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Die Welt · 1900-03-23 · 12 (23.3.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
12 (23.3.1900)
Article
[Ohne Titel]
Date
1900-03-23
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 12 ,Die s£ Welt" Seite 11 diesen Beschluss des „Institut Pasteur" als einen grossen Erfolg jüdischer Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit bezeichnen. Vereinsnachrichten, Wien. (Jüdisch-nationalerStudentenchor.) Am T.März brachte bei der Smolensky-Feier der akademischen Verbindung „Kadimah" der Studentenchor Leo Rafaels Psalm, componiert von Ignaz Brüll, zur ersten Aufführung. Allgemein war man entzückt und begeistert von diesem Chorliede, dessen Bestimmung es sein soll, die Nationalhymne der Zionisten zu werden. Nächst dem Autor und dem Componisten dankt man nicht zum mindesten den Erfolg Herrn Josef Königsberger, der durch seinen Eifer und seine Energie den Herren Studenten, die sich am Chore betheiligten, eine Schulung beibrachte, die allgemein auffiel und angenehm berührte. Es wäre zu wünschen, dass uns in Herrn Königsberger eine Kraft erhalten bliebe, die geeignet wäre, mit Hilfe dieses Studentenchores die längst ersehnte Gründung eines zionistischen Gesangsvereines zu verwirklichen. Wien. Die Ortsgruppen „Mariahilf-Neubau" und „Fünfhaus" des Verbandes „Zion* veranstalteten Mittwoch, den 14. März in beiden grossen Sälen des Hotels „Englischer Hof" eine Purimfeier, welche durch ihren wahrhaft glänzenden Verlauf sich zu einer imposanten Kundgebung der besten jüdischen Kreise der drei Bezirke gestaltete. Eine Akademie leitete das Fest ein. Die rühmlichst Dekannte Concertsängerin Fräulein Liona Herrn a wirkte durch den schönen Vortrag mehrerer Lieder, worauf Herr Fritz Blum, Mitglied des Deutschen Volkstheaters, durch die meisterhafte Wiedergabe des Monologes aus „Üriel Acosta" wahre Beifallsstürme des Publicums hervorrief. Fräulein Mila T h e r e n vom Raimund-Theater entzückte durch einige mit gewohnter Verve vorgetragene heitere Stücke, während zum Schlüsse der beliebte Komiker Herr Eduard Kornau durch seine unwiderstehliche Komik die Anwesenden aus dem Lachen nicht herauskommen Hess. Der Akademie folgte ein Tanzkränzchen. Gegen 1 Uhr hielt das Comiie. das aus 40 Damen und 60 Herren bestand, seinen Eirzug. Als erstes Paar eröffnete der Obmann des Executivcomites. Herr Dr. Leo S o f e r mit Frau Primarius Dr. Kornfeld, dann folgten die übrigen Mitglieder des Executivcomites mit den Damen Bondy, Frankl, Hirsch, Goldstein, Grünwald, Mayer. Westreich, Low, Patek, Mahler und Spitzer. Die beiden grossen Säle erwiesen sich für die grosse Anzahl der tanzenden Paare als viel zu klein, und Professor Singer, der mit gewohnter Schneidigkeit den Tanz leitete, konnte beim Cotillon 250 tanzende Paare zählen. Den zahlreichen Besuch, den das Fest aufzuweisen hatte, danken die beiden Vereine nicht zum geringsten Theile dem rührigen Executivcomite, unter dessen Mitgliedern die Herren Bernhardt, Mohr und Pick schon seit Wochen eine ungemein rührige Thätigkeit für das Fest entfaltet hatten. Den beiden Vereinen wird jedenfalls eine erhebliche Summe als Reinerträgnis zugewendet werden können. Wien. (Lese- und RedehalleJüdischerHochschüler in Wien.) In derPlenarversammlung vom 10.März für das Sommersemester 1900 wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: jur. Siegfried Dankowitz als Obmann, med. Max H o e n i g e r als I. Obmannstellvertreter, jur. Heinrich Stowasser als II. Obmannstellvertreter, med. Fritz Wittels als I. Schriftführer, jur. Hans Mittler als II. Schriftführer, jur. Ernst Low als I. Cassier, techn. Max Rosen zweig als II. Cassier, med. Wilhelm Land au als Hausverweser, med. Carl. Gross als Zeitungsverweser, jur. Josef Reis s als Bibliothekar. Wien. Im literarischen Verein jüdischer Mädchen „Moria" hielt am 11. d. M. Herr Redacteur Hermann Berliner einen Vortrag über „Die moderneFrauenbewegung im Lichte der biblischen Uebe rlieferung". Der Vortragende wies an der Hand zahlreicher Beispiele aus der jüdischen Geschichte nach, dass das Judenthum eine Unterordnung des weiblichen Geschlechtes nicht kennt und nie gekannt hat. Stets war es die Frau, die für die Kindererziehung, die religiöse und sittliche Reinheit des jüdischen Hauses gesorgt, und wenn der Zionismus den Frauen die Gleichberechtigung innerhalb der Bewegung gegeben, oder richtiger wiedergegeben, so habe er damit nur traditionsgemäss gehandelt. Daraus aber müssten die zionistischen Frauen- und Mädchen