Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 18 (4.5.1900)
- Article
- Eine Versteigerung von eigenartigem Interesse
- Date
- 1900-05-04
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 18 ^Oie Welt" Seite 11 Bibliothek befanden sich auch zahlreiche hebräische Werke, welche in Erinnerung bringen, dass der frühere Herrscher auf dem Throne Brasiliens sich bekanntlicn einen eigenen Lehrer für die hebräische Sprache hielt und seine Mussestunden dem Studium der altehrwürdigen Bibelsprache gerne widmete. Als Frucht dieser wissenschaftlichen Beschäftigung erschien auch 1891 ein Büchelchen unter dem Titel„Poesiesh6braico-provencales durituelisra^litecomtadin. Traduites et transcrites par S. M. Dom Pedro II. d'Alcantara, Empereur du Bresil." Natürlich fanden sich von diesem Werke gleichfalls einige Exemplare vor. Die galizische Klostergeschichte. Herr Israel A raten, der Vater der im Kloster zurückbehaltenen Michalimi A raten, wurde am 26. d. M. vormittags vom Kaiser in Audienz empfangen. Der unglückliche Mann erflehte von dem Vaterherzen und der Gerechtigkeitsliebe des Monarchen Hilfe. Auf die theilnehmende Frage des Kaisers, ob die Behörden alles Erforderliche gethan, bemerkte Herr A r a t e n, dass der Justizminister bestimmte Weisungen gegeben, dass aber die zugreifende Hand vermisst werde. Der Kaiser versprach Herrn Araten, der in tiefer Bewegung vor ihm auf die Knie sank, sich genau über die Angelegenheit informieren und neue Anweisungen an die Behörden ertheilen zu wollen, damit diese ihre Pflicht und Schuldigkeit thun. Zum Processe HQIsner. Das ürtheil des Cässationshofes im Processe Hülsner ist bereits beim Kreisgerichte Kuttenberg eingetroffen. Leopold H ü 1 s n e r wurde dem Präsidenten vorgeführt und in Kenntnis gesetzt, dass der Oberste Gerichtshof in nichtöffentlicher Sitzung das Todesurtheil aufgehoben hat, doch werde er in Untersuchungshaft bleiben und dem Kreisgerichte Chrudim überstellt werden, wo eine neue Verhandlung stattfinden werde. Hülsner soll dies mit völliger Gieichgiltigkeit angehört und auch das mit ihm aufgenommene Protokoll apathisch unterschrieben haben. Sowohl sein Vertheidiger Doctor A u r e d n i c z e k, als auch der Privatbetheiligten-Vertreter Dr. Baxa wurden von der Ürtheilsaufhebung amtlich verständigt. Wie mit Bestimmtheit verlautet, erfolgte die Ürtheilsaufhebung beim Cassationshofe mit Stimmeneinhelligkeit. Correspondenzen. Deutschtand. Danzig. Arge Ausschreitungen gegen die Juden aus Anlass der Konitzer Moidthat sind besonders in einzelnen Orten des Kreises Schlochau vorgekommen. Die „Danz. Ztg." berichtet darüber: In Prechlau, dem Wohnorte der Eltern des unglücklichen Ernst Winter, hat eine wahre Rebellion geherrscht. Fast sämmtliche Schaufenster und Thüren der jüdischen Geschäftsleute sind zertrümmert worden. Die Ortspolizei war nicht imstande, Eigenthum und Person der Bedrängten vor den Excedenten zu schützen, so dass Gemeindevorsteher Hinz wiederholt telegraphisch um Hilfe ersuchte. Auch in Stegers sind die jüdischen Einwohner hart bedrängt worden. Aus Baldenburg schreibt man : Eine Menge Fenster sind in der Synagoge zertrümmert, die Schaufenster verschiedener Kaufleute demoliert worden. — Zur Vermeidung weiterer Excesse ist der Schluss der Schankstätten in Könitz auf S Uhr abends festgesetzt worden. Niederlande. Haag. Am II. April abends hielt Herr Dr. Max Nord au über Einladung des Präsidiums des „Niederländischen Zionistenbundes" im Saale der „Haagschen Kunstkring" einen Vortrag über den Zionismus. Der Saal war von einem zahlreichen, erlesenen Publicum dicht besetzt In wirkungsvoller, eindringlicher Weise setzte der Redner das Wesen und die Ziele des Zionismus auseinander. Er erörterte die Mittel, durch die der Zionismus seinen Zweck erreichen will, und die Gründe, auf die er seine Daseinsberechtigung basiere. Im Gegensatze zu den praktischen Zionisten, welche eine Colonisation in kleinem Massstabe erstreben, unternimmt der . politische Zionismus derartiges für sieben Millionen Juden, welche sich in Russlaud, Galizien und Rumänien in äusserst unglücklicher Lage befinden. Der Zionismus hofft dies zu erreichen mit Zustimmung der Türkei, unter Wahrung der Suzeränetät des Sultans und unter Garantie der Grossmächte. Er verhehlt sich nicht die grossen Hindernisse, die zu bekämpfen sind, aber er rechnet auf die Energie und Opferwilligkeit der Juden und auch der Nicht-Juden, welche die traurige Lage von Millionen schmerzlich mitempfinden, von Millionen Unglücklicher, die, ihrer Religion und Ueberlief.