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Die Welt · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Article
Wien [Nachricht]
Date
1900-04-06
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seit* 12 .Die j£ Welt" Nr. 14 das Programm des politischen Zionismus besprach, und nachdem verschiedene der Herren über einzelne specielle Fragen Aufklärung verlangt und erhalten hatten, wählte die Versammlung ein viergliedriges Comite, um die nöthigen Schritte bei der Statthalterei einzuleiten und demnächst eine grössere Versammlung behufs definitiver Constituierung der neuen Ortsgruppe zu veranstalten. Wien. Die Jüdische Vereinigung „Jordania", Verein von Handelsangestellten und Beamten, veranstaltet Samstag den 7. April im Vereinslocale, IL, Gredlergasse Nr. 9, einen Discussionsabend, und wird College Egon Lederer die Discussion über „ VV irtschaftliche und zionistische Pflichten" einleiten. Gäste aller Parteischattierungen, auch Damen, herzlichst willkommen. Beginn s Uhr. Zeitschriftenrundschau. Die April-Nummer von „Ludgate Magazine" enthält einen hochinteressanten Artikel über den Zionismus aus der Feder Sir Francis Montefiores. Unser ausgezeichneter Gesinnungsgenosse bespricht zunächst die Bewegung als Ganzes, die auch die ärgste Sophistik nicht hinwegdisputieren könne. Allerdings habe die antizionistische jüdische Presse ihr Möglichstes gethan. um die Geister zu verwirren, aber das Factum, dass die über die ganze Erde zerstreuten Juden fast überall Angriffen ausgesetzt seien, habe sie nicht abzuleugnen vermocht. Sei dieses doch sogar schon in England der Fall, wo im allgemeinen die Juden gleichgestellt und geachtet wie die Bürger der anderen Konfessionen sind. Sir Francis berührt dann die drei Congresse, schildert den mächtigen Eindruck, den sie auf jeden Theilnehmer hinterlassen, vor allem die Reden Max Nordaus und der anderen Führer, bespricht dann das allgemeine zionistische Programm, das Colonisationsprogramm, die bisher erzielten Resultate, die Stellung der Türkei zur zionistischen Bewegung, die Sympathiebezeugungen von Nichtjuden im Gegensatze zu der Stellung, welche zahlreiche Juden der Bewegung gegenüber einnehmen, und kommt damit auf die Jüdische Colonialbank zu sprechen, die von den vereinigten jüdischen Antizionisten aufs bitterste angefeindet werde. Der geradezu einzig in der Finanzgeschichte dastehende Fall, dass mehr als hunderttausend Zeichner an einem Bankunternehmen betheiligt seien, beweise zur Genüge, dass es sich nicht um das Werk einiger „Fanatiker" handle, sondern um eine Loyalitätsbezeugung aus der Masse des jüdischen Volkes, utn eine patriotische That! Die Hauptsache aber sei, dass die grössere Masse der Juden unserer Bewegung zustimme. Sie sehen darin das Mittel, dass endlich jener alte Traum in Erfüllung gehe, der trotz jahrhundertelanger Unterdrückung unsere einzige Hoffnung und Trost geblieben. Alle jene Juden, die es wollen, mögen dann nach jenem Lande ihre Schritte lenken, das allezeit als das verheissene Land von ihnen verehrt worden. Nicht mehr brauchen sie als Geduldete, nicht mehr als die von der Gnade irgendeines frommen Plutokraten abhängigen Unterstützten dazustehen, sondern als freie Männer, als freitTBürger. geachtet von allen freiheitliebenden Menschen, die nur von Gott allein abhängen wollen. „Dover Chronicie" vom tJ4. v. M. spricht sich in einem Artikel über die zionistische Bewegung aus. Das Blatt bemerkt unter anderem: Der Sultan würde zweifelsohne den Wünschen der Zionisten gerne entgegenkommen, aber der Fanatismus der Muselmänner, die Jerusalem als Heilige Stadt betrachten, hindere ihn daran. Wie immer aber auch die Bewegung ausgehe — eines liesse sich nicht ableugnen, dass die jüdischen Colonien Palästina einen neuen Aufschwung gegeben haben. Autoritäten versichern, dass Orte, die vor 30 Jahren voch verwüstet lagen, heute bebaut seien mit Weingärten, Olivenhainen, Obstbaumplantagen, und dass Christen wie Muselmänner den von den jüdischen Colonisten eingeschlagenen Weg verfolgen. „Church Family Newspaper" vom •>:!. v. M. enthält einen sehr interessanten Artikel: „Was die Juden vom Antisemitismus denken*. In ausführlicher Weise wird dort über ilas Entstehen des Antisemitismus referiert, über die Excesse in Oesterreich-Ungarn gesprochen und endlich auch der Zionismus in den Kreis der Betrachtungen gezogen — allerdings nicht in objectiver Weise, was aber begreiflich ist. da der Artikelschreiber ein assimilatorisch gesinnter Jude ist, wie er selbst angibt. — Er meint, dass eine Besserung nur eintreten werde, wenn die Juden sich alles dessen enthielten, was man ihnen vorwerfe, namentlich — das Geldverleihen sich abgewöhnten. Ueberhaupt sollten sich die Juden mehr zurückhaltend zeigen und ihren Patriotismus nicht so aufdringlich betonen. Ein merkwürdiges Blatt ist der vor kurzer Zeit gegründete „Israelite Algerien". In einer seiner letzten Nummern beklagt er es als grosses Unglück, dass die algerischen Juden sich gar so wenig der französischen Sprache bedienen, sondern zumeist im Jargon oder arabisch miteinander verkehren. Es sind nämlich zum grössten Theile aus Russland eingewanderte Juden. Das Blatt verlangt, man solle in Paris dafür sorgen, dass die dortigen russischen Juden französisch lernen . . . „Jewish Exponent" vom ± und!