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Die Welt · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · p. 9

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Article
Rehabilitiert
Date
1900-04-06
Page
9 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 14 ,Üie & Welt" Seite Begriffe, für eine Sache, die bei weitem nicht jene Aufmerksamkeit verdient, die man ihr aus anderen Gründen widmet. Jüngst las ich in den Blättern, dass man in einer Ortschaft einen Leichnam ausgegraben und ihm die rechte Hand abgetrennt hat, in dem Aberglauben, die Hand werde alle Schlösser öffnen. Ist es nicht traurig, dass solcher Aberglaube noch besteht? Ist da jemand aufgestanden, dass es eine christliche Secte gebe, welche Leichname ausgräbt? Wenn also auch irgend ein Narr oder Irrsinniger glauben sollte der Besitz des menschlichen Blutes verleihe ihm eine gewisse Kraft, so wäre es doch höchst ungerecht, dafür eine Masse von Menschen, ein ganzes Volk, eine ganze Religion verantwortlich zu machen. Nochmals erkläre ich: Ich glaube nicht daran, dass der Ritualmord als ein Grundsatz der jüdischen Religion existieren könnte." Die Versammlung sprach dem Abgeordneten Dr. Engel und dem Jungezechen- Club das Vertrauen aus. Die Juden in Japan. W ie die Bukarester Jargonzeitung „Hajoetz" meldet, haben sich 1-2 jüdische Familien aus der Umgebung von Jassy nach Japan gewandt und gedenken sich in der Stadt N a g a s a k i ansässig zu machen. Obgleich sie der Landessprache nicht mächtig sind und die japanischen Sitten nicht kennen, werden sie von der Bevölkerung und den Behörden in freundlicher Weise aufgenommen. Uebrigens gibt es in Japan bereits eine ansehnliche Zahl Juden, die aus Holland und England eingewandert sind und sich hohen Wohlstandes, sowie aller Bürgerrechte erfreuen. Die japanischen Zeitungen schreiben oft über die Juden, aber niemals gehässig, sondern stets informativ und wohlwollend. Eine Verfügung des ungarischen Ministerpräsidenten. Ministerpräsident Koloman v. Szell hat die Behörden an der ungarisch-rumänischen Grenze angewiesen, die aus Rumänien ausgewiesenen Juden nur dann über die Grenze zu lassen, wenn sie einen Erwerb nachweisen können. Diese Verfügung des Ministerpräsidenten, die in seltsamem Conttast zu seiner jüngst im liberalen Club gehaltenen Rede steht, ruft lebhaftes Aufsehen hervor. Einwanderungs-Statistik. Die Einwanderungs-Commission von Philadelphia veröffentlicht in amerikanischen Blättern die Statistik der im Monate Jänner d. J. über Philadelphia nach den Vereinigten Staaten Eingewanderten. Aus derselben geht hervor, dass sich unter ihnen 11>2 Juden befanden. X2 von diesen Einwanderern kamen aus Russland, 37 aus Galizien, V.) aus Rumänien, 2 aus Ungarn und 2 aus Deutschland. Unter sämrntlichen ll-J jüdischen Einwanderern befanden sich bloss 5f» gelernte Handwerker- Die Einwanderer wandten sich nach l(i verschiedenen Städten der Union. Mäcene. Bekanntlich haben in letzter Zeit einige jüdische Banquiers in Russisch-Polen sich als Philanthropen, durch Gründung von Wohn- und Krankenhäusern für arme Christen, sowie als Literaturmäcene, durch Förderung von billigen Ausgaben der besten polnischen Schriftsteller, hervorgethan. Die in Warschau erscheinende Zeitung „Niwa" hat für alle diese Thaten nur Worte des Tadels. In mancher Beziehung sind aber ihre Ausführungen sehr lehrreich — für die Herren Wohlthäter. „Juden sorgen für unsere Armen," sagt das Blatt in seinem jüngsten Artikel über dieses Thema. „Banquiers werfen sich als Gönner unserer Literatur auf, abgestrafte und nichtabgestrafte Wucherer spenden fabelhafte Summen zur Verbilligung unserer geistigen Nahrung. Sollen wir uns hierüber freuen '? Nein und tausendmal nein! Das polnische Volk ist noch nicht so verarmt, dass es für seine Armen nicht selbst sorgen könnte. Unsere Literatur ist noch nich! so tief gesunken, dass