Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 14 (6.4.1900)
- Article
- [Ohne Titel] / Jüdische Kolonialbank <Direktion>
- Date
- 1900-04-06
- Page
- 8 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 8 „Die & Weif* Nr. 14 Kundmachung des Jewish Colonial Trust (Jüdische Golonialbank) Limited. An die einzelnen Zahlstellen, Vertrauensmänner und Vereine, welche Subscriptionen für die „Jüdische Colonialbank1* entgegengenommen haben, sind bereits vor längerer Zeit die Allotementbriefe (Zutheilungsbriefe) zur Uebermittlung an die Zeichner abgegangen. In dieser Zuweisung der Allotementbriefe haben die Unleserlichkeit vieler Unterschriften und Adressen, sowie die Nichtbefolgung der von der „Jüdischen Golonialbank" publicierten Verlautbarungen manche Störung verschuldet. Wir fordern hiermit alle Zeichnungsstellen, Vereine und Vertrauensmänner auf, die für London bestimmten LHen deutlich und in lateinischen Schriftzeichen zu führen, und wiederholen zur Vermeidung von Missverständnissen im Folgenden den Zahlungsmodus, der bei allen Rateneirizahlungen strengstens zu befolgen ist. Subscribenten, welche bereits im Besitze ihrer Allotementbriefe sind, haben die weiteren Raten an eine der Zahlstellen, die auf der Rückseite der Allotementbriefe für alle Länder genannt sind, gesren Empfang einer Bestätigung zu bezahlen. Diese Zahlstellen sind berechtigt, für Rechnung der -Jüdischen Colonialbank" rechtsgiltig Gelder in Empfang zu nehmen und zu quittieren. Die Zahlstellen quittieren die Raten auf den Zutheilungsbriefen in den hierfür vorgedruckten Rubriken. Der Coupon, welcher sich neben dieser Rubrik befindet, ist vom Subscribenten zu unterschreiben und wird durch die Zahlstelle nach London geschickt. Hat der Subscribent bereits alle Raten bezahlt, so kann er den in allen Rubriken quittierten Allotementbrief direct oder durch Vermittlung seiner Zahlstelle an die „Jüdische Colonialbank" in London einsenden, worauf die Zustellung der Actien an ihn erfolgt. Es steht auch jedem Subscribenten frei, seine Ratenzahlungen direct an die „Jüdische Colonialbank'" in London zu leisten. Die Bestätigung erfolgt dann ebenfalls von London. Alle anderen Subscribenten aber, welche bisher ihre Allotementbriefe noch nicht erhalten haben, mögen dieselben an der Stelle (Bankstellen, "Vereine, Vertrauensm änner) reclamieren, wo sie subscribiert haben. Das Directorium der -Jüdischen Golonialbank", London E. C., 49 Leadenhall street. Weltchronik. Auswanderung rumänischer Juden nach Kleinasien. Die in Coiü-tantinopel erscheinende spaniolische Zeitung „Telegraful" meldet, dass die türkische Regierung einem Herrn Schwarz ein Grundstück in Bukli-Eschir bei Eskichehir (Anatolieni zur Parcellierung für 100 jüdische Auswandererfamilien aus Rumänien überlassen hat. Die Regierung unterstützt diese Colonisten bis zur nächsten Ernte mit einem Geldbetrage von 30 Para täglich für jede Familie. Auch die jüdische Gemeinde in Angora lässt ihnen materielle Unterstützung angedeihen. Seit sechs Wochen sind di« neuen Ansiedler rührig an der Arbeit in Feld und Wald. Die Regierung hat ihnen nämlich freigestellt, aus den umliegenden Waldungen Bauholz zur Aufführung von Holzhäusern zu fällen. Auch hat die Regierung sie mit den zur Aussaat erforderlichen Sämereien versehen. Die dortige Eisenbahn-Direction hat ihnen Ackergeräthe zur Verfügung gestellt. Einem Herrn Goldberg in Eskichehir .hat die Regierung Ländereien für 500 Familien mit einer Seelenzahl von 4000, ferner den Herren Feldmann, Lazar und Bitsch in Buelik-Achir Ländereien für 300 Familien mit 2400 Seelen, endlich Herrn M a r a n z in Kynia für 500 Familien