Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Article
- Türkische Marranen
- Date
- 1900-03-30
- Page
- 14 (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 14 »Die z£ Wett" Nr. 13 jährlich. Diese jüdischen Mädchen von Salonichi nun sind in der Regel von Gesundheit strotzende, blühende und schöne Geschöpfe, dralle und kräftige Gestalten mit schwellendem Busen und feurigen Augen; sie sind also gerade das, was die blutarmen Sabbathianer zu ihrer Gesundung dringend brauchen. Auf diese jüdischen Mädchen haben es die türkischen Marranen also abgesehen. Anfänglich war es schwer, ein Judenkind in ein türkisches Heim hineinzulocken, aber nach und nach hielten die religiösen Bedenken nicht mehr stand. Noth kennt bekanntlich kein Gebot Heute gibt es wohl kaum ein einziges Sabbathianerhaus in Salonichi ohne jüdische Mädchen als Dienstboten. Und . . . eest toujours le premier pas qui coüte ... Ist einmal ein solches Geschöpf über die Schwelle des Hauses eines Neutürken gebracht worden, dann ist es für die Juden so gut wie verloren. Gute Behandlung, hoher Lohn, das Wohlleben des türkischen Interieurs und — last not least — die Ueberredungs- und Verführungskünste versagen fast nie. Eine Entfremdung von allem was dem jüdischen Kinde bisher lieb und heilig war, ist das erste untrügliche Symptom des im jungen Gemüthe keimenden Abfalls; Wochen und Monate vergehen, ohne dass Eltern und Verwandte das Mädchen zu Gesicht bekommen, und nur zu bald reift der Gedanke zum festen Entschluss: das junge, unerfahrene Wesen ist unwiderrufllich verloren für die jammernden Eltern, Geschwister, Freunde und auch für das Judenthum. Der Act des Glaubenswechsels ist nur eine belanglose Formalität ohne jeden sittlichen Wert. Vor dem sogenannten Bezirksrath, welchem der jeweilige Vali präsidiert und in dem auch der jüdische Rabbiner Sitz und Stimme hat, gibt die vorher gehörig instruieite Neopbytin die Erklärung ab, dass sie „aus üeberzeugungzum Islam übertreten wolle, und die Sache ist abgethan, beschworen und besiegelt für immer. Ein Widerruf ist ausgeschlossen; der Rückfall wird mit dem Tode bestraft — Kurze Zeit darauf folgt die Hochzeit. In letzterer Zeit haben sich zahlreiche solche Fälle in Salonichi ereignet Vergangenen Herbst schrieb mir ein Freund aus dieser Stadt, dass innerhalb acht Wochen fünfundzwanzig jüdische Mädchen zum Islam übergetreten wären, welche selbstverständlich ohne Verzug unter die Haube — pardon! unter den Jaschmak — gekommen sind. Alle haben Sabbathianer Neutürken geheiratet Mancher wird diese Thatsache vielleicht für unbedenklich erachten in der Erwägung, dass die ärmeren jüdischen Familien ohnedies einen Ueberschuss an Mädchen haben und dass sie diesen Ueberschuss ohne Schaden abgeben könnten. Schliesslich und endlich kommen arme jüdische Mädchen auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege an den Mann und machen sogar gute Partien. Und das ist ohne Zweifel besser, als wenn sie sich aus Noth dem Laster ergeben würden, das ja leider auch unter den Jüdinnen des Orients um sich zu greifen beginnt Jedenfalls sind diese Vorkommnisse in Salonichi ein trauriger Beweis, dass die schwere Noth der Zeit es vermocht hat, in eine der allerfestesten Burgen des Judenthums klaffende Breschen zu legen. Wo und wann wird der Zersetzungsprocess, welcher unser Volk ergriffen hat, ein Ende nehmen, wenn er schon die fromme Judenschaft von Salonichi heimsucht! Ob diese abtrünnigenJudenmädchen ein sogenanntes (Hück dabei machen? Ich kann es nicht glauben. — Das jüdische Mädchen als türkische Ehefrau! Nie und nimmer kann sich das lebensfrohe jüdische Kind von Salonichi in der Bedeutungslosigkeit und Weltabgeschiedenheit eines türkischen Harems wohl fühlen. — Dazu muss man geboren und erzogen worden sein, sonst trifft man's nicht Wehe jedoch der türkischen Frau, welche sich mit ihrem Schicksal nicht abfindet und aus der Art schlagen würde! In solchen Sachen versteht der Muselman keinen Spass, kennt keinen Pardon. Herzzerreissend ist das Wehklagen der armen jüdischen Mutter, deren Tochter abtrünnig wird und einen Türken heiratet. Das Bewusstsein, ihr geliebtes Kind für diese und jene Welt zu verlieren, verleiht ihrem Schmerze die höchste tragische Weihe. Niemals mehr wird sie diese verlorene Tochter sehen und beim Namen nennen wollen. Die allermächtigsten natürlichen Gefühle werden gewaltsam niedergedrückt und verstummen. Für eine solche Mutter lebt das Kind nicht hat es niemals gelebt Kurz vor meiner Abreise von Salonichi, im Herbst 1S98, war ich Zeuge einer solchen erschütternden Scene: Ein junges, bildhübsches Mädchen lag auf der Erde, beide Hände waren mit einem starken Strick an einen Baumstumpf gefesselt. — Ein üppig-prächtiges Modell für eine büssende Sünderin. Während die Gefesselte fortwährend trotzig rief: „Ich will, ich muss eine Türkin werden!" raufte sich die alte Mutter voll Verzweiflung das Haar, und ein junger Mann, wahrscheinlich ihr Bruder, schlug ohne Erbarmen auf die schöne Sünderin los. Ob diese grausame Misshandlung etwas genützt hat! Ich kann's nicht glauben. Die Renegatengemeinde der Sabbathianer Neutürken kann Hosianna rufen. Die Secte ist gerettet, sie wird nicht an Anaemie sterben. Das Judenthum hat zwar niemals Proselyten gemacht, besitzt aber trotzdem Kraft und Saft genug, um sogar die eigenen faulen, längst abgefallenen Reiser damit zu säugen und zu erhalten. Briefkasten. E. Gütig. Besten Dank für Ihre Liebenswürdigkeit. Laso ... Diesmal nicht geeignet. J. N. Leider nicht geeignet. Spenden. Für zionistische Zwecke: Rieser Adolf. Dr., Chrzanow, anstatt Telegramm zur Smolensky-Feier.......... . . . K 1.— Dr. S. Pops. Belgrad ............„ 10.— Geldsendungen können in recommandierten Briefen erfolgen. Es wird Papiergeld aller Staaten angenommen. Anstatt kleiner Münze können Briefmarken beigeschlossen werden. Verschiedene Nummern des Jahrganges 1899 können zur Propaganda an Vereine gegen blosse Entrichtung des Portos abgegeben werden. — Porto für Oesterreich und Deutschland für 5 KiJo Kronen 0.60 Serbien „ 5 „ „ 1.— Kussland „ 2 „ „ 2.— Rumänien „ 5 „ „ 1.25 England „ 5 „ „ 2.35 Irland „ 5 „ „ 2.60 Vom Neujahr 1900 an haben wir dem Verlage „Tuschijah" in Warschau unsere Vertretung für Russland übergeben. Die demnächst zur Ausgabe gelangende Agitations- Nummer (deutsch) wird nur gegen Voreinsendung des Betrages von 30 Heller, 30 Pf., 15 Kop. abgegeben.