Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 17 (27.4.1900)
- Article
- Die Juden und der Handel
- Date
- 1900-04-27
- Page
- 9 (sequence 2)
- Language
- German
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Nr. 17 ,Die Welt4 Seite 9 Ruhm gegolten hat, ein grosser Kaufmann zu sein. Deshalb bestimmen auch diejenigen Juden Englands, die Kaufleute sind, ihre Söhne viel lieber für den Gelehrton-, als finden Handelsstand. Personalnachricht. Am -l'-K April, :\ Uhr nachmittags, findet im Tempel, IL. Leopoldsgasse üi), die Trauung unseres Gesinnungsgenossen Herrn David Huschak mit Fräulein Laura König statt. Der Zionismus in Holland. Amsterdam, 17. April I'.mmi. Am 10. April hat Max Nordau im Haager . Zionistenvereine einen Vortrag über Zionismus gehalten. An der Debatte betheiligten sich Dr. A. K e r d y k. Parlamentsmitglied, und der Haager Oberrabbiner Dr. T-Lewenste in. Die Worte N o r d a u s machten auf die Versammlung mächtigen Eindruck. Die zionistische Sache hat durch diesen Abend eine bedeutende Förderung erfahren. Herr Oberrabbiner Dr. J. H. D ü n n e r in Amsterdam, der sich schon öfter für den Zionismus ausgesprochen hat, ist jetzt als Mitglied dem .Niederländischen Zionistenbund" beigetreten. Das zionistische -Centraalblad voor Israelieten in Nederlanddruckt folgenden Brief ab, den Dr. Dünner in jüngster Zeit an einen Stadtrabbiner gerichtet hat: ,Sie bringen gegen den heutigen Zionismus zwei Beschwerden vor: die erste, er sei unserer Tradition zuwider, die zweite, dass die Wortführer des Zionismus nicht auf traditionell-jüdischem Standpunkte fusseu. Ihre erste Beschwerde ist falsch, da unser Religionscodex nur das Streben, Jerusalem und Palästina mit gewappneter Hand zu erkämpfen, verbietet. Jede andere Gelegenheit, das Heilige Land zu erwerben, wird vom traditionellen Judenthum als ein Segen angesehen. Und was Ihren zweiten Einwand anbetrifft, so muss er vollständig hinfällig erscheinen, wenn man sieht, mit welchem Feuer, welcher Liebe, mit welchem Muthe die erwähnten Männer ihre Abstammung betonen, in einer Zeit, da man sich durch dieses Bekenntnis Hohn und Schimpf nicht nur seitens unserer äusseren Feinde, sondern auch der jüdischen Zionsfeinde auf den Kopf lädt. Wenn man sieht, wie viele unserer Stammesgenossen sicli schämen, den Namen „Jude-' zu tragen: wie viele charakterlos genug sind, dem Judenthum gänzlich den Rücken zu kehren, dann muss man aufrichtige Achtung und Liebe liegen für diejenigen, die mit Herz und Seele, wenn auch nicht unserem Gottesdienste, so doch unserem Stamme zugethan sind. Sehen Sie hier in wenigen Worten, warum ich den heutigen Zionismus mit aller Kraft, die in mir ist. unterstützen will. Die jüdischen Religionslehrer fangen an, sich um den Zionismus zu bemühen. Im Organ ihres Bundes hat ein gewisser K. (eines der hervorragendsten Vorstandsmitglieder dieses Verbandes) einen sehr unparteiischen Artikel über den Zionismus veröffentlicht, der in allen Worten eine rege Sympathie für unsere Idee verräth. I. H. Correspondenzen. Oesterreich-Ungarn. Lemberg. Vorige Woche ist Bischof Lobos in Tarnow gestorben. Er war als eifriger Bekämpfetder Volksparteiler und Socialdemokralen bekannt. Dem Antisemitismus sland er ziemlich fern, wiewohl er (1897) der Hauptbegründer der clerical - antisemitischen -Ruch katolicki" war. Interessant ist folgende Episode aus dem Jahre 1SS9. Drei Jahre nach seiner Inthronisation