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Die Welt · 1900-04-06 · 14 (6.4.1900) · p. 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
14 (6.4.1900)
Article
Neues aus dem Deutschen Reiche
Date
1900-04-06
Page
4 (sequence 2)
Language
German
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Seite; 4 ,Die & Welt4' Nr. Ii den altjüdischen Vorbildern, einer Esther. Judith und Deborah nachzueifern im Kampfe für ihr Volk. Auch in Dresden, dessen rühiige Ortsgruppe unter Leitung des Herrn Max Klein sich stetig vermehrt, in' Köln und vielen anderen Orten haben Purimfeiern stattgefunden, die einen erfraulichen Verlauf nahmen. Es steht zu hoffen, dass diese nationalen Feste ebenso wie der Gedenktag der Makkabäer zu einer ständigen Institution unserer Ortsgruppe werden. Leider stellt sich bei allen derartigen Veranstaltungen immer wieder heraus, wie gering die Zahl zugkräftiger Redner unter uns ist. Noch nicht ein Dutzend vermögen wir in Deutschland zu zählen, und die letzten zwei, drei Jahre haben gar keinen Nachwuchs geliefert. Es muss den jüngeren Mitgliedern, insbesondere den nationaljüdischen Verbindungen, dringend ans Herz gelegt werden, für ihre Ausbildung auf rednerischem Gebiete thätig zu sein, sonst wird sich dieser Mangel dereinst rächen. Das ausbildungsfähige Material besitzen die Verbindungen in reichem Masse. Auf ihrem abgeschlossenen Gebiete haben sie auch erfreuliche Erfolge zu verzeichnen, wie z. ß. der letzte Semesterausweis der „ Vereinigung jüdischer Studierender zu Berlin" zeigt. Nicht nur, dass die Activenzahl sich dauernd auf einer hohen Stufe hält, sondern auch das innere Leben ist von gut nationalem Geiste durchdrungen, die wissenschaftlichen Leistungen der Einzelnen beweisen reges Streben, und eine gründliche Abrechnung mit dem antisemitischen Verein deutscher Studenten hat dem letzteren sehr nachdrücklich zu Gemüthe geführt, wie haltlos das Gerede von der „jüdischen Feigheit" ist. Diese Vereinigungen bestehen bisher in Berlin, Leipzig und Breslau und haben sich überall in kurzer Zeit eine geachtete Stellung zu erringen gewusst. Interessant für die Frage, wie man den Producten unserer Colonien reiche Absatzgebiete eröffnen kann und vor allem auch, welche Art des landwirtschaftlichen Betriebes die beste Aussicht bietet, sind die Ermittelungen, welche das Reichsamt des Innern über die Hand eis Verhältnisse mit frischem Obste angestellt hat. Es zeigt sich, dass die Einfuhr von 17-3 Millionen Mark im Jahre 1892 auf 69-2 Millionen Mark im Jahre 1899 gestiegen ist: die Ausfahr fiel von 10*4 Millionen im Jahre 1897 auf 4 6 Millionen. Demnach ist eine gewaltige Steigerung des Bedarfes eingetreten, und die Vermuthung erscheint gerechtfertigt, dass Obst bei uns aus einem Luxusartikel zu einem Volksnahrungsmittel wird. Die Verwaltungen in den jüdischen Colonien werden zu erwägen haben, ob sich diese günstige Conjunctur nicht durch vermehrten Anbau von in Europa marktgängigen Obstsorten ausnützen liesse. Auch die Colonialbank fände hier einen lohnenden Wirkungskreis. Sie könnte Obstphmtagen anlegen und durch jüdische Arbeiter pflegen lassen. So würde gleichzeitig ein erheblicher Gewinn erzielt und für Mengen von Arbeitern eine Existenz geschaffen, ohne dass irgendwelche Ansiedlungskosten entständen. Wie gewinnbringend der Obstbau aber ist. zeigt der Umstand, dass 1898 die Obstbäume allein, die in Sachsen an den Chausseen wachsen, 116.113 Mark Reinertrag brachten. Vielleicht fällt diese Anregung auf günstigen Boden. F. Aus dem Orient. Von B. Katz. Beirut, 23. März 1900. In den beiden Hafenstädten Jaffa und Beirut landen sehr häufig