Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Article
- Triest [Nachricht] / J. W.
- Date
- 1900-04-27
- Page
- 10 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 10 ,Die & Welt" Nr. 17 Cultusgemeinde einen Vortrag, in dessen Verlaufe er auch auf den Zionismus, allerdings nur gewissermassen durch die Blume, zu sprechen kam. Die zahlreiche Zuhörerschaft nahm die Ausführungen des Redners sehr beifällig auf. Herr Rabbiner R a c o h gedachte des Zionismus, wie gesagt, auf Umwegen, und es wäre zu wünschen, dass bei den nächsten Conferenzen dieser ausgezeichnete Redner mit seiner wohllautenden Florentiner Aussprache, ebenso wie Rabbiner L a 11 e s und Professor C a s t i g l i o n e, welche abwechselnd Conferenzen halten, den Zionismus etwas ausführlicher besprechen und das Kind beim rechten Namen nennen. J. W. Türkei. Constantinopel. In der Pariser Ausstellung des türkischen Reiches werden u. a. auch die Palästina-Weine einen hervorragenden Hang einnehmen. Den Clou jedoch werden die Panoramen von Jerusalem und Bethlehem bilden, die gleich neben dem syrischen Theater Aufstellung gefunden haben. Die südafrikanischen Wirren, welche eine bedeutende Erhöhung der Kohlenpreise, wie ja bekannt, im Gefolge hatten, bewogen die türkische Regierung, sowohl Kohlen aus eigenen Gruben abzubauen, als auch für den Bedarf der grossen Artillerie Werkstätten die Eisenminen von Samakowa zur Ausbeutung zu bringen. Ein kaiserlicher Irade ist bereits erflossen. Dieser principielle Entschluss hat auch für Palästina hervorragende Bedeutung, dessen Bodenreich - thümer bisnun dem Schosse der Erde überlassen blieben. Ein bekannter deutscher Geologe, der sich vorderhand in ein gewisses Incognito hüllt, weilt gegenwärtig hier, um auf Grund der Tuma'schen Funde in Anatolien Kohlen zu suchen und diese Versuche dann auch auf Palästina auszudehnen. Letzteren Arbeiten will der erwähnte Herr die Nötlingschcn Ausarbeitungen zugrunde legen. Constantinopel. (Orig. Corr.) Aus sicherster Quelle erfährt man, dass der Sultan den Bau einer Eisenbahn von Damaskus nach Mekka plant. Sie soll auf Kosten der Regierung nach Plänen des türkischen Generalstabes gebaut werden. B. Vereinsnachrichten. Wien. Sonntag den ±2. April hielt Herr Weis sb e r g e r im Vereine jüdischer Handelsangestellten „Jordania" einen äusserst instruetiven Vortrag: „Was wollen diese Zionisten?" An der lebhaften Debatte betheiligten sich die Herren Lucian Brunner, Dr. Paul W e i s e n g r ü n, Ai-chitekt Marmorek, Deiches, Egon Leder er, Dr. Kamink a. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" wird Sonntag, den •!<.). April a. c. Herr Bernhard Tag einen Vortrag „Das Judenthum im Lichte des Glaubens und der Ueberlieferung" halten. Beginn 4- Uhr naehmittags. Gäste herzlich willkommen. Wien. Der Einzelverein „Mariahilf-Neubau" des „Zionveranstaltete den 13.April, am ersten Pessach-Abende^ einen grossen öffentlichen Seder - Abend, der, dank der ausgezeichneten Leitung des Beirathes Herrn Josef Den ker. sowohl allen rituellen Vorschriften Genüge leistete, als auch seine zahlreichen Teilnehmer bis in später Nachtstunde in animierter Stimmung zusammenhielt. — Samstag, den April hielt genannter Verein eine öffentliche Versammlung ab, in der Herr Siegmund Bergmann einen überaus interessanten Vortrag über die jüdischen Ghetti hielt. In anschaulicher Weise führte der Redner die schon halb ,).,,• Vergangenheit angehürigen Zeugnis e jüdischer Cultur vor Augen. Die Ghetti Böhmens, Galiziens, Ungarns, die modernen Judenviertel von Berlin. Paris, London und Amerika, beweisen, dass die Juden allerorten stets eines gesellschaftlichen Centrums bedurften und sich auch ohne Zwangsvorschriften