sie die Hilfe von Börsenjobbern anzunehmen gezwungen wäre. Wenn die Herren . . . viel Geld haben und einen Drang nach Wohlthun verspüren, so mögen sie nur einmal so eine kleine Lustreise in die Provinz machen und sie werden schon das Gebiet für ihre Philanthropie finden. Wollen doch diese Herren einmal mit eigenen Augen das schreckliche, unbeschreibliche Elend ihrer Brüder in den schmutzigen Schlupfwinkeln der Provinzstä Itchen kennen lernen und dort Hilfe schaffen! Die Herren wollen sich auf Literaturfreunde herausspielen, wollen zur Volksaufklärung beitragen. Gut. Wir haben nichts dagegen. Mögen sie aber nur für die Aufklärung ihrer eigenen Volksmassen sorgen. Durch die Herausgabe von Aufklärungsschriften für die breiten Schichten der geistig und körperlich verkommenen Nalewki- und Provinzjuden können sie der Menschheit viel mehr Nutzen bringen als durch die Verbilligung der grossen polnischen Schriftsteller. Ihre Wohlthaten werden zwar in diesem Falle nicht so ausposaunt werden wie jetzt, die Zeitungen werden von ihrer Philanthropie weniger schreiben. Die segensreiche Wirkung ihrer Arbeit sollte sie aber selbst befriedigen, wenn ihnen auch einige dumme bezahlte Zeitungsschmierer nicht lobhudeln werden. Schliesslich ist es auch eine Gemeinheit, sich einer christlichen Bevölkerung mit Wohlthaten aufzubürden, während die eigenen Brüder Hungers sterben oder geistig und physisch zugrunde gehen.- In den Katakomben Roms. Vor dem Nürnberger Schwurgerichte stand dieser Tage der Redacteur Adam Weber, der in seinem Blatte, dem in Fürth erscheinenden antisemitischen .Freien Beobachter", ein Vergehen gegen die Religion verübt haben sollte. Es handelt sich um einen am V>. Octoher erschienenen Artikel „Zum jüdischen Ritualmord in Polna". Der Artikel soll dem Münchener „Vaterland" entnommen und vom Angeklagten nur mit einer Einleitung versehen worden sein, worin der Nachweis versucht wird, dass schon vor der Geburt des Stifters der christlichen Religion „Blutgenuss" bei verschiedenen Juden rituell vorgeschrieben gewesen sei. Zu diesem Zwecke wird erzählt, dass im Alterthum Juden in den Katakomben Roms Liebesmahle mit abscheulichen Widernatürlichkeiten veranstaltet hätten. Dass dies ausdrücklich vor der Geburt des Stifters der christlichen Religion datiert wird, sollte nach der Anklage den Beweis erbringen, dass nicht christliche Gnostiker. sondern Juden solche Schandthaten verübt hätten. Der Angeklagte wurde von den Geschworenen für nichtschuldig erklärt, weil nur eine Beschimpfung einzelner Juden, nicht der jüdischen Religion in dem Artikel vorliege. Der Jude Heller. In der bayrischen Stadt Eggenfelden fand kürzlich Districtsraths - Ausschusswahl statt. Diese Gelegenheit benützte Districtsrath Bürgermeister A i g n e r. um einen Antrag einzubringen, dass dem Districtscassierer Pichlmeier seine Stelle zu kündigen sei. falls er den Pachtvertrag mit dem „Juden Heller" nach Ablauf desselben wieder erneuern sollte. Dieser Antrag wurde von den anwesenden So Districtsräthen, die zu neun Zehnteln aus Landwirten sich zusammensetzen, nahezu einstimmig zum Beschlüsse erhoben. Cassierer Pichl m e i e r erklärte sodann, dass er auf seinen Posten, welcher ihm ein jährliches Einkommen von!»000—10.000 Mark sichere, nicht Verzicht leisten und den „Juden" aus dem Hause schaffen werde, er wolle dem Districte doch lieber noch drei Jahre dienen, um das dann 2ö Jahre gethan zu haben. Der Wochenbericht des Matrikelamtes der Wiener israelitischen Cultusgemeinde vom -2h. bis 31. März verzeichnet r>2 Geburten, 2\ Trauungen und 43 Sterbefalle. Personalnachrichten. Frl. Marie P i n e 1 e s (Galatz) hat sich mit Herrn Sam. Focsaneanu (Braila) verlobt. — Montag den 2. April fand die Promotion des Herrn cand. med. Martin E n gl ander zum Doctor der gesammten Heilkunde statt.

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