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Die Welt · 1900-03-30 · 13 (30.3.1900) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
13 (30.3.1900)
Article
Jüdische Gedanken
Date
1900-03-30
Page
13 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 13 ,Die & Welt" Seite 13 Es ist beinahe ein Wunder, dass den Juden nicht das Geld ihr Alles ist, da sie doch ohne Geld — nichts sind. Wenn schon die Christen es den Juden verziehen, dass sie Juden sind, so gäbe es noch immer etwelche Juden, die sich es nicht verzeihen könnten. Wenn man von Heines Dichtergrösse spricht, dann heisst es: Er hat sich durch die Taufe von den Juden losgesagt. Tadelt man seine Schwächen als Mensch, dann heisst es: Der Jude Heine. Der Witz war stets die Waffe der Schwachen, die nicht gerade heraussagen dürfen, was ihr Herz bedrückt. Arme Juden! Wieviele arbeiten sechs Tage an ihrer Verfolgung, und am siebenten lässt man sie auch nicht ruhen. Selbst betrunkene Strolche dünken sich erhaben über den Juden. Allerdings sind einem Juden auch schon göttliche Ehren erwiesen worden. Die Juden verlangen immer nur: Gerechtigkeit. Als ob Gerechtigkeit nicht das Höchste und Schwerste auf Erden wäre. Die Judenhasser höhnen: Ueberall findet man Juden. Gibt es aber ein Land, aus dem man sie nie verjagt hat? Die Juden gaben der Welt das Beste und Erhabenste, was sie an Idealen besitzt. Wie hässlich, dass sie auch jetzt, wo man angeblich nichts mehr von ihnen braucht, noch als stumme Zeugen der Undankbarkeit leben. * Den Gott der Rache hat man den Juden erfunden. Aber die Priester der Rache existierten wirklich — allerdings auch nicht bei den Juden. Wenn man wirklich nur im Leiden das Mitleid empfinden lernt, dann begreift man, wieso die Juden das mitleidigste Volk der Welt wurden. * Theorie und Praxis: In der Theorie heisst es anders, aber in der Praxis will man, dass der Jude, dem man einen Schlag auf die rechte Wange versetzte, demüthig auch die linke hinhalte. Seltsame Pädagogen sind es, welche die Juden erziehen wollen. Lügner predigen ihnen Wahrheitsliebe : Diebe empfehlen ihnen Ehrlichkeit; Auswürflinge verkünden ihnen Sittlichkeit. Ein Jude hat etwas Schlechtes gethan, dann heisst es: So sind die Juden. Zehn Juden haben etwas Gutes gethan, dann heisst es: Es gibt auch Ausnahmsjuden. Der Segen der Juden : Sie sind zahlreich wie die Sterne am Himmel. Ihr Fluch: Auch ihre Feinde sind zahlreich wie der Sand am Meere. Türkische Marranen. Von Mor. J. Cohen. (Schluss.) Für Christen und Mohammedaner ist Jerusalem das Ziel inniger Sehnsucht. Und nur den Juden sollte es ein leerer geographischer Begriff sein? Das Judenthum fordert von seinen Bekennern vom achten Lebenstage an ein blutiges Martyrium. Wenn wegen anderer Religionen Blut floss, so war es das ihrer — Nichtbekenner. Seltsam ist das Schicksal der Jaden! Man dichtet ihnen allen Reichthümer an und will ihnen dafür das wenige nehmen, das sie haben. Die Professoren und Privatsanatorien in Paris und Wien zählen diese Salonicher Marranen ohne Zweifel zu ihren besten Clienten. Anaemie, Serophulose und Schwindsucht grassieren unter ihnen in geradezu erschreckendem Masse und werden von Vater auf Kind übertragen. Ich selbst kenne mehrere junge Leute, welche in hohem Grade schwindsüchtig sind. So erinnere ich mich beispielsweise zweier Brüder im Alter von höchstens 25, respective 23 Jahren, welche, welk, siech und sozusagen vom Tode gezeichnet, stets mein innigstes Mitgefühl erregten. Beide sind verheiratet und haben Kinder. Aber sie haben die schreckliche Gefahr endlich doch erkannt, diese klugen und tüchtigen Neutürken. Sie haben eingesehen, dass der Mangel an frischem Blut ihren Lebensnerv unterbinden wird, dass die Quelle ihrer Säfte endlich ganz versiegen muss. Und sie haben ein unerschöpfliches Reservoir gefunden, einen frischen und kraftvollen Sprudel entdeckt, aus welchem sie nach Herzenslust schöpfen, aus dem sie die fehlenden Lebenskräfte und -säfte immerdar und unbehindert zu ihrer Rettung und Genesung entnehmen können. Dieses Reservoir, aus welchem die Renegatengemeinde der Sabbathianer wieder frisches Blut schöpft, ist das jüdische Volk, ist der alte Stamm, von welchem dieselbe Gemeinde vor dritthalb Jahrhunderten abgefallen ist. Es gibt in Salonichi viele tausende jüdischer Mädchen aus armen Familien, welche auf eigenen Erwerb angewiesen sind. Das Leben gestaltet sich auch im Orient von Tag zu Tag immer schwieriger, und die armen jüdischen Lastträger, Ruderknechte, Handwerker und Arbeiter sind kaum imstande, ihre zahlreichen Kinder mit trockenem Brote zu ernähren, geschweige denn die Aussteuer und beträchtliche Mitgift für ihre heranwachsenden Töchter zusammenzusparen. Und ohne Aussteuer und Mitgift heiratet bekanntlich kein jüdischer Jüngling. Da müssen halt die Mädchen mitarbeiten, sei es als Cigarettendreherinnen in den grossen Ateliers der Monopols-Pachtgesellschaft oder als Arbeiterinnen in den zwei Baumwollspinnereien von Salonichi, oder aber als einfache Dienstboten in besseren jüdischen Häusern. Die Auswahl ist, wie man also sieht, nicht gar gross, der Verdienst ausserordentlich klein. Mit zehn oder elf Jahren muss so ein Mädchen schon aus dem elterlichen Hause, und erst nach fünf Jahren harter Sclavendienste verdient es sich 70 bis 100 Francs

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