£ Welt" Seite 13 Blatt ins Gericht mit jenen, die dem Zionismus etile mögliche und unmögliche Opposition bereiten, obgleich sie ihm eigentlich dankbar sein sollten. Die ehrlichen Colonisations- Zionisten verdienen unsere Achtung in hohem Grade, aber es haben sich einige sehr zweifelhafte Elemente an ihre Rockschösse gehängt. Das Blatt gibt der Hoffnung Ausdruck, dass sich schliesslich die wirklichen Zionisten aller Schattierungen doch finden werden, allen Miss Verständnissen und allen Intriguen zum Trotze. Dasselbe Blatt knüpft an den Antrag Bernard Lazares in Betreff der Gründung einer „Bank zur Entwicklung der Colonisation und Industrien Palästinas" folgende Bemerkung: „Man erinnere sich, dass Herr B. L. es gewesen, der auf dem Baseler Congresse in heftigster Weise die Gründung der „Jüdischen Colonialbank" bekämpft und den Vorwurf erhoben hatte, die Bank werde ohne allen Zweifel „ein Instrument der Bedrückung und Ausbeutung" werden. Auf Grund welcher mehr demokratischen Principien solle nunmehr die Bank der Chovevei-Zion begründet werden, zu der Lazare die Initiative ergriffen?" Im „Hamelitz" hat sich eine Controverse entwickelt über die beste Art des Unterrichtes der hebräischen Sprache. Während ein Artikelschreiber für die Methode „Ivrith Be- Ivrith" plaidiert, das heisst für den hebräischen Unterricht in hebräischer Sprache, meint der andere, dass dazu das Hebräische noch zu wenig im mündlichen Gebrauche sei. Die Kenntnis der Vocabeln und Regeln allein genüge noch nicht, eine Sprache zu sprechen, man müsse mit Leuten verkehren, die sich lediglich der zu lernenden Sprache bedienen. Dasselbe Blatt bringt einen Artikel über die Erziehung der jüdischen Mädchen. Der Schreiber geht davon aus, dass ohne die Mithilfe der jüdischen Frauen keine jüdische Nation erstehen könne. Man müsse endlich damit beginnen, bei den jüdischen Mädchen die Liebe zum Judenthum zu wecken, ihnen die Kenntnis der jüdischen Literatur und Geschichte zu vermitteln, dann werden sie auch später als jüdische Mütter ein jüdisches Geschlecht erziehen, das seine Nation liebt und begeistert ist für unsere nationalen Ideale. „Viitorul" wendet sich gegen den dem politischen Zionismus von verschiedenen Seiten gemachten Vorwurf, dass er nur die materielle Lage der Juden verbessern wolle. „Die Zionisten," sagt das Blatt, „behandeln die jüdische Frage keineswegs als rein materielles Problem. Da es aber eine Thatsache ist, dass die Juden fast überall in ausserordentlicher Weise leiden, so ist es nothwendig, dass erst der Körper gesunde, bevor man daran denken könne, den Bedürfnissen des Geistes Rechnung zu tragen." Die „Nordd. Allgem. Ztg." bespricht das Buch von Professor Strack „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit". Das genannte, der Regierung nahestehende Organ beschäftigt sich speciell mit dem Ritualmord-Aberglauben und sieht das Hauptverdienst des Buches darin, dass es diesen wahnwitzigen Vorurtheilen den Boden entziehen will. Das Blatt citiert zum Schlüsse die Worte Stracks, mit denen er nachweist, „wie die Cristen, die einst gegen sie selbst geschleuderten Anschuldigungen nunmehr gegen andere erheben". Im „Boston Herald" erörtert ein Einsender den von verschiedenen amerikanischen Assimilations-Rabbinern,namentlich von dem bekannten Dr. Hirsch eingenommenen Standpunkt, dass die Juden ihre Nationalität erst durch den Antisemitismus entdeckt haben. Der Schreiber nennt es den höchsten Grad von Arroganz, wenn irgend jemand den Juden anrathen wolle, das Nationalitätsprincip zu verleugnen und die Hoffnung auf eine Regenerierung