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Die Welt · 1900-04-13 · 15 (13.4.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
15 (13.4.1900)
Article
Wien [Nachricht] / L.
Date
1900-04-13
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 15 ,J>ie O Welt" SciU- 11 ihre eigensten speci eilen Interessen neben den allgemein wirtschaftlichen zu vertreten, damit die oft sehr wichtigen Specialinteressen nicht vernachlässig-t würden. Aus diesem Grunde sollen die jüdischen Handlungsgehilten jüdische Organisationen schaffen, in denen nicht nur gegen wirtschaftliche Unterdrückung, sondern auch gegen das eigene Judenelend gekämpft werden soll. Nachdem noch die Herren Gross undPappenheim gesprochen hatten, ergriff Reichsraths-Abgeordneter Hofrath Kareis das Wort und gab der Versammlung unter lebhaftem Beifalle sein Ehrenwort, für die billigen Forderungen der Handlungsgehilfen eintreten v.u wollen. Herr Lederer erwiderte auf einige Ausführungen des Hofrathes Kar eis, worauf eine Resolution verlesen und angenommen wurde, die eine Aufforderung an die Gehilfenschaft zur Organisation und zu energischem Eintreten für wirtschaftliche und jüdische Interessen enthielt. L. Wien. Hen- Redacteur Hermann Berliner, IL, Gredlerstrasse Nr. 9, wurde zum Secretär des Districts- Vorstandes gewählt. Graz. Die zionistische Bewegung in Graz führt immer weitere Kreise zu ihrem alten Corps. Die Leser der „Welt" haben ja des öfteren von den Erfolgen der „Zionistischen Vereinigung* gelesen und ehenso das erfreuliche Wachsen des zionistischen akademischen Vereines „Ivraea" erfahren. Und nun können wir den dritten Verein, der sein Entstehen zionistischer Thätigkeit verdankt, nennen, den Ersten Zionistischen Männer-Gesangverein, der schon 50 Mitglieder zählt, obwohl er erst im Laufe dieser Woche sich constituierte. Eine national - jüdische Liedertafel in Graz, von allen enthusiastisch begrüsst, vom Vorstande der Gemeinde subventioniert, wer hätte es vor einem Jahre noch gedacht! Und noch eins: in Bälde wird auch unser Turnverein erstehen. Die Cultusgemeinde baut heuer noch einen Turnsaal, dann wird die neuerbaute Halle das frohe Treiben einer turnfrohen Schar erblicken, die Schar unserer zionistischen Turner und Fechter. Die Voraibeiten für den Verein sind fast vollendet. Wer wird nicht mit Herzensfreude diese Wandlung begrüssen, die aus Juden, die dem Namen nach nur mehr der Gemeinde gehörten, bewusste Zionisten macht. K-r. Czernowitz. Am 18. März 1. J. hat sich in Czernowitz unter dem Namen „Akademischer Leseverein Humanitas" eine jüdisch-nationale Lesehalle gegründet und wurden bei der im Vereinsiocale, Gymnasialgasse 4, stattgefumdenen «onstituierenden Versammlung in den Ausschuss gewählt die Herren : stud. jur. Philipp. F 1 e i s c h e r, Präses : cand. jur. Isidor Grauer, Vicepräses: stud jur. Max Kronisch. Schriftführer: stud. jur. David Neugeboren, Biblothekar und Zeitungswart. Köln. Samstag, 24. März, sprach Herr Referendar Emil Weyl in der „Zionistischen Vereinigung" über „Geschichte der Judenemancipation in Deutschland". Zloczow. Der Verein „Bnei Zion" veranstaltete am 24. März einen Agitationsabend. Derselbe war sehr erfolgreich und der Verein gewann viele neue Mitglieder. Redner waren die Herren : M. Finkelmann, L. So j c h a r und N. Rohatyn. Chrzanow. Der hiesige Verein „Bnei Zion" veranstaltete am 17. und IS. März zwei Purimabende mit gleichlautendem Programm. Nach Begrüssung der Gäste durch den Vereinsobmann Dr. Adolf Ries er intonierte die Kapelle des Herrn M. Richter aus Krakau einen vom Kapellmeister componierten „Zionsmarsch", worauf Herr Schimmel die Tendenz- und Festrede hielt. In eindrucksvoller Weise legte der Redner die Bedeutung des Purimfestes und dessen Beziehungen zum Zionismus dar. Nach weiteren musikalischen und Gesangsproductionen folgte die Hauptnummer des Festes, und zwar einige stimmungsvolle lebende Bilder aus dem Leben unserer Colonisten in Palästina, arrangiert vom Vereinsmitgliede Richter, und von circa 20 Mitgliedern aufgeführt. Der Erfolg der Abende war ein ausgezeichneter, und führte dem Vereine mehrere neue Mitglieder zu. S. C. Bücherwelt. ^12 wSn Literarisch - wissenschaftliche Vierteljahresschrift,' herausgegeben von J. G ü n z i g in Biala. Band III. Krakau 1900. Auch dieser Band behauptet sich auf der Höhe, die „Haesehkol" vom Anbeginne eingenommen hat. Mit gutem Fug kann der Herausgeber darauf hinweisen, dass seine Zeitschrift zum Sammelplatze für die Auslese der alten wie