Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Article
- Köln [Nachricht] / S. D.
- Date
- 1900-04-13
- Page
- 10 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite „Die & Welt" Nr. 15 Deutschland. Köln. Die Purini-Feier des Vereines „lbriain der Philharmonie gestaltete sich zu einem glanzvollen Festabende, an dem circa 1500 Personen theilnahmen. Den orchestralen Theil überallhin die Artillerie-Regimentskapelle unter persönlicher Leitung ihres königl. Musik-Dirigenten Herrn W. T r e n k s. Ferner trugen zur Verschönerung des Festes bei die Damen: Pianistin Frl. Sophie Herzlierg, Concertsängerin Frl. Ciaire D Oering und die Herren Opernsänger Clemens Kaufung, Schauspieler Carl N e um an n - W o d i t z. Besonders seien die Ansprachen der Herreh Rabbiner Dr. Nobel und Dr. Bodenheime r erwähnt. Unter den Festtheilnehmern befand sich, auch unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse Herr Oberrabbiner Dr. Gaster aus London. Ein Festball hielt die Theilnehmer noch bis zum frühen Morgen zusammen. S. D. China. Swatan, 2.März.(Orig.-Corr.) Nachfolgendes Geschichtchen möge darthun, wie gewissenhaft europäische Cultur bis in die entlegensten Länder getragen wird. Vor ungefähr vier Tagen langte hier das deutsche Kriegsschiff „Ersatz Iltis" zu Besuche ein. An Bord des genannten Schiffes befindet sich ein Hund, der einem der Officiere gehört. Diesem Hunde wurde ein Biscuit hingeworfen, welches er natürlich gleich aufschnappte. Als dem Hunde, der das Biscuit im Maule hielt, die Worte „vom Juden" zugerufen wurden, liess er das Biscuit sofort aus dem Maule fallen. Allerlei Nachrichten, In Frankfurt am Main verschied kürzlich Director Hirsch. Für die im Transvaal befindlichen jüdischen Soldaten der englischen Armee hat Sir Samuel Montagu ein ausreichendes Quantum Mazzoth gespendet. Der zum Berliner Gemeinde-Rabbiner gewählte Bezirks- Rabbiner Dr. Eschelbacher aus Bruchsal erhielt vom Grossherzog von Baden das Ritterkreuz I. CL des Zähringer Löwen-Ordens mit Eichenlaub, nachdem er schon vor einigen Jahren mit dem Haus-Orden decoriert worden war. In New-York langte dieser Tage der Betrag von anderthalb Millionen Dollars aus der Hinterlassenschaft der Baronin Hirsch an. Diese Summe hatte die Baronin nämlich verschiedenen jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten in New-York testiert. In der jüdischen Ackerbauschule M i k w e h Israel bei Jaffa wurde am verflossenen Purim von den Zöglingen ein Schauspiel in hebräischer Sprache aufgeführt. Der bekannte amerikanische Reform-Rabbiner Isaac M- W i s e in Cincinnati ist am 27. v. M. gestorben. „Hajoetz" veröffentlicht in seiner Nummer 433 einen sehr interessanten Brief aus Barcelona. Dort befinden sich zwanzig jüdische Familien, die man als Juden überall kennt. Die heutige spanische Geueration weiss nichts von den früheren im Lande stattgehabten Judenverfolgungen. Er ladet seine Glaubensgenossen ein, nach Barcelona zu kommen, wo sie mit Leichtigkeit Arbeit und Verdienst finden. In Berlin fand eine Versammlung des Verbandes der jüdischen Wohlthätigkeitsvereine statt. Es gehören demselben 59 Vereine an, 24 Stiftungen, die zum Beitritte aufgefordert wurden, sind noch nicht beigetreten. Im abgelaufenen Jahre wurden 9503 Anfragen gestellt und 11.370 Berichte gegeben. Durch diese centralisierte Armenpflege ist schon sehr Erspriessliches geleistet worden. Die Zahl aller Lebendgeborenen in Preussen betrug 1S9S 1,219.360. Da nun die Juden 12 Percent der Bevölkerung ausmachen, so hätte bei ihnen die Geburtenziffer 14.633 aufweisen müssen. Sie beträgt aber nur 7841. Andererseits wiederum beträgt die Gesammtziffer der unter 15 Jahren Gestorbenen 