Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 13 (30.3.1900)
- Article
- Die Schmach des Jahrhunderts [Rezension]
- Date
- 1900-03-30
- Page
- 12 (sequence 1)
- Language
- German
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Seite 12 „Die & Welt44 Nr. 13 Bücherwelt. Von J. Willheimer erschien im Selbstverlage unter dem Titel „Die Schmach des Jahrhunderts" eine 3*/a Bogen starke, sehr hübsch ausgestattete Broschüre über die Geschichte der antisemitischen Bewegung in Oesterreich. Angefügt ist die Denkschrift welche der Vorstand der Wiener Cultus gemeinde im Frühjahre 1889 dem Ministerpräsidenten Taaffe üben eichte. Der Verfasser bespricht in einfacher, schmuckloser Weise die Geschichte des Antisemitismus, vor allem die Zustände in Oesterreich. Neues darüber zu sagen, ist ja kaum möglich. Immerhin ist die Broschüre recht lesenswert. B—r. Vereinsnachrichte n. Wien. Die Purim-Feier der Ortsgruppen VI, VII und XIII, um deren Veranstaltung sich die Herren Hugo Rechnitzer und Bernhardt besondere Verdienste erworben haben, hat den erwähnten Ortsgruppen einen nennenswerten Zuwachs an Mitgliedern gebracht. In den letzten Tagen sind eine ganze Reihe von Neuanmeldungen eingelaufen. Wien. (Theologischer Verein der Hörer an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien.) Die in der General-Versammlung vom 22. d. M. vorgenommenen Wahlen für das Sommer-Semester ergaben folgendes Resultat: B. M a r g u U e s, Präses; Dr. M. H u s s. Vice-Präses; R. F e d e r, Cassier : A. Schwarz, I. Schriftführer: S. Arje, IL Schriftführer: S. Zwick, Dr. L. Hirsch, G. Sicher, Ausschussmitglieder. Wien. Am üi. d. M. fand in Khuners Restaurant unter dem Vorsitze des Herrn Primarius Dr. Kornfeld die Constituierung eines Einzelvereines „Innere Stadt" des Verbandes „Zion" statt. Die auf Veranlassung des Districtsvorstandes für Niederösterreich einberufene Versammlung war recht gut besucht, und die der Gründung des neuen Vereines vorangegangene, von Herrn Dr. Sofer eingeleitete Discussion äusserst lebhaft. An der Discussion betheiligten sich die Herren Hofbauer, Bernhardt, Bülitz, Deiches, Kolischer, Dr. Kahn u. a. Der Ausschuss besteht aus den Herren : Dr. S t ö s s 1 e r, Präses : Em. Beer, I. Vicepräses: Dr. H. E n g 1 ä n d e r, II. Vicepräses: Ingenieur Deutsch, I. Schriftführer: Hugo Benedict, II. Schriftführer : Friedman n, Cassier: Dr. Abr. Eitelberg, Leopold L ö w e n b e i n, L. Drublowicz, H. Billitzer und Banquier K a u d e r s, Ausschussmitglieder. Wien. Im Vereinejüdischer Mädchen „Hadassa", II. Bez., Gredlergasse!>, wird Sonntag den 1. April um 1 Uhr nachmittags Herr Alfred Weissberger über „Die Jüdin von Toledo" einen Vortrag halten. Gäste herzlichst willkommen. Linz. Samstag den 17. d. M. fand hier eine Purim- Unterhaltung der Linzer Zionisten statt, an der auch viele Nichtzionisten theilnahmen. Die Unterhaltung verlief sehr animiert. Prag. Vom „Jüdischen Volksverein" erhalten wir die Mittheilung: Ueber den glänzenden Verlauf der Purim-Feier wurde bereits an dieser Stelle berichtet. Um das Gelingen des Festes haben sich Frau Sophie Koubitsch ek und Herr Carl Rezek besondere Verdienste ei-woiben. In dem vorwöchentlichen Berichte wird eine Theilung der Prager Zionisten in zwei Vereine, je nach der Umgangssprache, angeregt. Eine solche Theilung scheint uns nicht thunlich. Die Idee der Vereinigung der Juden auf ausschliesslich „jüdischer Basis" ist die Grundlage, auf welcher der Volksverein aufgebaut wurde, und die Vereinsleitung hat bisher mit strengster Objectivität beiden Sprachen die Gleichberechtigung gewahrt. Sämmtliche im Vereine als auch in Prag befindlichen Juden verstehen das Deutsche, und nur ein verschwindend kleiner Bruchtheil (höchstens 5%) verstehen nicht böhmisch. Wenn nun für diese ganz unbedeutende Minderheit ein eigener deutscher Verein gebildet werden sollte, so wäre dies kein zionistischer, sondern viel eher ein „deutschnationaler" Verein. Bis jetzt haben sich unsere Mitglieder deutscher und böhmischer Zunge bei allen Veranstaltungen des