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Die Welt · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · p. 12

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Article
Wien [Nachricht] / R. Sch.
Date
1900-03-16
Page
12 (sequence 2)
Language
German
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Seite 12 „Die & Welt" Nr. 11 sympathisch, weil Zionismus Selbsthilfe bedeute, doch hält er die Ziele des Zionismus für zu entlegen. Herr Gemeinderath Brunn er meint, dass dem Antisemitismus durch Bildung von Productiv- und Consumgenossenschaften, durch Gründung von Hausindustrien in Galizien entgegenzutreten sei. Redner hält es für nothwendig, dass sich sämmtliche Juden der demokratischen Partei anschliessen. An der sich hieran anschliessenden Debatte betheiligten sich die Herren Egon Lederer, Sussmann und Weissberger. Herr Lederer hob hervor, dass eine freie politische Bethätigung des Judenthums nicht zu denken sei, da die meisten Juden wirtschaltlich so abhängig wären, dass es unmöglich sei, von ihnen den Anschluss an eine Partei zu verlangen, welche den specifisch jüdischen Interessen nicht dienen könne. Die Masse der Juden bedürfe einer Partei, welche praktisch die Judenfrage zu einer Lösung bringt. Dies ist die zionistische Partei. — Das Genossenschaftswesen, wie es Herr B r u n n e r entwickelte, hält der Redner für unmöglich, da der Mangel einer territorialen Grenze das auf diesem Wege zu gründende eigene jüdische Wirtschaftsgebiet unmöglich macht. — Herr Weis sb e r g e r hob die stete Abneigung der Arier gegen Juden hervor, welche eine Verbrüderung zwischen Juden und Christen unmöglich macht. Die demokratische Partei entspreche zwar dem Wesen des Judenthums, doch müssen die Juden das Erreichbare dem Ideale vorziehen und das einzig Erreichbare seien heute die Ziele des Zionismus. In Palästina können dann die Juden, ihrem ethischen Ideale folgend, Demokraten sein. Nach einer kurzen Replik des Referenten schloss der Vorsitzende den äusserst gelungenen Discussionsabend. R. Sch. Stanislau. Der Club der Handelsangestellten im Vereine „Erez Israel" veranstaltet am 17. d. M. (Samstag), um 8 Uhr abends, eine Purim-Feier im Locale des Vereines „Erez Israel" mit folgendem Programme: 1. Chor (Obercantor L ö v e n s o h n), 2. Begrüssungsrede (polnisch), 3. Zither- Spiel, 4. Declamation (deutsch), 5. Chor, 6. Festrede (Herr Leo K offler aus Lemberg, deutsch), 7. Volin-Solo, 8. Declamation (hebräisch), 9. Chor, 10. Declamation (polnisch), 11. Schlussrede (deutsch). Breslau. Die Breslauer „Zionistische Vereinigung" veranstaltet Sonntag den 18. März einen Purim-Commers. Köln. In der „Zionistischen Vereinigung von Köln" hielt Samstag den 10. März Herr Dr. Walter Friedemann aus Münster in Westfalen einen Vortrag über „Hellenismus und Zionismus". Zeitschriftenrundschau. Die „Jüdische Volksstimme" enthält in ihrer Nummer 3 wiederum eine Anzahl sehr interessanter Artikel. In einem Aufsatze über den Strike der Kohlenarbeiter wendet sich das Blatt scharf gegen die opportunistische Taktik der socialdemokratischen Partei. Nach der Analogie der antisemitischen Neubildung „Judenknecht" haben socialdemokratische Wortführer das verschämtere Schlagwort „Rothschild-Knecht" geschaffen. So schmeichelt man heute auf socialdemokratischer Seite den niedrigsten Instincten des Volkes. Eine der letzten Nummern des „L'Univers Israelite" enthält einen „Emancipation und Zionismus" betitelten, höchst interessanten Artikel. „L'Echo Sioniste" beginnt mit seiner soeben eingetroffenen Nummer 13 das IL Semester. Wiederholt hatten wir Gelegenheit, unseres französischen Bruderorganes lobend zu gedenken. Wir hoffen, dass der des Französischen kundige Theil unserer Gesinnungsgenossen ihm seine Unterstützung nicht versagen wird. Die vorliegende Nummer bringt