aufzugeben. Es sei absolut falsch, zu behaupten, dass erst der Druck es war, der diese Hoffnung geweckt, oder dass sie das Resultat politischer Zurücksetzung sei. Die „Deborah" hat mit Dr. J. M. W i s e s Tode zu erscheinen aufgehört. Aus dieser Thatsache meint „American Hebrew" den Schluss ziehen zu dürfen, dass auch die amerikanischen Jargon-Blätter mit der Zeit überflüssig werden dürften. An die Stelle der in deutscher Sprache erschienenen jüdischen Presse Amerikas sei die englische Presse getreten, und mit der „Assimilierung, respective Amerikanisierung'' der aus Russland, Rumänien und Galizien eingewanderten Juden werde auch die Jargon-Literatur Amerikas ihre Existenzberechtigung verlieren. „Daily Chronicie". das bekannte, weitverbreitete, im antisemitischen Fahrwasser segelnde Londoner Tagblatt, benützte eine Broschüre des berühmten Kanzelredners Madison C. Peters „Gerechtigkeit den Juden" zu einem echt jesuitischen Taschenspieler-Kunststück. Es stellt nämlich die in dem Buche befindlichen, gegen die Juden gerichteten antisemitischen Anschuldigungen zusammen, um daraus das Gegentheil dessen zu beweisen, was das Buch beweisen will. Die Speculation des Blattes auf die Scandalsucht eines grossen Theiles des Publicums ist ja leider weder falsch noch neu. Bücherwelt. Rüben Brainin: TH3B1 TTT 1SKÖ DITOX Abraham Mapu, sein Leben und seine Werke, 1. Buch, Verlag „Tuschijah"-Piotrkow 1900. Das Werkchen gehört zu den besten unter den „Biographien berühmter Männer", die in der Sammlung „Hebräische Bibliothek" in dem rührigen Verlage „Tuschijah" erschienen sind. Eine Biographie Mapus, des grossen Dichters und Bahnbrechers, war auch lange schon ein frommer Wunsch. Die Biographie des ganz unmodernen Abraham Kaplan hätten wir wirklich schon längst durch ein moderneres Buch ersetzen können. Auch Brainin hat seine Schwächen, man hat sie aber bald aufgezählt. Er ist zuweilen ein kleinlicher Nörgler — siehe seine Biographie Smolenskys („Tuschijah") — und seinen Aufsatz über Gordon („Haschiloach"), seine publicistisch leichte Art zu schreiben hat auch manchmal kleine Ansätze von Charlatanerie. Trotzdem bleibt er unser bester literarischer Essayist, wie Achad-Haam unstreitig der beste philosophische ist. Brainin hat einen modernen, in einzelnen Ausdrücken sogar schöpferischen Stil, eine interessante, durch feine Entrefilets geschmückte Schreibweise, auch einen psychologischen Blick, und er arbeitet überdies nach berühmten Mustern. Er kennt — wenn auch nur oberflächlich — seinen Taine, seinen Brandes u. dgl. Er ist auch selbst ein Dichter. Hanslick sagt einmal in seihen Memoiren so richtig, dass jeder Musikkritiker früher selbst — wenn auch ein unbedeutender — Componist gewesen sein muss. Es muss der Kritiker den Aufbau des Dichters in seiner Seele noch einmal aufführen und von neuem schaffen können, um ihn richtig zu beurtheilen. Brainin ist eben einer solchen sozusagen dichterischen Synthese fähig, darum ist auch seine kritische Analyse — von einigen wenigen Schwächen abgesehen — treffend und richtig. j. b. Feuilleton. Lieder eines Bekehrten. IX. In der Noth . . . Man hat uns bedrückt und gepeinigt, Wir trugen manch" bitteres Leid — Nun hat uns die Noth vereinigt In fester Brüderlichkeit. Die Noth hält uns mächtig umschlungen Mit eisernem Kettenband — Wir haben, von ihr durchdrungen, Uns wieder als Brüder erkannt. Was immer uns mochte scheiden, Die Noth hat das Wunder vollbracht: Sie hat durch gemeinsames Leiden Uns wieder zusammengebracht! Par i s, im April 1900. Heinrich Grünau.

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