mittelalterlicher Päpste eine Stätte geschaffen hätten, wo das jüdische Leben mit seinen Licht- und Schattenseiten ungestört pulsieren dürfe. Das Ghetto sei ein markantes Denkmal der viel geschmähten und oft geleugneten jüdischen Solidarität, die den Bestand des jüdischen Volkes in den schwersten Zeiten der Vergangenheit gesichert habe und für alle Zukunft verbürge. In derselben Versammlung wurde auch der Rücktritt des Präsidenten, Herrn Dr. Ernst Franz Weis 1, derzeit der Gründung des Vereines mit ausserordentlicher Umsicht dessen Geschäfte geleitet hatte, kundgethan. Die Versammlung sprach durch Erheben von den Sitzen Herrn Dr. W e i s 1 einstimmig ihr vollstes Vertrauen und den innigsten Dank für seinehingebende Thätigkeit aus. Allgemein wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, Herrn Dr. Weisl zur Rücknahme seiner Resignation zu bewegen, und die Vornahme einer Neuwahl darum vertagt. Zum Schlüsse gelangte eine Resolution zur Annahme, welche den Fall Araten behandelte und die Energielosigkeit der Cultusvorstände in dieser Angelegenheit brandmarkte. Krakau. Bisher bestanden hier bloss zwei zionistische Vereine. Der eine, „Chowewei Erez Israel", umfasst die Bürgerschaft. während der andere, „Hasehachar'% die akademische Jugend vereinigt. Nun formieren sich die jüdischen Arbeiterbataillone, um für die sehnsüchtig erwartete Landnahme mit dem nöthigen Rüstzeug versehen zu sein. Die Arbeiterclasse wird ja in erster Reihe berufen sein, in die alt-neue Heimat einzurücken, sobald die rechtliche Sicherheit geschaffen sein wird. Der dritte, neugegründete zionistische Verein „Achdus" schart um sich die jüdische Arbeiterschaft und die jüdischen Angestellten. Die constituierende Versammlung hat am 15. April stattgefunden. Die Vereinsleitung besteht aus den Herren A. Spira, Obmann: M. Berkowicz, I. Obmann- Stellvertreter: P. Ries er, II. Obmann - Stellvertreter : M. Bloch, Cassier: S. Herzog, hebräischer Schriftführer: M. H o r o w i t z, II. Schriftführer, und sechs Ausschussmitgliedern. Stanislau. (Akad. Club „BarKochb a.") Die im Convente am 18. d. M. vorgenommenen Neuwahlen für dfis (V.) Sommersemester ergaben folgendes Resultat: jur. Moses Kaner, Präses (provisorisch) : jur. Josef F ü 11 e n b a u m, Vicepräses; jur. Simon W o 11 i s c h, Schriftführer, und in den Ehrenrath : jur. Julius Wurzel, Vorsitzender; jur. David Horowitz, Stellvertreter. Czernowitz. Am '25. März d. J. hat sich in Czernowitz eine aus Wiener Technikern bestehende Verbindung unter dem Namen: Jüdische akademische Ferialverbindung „Hebronia" constituiert. Die Chargewahl ergab folgendes Resultat: Präses : stud. techn. Abraham Fuhrmann. Vicepräses: stud. techn. M. Man r üb er, Schriftführer: stud. techn. David Misales. Bolechow. Am 17. d. M. sprach in der hiesigen Synagoge der vom Lemberger Landescomite hierher delegierte Doctor Malz aus Lemberg über den Zionismus. Seine Rede übte auf die Zuhörer ohne Unterschied der religiösen Parteirichtung einen mächtigen Eindruck aus. Wir haben sehr viele neue Anhänger gewonnen. Erwähnt sei noch die Eröffnungsrede unseres geehrten Präsidenten Herrn N.Lothringer. Nach der Rede des Herrn Dr. M a 1 z fand in unserem Vereinslocale zu Ehren des geehrten Gastes ein Commers statt, wo Herr Dr. Malz, Herr N. Lothringer, Herr B. B i c k e 1 und Herr Isak Goldschlag schöne Toaste sprachen. Allerlei Nachrichten. Wie czechische Blätter melden, hat sich in Pol n a ein Comite mit dem Bürgermeister S a d i 1 an der Spitze gebildet, welches sich die Errichtung eines Denkmals für Agnes Hruza zum Ziele setzt. Das Denkmal soll auf dem That-, besser gesagt A u f f i n d u n g s orte, im Brezina- Waldo, errichtet werden.