Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 16 (19.4.1900)
- Article
- Kakuschka recte Kohn
- Date
- 1900-04-19
- Page
- 6 (sequence 2)
- Language
- German
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Seile 6 „Die O- Welt- Nr. 16 steht, gegen — alle Juden Hass und Vorurtheil zu erwecken. Und genau wie dem Kakuschka ergienge es dem Porzer und Low in dem Augenblicke, wo sie als geeignete Subjecte erscheinen werden, um an ihnen die Verkommenheit und Verderbtheit aller Juden zu deducieren. Man lässt sie als Zierden der Partei, als Führer und Häuptlinge, kurz als echte Antisemiten gelten, so lange sie blindlings den Parteizweck en dienen, aber sie würden sofort als ,.Judenstämmlinge" über Bord geworfen werden, wenn man sie mit Vortheil als — Juden gegen die Juden ausspielen könnte. Dann würden mit einem Schlage die leuchtenden Verdienste vergessen sein, welche die Porzer und Low der antisemitischen Bewegung geleistet, und es würde sich schon ein Genealoge finden, der es herausbrächte, dass auch in der Ahnengallerie dieser Männer irgendein — „Kohn" figuriere. Man wird vielleicht behaupten, dass diese Kampfweise der Antisemiten jeder Logik und Vernunft bar, ja, dass sie verworren und widersinnig sei. Nun, das ist richtig. Aber man wird andererseits den Antisemiten zugeben müssen, dass sie, so lange sie auch mit den albernsten und verwerflichsten Mitteln ihr Ziel erreichen, sich die Mühe ersparen können, mehr auf Logik, Vernunft und wie die anderen schönen Dinge alle heissen, zu achten. dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclarnieren, wo sie suhscribiert haben. Das Direclorium der „Jüdischen Colonialbank", London E. C, 49 Leadenhall strect Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colon ialbank) Limited. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Golonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rate neinzahlun gen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Katen an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, genen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" lechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckton Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Alloteinentbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle au die „Jüdische Golonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Golonialbank" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen Der Fall Araten. Der Bielitzer Verein „Haschachar" hat an s ä m m tliche grösseren Cultusgemeinden Oesterreichs folgendes Schreiben gerichtet: Löblicher Cultusvorstand! Die „Affaire" Araten hat die civilisierte Welt in Aufregung gebracht und das Rechtsgefühl im allgemeinen aufs tiefste verletzt. — Eis ist nicht nur die Stimme eines unglücklichen frommen Vaters, dem ein Kind geraubt, es ist der Aufschrei des mit Füssen getretenen Rechtes, das uns als Bürger wohl gewährleistet worden ist, als Juden uns gegenüber jedoch gar keine Geltung hat! Unsere Geschichte predigt uns aus jedem Blatte, das Bewusstsein der Zusammengehörigkeit zu pflegen und bei jedem Anlasse der Verdrehung und Krümmung des Rechtes eines von uns als Juden wie ein Mann gegen die Unbill entschiedenst zu protestieren. — Wir wollen damit nicht nur trachten, unsere uns verbrieften Rechte zu erlangen, sondern der Oeffentlichkeit zu bekunden, dass wir nicht gewillt sind, als Bürger eines Staates, dessen Lasten wir trügen, als Recht- und Schutzlose behandelt zu werden. Dieser Momente eingedenk, hat eine in unserem Vereine stattgefundene Versammlung anlässlich eines Vortrages des Herrn Dr. S t e c k 1: „Der Fall Araten, vom juridischen und menschlichen Standpunkte beleuchtet", und der sich daran anschliessenden Debatte auf Antrag des Herrn Dr. Bett er mitfolgende Resolution einstimmig gefasst und unseren Vereinsvorstand beauftragt, dieselbe an alle grösseren israelitischen Cultusgemeinden Oesterreichs zu versenden. Hoffend, dass vielleicht diese Massendemonstration vieler bedeutender Cultusgemeinden in massgebenden Kreisen nicht unbeachtet bleiben wird, ersuchen wir einen löblichen Cultusvorstand, sich ebenfalls den Reihen derjenigen anzuschliessen, die für ihr gutes Recht auch als Juden eintreten wollen, was aber schleunigst geschehen müsste, nachdem das entführte Mädchen Araten bereits im Mai d. J. M- Jahre alt wird — in welchem Alter ein jeder, dem Gesetze nach, die Frage des Religionswechsels schon selbst lösen darf — dem Einflüsse ihrer jüdischen Familie entrückt, derselben für immer auf diese Weise verloren gehen würde. Die dem Schreiben beigeschlossene Resolution lautet : Die am 1. April 11)00 im Zunfthaussaale zu Bielitz tagende jüdische Versammlung spricht ihre tiefste Entrüstung aus über den schreienden Willküract der Felicianerinnen und über die Lauheit der berufenen staatlichen Behörden in der Habhaftwerdung der dem Arme ihres Vaters entrissenen minderjährigen Michalina Araten, und fordert sämmtliche israelitischen Cultusgemeinden zur schleunigsten Stellungnahme gegen die Verletzung der staatlichen und moralischen Gesetze auf, um die minderjährige Tochter ihrem Vater zurückzuführen. Tribüfte. Lemberg, IG. April. Ein schwerkranker, unbemittelter Rechtshörer (Rigorosant) bittet edle Stammesbrüder um eine Unterstützung zum Zwecke der Wiederherstellung seiner Gesundheit. Gütige Spenden wolle man an die Redaction der .Weltgelangen lassen.