343.591, der Erwachsenen 321.427, im ganzen also 665.01S. Davon kommen auf Juden 1249, respective 4002, während es nach dem Percentverhältnisse 4321, respective 3S57 sein könnten. Man erinnert sich noch der von „Daily Mail" erhobenen Anschuldigungen gegen die mit dem „Cheshire" herübergekommenen südafrikanischen Juden. Nunmehr liegt eine officielle Aeusserung aus Capstadt vor. DerSecretär des dortigen Hilfscomites erklärt, dass fast alle Flüchtlinge in guten Verhältnissen und mit reichlichen Mitteln versehen waren. Mit dem Dampfer „Canada" kamen vorletzten Mittwoch weitere 40 jüdische Flüchtlinge aus Südafrika in Southampton an. Nur 11 unter ihnen nahmen die vom Hilfscomite angebotene Unterstützung an. Aufruf.' Wir machen darauf aufmerksam, dass die Schekelgelder (laut Baseler Organisationsstatut) an unseren Cassier Herrn Isidor Ko.lisch, VII., Zieglergasse Nr. 38, einzusenden sind, und ersuchen wir sowohl die Vorstände wie die Vertrauensmänner der im Directionsvorstande vertretenen Organisationen, dieses umgehend zu veranlassen. Wir richten ferner das Augenmerk darauf, dass in allen den Orten und Stadtbezirken, wo mehr wie 20 Schekelzahler sich befinden und zionistische Ortsgruppen oder Vereine noch nicht constituiert sind, die dort ansässigen. Vertrauensmänner mit der Vereinsbildung vorzugehen haben. Ebenso sollen sie bemüht sein, an Orten, wo noch keine Vertrauensmänner sind, solche zu finden. Alle in dieser Richtung geschehenen Schritte sind, dem Districtsvorstande zu melden. Gleichzeitig ersuchen wir, von allen die Judenheit im allgemeinen und die zionistische Bewegung im besonderen betreffenden localen Vorkommnissen uns ungesäumt Mittheilung zu machen, wie überhaupt uns über die zionistische Vereinsthätigkeit und Propaganda auf dem Laufenden zu halten. Das Secretariat des zionistischen Districtsvorstandes für Niederösterreich. Wien, 10. April 1900. Vereinsnachrichten, Wien. Im literarisch - geselligen Mädchen - Verein ..Hadassa" sprach am 1. April d. M. Herr Alfred Weissberg e r über Grill parzers „Jüdin von Toledo". Der Referent besprach zumeist den eigenartigen Charakter der eigensinnigen, verhätschelten und impulsiven Rahel, der jüngeren Schwester Esthers, welche mehr individualistische Willensstärke und ruhigeres Temperament zeigt, das allen Situationen gewachsen erscheint. Auch deren Vater Isak wurde flüchtig gestreift, und wäre gerade da eine ausführliche Behandlung von Interesse gewesen, da eine Parallele mit Shakespeares „Shylok" auf der Hand liegt — doch kann in beiden Fällen auf etwaige antisemitische Gesinnung der Autoren nicht gefolgert werden, da selbe nur aus dem Geiste ihrer Zeitverhältnisse den Juden construierten, wie Redner mit Recht hervorhob. Wegen vorgerückter Stunde unterblieb die Discussion über den Vortrag, dem ungetheilte Anerkennung zutheil wurde. Wien. Die jüdische Vereinigung „Jordania" veranstaltete Mittwoch den 21. v. M. in Rosners Restaurant, IL, Praterstrasse, eine öffentliche Vereinsversammlung, auf deren Tagesordnung „DieSonntagsruhe im Handelsgewerbe" stand. Der Referent, VereinsmitgliedR.S chw ab, beleuchtete in klarer Weise die Billigkeit der von den Handlungsgehilfen erhobenen Forderung nach vollständiger Sonntagsruhe. Nur in der Praxis — nicht im Principe — stellen sich dieser Forderung zwei Gruppen von Gegnern in den Weg: die Ausbeuter um jeden Preis und die für jeden neuen Gedanken unzugänglichen Spiessbürger. Gegen die ersteren müssen die Handlungsgehilfen sich organisieren, über die letzteren werde die Entwicklung zur Tagesordnung übergehen. Die Organisation der Gehilfen soll eine zweckmässige sein, und jede Gruppe soll die Möglichkeit haben,