vereine die Consequenz ziehen, indem sie an der Wiederaufrichtung des jüdischen Hauses als unerlässliche Bedingung zur Regenerierung der jüdischen Nation arbeiten. Nächsten Sonntag wird Herr Dr. H. L ö b 1 über „Die Juden in Ro m" sprechen. Beginn 31/, Uhr. Gäste (Damen) herzlichst willkommen. R. K. Wien, 16. März. Die gestrige Purimfeier des Einzelvereines „Wien" des „Zion" verlief äusserst animiert. Man hatte sich zu einem Costümball entschlossen, der althergebrachten Sitte entsprechend. Der 1. Schriftführer des Vereines, Herr Hermann Berliner, hielt uie gelungene Festrede. Originell war die Oamenspende: ein „Magen David" in der Form eines Schlüsselringhalters, woran die Tanzkarte herabhieng. Wien. (Jüdische Vereinigung „Jordani a". Verein von Handelsangestellten und Beamten.) An dem Samstag, 24. d.M. im Vereinsiocale, IL, Gredlerg a ss e 9 (vis-a-vis der Fruchtbörse) stattfindenden V o rtrags- und Discussions -Abend wird College Wilhelm Epstein eine Discussion über Dr. M. Rosenmanns „Jüdische Realpolitik" einleiten. Gäste (auch Damen) herzlichst willkommen. Beginn 8 Uhr abends. Wien. Das Ergebnis der am 12. d. M. erfolgten Chargenwahlen der akad. Verbindung „Libanonia" ist: stud. med. Arthur Kann X> techn. Wilhelm Feiertag XX, techn. Alfred Rosenbaum XXX- Wien. Bei der am 25. v. M. vorgenommenen Vorstandswahl des Tempelvereines „Beth Israel" wurden gewählt die Herren Dr. Ludwig B r a m m, A. S. Diamant, J. M. Herbert, S. Landau, Dr. Alex. M i n t z. Ed. Gehlenberg, J. Silbermark und Jacob Weichselbaum; Bethausvorstand : J. A x e 1 r a d und A. K a h a n e; Revisoren : J.Obst, S.Tischler und J. Steigelf est; Schiedsrichter: H. Flieg, Dr. Hermann Engländer und Jonas Reitzes. Sowohl dem Obmanne Herrn Meiseis, wie dem Obmann Stellvertreter und Vertreter des Cultusvorstandes Arthur Edlen von M i s e s wurde der Dank der Versammlung für ihre erfolgreiche Thätigkeit um den Verein ausgesprochen. Prag, IS. März. Heute fanden in „Heines Wintergarten" zwei grosse Purimveranstaltungen des „Jüdischen Volksvereins" statt, welche aufs Neue Zeugnis ablegten von den überraschenden Erfolgen der zionistischen Agitation in Prag. Um 3 Uhr gab es ein grosses Kinderfest und um S Uhr ein Fest für die Grossen. Beide Veranstaltungen litten unter dem zu grossen Andränge. Die Präger Zionisten finden kein Local. das gross genug wäre, Alle aufzunehmen. Es wird früher oder später daran gedacht werden müssen, die Prager Zionisten nach der Umgangssprache in zwei Vereine zu theilen. Dadurch würde auch vermieden werden, dass die nicht deutsch verstehenden Gesinnungsgenossen stundenlang deutschen Reden und Darbietungen und die deutschen Zionisten ebenso den czechischen zuhören müssen. Es ist unter den gegenwärtigen Verhältnissen sehr schwer, für die Vorträge die Aufmerksamkeit der ganzen Versammlung zu erlangen. — Um das Gelingen der beiden Purimfeste haben sich besonders verdient gemacht der Regisseur der Kinderaufführungen. Herr ing. cand. Arthur Klein, der Leiter der abendlichen Veranstaltungen, Herr Richard Taussig, die Buffetdamen Frau Regina Miersky- Tauber und Hedwig Robitschek und der Vergnügungsausschuss des Zionsvereins unter Leitung des Herrn Theodor Brauner. Unter den zahlreichen Darstellern und Darstellerinnen, die sämmtlich Ausgezeichnetes leisteten, hatten die Geschwister Hilda und Irene Robitschek im Kindertheater den grössten Erfolg. Prag. Am 21. Februar veranstaltete der „Verein der jüdischen Hochschüler in Prag" einen Vortragsabend, den Herr JUDr. A. Bergmann aus Pardubitz mit einem äusserst beifällig aufgenommenen Vortrage über „Die Frau in der jüdischen Geschichte" einleitete. Dr. Bergmann gedachte der Verdienste der jüdischen Frau um die Entwicklung und Stärkung des Nationalgefühles der Juden. Als Beispiele führte der Redner Mirjam, Deborah und andere an. In der Diaspora waren es wiederum einige Frauen, die den Juden oft in der höchsten Noth Linderung ihrer Leiden brachten. So E s t e r k a, die Gemahlin Kasimirs des Grossen, die für die Juden besondere Privilegien bei ihrem Gemahl erwirkte. Der Vortragende schloss mit einem Appell an die anwesenden Damen, stets für das Judenthum zu wirken. Hierauf hielt Herr stud. ing. A. Klein einen Vortrag: „Warum sind wir Akademiker Zionisten?" der mit reichem Beifalle aufgenommen wurde. Bochnia. Am 25. Februar 1. J. fand hier die gründende Versammlung des Vereines „Zion" statt. Die mit absoluter Majorität vorgenommene Wahl hatt« folgendes Ergebnis:

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