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Die Welt · 1900-03-16 · 11 (16.3.1900) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
4 (1900)
Issue
11 (16.3.1900)
Article
[Ohne Titel]
Date
1900-03-16
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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Nr. 11 ,Die s£s Welt" S«te 11 In St. Gallen (Schweiz) starb im 71. Lebensjahre Rabbiner Dr. Engelbert. Er bekleidete sein Amt 34 Jahre und hatte sich auch literarisch bethätigt. * Die juridische Facultät der Universität in Philadelphia ertheilte dem Botschafter an der Hohen Pforte Oscar S. Strauss den Doctorgrad ad honorem. Der Lord-Mayor von Belfast, Otto J a f f e, hat von der Königin von England die Ritterwürde erhalten in Anerkennung der grossen Dienste, welche er und seine Frau bei dem patriotischen Werke der letzten Monate leisteten- Unlängst berichteten wir über die Freisprechnng des antisemitischen Grafen Pü ekler auf Klein-Tschirne. Der Staatsanwalt und das Gericht nahmen an, dass seine gegen die Juden gerichteten aufreizenden Reden nur in bildlichem Sinne gebraucht seien. In der That, der Bilderreichthum des edlen Grafen ist schier unerschöpflich. Letzthin äusserte er unter anderem: „Man muss endlich den Spiess umdrehen und die Juden so belagern, dass ihnen angst und bange werde und sie in hellen Scharen die Grenze verlassen." „Hinaus mit der Judenbande!•' muss die Losung sein. Unser Volk muss hart, rauh und gewaltsam werden, wie ein Löwe muss es mit gewaltiger Pranke alles kurz und klein dreschen, was da wagt, ihm Widerstand zu leisten. Man schlage das ganze Semitenpack zu Boden". Der Graf räth an, dem Beispiele Spaniens zu folgen, damit Deutschland sich — die Weltherrschaft sichere. « Das Provinzial-Schulcollegium in Berlin hat in Berücksichtigung der Beschwerden, die gegen den auf die jüdischen Schülerinnen höherer Privat-Töchterschulen ausgeübten Zwang zur Theilnahme am christlichen Religionsunterrichte eingelaufen sind, die betreffenden Schulvorsteherinnen angewiesen, die jüdischen Schülerinnen nur dann an dem christlichen Religionsunterrichte theilnehmen zu lassen, wenn die Eltern es ausdrücklich verlangen. * Nach dem statistischen Jahrbuche der Stadt Berlin pro 1897 befanden sich in den verschiedenen Irrenanstalten unter 2446 Kranken 77 Juden. Bei der Enthüllung der Statue des Erzbischofs Lavigerie in Algier sagte der Bischof von Constantine: „Keine Trennung, kein Rassenkampf mehr' Lasset uns in Frieden leben, ohne Unterschied der Abstammung und des »Glaubens. Lasset uns zusammen arbeiten, um Frankreich gross, Algier wohlhabend zu machen. Die Civilisation, das Recht und die Freiheit sollen siegen! In Budapest verschied am 4. d. M. der Oberstabsarzt i. R. Dr. Salomon L e d e r e r. Der Verstorbene war Besitzer mehrerer hoher Orden. Sein Leichenbegängnis fand am 6. d. M. mit militärischem Gepränge statt. Vereinsnachrichten. Wien. (Jüdische Vereinigung „Jordani a'\ Wien, Verein von Handelsangestellten und Beamten). An dem Samstag, 17. März 1900 im Vereinslocale, Tl. Bez., Gredlergasse9 (vis-ä-vis der Fruchtbörse), stattfindenden Vortrags- und Discussions -Abend wird Herr Dr. Paul Weisen grün ei n^n Vortrag über „Zionismus und Genossensch afts-Socialismus" halten. Gäste (auch Damen) herzlichst willkommen. Beginn 8 Uhr abends. Wien. Die Neuwahlen des Kranken-Unterstützungsvereines „Liwias Chen" ergaben folgendes Resultat : Obmann Herr Leopold Gold. Obmann-Slellvertreter Herr Leo S c h n ü r e r, Cassier Herr Anton L o e w, Schriftfahrer Herr Isidor Kern er, Schriftführer-Stellvertreter Paul Herches, Ausschussmitglieder die Herren Sal. Triger. Jacob März, Josias Goldschmidt, M. Min gl grün, H. Schiffmann, Adolf Kohn und B. Kohlbauer. Wien. Sehr animiert verlief die am 6. d. M. vom Einzelverein „ Wieden-Margarethen" veranstaltete Akademie mit Tanzkränzchen. Das Fest wurde von Herrn O. Liebling mit einigen Begrüssungsworten eröffnet. Sodann hielt Herr York-Steiner