Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 15 (13.4.1900)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1900-04-13
- Page
- 8 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 8 „Die # Welt*« Nr. 15 Nachdrucke in die Welt hinausruft. Aber die Juden sind ungemein genügsam. Sie sind schon überglücklich, wenn man sie nicht für Meuchelmörder zu halten geruht, wenn man ihnen gnädigst die elementarsten moralischen Qualitäten zugesteht. Diese Bescheidenheit zeugt für die üble Lage der Juden. Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Limited. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank" entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Colonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten Listen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneinzahlungen strengstens zu befolgen ist Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gegen Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der „Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Colonialbank" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, Vereine, Vertrauensmänner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der „Jüdischen Colonialbank", London E. C, 49 Leadenhall street Tribüne. (Für das in dieser Rubrik Publicierte ist die Redactiön nicht verantwortlich.) Juden-Antisemiten. Stanislau, 31. März. Die Besetzung eines Schulleiter- resp. Bürgerschul- Directorpostens in einer galizischen Provinzstadt von der Qualität Stanislaus ist eine so gewöhnliche, alltägliche Sache, dass alle Welt gewiss grosse Augen machen wird, dass wir diese Angelegenheit in den Spalten eines für jüdische Interessen kämpfenden Blattes ausführlich besprechen. Wir wollen aber gleich vorausschicken, dass wir uns durch die Veröffentlichung dieser Zeilen keinen Erfolg versprechen, wir wollen nur öffentlich den Beweis erbracht haben, dass wir unsere Pflicht erfüllt haben. Wir agitieren nicht, wir bekämpfen niemanden, wir mahnen nur und warnen, und deshalb genügt es, wenn wir den Sachverhalt nur andeutungsweise schildern : Der Directorposten der Knaben - Bürgerschule in Stanislau ist vacant Der k. k. Bezirksschulrath hat Concurs ausgeschrieben, und heimische und auswärtige Bewerber sind, etwa zehn an der Zahl, erschienen. Die Bewerberliste ist judenrein, denn so anmassend sind die jüdischen Lehrer in Galizien nicht, dass es ihnen gar einfallen würde, Bürgerschul-Directoren werden zu wollen. Aber dafür ist unter den Bewerbern Herr Peter Tyszecki, der auf Anschlagszetteln wiederholt als Schriftführer des christlich-socialen Vereines mit Vor- und Zunamen gefertigt war und sich mit seiner antisemitischen Gesinnung bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit brüstet. Wiewohl Herr Tyszecki unter allen Bewerbern der dienstälteste ist, so hat es doch der k. k. Bezirksschulrath vermieden, diesen Lehrer, eben wegen seiner antisemitischen Gesinnung, in das dem Gemeinderathe in Vorschlag zu bringende Terno aufzunehmen, sondern es wurden die Herren Nadachowski (Stanislau), Staszkiewicz (Halicz) und Czyzowski (TJumacz) vorgeschlagen. Der k. k. Bezirksschulrath, der, nebenbei bemerkt, zur Hälfte aus katholischen Priestern besteht, ist nämlich von dem richtigen Standpunkte aus-- gegangen, dass es nicht angeht, denjenigen Lehrer zum Director der vorwiegend von jüdischen Knaben besuchten Bürgerschule vorzuschlagen, dem der Gemeinderath erst vor zwei Jahren wegen judenfeindlicher Gesinnung die Präsentation als Volksschul-Leiter verweigerte. Seit dieser Zeit hat Herr Tyszecki als ehrlicher und überzeugungstreuer Antisemit seine Denkungsart nicht geändert, aber jüdische Mitglieder des Gemeinderath es — und unter ihnen auch solche, die der soeben ins Leben gerufenen B'nei Brith-Loge entweder schon beigetreten sind oder demnächst beitreten werden — haben ihre Ansicht in dieser Frage geändert: Gegen den Willen des k. k. Bezirksschulrathes wollen jüdische Mitglieder des Gemeinderathes, dessen Hälfte sie ausmachen, einen ausgesprochenen, nicht etwa einen verkappten Antisemiten zum Bürgerschul-Director designieren. In der Befürchtung, es könnten unter der Leitung des so hervorragenden und tüchtigen Antisemiten, wie Herr Tyszecki ist, in der hiesigen Bürgerschule sehr bald Verhältnisse eintreten, wie sie in Kolomea leider schon seit Jahren herrschen, wo die Kinder jüdischer Confession nicht nur in abgesonderten Bänken sitzen, sondern auch eigene Kleiderrechen, . einen eigenen Wasserkrug und Wasserbecher zugewiesen haben — und wehe jenem jüdischen Kinde, welches seine Oberkleider auf dem christlichen Kleiderrechen anbringen oder aus dem christlichen Kruge Wasser trinken wollte — begab sich ein jüdischer Schulmann zu den einzelnen Herren Gemeinderäthen christlicher Confession, um sie auf diesen Umstand aufmerksam zu machen. Leider nicht überall wurde diesem sonst sehr geachteten Schulmanne Gehör geschenkt Manche wollten schon ihr Wort an Herrn Tyszecky oder an seinen antisemitischen Fürsprecher verpfändet haben, andere gaben ihm so ausweichende Antworten, dass er ihr Interesse für die Leiden und Qualen jüdischer Kinder in einer von einem Antisemiten geleiteten Schule stark bezweifeln muss. Hier aber gleich die Rechtfertigung hierfür: Es geht diesen Herren nicht an den eigenen Leib, ihre Kinder sind schon entweder im Gymnasium, auf Hochschulen oder anderwärts..... Wir müssen aber auch hinzufügen, dass manche Herren über diesen Candidaten sehr entrüstet waren und alles aufbieten zu wollen erklärten, diese Candidatur zu Falle zu bringen. Unverständlich ist hier eines: Wenn es heisst, einen antisemitischen Reichsraths- oder Landtags-Abgeordneten- Regierungs-Candidaten zu unterstützen, so sagt man: Wir