Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1900-04-27
- Page
- 11 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 17 „Die 2$ Welt" SriU: I 1 Das jüdische Greisenasyl in Odessa hat von einer dortigen wohlthäligen Dame, Frau B. Feldmann, '.±700 Rubel zum Geschenke erhalten, die zur Erweiterung der Anstalt und zum Baue eines neuen Hauses dienen sollen. Ausserdem spendeten dem Institute die Ignaz Ii. von Ephrussi'schen Erben in Wien oOU Rubel. Im abgelaufenen Jahre wurden in diesem Greisenasyl si- Männer und 07 Frauen verpflegt. In der vorigen Nummer unseres Blattes gaben wir unseren Zweifeln an der Richtigkeit der Blättermeldung Ausdruck, wonach zum Director der Realschule der „Israelitischen Religionsgenossenschaft" in Frankfurt a. M. ein katholischer Oberlehrer ausersehen sei. Wie wir nun aus der Concursausschreibung des Schulrathes der genannten Lehranstalt ersehen, beruht die fragliche Meldung in der That auf Unwahrheit, indem von den Bewerbern gefordert wird, dass sie auf dem Boden des gesetzestreuen Judenthums stehen und über umfassendes jüdisches Wissen verfügen. Rabbiner und Religionslehrer Fabian in Breslau ist zum zweiten Rabbiner der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. Der russische Unterrichtsminister hat angeordnet, dass die Lehrer in den Cliadarim, die sogenannten Meiamdim, keine Mädchen unterrichten dürfen. In Manchester starb vor kurzem der Rabbiner in der dortigen Synagoge britischer Juden. Rev. Laurence M. Simmons. Er war Secretär der „Anglo Jewish Association". Der grossherzogliche Oberrath der Israeliten in Karlsruhe hat einen Preis ausgeschrieben für die beste deutsche Uebersetzung der synagogalen Gebete für Freitag Abend. Die Uebersetzung soll bei möglichster Anlehnung an das Original doch dem Geiste der deutschen Sprache angepasst, also von hebräischen Redewendungen frei sein. Der besten, den Anforderungen entsprechenden Arbeit wird ein Preis von 200 Mark, der zweitbesten ein solcher von 100 Mark zuerkannt. Der Endtermin für Bewerbungen ist der 1. October 1900. Der 29. Jahresbericht des „Israelitischen Unterstützungsvereines" in Wiesbaden für das Jahr lS!>'.t ist dieser Tage erschienen. Die Ausgaben des Vereines haben sich dermassen vergrössert dass nicht nur die präliminierten Beträge aufgebraucht wurden, sondern eins Anleihe in der Höhe von 700 Mark aufgenommen werden musste. Die vermehrten Unterstützungen an Arme der Umgegend lassen darauf schliessen, dass die Erwerbsverhältnisse auf dem flachen Lande in Hessen-Nassau für die Juden immer schwieriger werden. Die „Israelitische Haushaltungsschule" in Hamburg hielt am 1. d.. M. in Gegenwart zahlreicher Gäste ihre Jahresprüfung ab. Die Ergebnisse der theoretischen und praktischen Unterweisung im Kochen, Wraschen, Backen, Reinmachen und in allen die Haushaltungskunde berührenden Zweigen waren höchst befriedigend. Ein jüdischer Student in Heidelberg namens Alfred L u b 1 i n, der von mehreren Studenten im Restaurant „Perkeo" wegen seines Judenthums verhöhnt worden war, forderte den Studenten Oskar Wilhelm Sauer zum Zweikampf auf Säbel. Sauer wurde am Arm und Ohr verletzt. Vor kurzem kam der Fall vor die Strafkammer. Sauer wurde mit vier Monaten, L u b 1 i n mit drei Monaten und der Student Oskar Michelsohn wegen Cartel Kragens mit einer Woche Festungshaft bestraft. Der Landrabbiner Dr. Freude nthal in Dessau ist zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde in D a n z i g gewählt worden. Zeitschriftenrundschau. im „Jewish Criterion", Pittsburg, polemisiert ein Artikelschreiber gegen diejenigen, die die zionistische Idee als einen Traum bezeichnen. „Es ist ein schöner Traum und sollte unsere Achtung hervorrufen, denn das ist kein Traum von ephemerer Dauer, sondern er ist so alt wie Judas Fall. An den Ufern von Babylons Strömen begann der Traum, und seitdem nimmt er den Sinn des Volkes gefangen. Jetzt, mehr als je zuvoi-, nimmt er Getsalt an. Ob ganz Traum oder nur zum Theil, können wir nicht sagen, aber die Idee können wir nicht unbeachtet lassen. Nur die Unverständigen im Volke verlachen die Träumer." Wir lesen in der ..Allgemeinen Zeitung des Judenthums": „Das Ende eines jüdischen Antisemiten, des von uns bereits wiederholt gekennzeichneten Herrn G a s t o n P o 11 o n a i s wird in den Pariser Berichten deutscher Blätter drastisch geschildert. Sein Leibblatt, der „Soir" ist nämlich in liberalen Besitz übergegangen. Dazu schreibt man nun: Was der „Soir" unter der Leitung des jüdischen Antisemiten P o 11 o n a i s gewesen ist, das braucht hier nicht wieder gesagt zu werden. Es ist allzu bekannt. Kein anderes nationalistisches Blatt, selbst „Petit Journal", selbst „Echo de Paris", selbst „Libre Parole" nicht, war während des Dreyfus- Handels so schauerlich verlogen, so giftig verleumderisch, so mordgierig, wie der „Soir", genauer wie Gaston Pollonais, der die schriftstellerischen Banditenthaten immer selbst begieng und sie mit eiserner Stirne voll unterzeichnete. Seit dem Urtheile von Rennes verflaute die Stimmung der Leser, die antisemitischen Hetzereien Gaston Pollonnais" hatten keinen Reiz mehr, und das Publicum verlor die Lust, 15 Centimes für ein Gericht zu bezahlen, das. „Libre Parole" und „Intransigeant" ebenso schmackhaft für fünf Centimes liefern. Es ist wahr, dass unflätige Beschimpfungen der Juden von einem Juden etwas pikanter sind, als von einem Arier, aber eine Vertheuerung der Ware um das dreifache rechtfertigte dieser Vorzug doch nicht. Der „Soir" gieng immer mehr zurück und war in Gefahr, zu verschwinden. Sein Eigenthümer war unter diesen Verhältnissen sehr froh, in der Person des Herrn Alfred Edwards einen Käufer für das Blatt zu finden. Am Tage des Ankaufes der Zeitung warf Herr Edwards Gaston Pollonnais zur Thüre hinaus und zeigte im „Soir" den Besitzwechsel in einer kurzen Mittheilung an, die kühl erklärte: „Wir häuten uns. Und vor allen Dingen: wir desinficieren dieses alte Haus, wir desinheieren es tüchtig, damit es neue Bewohner aufnehmen kann." Bücherwelt. Von dem General-Inspector im Ministerium für Landwirtschaft. Minen und Forste zu Constantinopel, Richard Hermann, ist soeben ein Buch „Anatolische Landwirtschaft - erschienen, das uns manchen Fingerzeig für die Colonisation Palästinas geben könnte. Was der Verfasser in seinen 23 Capiteln. deren jedes ein anderes Thema behandelt, ausführt, ist eigentlich nur für den Landmann von speciellem Interesse. Für den Zionisten haben diejenigen Worte Bedeutung, zu denen der Verfasser am Schlüsse seiner Aus-