Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 16 (19.4.1900)
- Article
- Schekelgelder [Nachricht]
- Date
- 1900-04-19
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 „Die & Welt" Nr. 16 sonderen betreffenden localen Vorkommnissen uns ungesäumt Mittheilung zu machen, wie überhaupt uns über die zionistische Vereinsthätigkeit und Propaganda auf dem Laufenden zu halten. Das Secretariat des zionistischen Districtsvor- Standes für Niederösterreich, IL. Gredlergasse 9. Wien. 10. April 1900. Wien. (Einzelverein Leopoldstadt- P r a t erst r a s s e des Verbandes -Zion".) Am 11. d. M. hielt unser Verein in seinem Vereinslocale, IL, „CatV« Orient"> einen Vereinsabend ab, der den Erfolg einer Agitationsversammlung hatte, da derselbe sehr gut besucht war und einen ausserordentlich anregenden Verlauf nahm, so dass eine Reihe Leopoldstädter Bürger dem Vereine beitrat. Der Verein veranstaltete eine Ausstellung von Photographien und anderen Objecten aus Palästina, welche der geehrte Herr Reverend He c h 1 e r zur Verfügung stellte und an der Hand seiner Reisebeschreibung dem Auditorium erläuterte: sein Vortrag wurde mit grossem Beifalle begleitet und dankbarst aufgenommen. Hieran knüpfte sich eine längere Discussion. Herr Leetor M. Friedmann ergänzte den genannten Vortrag durch seine von tiefem hebräischen Wissen und sinnreicher Allegorie erfüllten Bemerkungen. Herr Dr. Leop. Kahn sprang in gewohnt liebenswürdiger und meisterhafter Weise mit einem Vortrage über das Wesen des Zionismus für anwesende zahlreiche Nichtzionisten ein und replicierte ebenso meisterhaft auf die an ihn gerichteten Interpellationen über Stellungnahme der Zionisten zu jenen Juden, die assimiliert sind oder sich assimilieren wollen, seitens des Herrn Dr. R e i k. Herr Dr. Bernh. Münz sprach über den Wert des politischen Zionismus vom ethischen Standpunkte. Herr Cohen hob den für die Ausführung des zionistischen Planes bedeutsamen Factor der Sympathie der Türken den Juden gegenüber hervor. Herr L ö b 1 brachte einige Details von seinem Aufenthalte in Palästina und Frau Dr. Kahn hielt zum Schlüsse eine mit Enthusiasmus aufgenommene Ansprache an die anwesenden Damen, welche geeignet war, die verstockteste Assimilantin für den Zionismus zu erwärmen. J. G. Wien. Vom Mai angefangen wird über Veranlassung des Einzelvereines „Fünfhaus" des „Zion" in der orthodoxen Synagoge XII., Dieffenbachgasse Nr. 53, Herr Rabbinats- Candidat B. Margulies jeden Dienstag von S bis 9 Uhr „Ueber die Geschichte und Literatur der Juden von der Zerstörung des ersten Tempels bis zu den Tanaiten" vortragen und Herr Religionslehrer Isak Moses Lichtenstein jeden Donnerstag von S—9 Uhr den Tractat Choulin erklären. Die einzelnen Vorträge umfassen einen Cursus von 10 Abenden und sind von einander unahängig. Der Theilnehmer kann daher jedem beliebigen Abend beiwohnen. Der Zutritt ist jedem Juden gegen eine Gebür von 10 Heller pro Abend gestattet. Wien. Die Jüdische Vereinigung „Jordania" veranstaltete Samstag den 17. März einen Discussionsabend, der durch einen Vortrag des Herrn Dr. Paul Weisengrün über „Zionismus und Genossenschafts- Socialismus" eingeleitet wurde. Der Vortragende schilderte den Entwicklungsgang der genossenschaftlichsocialistischen Idee von Buchez bis auf Dr. Franz Oppenheimer und gab eine kurze Kritik der gegenwärtig bestehenden Auffassung. Nach seiner Ansicht seien Dr. Oppenheimers „Siedlungs - Genossenschaften", die der politischen Kampf gänzlich vernachlässigen gegenüber den wirtschaftlichen Organisation, etwas zu einseitig gehalten und bedürfen der Ausgestaltung. Ueber den Vorschlag des Redners, der momentanen Judennoth durch Consumvereine, landwirtschaftliche Genossenschaften etc. zu steuern, entspann sich eine lebhafte Dehatte, an der sich die Herren Gross, Schwab, Lederer und W e i s s b e r g e r betheiligten. Im Verlaufe dieser Discussion, die noch fortgesetzt werden dürfte, zeigte sich eine allgemeine Sympathie für den Vorschlag Dr. Weisen grüns, die Idee der landwirtschaftlichen Genossenschaften bei den zionistischen Colonisat i o n sb e s t r e b un gen entsprechend zurGeltung zu