>rung treu, sich nicht assimilieren können oder wollen und aus socialen oder politischen Gründen keine sichere Heimstätte in den europäischen Ländern finden können, ohne sich neuen Gefahren und Unsicherheiten auszusetzen. Herr Dr. Kerdijk und der Rabbiner Herr Dr. T. Lee wen stein nahmen an der Discussion theil, die sich an den Vortrag knüpfte. Herr Dr. Kerdijk vermag den politischen Optimismus des Redners in Betreff des Wohlwolleus der Türkei und der Grossmächte nicht zu theilen und sprach zugleich diu Bofürchtung aus, dass die staatsbürgerlichen Pflichten der Israeliten in den westeuropäischen Ländern in Collision kommen könnten mit der Unterstützung einer allgemeinen Auswanderung, wie sie der politische Zionismus im Auge habe. Herr Dr. L e e w e n s t e i n bezeichnete das Streben des Zionismus, wie es Dr. M. Nord au gezeichnet hatte als ein hohes, aber fast unerreichbares Ideal und meinte, dass es vortheilhafter wäre, sich den praktischen Zionisten anzuschliessen, welche zwar nicht Millionen, aber immerhin tausenden Unglücklichen Hilfe bringen wollen. Herr Dr. Max Nord au erwiderte, dass die „praktischen" Zionisten bisher sehr unpraktisch vorgegangen sind. Durch den Antisemitismus dürfe man sich nicht abschrecken lassen. Die staatsbürgerlichen Pflichten der Juden in den Niederlanden und anderen Reichen des Westens sind vollkommen vereinbar mit der zionistischen Bewegung. Auf die Frage, ob Palästina genügend ertragsfähig sei, um die Millionen Emigranten zu ernähren, erwiderte Dr. Nord au, dass in dem Lande, wo einst Milch und Honig geflossen sei, man sich anfangs viel Mühe würde geben müssen; diese Mühe werde aber obre Zweifel von grossem Erfolge gekrönt sein. Das Gebiet, das man bevölkern will, umfasst nicht nur das cis-joidänische Land, sondern auch das Gebiet der zehn Stämme von Dan bis Berseba, von Gad bis zum Libanon, ja bis nach Kleinasien, wo genügend Platz ist für zwei-, ja dreimal sieben Millionen Menschen. — Der Vorsteher der Haag'schen Abtheilung. Herr J. Kann, bekundete zum Schlüsse dem Redner den Dank der Versammlung. L. A. M. Rumänien. Bukarest. Der hiesige „UniversuP. eines der verbreitetsteit -Journale in Rumänien, berichtet, dass die Auswanderung der Juden auf dem Lande alle Schichten der Bevölkerung ergreift, u. zw. Arbeiter, Kaufleute und sogar die studierend«' Jugend. Die Leute ziehen nach allen Weltgegenden, nach Anatolien. China, Cypern, Amerika etc. Nach Anatolien siud die Auswanderungen seltener geworden, angeblich infolge eines Erlasses der türkischen Regierung, wonach jeder einwandernde Jude eine Zahlung von 500 Piastern leisten müsse. Nachdem aber diese Auswanderungen ohne irgend eine Organisation oder Vorbereitung vor sich gehen, hat sich einerseits in Galatz ein Comite unter der Präsidentschaft des Herrn Samuel Pineles gebildet, andererseits in der Hauptstadt ein Comite reicher Juden mit dem Zwecke, diese Emigration zu organisieren und zu erleichtern, besonders denjenigen, die mittellos sind. Diese Comites werden ihre Thätigkeit sofort nach Georgi beginnen, wo (nach dem Wohnungswechsel-Termin) eine sehr grosse Zahl Juden das Land verlassen dürfte. So weit der „Universul". Thatsächlich ist Herr S a m. Pineles der seit einigen Tagen in Wien weilt, nicht der Präsident des Emigrations- Comites in Galatz, sondern Herr Dr. Moscovitz — Der Jassyer „Rasaritul" meldet, dass den Focschauer Auswanderern (41:1 Personen, von denen „die Welt- Nr. 17 berichtete)