Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 4 (1900)
- Issue
- 12 (23.3.1900)
- Article
- Bochnia [Nachricht]
- Date
- 1900-03-23
- Page
- 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3315850-3315864--18672-3367887- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 12 ,Die 2$ Welt*' Nr. 12 Präses : Samuel Klausner, Vice-Präses : . M. V o rschirm und Sigmund Blaustein, Schriftführer: E.S c h ä f 11 e r.Isidor Horowitz und IsidorN ebenzahl. Cassier: Abr. Gerstenfeld und Josef Klausner. Brody. Am 1. v. M. veranstaltete der Verein „Zion" im Musikvereinssaale eine Gedenkfeier zu Ehren des vor 15 Jahren dahingegangenen hebräischen Schriftstellers Perez Smolensky. Die Feier, die zahlreich besucht war, nahm, dank der Mitwirkung des Musikverein-Orchesters unter der Leitung des Herrn Prof. M. Drucker einen glänzenden Verlauf. Herr A. Robinsohn beleuchtete in einem geistvollen, formvollendeten Vortrage die Bedeutung Smolenskys als Propagator der national-zionistischen Ideen. Lebhaften Beifall riefen auch die Declamationen des Fräulein Regina Wischnitzer und des Fräulein Rosa M i z e s, ebenso der Vortrag des Herrn stud. jur. Gabriel Teich hervor. Die Musikleistung des Herrn Prof. Drucker, die darauf folgte, war von überwältigendem Eindrucke. Ihren Abschluss fand die Feier in einer Rede des Herrn S a 1 z m a n n aus S o k a 1. Die logische Schärfe seiner Ausführungen übte einen mächtigen Eindruck auf das Publicum, das seinen Beifall durch stürmischen Applaus kundgab. Hazij oni. Petrikau. Unsere Ortsgruppe verzeichnet von Tag zu Tag neue Erfolge. Am SO. und 31. v. M. veranstaltete sie in den hiesigen Synagogen grosse Volksversammlungen, in denen der Volksredner Herr L. B. Goldfarb mit grossem Erfolge sprach. Bis zur Stunde wurden hier :>">() Shares der jüdischen Colonialbank gezeichnet und die hierfür entfallenden Beträge voll eingezahlt. Weitere Zeichnungen erfolgen tagtäglich. Breslau, Sonntag den IN. d. M. veranstalte die „Breslauer Zionistische Vereinigung" zur Feier des Purimfestes in Böttchers Festsälen einen Commers der zu allgemeiner Befriedigung verlief. Der Vorsitzende der Vereinigung, cand. phil Hugo Schachtel, präsidierte dem Commers. Die Tendenzrede hielt Herr Leo (irünthal. Neben den vielen Gesängen in cumulo erfreuten sehr durch Solovorträge die Damen Frl. Schönfeld und Frl. Block, sowie Herr Obercantor Cerini und Herr cand. jur. Alexander E n g e I. Um 11 Uhr trat der Tanz in seine Rechte und hielt bis 4 Uhr die zahlreichen Gäste und Mitglieder der Vereinigung beisammen. Constar.tinopel. (Jüdische Dilettanten - Vorstellung.) Am Samstag, 10. März wurde in Constantinopel im „Theatre Municipal" (Stadt-Theater) von Dilettanten eine Vorstellung im Jargon zugunsten des Vereines „Talmud- Thora" gegeben. Es gelangte „Dora oder der Bettler von Paris* zur Aufführung. Der Saal war bis auf den letzten Platz ausverkauft; es waren auch mehrere nichtjüdische Persönlichkeiten anwesend. Die Vorstellung gefiel im allgemeinen sehr gut und trugen Herr und Frau Leon Kornfeld das meiste zum Erfolge des Ganzen bei, Frau Kornfeld als Dora und ihr Gemahl als der Bettler : er gab die Rolle meisterhaft und erregte wahre Beifallsstürme." Auch Herr und Frau Landau als Herr und Frau Rosendorf gaben ihre Rollen zur Zufriedenheit, ebenso die anderen Theilnehnier. Frl. Schorstein als Lisa, Herr David Ziffer als Rudolf und Herr Klein als Dornbaum. Der Vorstellung folgte ein Tanzkränzchen, welches ebenfalls glänzend verlief und bei welchem sich die Anwesenden bis zum Morgen unterhielten. Der Abend war im ganzen grossen sehr angenehm, und was die Hauptsache ist, es fiel ein hübsches Sümmchen für den Verein ab, dessen segensreiches Wirken für die arme jüdische Jugend allgemein anerkannt wird. Hoffen wir, dass es im nächsten Jahre noch besser wird. Z—r. Zeitschriftenrundschau. In einein sehr sachlich gehaltenen Leitartikel erörtert die „A. Z. d. J." die Frage eines in Paris während der Ausstellung abzuhaltenden jüdischen Congresses, etwa nach dem Muster des Synhedrion vor. 