bringen. ego. Wien. Die Jüdische Vereinigung „Jordania" hatte an einem ihrer letzten Discussionsabende (Samstag den 24. März) das Vergnügen, Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann aus Flori dsdorf. den Autor der Broschüre „Jüdische „Realpolitik", bei sich zu begrüssen. Der Herr Rabbiner griff auch in die Discussion ein. Sachlich gab es zwischen ihm und dem Referenten des Abends, Herrn Wilhelm E p s t ei n, sowie den an der Debatte theilnehmenden Herren Gross, Pappenheim, Lederer und W eissberger manche Differenzen: immerhin aber waren die Resultate dieser ersten Discussion schon für beide Seiten befriedigend. Die zionistischen Redner wollten nur eine wirtschaftliche Realpolitik, die auf dem Principe der Selbsthilfe beruht, gelten lassen und leugneten die Möglichkeit einer ernsthaften politischen Realpolitik. Auch wurde an der Erhaltung des jüdischen Volksthums in der Diaspora — also ohne jüdische Cultur und Sprache — gezweifelt. Die letzte Consequenz auch dieser Realpolitik sei erzwungene Assimilation oder materieller Ruin. HerrDoctor Rosenmann warnt vor falscher Auffassung des Begriffes Assimilation, die als Zweck allen nichtzionistischen Bestrebungen in die Schuhe geschoben werde. Die zur Zeit der Esra und Nehemia in Babylon zurückgebliebenen Juden hätten sich nicht assimiliert, ja sie hätten ihr Judenthum gepflegt und aus ihrer Mitte wären jene grossen Lehrer hervorgegangen, welche die berühmten Schulen Cordovas gründeten. — Die Discussion über „Jüdische Realpolitik" dürfte noch weitergeführt werden. 1.....r. Pressburg. Der hiesige Verein „Ahavath Zion" veranstaltete Sonntag den 18. v. M. in den Vereinslocalitäten eine Purim-Feier, welche, wie das darauffolgende Festbankett, äusserst animiert verlief und für die Propaganda sehr nützlich war. Es sprachen die Herren S. Bettelheim (deutsch), Rabb.-Cand. N. Deutsch (ungarisch) und J. W e i n r e b (hebräisch). Das Fest wurde mit der Aufführung des Prof. Ign. Brüll'schen Psalms eingeleitet, welcher, wie die darauffolgenden Chorgesänge, von Herrn A. B. Zänker musterhaft einstudiert und dirigiert, lebhaften Beifall fand. Herr Adolf Schwärtz, der in exaeter Weise die Clavierbegleitung besorgte, brachte einige PiiNcen zu Gehör, welche, ebenso wie die schönen Liedervorträge des Herrn M. Silbe r, beifällig aufgenommen wurden. Nächst den Genannten machte sich Herr S. Heimann um das Gelingen des Festes besonders verdient. Das Fest hatte auch für unseren Verein ein praktisches Ergebnis, indem zahlreiche Herren dem Vereine spontan beitraten, welcher bereits an die 250 Mitglieder zählt. Die Vorträge aus der jüdischen Geschichte und Literatur, welche sich grosser Beliebtheit erfreuen und stets stark besucht sind, werden auch in den Sommermonaten, wie bisher, allwöchentlich abgehalten werden. Graz. Die Chargierten wählen der jüdisch-akademischen Vereinigung „Ivraea" für das Sommersemester ergaben folgendes Resultat: jur. Julius Löwensohn X, techn. Robert Heller XX, jur. Fritz Koppmann XXX- Krakau. Am 8. d. M. veranstaltete der akademische Verein „Przedswit" im Locale des Vereines »Esra" zu Ehren Perez Smolenskys einen Festabend. Nach einer schwungvollen Begrüssung der überaus zahlreich Erschienenen durch Herrn Dr. Goldwasser hielt cand. phil. et theol. M. Berkowicz den Festvortrag. Der Vortragende feierte Smolensky als den Mann, dem es beschieden war, der nahezu allgemeinen Verwirrung, die zu seinen Lebzeiten im Schosse des Judenthums herrschte, mit Erfolg entgegenzutreten. Es bedurfte wirklich eines so eminenten Selbstbewusstseins, wie es Smolensky eigen war, um gegen Mendelssohn, diesen Halbgott der sogenannten Aufklärungsepoche, einen damals so ungleichen Kampf aufnehmen zu können. Nicht als eine todte Sprache, die man aus Pietätsrücksichten hie und da bescheiden zu Worte kommen lässt, wollte Smolensky die hebräische Sprache dem Judenthum gelten lassen, sondern ein integraler Bestandteil seines Volksthums sollte sie ihm werden, ein nationales Band, dem die Rolle eines Verständigungsmittels zufallen sollte. Nachdem noch H. L o e b 1 einen von G o r d o n dem Meister Smolensky gewidmeten hebräischen