mit 4000 Seelen, sämmtlich aus Rumänien, angewiesen. Was die Reisepässe anbelangt, hat die türkische Regierung ihren Gesandten in Bukarest angewiesen, allen Auswanderern, die sich keine rumänischen Reisepässe verschaffen können, türkische Pässe auszufolgen. Auch bekommen sämmtliche Auswanderer Freikarten nach Constantinopel und von dort nach Angora. Dieser Tage wanderten von G a 1 a t z 240 Familien, von Botuschani 75-, von Tulce 125, von Bukarest 2H Familien aus. Wie rumänische Blätter zu berichten wissen, gedenken circa 2000 jüdische Familien nach dem Passah-Feste nach Anatolien auszuwandern. Auch nach Amerika. London, Paris wandern die Juden massenhaft aus. Ostern! Vom Abgeordneten Schneider wurde im niederösterreichischen Landtage folgender Antrag eingebracht: Zwei Ereignisse, die sich in der letzten Zeit zugetragen haben und berechtigtes Aufsehen in der;;ichtjüdischen Welt hervorrufen, zwingen die Unterzeichneten, an den hohen Landtag mit dem Antiage heranzutreten, die Regierung aufzufordern, die sicherheitspolizeilichen Organe zu beauftragen, die Juden und insbesondere ihre Rabbiner und Schächter mit besonderer Sorgfalt zu beobachten und zu beaufsichtigen. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Osterfeiertage erscheint die zu treffende Massregel ganz besonders dringend nöthig, weil die Juden, wie durch zahllose Processe nachgewiesen worden ist, zu ihren religiösen Ceremonien Christenblut benöthigen. Um die Berechtigung dieser Behauptung nachzuweisen, erlauben wir uns. einige Fälle zu citieren, in denen Christen erwiesenermassen von Juden zu rituellen Zwecken ermordet worden sind etc. etc. Die Juden in Moskau, denen der Aufenthalt in dieser Stadt infolge ihres Bildungsgrades gestattet ist, sind vor kurzem aufgefordert worden, sich schriftlich zu verpflichten, dass sie im Falle einer zeitweiligen Abreise von Moskau jedesmal bei der Stadtbehörde einkommen werden, es möge für die Zeit ihrer Abwesenheit ihren Frauen und Kindern gestattet werden, in Moskau zu verbleiben. Es war nämlich vorgekommen, dass der eine oder andere jüdische Arzt, Rechtsanwalt etc. sich für kurze Zeit von Moskau entfernte, worauf seiner Frau das Aufenthaltsrecht ohneweiters entzogen wurde. Das führte selbstverständlich zu Beschwerden und Unzukömmlichkeiten. Diesen Zuständen soll nun ein Ende bereitet werden. Wie verlautet, weigern sich viele akademisch gebildete Juden, die genannte schriftliche Verpflichtung zu unterzeichnen, da sie der Ansicht sind, eine solche Verpflichtung sei im Gesetze nicht begründet. Die jüdischen Diamantenschleifer in Amsterdam sind infolge des südafrikanischen Krieges in eine schreckliche Nothlage gerathen. Ungefähr 3000 jüdische Familien, d. h. 15.000 Seelen, sind ganz brotlos. Wie die „Times" melden, haben sich in allen holländischen Städten Hilfscomites gebildet, die bereits eine Summe von 100.000 holländischen Gulden gesammelt und zur Vertheilung gebracht haben, doch ist dieses Geld selbstverständlich ganz unzulänglich für die tausende der hungernden und frierenden Familien. Die Diamantschleifer haben vor Beendigung des unglückseligen Krieges auch gar keine Aussichten auf eine Besserung ihrer beklagenswerten Lage. Rehabilitiert Abgeordneter Dr. Engel sprach dieser Tage in einer Wählerversammlung in Beneschau. Auf die Interpellation eines Wählers, was Dr. Engel vom Ritualmorde halte, erwiderte dieser: „Meine Ansichten über den Ritualmord habe ich bereits öffentlich kundgegeben. Trotzdem will ich mich einer neuerlichen Erklärung nicht entschlagen, und ich erkläre, dass ich den Ritualmord für ein "Märchen halte, für ein Ueberbleibsel mittelalterlicher