der jungen hebräischen Schriftstellergarde geworden ist. In der That, wir begegnen in dem vorliegenden dritten Bande den besten Namen, die die hebräische Literatur unserer Tage aufzuweisen hat. Und noch ein gutes Lob kann der Vierteljahresschrift gezollt werden: sie ist nicht bloss, wie das Titelblatt besagt, literarisch und wissenschaftlich, sondern auch publicistisch und z eitgemäss. Was die moderne Judenheit im innersten bewegt, das klingt auch in „Haesehkol", und zwar recht vernehmlich, nach. Nicht weniger als drei actuelle Aufsätze über den Zionismus und den dritten Baseler C o ngr e s s finden sich in dem vorliegenden Bande. Der erste, „ Der Stein des Anstosses" überschrieben, rührt von der Redaction her, der zweite entstammt der Feder D. Sullers und sein Gegenstand ist „Der dritte Congress und was er uns lehrt", der dritte endlich, der „Zur Frage des Zionismus" spricht, hat J. K r e p p e 1, den Herausgeber der Monatsschrift „Jerusalem", zum Autor. R. Brainin hat sich mit einer Plauderei („In meiner Kinderstube. Aus dem Tagebuche eines hebräischen Schriftstellers") eingefunden. Eigentlich kann man dieses „Tagebuchblatt" nicht gut eine Plauderei nennen, denn gedankenschwerer Ernst liegt düster darüber gebreitet. Bloss die Kinder lässt Brainin in sorgloser Unbefangenheit plaudern, er selbst ist trüb, nachdenklich gestimmt. Dr. J. G ü n z i g schreibt über die Beziehungen zwischen der Kabbalah und der indischen Philosophie in klarer, anziehender WTeise. Dr. S. Rubin bietet einen populärwissenschaftlichen Aufsatz, der sich mit den bigenerischen Vorstellungen in den Mythen der Völker beschäftigt. S. A. Horodezky gibt eine kurze Lebensbeschreibung und Charakteristik des Rabbi Mordechai Japhe. eines jüdischen Gelehrten des 16. Jahrhunderts, der in der Decisoren-Literatur als Verfasser des „Lebhusch" bekannt ist. Dr. M. J. Berdy czewski ist mit zwei Beiträgen vertreten, von denen der eine den „Chassidismus", der andere „Das Offenkundige und Geheimnisvolle in der Belletristik" zum Vorwarf nimmt. Berdyczewski schreibt in einer Manier, die er den französischen Symbolisten und ihren deutschen Nachbetern unglücklich abgeguckt hat. Denn während in den Gefühlsergüssen seiner Vorbilder zumindest sprachliche Musik von einem gewissen prickelnden Reiz waltet, ist Berdyczewskis Sprache ein bizarres Gemengsei kunterbunt durcheinander geworfener biblischer, aramäischer und rabbinischer Bestandtheile und Redensarten. Hebräisch ist das gewiss nicht. Uebrigens macht Berdyczewski mit seinem Symbolismus Schule : J. A. Lubetzky macht dem Meister mit seiner Skizze „Von dieser Welt* alle Ehre. S. M. Lazar setzt seine Untersuchungen über die Ureinwohner Palästinas fort. H. Heimann wirft einen „Blick auf die Entwicklung des geistigen und politischen Lebens der juden in Galizien." Was er über das „Entstehen" des Antisemitismus in Galizien sagt, kann einer eindringenden Kritik nicht standhalten. S. ßuber fährt in seiner Monographie über die Rabbiner Zolkiews fort. Belletristische Aufsätze finden wir in dem Bande von Ch. D. Horowitz. D. J. Silberbusch, J. A. Lubetzky und D. Rothblum; Gedichte — darunter einige ganz vorzügliche — von Gottlober, Ch. N. Bialik, S. Tschernichowsky, S. L. Gordon, A. Lüboschitzky, Dr. S. Mandelkern, J. Levit und N. Samuel y. Eine kritische Studie über Tschernichowsky hat J. Klausner geschrieben. S. J. Pausner bespricht die von Brainin herausgegebene Revue „Von Ost und West." Eine kurze bibliographische Uebersicht der hebräischen Neuerscheinungen vom Herausgeber beschliesst den gehaltreichen Band. M. Z. In den nächsten Tagen erscheint im Verlage Ouley in Charkow, Russland (den unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Dr. Schlaposchnikow leitet) eine Broschüre unter dem Titel „Einige Worte über den politischen Zionismus". Ihr Verfasser ist Leon P a p e r i n, der tüchtige Redacteur unseres französischen Bruderorganes „L'Echo Sioniste". Die Broschüre soll die Antwort bilden' auf ein antizionistisches Pamphlet, welches vor kurzem von einem jüdischen Schriftsteller in Russland unter dem Pseudonym Gerschon-ben-Gerschon publiciert wurde. P a p e r i n weist nach, wie sehr der Pamphletist die Ideen, die H e r z 1 in seinem „Judenstaat" entwickelt hat, entstellt und wie das wahre Programm der Zionisten ihm theils unbekannt ist, theils von ihm missverstanden wird. Wir empfehlen das Schriftchen unseren russischen Freunden zu Propaganda-Zwecken.

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