englische und amerikanische Dampfer, mit hunderten von Vergnügungsreisenden an Bord, die ausschliesslich herkommen, um Palästina und Syrien zu bereisen und in Jerusalem und Damaskus eine Zeitlang zu verweilen. Die Eindrücke, die sie hierzulande überall gewinnen, lassen sie natürlich bald alle .malerischen" und „romantischen" Gegenden Europas, die sie bisher entzückten, vergessen. Die Zahl unserer Glaubensgenossen ist unter diesen Reisenden aus aller Herren Ländern selbstredend keine geringe. So hatten wir jüngst . Gelegenheit, unseren in in weiten Handelskreisen Südaustraliens wohlbekannten Gesinnungsgenossen Herrn J. F. Gunsler hier kennen zu lernen. Vom sehnlichsten Wunsche beseelt, nach langjährigem Aufenthalte in weiter Ferne auch Palästina zu besuchen, weilt nun Herr Gunsler seit drei Monaten in Jerusalem und will die Heilige Stadt trotz dringender Geschäfte, die ihn nach Melbourne zurückrufen, nicht vor den (>s t e rfeiertagen verlassen. Dieser vom fernsten Welttheile kommende Z i o n i s t ist ein geborener Oesten eicher. Er stand noch irn frühesten Alter, im sechsten Lebensjahre, als seine Eltern Oesterreich verliessen, um im fernsten Süden ihr Glück zu suchen, das sie auch bald in Australien in der Landwirtschaft fanden: auf diesem Gebiete ist nun auch Herr J. F. Gunsler seit einem halben Jahrhunderte mit Fleiss und Geschick thätig. Die Gesammtzahl der jüdischen Einwohnerschall Australiens wird auf ungefähr zehntausend geschätzt. Die meisten sind aus England, Deutschland und Russland eingewandert. Die Einwanderung nimmt jedoch in der letzten Zeit allmählich ab, da die neuen Ankömmlinge ihren Erwerb nicht mehr so leicht finden, wie es bis in die letzten Jahrzehnte der Fall war. Im allgemeinen leben die Juden in Australien in geordneten Verhältnissen. Die Kaufleute unterhalten rentable Handelsbeziehungen zu allen anderen Erdtheilen, und die allen Branchen angehörenden Handwerker, sowie die Arbeiter finden in verschiedenen Erwerbszweigen genügenden Lohn. Die Eintracht, die stets unter den australischen Juden herrscht, verdient Nachahmung; sie unterstützen einander im Handel, in der Arbeit, sowie im gesellseh iftlichen Verkehre, und das ist nicht zum wenigsten der Grund, warum ihnen die Australier mit besonderer Achtung begegnen und ihnen öfters ebenfalls unter die Arme greifen. Natürlich bleibt hier auch die Erkenntlichkeit seitens der Juden nicht aus. Die grössten jüdischen Gemeinden haben die Städte Melbourne, Sidney und Brisbane. Um die Wahrung der Interessen des Judenthums machen sich hier unter anderen auch die Herren E. B.Davis. Rabbiner in S i d n e y, und A b raha m s, Rabbiner in Melbourne, besonders verdient. Mit den Christen leben die australischen Juden stets in denkbarst bestem Einvernehmen, denn der Antisemitismus konnte dort wie in den meisten englischen Besitzungen nicht recht gedeihen. In Australien sind jüdische hohe Würdenträger und Staatsbeamte keine Seltenheit und sie wissen auch das in sie gesetzte Vertrauen durch strenge und gewissenhafteste Pflichterfüllung und Treue zu rechtfertigen. Sir S. Salomons ist „Agent-General" der Golonie Neu-Süd- Wales in London. Sir Julius Vogel war lange Zeit -Generalagent" von N e u-S e e 1 a n d in London und bekleidete bis kurz vor seinem Tode das hohe Amt eines Finanzministers in Neu-Seeland. In Coolgardie, dem Centrum der westaustralischen Goldminen, wurde ein Jude zum Bürgermeister gewählt. Auch im Colonienparlamente sind die australischen Juden vertreten, und zwar unter anderem auch durch die Herren N. L i v y, Montey Cohen und den

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