an erster Stelle einen " Artikel unseres Freundes L6on P a p e r i n über die Cypern- Frage. Es spiegelt sich darin die Ansicht unserer russischen Gesinnungsgenossen wieder, die seinerzeit auf dem III. Congresse in so elementarer Weise zum Ausdrucke gelangte. „Jewish Exponent" constatiert in seiner letzten Nummer mit Genugthuung, dass die zionistische Bewegung in Amerika in den letzten Wochen bedeutende Fortschritte zu verzeichnen hat. Professor Gottheil, der in feindliches Territorium eingedrungen sei, habe die Gegner mit seinen Argumenten überrumpelt. Es sei gewiss, so bemerkt der grösste Gegner des Zionismus, der „American Israelite", dass das Interesse für die Bewegung gewaltig gewachsen sei und dass namentlich die Jugend geneigt ist, dem Zionismus thatkräftige Unterstützung zu leihen. Seit längerem schon befassen sieh ausländische jüdische Blätter mit den galizischen Verhältnissen, namentlich unter Hinweis auf die vom B'nei-Berith-Orden geplante Hilfsaction. „Jewish Exponent", der dieser für die österreichischen Juden so hochwichtigen Angelegenheit bereits eine ganze Reihe äusserst instructiver Artikel gewidmet hat, erörtert in seiner Nummer vom 16. Februar die von der österreichischen Grossloge des genannten Ordens ins Auge gefassten Hilfsmittel und bemerkt dazu : „Obgleich wir jedes ernste Streben, das die Leiden unserer Brüder in Galizien zu lindern bezweckt, aufs freudigste begrüssen, müssen wir doch bedauern, dass der B'nei-Berith-Orden sich einer Aufgabe unterzieht, die seine Kräfte bei weitem übersteigt." Das Blatt geht nun Punkt für Punkt des Hilfsprogrammes durch, um den Beweis für seine Behauptung zu erbringen, und bemerkt zum Schlüsse, indem es sich auf den § 4 des Entwurfes zur Hilfsaction bezieht, welcher eine „internationale Union" verlangt: „Weshalb denn eine neue „internationale Union" schaffen, weshalb nicht den vierten Zionisten-Congress mit einer Prüfung dieser so ernsten Angelegenheit betrauen? War es nicht der Baseler Congress, wo zuerst der Donnerruf der „Judennoth" ertönte und überall, wo Juden wohnen. Wiederhall weckte? Warum nun sollte nicht dieser selbe Congress die Heilmittel gegen das Uebel prüfen können, selbst wenn es sich um eine mehr locale Angelegenheit handelt? Kann denn das jüdische Volk es vertragen, seine Energie zu zersplittern, indem es neue „internationale" Vereinigungen schafft, wenn doch schon ein jüdischer Congress, eine Vertretung von ganz Israel existiert? Dort sind alle Meinungen vertreten, unter den Vertretern sind nicht nur Aerzte, sondern auch Kranke, nicht nur Berather, sondern auch Rathsuchende, Leidende! Und ohne die Zustimmung dieser letzten sind ja alle Heilmittel umsonst." Unter der Redaction des algerischen Oberrabbiners Moses Natter erscheint seit Mitte Jänner in Oran in Algier eine neue jüdische Zeitschrift „L'Israelite algerien". In seinem Programmartikel bemerkt das Blatt unter anderem, es wolle vor allem dem Judenthum in Algier wieder jene Lebensthätigkeit zuführen, die seiner grossen Vergangenheit würdig sei. Bücherwelt. Ein Judendrama. Von David Schreiber, Lemberg. „Genrebilder aus dem jüdischen Leben", sagen die einen mit mehr oder minder verächtlichem Achselzucken. Von einem Echo der alten, längst verschollenen Schicksalsdramen sprechen die anderen. Eine Tragödie der Assimilationsjuden möchte ich es nennen, das neue Stück*), das Wilhelm Feldmann der polnisch-jüdischen Literatur geschenkt. Wilhelm Feldmann war durch lange Zeit der eifrigste Verfechter und literarisch die wichtigste Stütze der Assimilation in Galizien. Er hat überdies vor einigen Jahren den Zionismus in einer Broschüre sehr scharf, wenn auch *) „Sady Boze" (Gottesgericht), Drama in vier Aufzügen von Wilhelm Feldmann, Warschau, bei Fischer.

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