Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1900-04-27 · 17 (27.4.1900) · p. 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
17 (27.4.1900)
Article
Die galizischen Volksbeglücker
Date
1900-04-27
Page
7 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3315850-3315869-3368783--19307-3368913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr.. 17 ,Die $l Welt" Seile 7 fühlen, dass ihre Stellung erschüttert ist und sehen sich schon im Gedanken entthront. Jahrelang haben sie Taktlosigkeit a'uf Taktlosigkeit begangen, weil sie sich in ihren Positionen zu sicher glaubten, sie giongen daher achselzuckend über die Wünsche des Volkes hinweg und haben die Gunst desselben verscherzt. Unsere Jugend wurde während ihrer Herrschaft sozusagen entjudet und es hat sie nicht gekümmert. Oekonomische Umwälzungen im Lande haben tausende jüdischer Familien au den Bettelstab gebracht und sie sind nicht hilfreich beigetreten. Endlich ist dem galizischen Juden der Star gestochen worden und er fängt zu begreifen an, dass ein „Cultusvorstand" nicht nur zur Einhebung von Cultussteuern und Erhaltung von Gemeindebureaux existiert. Er lässt daher seinem Unmuthe gegen die bisherigen Gemeindeführer freien Lauf. Jetzt sehen erst die Herren, dass sie gefehlt haben und legen ihre ganze Hoffnung auf den einzuberufenden Gemeindetag. Er soll ihr Rettungsanker sein. Noch eine Kraftprobe wollen sie machen. Vielleicht gelingt es ihnen doch, weiter am liuder zu bleiben! Dr. A b e. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. London, den 10. April 1'JüÜ. BEKANNTMACHUNG. Im Auftrage des Directoriunis wird hierdurch bekanntgemacht, dass vom 20. Mai a. c. ab für NEU hinzutretende Subscribenten folgende Zahlungsbedingungen in Kraft treten: Entweder a) d0°/0 bei der Zeichnung und der Rest sofort beim Empfange der Mittheilung seitens der Directoren, dass der Subscribent in das Actien-Register eingetragen wird, woraufhin der Actionär seine definitive Actie circa 14 Tage nach Zahlung der restlichen S0% bei einer der autorisierten Zahlstellen empfangen wird, oder b) Vollzahlung des Betrages bei der Zeichnung und Entgegennahme der definitiven Actie ebenfalls circa 14 Tage nach Erlag des Geldes. Es wird eindringlich daran erinnert, dass etwaige Wünsche betreffs Namens- oder Inhaber-Actien bei der Subscription anzugeben sind. James H. L o e w e, General-Secretär. * * * An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Colonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und. in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Colonialbank" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der „Jüdischen Colonialbank", London E. C, 1U Leadonhall street. Tribüne. A in s t e r d a m, April. Es soll hier demnächst eine zionistische Lesehalle errichtet werden. Wir ersuchen daher unsere Gesinnungsgenossen um freundliche Zusendung zionistischer Schriftwerke, Zeitungen etc. Für das Secretariat des Zion-Vereines: Dr. I. lien, Amsterdam, Plantage Doclaan 6. Weltchronik. Ein Bonmot Zanqwills. Die Londoner Zeitschrift „Lite;ind Beauty" richtete an alle bekannten englischen Schriftsteller eine Rundfrage des Inhaltes: durch welche Speise sie sich wohl am meisten zu schriftstellerischer Thätigkeit angeregt fühlen. Unter den Befragten war auch Israel Z an g will. Er antwortete, er habe zu seinem Leidwesen noch niemals gegessen, um schreiben zu können, sondern im Gegentheil immer geschrieben, um essen zu können. Das Ritualmord-Märchen in Westpreussen. Aus Berlin vom üü. d. M. wird berichtet: In dem westpreussischen Städtchen Könitz ist vor einigen Wochen ein Gymnasialschüler namens Winter ermordet worden. Theile des zerstückelten Leichnams wurden nach und nach in Könitz und der Umgebung aufgefunden. Da der Platz, wo der erste derartige Fund geschah, sich in der Nähe der Synagoge befand, verbreiteten antisemitische Hetzer allsogleich das Märchen vom Ritualmord, das bei der in der Cultur zurückgebliebenen Bevölkerung Glauben fand. An der Hetze betheiligten sich nach Kräften die locale und auch die Berliner antisemitische und agrarische Presse. Diese Blätter stellten sich so an, als sei der Ritualmord bereits erwiesen, und durch diese systematischen lügnerischen Ausstreuungen ist die Konitzer Bevölkerung so erregt worden, dass seit Wochen dort fast täglich Bedrohungen der jüdischen Einwohner stattfinden, welche schliesslich in Berlin Schutz erbeten haben. Das Gericht und die Polizei in Ko n itz führten die Untcr- suchung mit grossem Eifer, waren aber bisher nicht imstande, die räthselhafte Mordthat aufzuklären. Ein gewisser Israelski wurde verhaftet, weil Zeugen ihn mit einem Sack in der Nähe der Stelle gesehen haben wollten, wo der Kopf des ermordeten W i n t e r aufgefunden worden war.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.