1807. Indem das Blatt auf die geringen praktischen Resultate früherer religiöser Versammlungen in Braunschweig, Frankfurt und Breslau verweist, räth es entschieden von der Berathung religiöser Fragen ab und würde nur der Erörterung der socialen Lage der Juden zustimmen können. Man kann dem Artikelschreiber im grossen und ganzen zustimmen. Vielleicht vereinfacht er aber die Sache und räth zu einer Betheiligung am vierten Zionisten-Congresse in Basel. Die „Freie Post", eine wöchentlich in Wien erscheinende Zeitung, bringt in ihrer Nummer vom (>. d. M. einen grösseren Aufsatz über den Zionismus. Das Blatt stellt unsere Bewegung streng sachlich dar und bespricht deren Erfolge in wohlwollendem Einen vortrefflichen Artikel über die Broschüre „Jüdische Realpolitik" von Rabbiner Dr. Rosen mann bringt die letzte Nummer der „Jüdischen Volksstimme1. Das Blatt bemerkt u. a., „dass der Hauptgedanke der Notwendigkeit einer Organisation auf rein jüdischer Basis vortrefflich und mit sicheren Argumenten begründet ist. Diese Parole der jüdischen Organisation aus dem Munde eines Rabbiners macht den besonderen Wert des Buches aus. . . Die Juden, auch die Zionisten, brauchen ein Gegenwartsprogramm. Aber kann und soll nur jene jüdischpolitische Partei, wie sie Dr. Rosen mann begründen will, ein solches Gegenwartsprogramm realisieren? Das ist der Punkt, wo unsere Anschauungen vollständig von denen des Verfassers abweichen.. Wir halten von vornherein die vom Verfasser so genannte „reinliche Scheidung" von Zionisten und Nicht-Zionisten für falsch. Erstens ist es nicht richtig, dass der Zionismus nur ein rein palästinensisches Programm hat, das an die Aufgaben des Tages und an die inländische Noth vergessen lässt. Selbst der Wirkungskreis des vom Verfasser als officiell bezeichneten Zionismus ist nicht so eng umschrieben. Ist nicht von Dr. Herzl selbst der Ruf zur Eroberung der Cultusgemeinden ausgegangen '? Freilich, der Zionismus wird sich nach dieser Richtung noch weiter auszubilden haben . . . Wenn man die unbedingte Noth wendigkeit des Zionismus anerkennt, so muss in Consequenz dieser Anschauung und zum Zwecke möglichst baldiger Realisierung des Zionismus jede jüdische Gegenwartsaction im Hinblicke auf den zionistischen Endzweck vollzogen werden, mag es sich nun um politische, culturelle oder wirtschaftliche Actionen handeln. Sonst stört jene Action entweder den Zynismus, oder sie wird, falls sie die feststehenden Erfahrungssätze des Zionismus nicht berücksichtigt, zweifellos fehlschlagen. Endlich ist der Zionismus in Wahrheit der einzige Gedanke, der alle Juden vereinigen kann, während beispielsweise die jüdisch-politische Partei Dr. Rosenmanns schon die Zionisten ausschliesst..." In seiner Nummer vom VI. d. M. bringt der Mainzer „Israelit-' einen von E. Samuel gezeichneten Leitartikel über „Haman im V.K Jahrhundert"'. Nach einer Betrachtung über das Anwachsen des Antisemitismus und die damit im Zusammenhange stehende Besserung der Verhältnisse innerhalb des Judenthums fährt der Artikel fort: „Sehen wir, wie selbst im Lager der Reform so vieles besser geworden ist... und sehen wir dann noch die gewaltige, neuentstandene Bewegung der Zionisten, deren Gründer und erster Förderer seltsamerweise in Wien, der Metropole des Antisemitismus, der Hochburg der judenfeindlichen Sturmflut, seinen Wohnsitz hat ... so fragen wir uns unwillkürlich : „Ist es nicht die Hand Gottes, die hier sichtbar gewaltet? Hat nicht der Antisemitismus eine gewaltige Aufgabe im Judenthum zu erfüllen, und hat er nicht thatsächlich schon einen Theil derselben gelöst?" Im „Jewish Criterion" schreibt Professor Gottheil über die zionistische Bewegung unter anderem: „Kann man Rückschritt nennen die innigere Liebe für einen angestammten Glauben, eine grössere Wertschätzung der historischen Vergangenheit eines Volkes und ein besseres Verständnis für die Ideale, die unsere Vorväter aufrecht erhalten haben? . . . Die blosse Thatsache, dass jene, welche in der ersten Reihe unserer Bewegung stehen, Männer sind, die an der Quelle