>. v. M. enthält eine Novelle aus dem Heben der russischen Juden : „In the light of Zion" (Im Lichte Zions). Die Erzählung schildert die Entstehung der zionistischen Bewegung und enthält u. a. auch einige Scenen vom zweiten Baseler Congresse.,' Von grossem Interesse ist die jüngste Nummer der „Jüdischen Chronik" unseres Gesinnungsgenossen Dr. Adolf Kurrein. Der Leitartikel handelt von der Ritualmord- Beschuldigung. Dann folgt eine eingehende Besprechung der Broschüre „ Jüdische Realpolitik in Oesterreich". Der Artikelschreiber bemerkt u. a.: „Nach dem Stande der Dinge in der Gegenwart wäre niemand anderer als der Zionismus berufen, die politische Leitung der Judenheit in die Hand zu nehmen, er hat auch bereits die Probe abgelegt, dass er ein Organisationstalent besitzt, wie bisher kein jüdisches Organ gezeigt. Dieser Gedanke, selbst wenn die ganze Judenheit dem Zionismus Gefolgschaft leistete, scheiterte an dem mit aller Energie festgehaltenen Plane Dr. H e r z 1 s. einzig und allein die Kräfte der zionistischen Idee zu widmen, das eine Ziel ausschliesslich mit allen Mitteln zu erstreben und allen Abirrungen sich ferne zu halten und durch Nebenströmungen nicht das Hauptziel zu verlieren : „Keinen Zionismus ohne Zion!" Die „Realpolitik* ist nicht antizionistisch, im Gegentheile, dem Zionismus wohl gesinnt, und aus Wohlwollen für den Zionismus redet sie auch „dem Zionismus ohne Zion" das Wort und wünscht ein Compromiss der Nicht-Zionisten mit den Zionisten. Das ist nicht so ganz ohne und darf nicht a limine abgewiesen werden. Dafür trat die „Chronik" wiederholt ein. und viele Rabbiner, die ehedem, wenn nicht antizionistisch, so doch nicht zionsfreundlich waren, treten nun in dem Sinne für den Zionismus ein." „Hebrew Standard of Australasia". das leitende Organ der australischen Juden, veröffentlicht in seiner Nummer vom i». Februar einen Artikel über die zionistische Bewegung. Das Blatt gibt eine kurze Geschichte der Bewegung und knüpft daran die Bemerkung, dass binnen kurzem die erste zionistische Vereinigung in Australien zustande kommen werde. Einige fähige und den zionistischen Ideen zugethane Männer hätten die Angelegenheit in die Hand genommen. Die als judenfreundlich bekannte „Birschewija Wjedomosti" bringt in der fünften Nummer ihrer illustrierten Wochenbeilage einen Aufsatz mit Illustrationen über: „Die EntstehvingsundEntwicklungsgeschichte der jüdischen Colonisation in Palästina." Die „Peterburgski ja Wjedomosti" veröffentlichen einen Artikel mit der Ueberschrifc: „Gedanken eines Russen über die Juden". Der Autor ist ein Herr P a w 1 o w. In dem interessanten Autsatze heisst es unter anderem: „Ks gibt keinen Staat auf Erden, dessen Gebiet ausschliesslich von Autochthonen bewohnt würde, ohne jede Beimischung von früher oder später eingewanderten Völkern. Wenn der Staat aber die Verpflichtung, seinen Gesetzen Folge zu leisten, auch auf diesen Theil der Bevölkerung ausdehnt — wie er wohl nichts anders kann —, so ist es nur billig, dass er die Betreffenden auch an den Rechten der Bürger partieipieren lässt. Niemand kann mit gutem Gewissen behaupten, dass die Juden im Handel und Wandel unredlicher seien, als die Angehörigen einer anderen Rasse. Einem Gefesselten Backenstreiche versetzen, wahrlich das kann nicht als Bethätigung von Mannesmuth angesehen werden." Der Professor an der Universität in Cambridge Dr. Karl W a Idstein hat jüngsthin eine beachtenswerte Flugschrift unter dem Titel „The Jewish Question" herausgegeben. Die erste Auflage der Broschüre erschien anonym, die zweite aber bereits mit Nennung des vollen Autornamens. Ueber den Zionismus schreibt Professor Waldstein: „Der Gedanke, in Palästina ein coloniales-Centrum des jüdischen Volkes zu schaffen, hat in den Schriften und Reden des Dr. Herzl. die auch * ins Englische übertragen worden sind, eine klare, bestimmte Formulierung empfangen. Es gibt eine Vereinigung von ausgezeichneten Männern, die mit aller Seelenkraft daran arbeitet, den Gedanken in die Thal umzusetzen. Ich enthalte mich jeden Urtheiles

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