hat er den in seiner Diöcese gelegenen Neu-Sandecer Sprengel behufs Kirchenvisitation bereist. An dem festlichen Empfange betheiligten sich die dortigen Juden in hervorragender Weise. Für diese Ehrung zeigte sich der Kirchenfürst sehr dankbar. Der galizische Clerus hat gerade damals offen den Antisemitismus zu propagieren begonnen. Bischof Lobos wollte daher den Juden eine Freude bereiten und hat diese Strömung verurtheilt. In seinen Antworten auf die Ansprachen der Judendeputationen sagte er, dass er den Juden sehr gut gesinnt sei, jede antisemitische Hetze sei ihm ein Greuel. An einem Orte sprach er von Christus und den Aposteln, die selbst Juden waren, die Verfolgung der „Söhne des alten Bundes" sei deshalb die unwürdigste That der Welt. In Lukowica liess er sich sogar zu einer weitgehenden Zusicherung hinreissen: „So lange ich auf dem Bischofsstuhle sitze, werde ich für die Vermeidung von Reibungen zwischen Christen und Juden Sorge tragen.u Zu den Banketten, die ihm zu Ehren in den Pfarrhöfen veranstaltet wurden, liess er auch Juden einladen. Einem dieser Juden stattete er einen Gegenbesuch ab, und als dieser das Gespräch auf den Antisemitismus lenkte, erklärte Bischof Lobos in feierlichster Weise: -In meiner Diöcese ist die Entstehung einer antijüdischen Bewegung völlig ausgeschlossen (Diese Worte hat Ihr Correspondent selbst mitangehört. Sie lauteten polnisch: „W mojej dyecezyi jest powstanie ruetou antizydowskiego zupeinie wykluczone.") Die freundlichen Worte machten die Runde durch die liberalen Blätter und haben in clericaleu Kre:sen eine grosse Unzufriedenheit hervorgerufen. Bischof Lobos sah sich daher veranlasst, eine Erklärung im -Vaterlandabgeben zu lassen, dass seine judenfreundlichen Worte nur ein Act der Courtoisie, nur so eine Art Höflichkeitsrücksicht waren. Er betrachte die Juden keineswegs als den Christen gleichgestellte Menschen, trotzdem sei es nicht statthaft, sie thätlich zu verfolgen. Seine Freundlichkeit hat auch nur den Repräsentanten der Juden gegolten und nicht der hinter ihnen stehenden Masse. Alles übrige, was die liberalen Blätter erzählt haben, sei pure Erfindung. — Bei Abfassung dieser Erklärung hat man im Secretariate des Bischofs genau gewusst, dass das - Vaterland-' keine Abonnenten im ganzen Tarnower Kirchenbezirke hat und man vor einer etwaigen Gegenerklärung sicher sei... Im Jahre 1S9S waren die bekannten Judenexcesse in Galizien. In der Diöcese des Bischofs von Tarnow wütheten die Excesse am heftigsten. Zu jener Zeit erliess Bischof Lobos Hirtenbrief auf Hirtenbrief. In denselben verdammte er die Socialisten und die Volksparteiler, belegte die Leser ihrer Blätter mit dem schwersten Kirchenbann, besprach die politischen Verhältnisse in der Diöcese etc. Nur die Judenexcesse liessen ihn kalt. Für sie fand er kein Sterbenswörtchen, trotz der Zusicherung von anno 1889, dass er -für die Vermeidung von Reibungen zwischen Christen und Juden sorgen werde'-. G. B. Triest. Langsam zwar, abe^desto sicherer bricht sich hier die nationale Idee des Zionismus Bahn. Obschon es hier an einzelnen guten Zionisten seit der Zeit des I. Baseler Congresses nicht fehlte, so konnte doch in Triest die zionistische Propaganda bisher nicht recht in Schwung gebracht werden. Hoffentlich wird das bald anders. Unser Gesimningsgeiios.se Herr Rabbiner Gustav R a c o h hielt am 1!>. d. M. im grosson Sitzungssaale der hiesigen israelitischen