Vereines gerade darüber lobend ausgesprochen, dass keine Sprache ein besonderes Vorrecht geniesst. Krakau. Samstag den 17. d. M. abends hielt Herr M. Berkowicz im Saale der Gemeinde-Bibliothek „Esra" einen Vortrag über das Thema „Purim in der jüdischen Geschichte". Der Vortragende zählte viele locale Purim-Feste auf, gab eine Carakteristik ihrer M e g i 1 o t h und beleuchtete das persische Purim als Nationalfest, welches von ganz Israel gefeiert wird. An der sich anschliessenden Discussion betheiligten sich die Herren Dr. Klein, Dr. Kirschner und Dr. Goldwasser. Krakau. Bei der am 13. März 1. J. stattgefundenen General-Versammlung des akademischenVereines „Przedswit- Haschachar" in Krakau wurden für das Sommer-Semester 1900 in den Ausschuss folgende Collegen gewählt: Dr. S. Wahrhaftig, Präses; Dr. L. Goldwasser, Vice- Präses; jur. J. Zimmermann, Secretär; jur. H. Fruchthan d 1 e r, Cassier; jur. M. Haubenstock, jur. J. Lamensdorf. jur. L. Landau, jur. M. Lehrfreund (sen.), jur. S. Lehrtreund (jun.), jur. J. M a r g u 1 i e s, jur. A. N e h m e r und jur. S. Vogler als Ausschussmitglieder. — Seinen zionistischen Principien getreu, hat der Verein im abgelaufenen Semester sich eifrig darum bemüht, in akademischen und speciell in jüngeren Kreisen das Gefühl der nationalen Solidarität wachzurufen. Wir hatten uns in diesem Winter-Semester eines befriedigenden Zuwachses an jungen Commilitonen zu erfreuen und dürfte in baldiger Zukunft auch die Jugend dieser conservativ-polnischen Assimilantenburg für unsere Idee gewonnen werden. Nebst zwei äusserst gelungenen Commersen mit Tanzkränzchen, deren Reinertrag in überwiegendem Theile den hungernden jüdischen Arbeitern in Drohobycz zugeführt wurde, fanden im Vereine folgende Vorträge statt: Rabbiner Doctor O. Thon ..Einleitung zur jüdischen Geschichte", Redacteur Berkowicz „Antisemitismus im Alterthum*, Michael Lehr freund „Aus Galizien", Josef Margulies „ Frank und seine Lehre", Sigismund Lehrfreund „Emaneipation der Juden in der Epoche der grossen Revolution". — Ausserdem fanden mehrere Discussionsabende und ein geselliger Vereinsabend statt. Um die Erweckung des jüdischen Bewusstseins hat sich auch College Doctor Gold w asser durch den von ihm geführten hebräischen Lehrcurs mit Erfolg beflissen. Stanislau. Samstag, den 17. d. M. fand im Vereine „Erez Israel* die vom Club der Handelsangestellten veranstaltete Purim-Feier statt, welche zahlreich besucht war. Die Feier nahm folgenden Verlauf: 1. Chor Obercantor Löwensohn (Ma towu). ± Begrüssungsrede vom Vereins-Präsidenten Herrn Dr. S. Schur. 3. Violin-Solo von Herrn M. Gro ch. 4. Declamation (deutsch) von Herrn Is. Weissbach. •"). Festrede von Herrn L. K off ler aus Lemberg. <i. Declamation (hebräisch) von Herrn Is. Bio c h. 7. Chor Schoschanath Jacob. 8. Declamation (polnisch) von Herrn Max K 1 i n g e r. '.). Schlussrede von Herrn J. B. G o 1 dschlag. 10. Chor „Dort, wo die Ceder". — Sämmtliche Mitwirkende ernteten grossen Beifall. Nach dem officiellen Theile der Feier fand ein Commers statt. Nadwörna. Mittwoch den Ii. d. M. wurde im Vereinslocale des hiesigen Zionvereines eine Purim-Feier abgehalten. Der Vorsitzende Hr. F. Dunajer eröffnete die Feier mit einer kurzen Begrüssung der Versammlung, deutete den Zweck derselben an und ertheilte Herrn S. Gartenberg das Wort zur Festrede. Es folgten dann humoristische Vorträge, sowie Absingung von Zionsliedern. Die Anwesenden waren voll Lobes über die gelungene Veranstaltung. _ Feuilleton. Jüdische Gedanken. Von Max Rotter. Bildung macht frei. Das heisst wohl in Bezug aut die Juden: Die — anderen müssen in der Bildung fortschreiten, damit die Juden frei werden. Es gibt auch solche Juden, die stolz auf die eigenen Fehler sind und dafür sich der Tugenden ihrer Väter schämen. Den Judenfeinden sind die Juden sicherlich ein auserwähltes Volk: Auserwählt zum Gegenstande des Hasses und der Verfolgung. Die Juden sind ein trauriges, melancholisches Volk geworden. Freilich, man hatte immer eine so curiose Art, sie zu — zerstreuen.