die meisterhafte Festrede, die in einen Glückwunsch an den Verein ausklang, der sein Grün lungsfest heute begehe. Dieses wurde denn auch geziemend gefeiert. Aus dem Programme ist vor allem die Darbietung des kleinen Fräulein Rosee vom k. k. Burgtheater hervorzuheben. Die junge Dame von 10 Jahren zeigte sich als eine echte und rechte Künstlerin. Auch die übrigen Mitwirkenden trugen das ihre zum Gelingen des Abendes bei. Um 12 Uhr begann der Tanz. Das Fest war in jeder Hinsicht gelungen. Wien. Im Vereine jüdischer Mädchen „Hadassa" hielt Sonntag den 4. März Herr Dr. L. So f e r einen ausserordentlich geistreichen Vortrag über „Nietzsche und die Frauen". Die vom Referenten vertretenen Ansichten Nietzsches über die Frauen stiessen jedoch bei den Anwesenden auf lebhaften Widerspruch, und es entwickelte sieh nach dem Vortrage eine recht rege Discussion, in die Herr Bernhard Tag, sowie viele Mitglieder des Vereines eingriffen. — Der nächste Vortrag findet Sonntag den 18. März, um 4 Uhr nachmittags, im Verei.islocnle, IL, Gredlergasse y, statt. Gäste sind herzlich willkommen. Wien. („B a r Kochb a", Vereinigung jüdischer Hochschü'.er aus Galizien.) Bei der am 10. d. M. stattgefundenen Ausschusswahl für das Sommersemester 1899 wurden gewählt: jur. David R o t h b 1 u m zum Präses, phil. Berl Hausner zum Vicepräses. med. Joachim Grübel zum T. Schriftführer, rechn. Heinrich Spingam zum II. Schriftführer, Exp.-Ak. Wilhelm David zum Cassier. Wien. (A 11 g. Üesterr. Frauenverein.) Im Einvernehmen mit der Ethischen Gesellschaft veranstaltet der AUg. Oesterr. Frauenverein Samstag den 17. März 1900 um halb 8 Uhr abends im grossen Sitzungssaale des Gemeindehauses IX.. W ä h r i n g e r s t r a s s e 43, einen Vortragsabend, an welchem Frau Henriette Weiss über „Eine sociale Pflicht" (Gründung von Heilstätten) sprechen wird. In Anbetracht der Bedeutung und Wichtigkeit des Themas ist eine zahlreiche Betheiligungvon Mitgliedern und Gästen erwünscht. Wie". Am 8. d. M. fand, in Herlingers Restauration der dritte diesjährige Vereinsabend des Einzelvereines „Fünfliaus" statt. Vor den sehr zahlreich Versammelten hielt Herr Dr. Leopold Kahn einen äusserst instruetiven Vortrag über das Thema: „Was lehrt uns die jüdische Geschichte?" In scharfsinniger Weise bewies der Vortragende, dass eine logische Folgerung aus unserer Geschichte direct auf eine Regeneration des jüdischen Volkes hinweise, welche der Zionismus bewerkstelligen werde. Die Ausführungen des Redners fanden vielen Beifall. Herr Dr. A w i n o w i t z k y aus Russland berichtete den Anwesenden über die stramme Organisation der wackeren russischen Zionisten. Auch seine Ausführungen wurden mit Beifall aufgenommen. Zum Schlüsse wurde noch der Psalm von Rafaels und Ignaz Brüll durch das Quartett Brandler gesungen. Wien. Montag den 26. Februar hielt Herr Gemeinderath Lucian Brunne r im Locale der jüdischen Vereinigung ...Joniania'" einen Vertrag über „Demokratie und Judentlunn". Herr Lucian Brunn er hob zuerst die glänzende Vergangenheit .les Judenthums hervor, auf welche jeder Jude stolz sei. Namentlich sei diejenige Kraft im Judenthum bewunderungswürdig, welche das jüdische Volk zwei Jahriausende inmitten anderer feindlich gesinnter Völkerschaften zu erhalten vermochte. Diese Kraft sei die Idee der Men-ch.Miliebe, welche die grosse Revolution zu der Idee der Menschenrechte präute. Der Redner kam dann auf die gegenwärtige Lage der Juden zu sprechen und führte ans, dass die Suche des Judenthums nicht verloren zugeben sei. Er erinnerte an die Zeit von 1848, in welcher Arier und Juden gemeinsam gegen die Feinde der Freiheit fochten. Erst in späteren Jahren sei der Antisemitismus wieder erwacht. Der Versuch eint-r jüdisch-nationalen Politik in Oesterreich sei wenig zweckmässig und auch unmöglich. Dagegen sei die Organisation der Juden in wirtschaftlicher Beziehung wünschenswert. Die Idee des Zionismus sei ihm

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